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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2023

Spannung in homöopathischen Dosen

Verschwiegen
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Die Polizistin Elma kehrt nach einigen Jahren in Reykjavik wieder in ihre Geburtsstadt Akranes zurück. Die beschauliche Kleinstadt ist nicht gerade eine Hochburg des Verbrechens und die Polizei hat höchstens ...

Die Polizistin Elma kehrt nach einigen Jahren in Reykjavik wieder in ihre Geburtsstadt Akranes zurück. Die beschauliche Kleinstadt ist nicht gerade eine Hochburg des Verbrechens und die Polizei hat höchstens mit Kleinkriminellen zu tun. Doch dann wird eine Tote am alten Leuchtturm des Orts aufgefunden, die offensichtlich ermordet wurde. Aufgrund einer Vermisstenanzeige kann die Tote identifiziert werden. Auch sie wuchs in Akranes auf, hatte jedoch eine schwierige Kindheit mit einer Alkoholikerin als Mutter. Mittlerweile lebte sie mit Mann und Kindern in Reykjavik. Was hat sie also bewogen, jetzt nach Akranes zurückzukehren und warum tat sie das heimlich, ohne das Wissen ihres Ehemanns?

Stück für Stück finden Elma und ihr Kollege Saelva mehr über die Vergangenheit der toten Beta und ihr damaliges Umfeld heraus, auch wenn es scheint, als ob mancher Bewohner von Akranes mehr weiß, als er sagen will.

Die Geschichte hörte sich spannend an, aber leider sucht man Spannung so gut wie vergebens. Die vielen Nebenschauplätze mit unzähligen Personen, die im Endeffekt nichts zu der Geschichte oder der Aufklärung des Verbrechens beitragen, machten die Lektüre mühselig. Über weite Strecken erfahren wir mehr über die Ermittlerin Elma als über den Fall, wobei vieles angedeutet und dem Leser in Salamitechnik präsentiert wird. Was das Rätsel, warum Elma Reykjavik verlassen hat, anbelangt, muss man sich für eine Antwort bis ganz zum Schluss gedulden.

Ich fand diesen ersten Band einer geplanten Trilogie leider ziemlich enttäuschend, von Islands Nummer 1 Bestseller hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Ich glaube nicht, dass ich die weiteren Bände lesen werde.

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Veröffentlicht am 30.01.2023

Ein unmoralisches Angebot

Die Herzchirurgin
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Als die erfolgreiche Herzchirurgin Anna Jones eines Abends von der Klinik nach Hause kommt, findet sie fremde Männer in ihrem Haus vor. Sie haben die Babysitterin ermordet und ihren Sohn Zack entführt. ...

Als die erfolgreiche Herzchirurgin Anna Jones eines Abends von der Klinik nach Hause kommt, findet sie fremde Männer in ihrem Haus vor. Sie haben die Babysitterin ermordet und ihren Sohn Zack entführt. Anna bekommt ihren Sohn nur dann lebend zurück, wenn sie den prominenten Politiker Ahmed Shabir, der gute Chancen hat, der nächste Premierminister Großbritanniens zu werden, auf dem OP Tisch sterben lässt. Damit Anna nicht auf die Idee kommt, irgendjemandem Bescheid zu sagen, wird ihr gesamtes Haus mit Kameras versehen und ihre Handys abgehört.
Anna ist panisch. Was bleibt ihr anderes übrig, als Shabir zu ermorden? Doch natürlich ist sie im OP unter ständiger Beobachtung und außerdem hat sie den hippokratischen Eid geschworen. Und wer sagt ihr, dass die Entführer Wort halten und Zack unbeschadet an sie zurückgeben?
Mittlerweile wurde die Leiche von Annas Babysitterin und Nachbarin gefunden und die Polizei taucht bei Anna zuhause auf. Der Kommissarin Rachel entgeht nicht, dass Anna äußerst nervös und abweisend ist. Sie hat den Verdacht, dass Anna ihnen etwas verschweigt. Die dritte Person, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist die OP Schwester Margot, die selbst in größten Schwierigkeiten steckt. Ihre finanzielle Lage ist dermaßen prekär, dass sie damit begonnen hat, die Spinde ihrer Kollegen aufzubrechen, um an Geld und Wertsachen zu kommen. Sie hat etwas gegen Dr. Jones in der Hand und kommt auf die Idee, die Schwierigkeiten der wohlhabenden Ärztin für ihre Zwecke zu nutzen.
Die erste Hälfte dieses Thrillers habe ich mit atemloser Spannung gelesen. Der Schreibstil des Autors ist angenehm zu lesen und die kurzen Kapitel fliegen nur so dahin. Endlich mal ein Thriller, der diese Bezeichnung verdient! Auch die zweite Hälfte ist gut, allerdings wird die Spannung nicht durchgehend aufrechterhalten und teilweise fehlt es auch an Logik. Dies ist der Grund, weshalb ich nur vier Sterne vergebe. Trotzdem von mir eine klare Leseempfehlung für dieses beachtliche Debüt.

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Veröffentlicht am 26.01.2023

Zwei Lebensentwürfe

Mehr als ein Leben
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Als die Ehe von Helens Eltern zerbricht, ertränkt die Mutter ihren Kummer in Alkohol. Tagelang liegt sie im Bett und kümmert sich nicht um die kleine Helen. Die Rollen sind vertauscht: Helen vertuscht ...

Als die Ehe von Helens Eltern zerbricht, ertränkt die Mutter ihren Kummer in Alkohol. Tagelang liegt sie im Bett und kümmert sich nicht um die kleine Helen. Die Rollen sind vertauscht: Helen vertuscht Veras Alkoholexzesse und lernt sich allein durchzuschlagen. Zum Glück wohnt im Haus Familie Esposito, deren Sohn Frank Helens bester Freund ist und dessen Mutter Helen wie eine Tochter behandelt.
Helens Vater Luc widmet sich vornehmlich seinem Beruf und seinen wechselnden Freundinnen. Doch nach ein paar Jahren scheint er die Richtige gefunden zu haben und kommt auf die Idee, das Sorgerecht für Helen zu beantragen. Eine befreundete Sozialamtsmitarbeiterin soll die katastrophalen Zustände in Veras Wohnung dokumentieren, danach dürfte es ein Leichtes sein, Helen zu sich zu holen. Helen wird in den Plan eingeweiht und gerät in einen Gewissenskonflikt. So gern sie zu ihrem Vater in das schöne Fachwerkhaus ziehen möchte, sie liebt ihre Mutter trotz allem und möchte sie nicht verraten.
In diesem Roman schildert die Autorin Milena Moser zwei verschiedene Lebensentwürfe. Was wäre gewesen, wenn? Nicht nur die Eltern sind Schlüsselfiguren in Helens Leben, auch ihre Sandkastenliebe Frank spielt eine wichtige Rolle. Soll sie ihr Leben mit ihm verbringen oder lieber doch fliehen, nach San Francisco, endlich jung und unbeschwert sein? Eine der beiden Helens nennt sich später Elaine, die andere Luna. Beide Personen begleiten wir durch ihre sehr unterschiedlichen Leben mit den entsprechenden Höhen und Tiefen. Für mich war dies das erste Buch der Schweizer Autorin und es hat mich wirklich begeistert, nicht zuletzt, weil ich auch eine Zeitlang in Kalifornien gelebt habe und die Lektüre viele Erinnerungen bei mir geweckt hat. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es manchmal extrem verwirrend ist, ständig zwischen Luna und Elaine hin- und herzuwechseln. Ich wusste oft nicht mehr, von wem gerade die Rede ist, vor allem bei den vielen anderen Personen, mit denen Luna und Elaine sich umgeben. Trotzdem kann ich „Mehr als ein Leben“ wärmstens empfehlen. Es wird mit Sicherheit nicht das einzige Buch sein, das ich von der Autorin lese.

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Veröffentlicht am 16.01.2023

Glückauf!

Die Sehnsucht nach Licht
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„Die Sehnsucht nach Licht“ beschäftigt sich mit dem Thema Bergbau im Schlematal im Erzgebirge. Da ich mich noch nie mit diesem Thema beschäftigt hatte, fand ich das Buch hochinteressant. Ich habe selten ...

„Die Sehnsucht nach Licht“ beschäftigt sich mit dem Thema Bergbau im Schlematal im Erzgebirge. Da ich mich noch nie mit diesem Thema beschäftigt hatte, fand ich das Buch hochinteressant. Ich habe selten während der Lektüre eines Buchs so viel nebenher recherchiert, weil mich die Hintergründe interessierten. Leider habe ich erst nach dem Lesen festgestellt, dass am Ende des Buchs als Anhang eine Zeittafel zum Bergbau im Schlematal beigefügt ist.
Anhand der Geschichte der Familie Steiner erfährt man viel über die Entwicklung des Bergbaus im Erzgebirge und deutsche Zeitgeschichte vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Kati Naumanns Erzählstil lässt einen die Enge der Bergwerke, die Gefahren und Unglücke, aber auch die Lebensfreude der Bergleute und ihrer Familien bei Volksfesten etc. hautnah miterleben. Die Bergleute waren stolz auf ihren Beruf, den trotz der damit verbundenen Gefahren eine Generation nach der nächsten ausübte. Es ist kaum zu glauben, wie die Menschen in der Anfangszeit des Uranabbaus der Radioaktivität ungeschützt ausgesetzt waren, nicht nur durch die Arbeit in den Stollen, sondern auch durch Haldenaufschüttungen mit radioaktivem Material mitten in Wohngebieten.
Einige der geschilderten Ereignisse beruhen auf wahren Begebenheiten, etwa die Geschichte von fünf Bergleuten, die durch einen Brand nicht mehr ins Freie gelangen konnten und dem sicheren Tod entkamen, indem sie sich einmauerten. Ein wirklich spannendes und interessantes Buch, aus dem ich viel gelernt habe.

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Veröffentlicht am 16.01.2023

Auber macht sauber

Saubere Zeiten
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Der Mittvierziger Jakob Auber lebt als Journalist in Berlin. Eines Tages erreicht ihn die Nachricht, dass sein Vater Hans, zu dem er seit Jahren kaum Kontakt hat, mit Schlaganfall in der Klinik liegt. ...

Der Mittvierziger Jakob Auber lebt als Journalist in Berlin. Eines Tages erreicht ihn die Nachricht, dass sein Vater Hans, zu dem er seit Jahren kaum Kontakt hat, mit Schlaganfall in der Klinik liegt. Jakob fährt in seine Heimatstadt Trier ans Krankenbett des Vaters, der jedoch nicht ansprechbar ist und wenig später verstirbt.
Im Haus seiner Kindheit findet Jakob sein früheres Kinderzimmer voller Tonbandaufnahmen seines Vaters und Tagebücher seines Großvaters Theodor vor. Auf den Tonbändern schildert Jakobs Vater sein Leben, den Aufstieg der Familie zu reichen Waschmittelfabrikanten während des Wirtschaftswunders und die darauffolgende Pleite, bei der sie alles verlor. Zu Lebzeiten hatte der Vater nie darüber gesprochen, wie auch der tragische Tod von Jakobs Mutter, als Jakob acht Jahre alt war, ein Tabuthema war. Aus den Tagebüchern seines Großvaters Theodor erfährt Jakob viel über das Leben seiner Großeltern vor und während des Zweiten Weltkriegs und die erschütternden Kriegserlebnisse des Großvaters.
„Saubere Zeiten“ ist ein ganz und gar faszinierender Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Andreas Wunn nimmt uns mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit der Familie Auber, vom beschaulichen St. Ingbert im Saarland, nach Trier, Berlin und Rio de Janeiro. Das Grundgerüst des Romans, etwa die Erfindung des erfolgreichen Waschmittels, ist autobiografisch, die Geschichten erfunden. Trotz der vielen Schauplätze und den verschiedenen Zeitebenen empfand ich das Buch nie als verwirrend und es hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Für mich ist es das erste Lesehighlight dieses Jahres!

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