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Veröffentlicht am 24.04.2022

Im Visier der Stasi und des BND

Die Diplomatenallee
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Heike Holländer lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern ein beschauliches Leben in Bonn. Früher hat sie Graphologie studiert, doch ihr Studium ohne Abschluss abgebrochen, warum, wird erst nach und ...

Heike Holländer lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern ein beschauliches Leben in Bonn. Früher hat sie Graphologie studiert, doch ihr Studium ohne Abschluss abgebrochen, warum, wird erst nach und nach klar. Jetzt tritt ihr alter Professor wieder an sie heran und will ihre Hilfe bei der Beurteilung von handschriftlichen Dokumenten. Heike will mit ihm eigentlich nichts mehr zu tun haben, trotzdem lässt sie sich darauf ein, denn ihr alter Dozent Buttermann hat angeblich Informationen über Heikes verschwundenen Bruder.

Die Geschichte spielt im Bonn des Jahres 1974. Die Hauptstadt ist ein Dorf, jeder scheint jeden zu kennen und der kleine Schreibwarenladen der Familie Holländer ist ein Umschlagplatz für Informationen. So ist beispielsweise von Annemarie Renger oder von „Günther“ die Rede, Willi Brandts persönlichem Referenten, der sich dann als Stasi-Spitzel herausstellte, was zu Brandts Rücktritt führte.

Das Eintauchen in die Zeitgeschichte war interessant und auch das Thema Graphologie fand ich sehr spannend. Bis etwa zur Mitte des Buchs hat mich „Die Diplomatenallee“ gefesselt. Doch dann ist Heike Holländer plötzlich im Visier sowohl der Stasi als auch des BND. Es geschehen fingierte Unfälle, Menschen werden versehentlich angeschossen, Heike wird erpresst und zusammengeschlagen. Vieles ist kolossal verwirrend und man weiß nie, was ist wahr und was gelogen. Leider werden manche Handlungsstränge bis zuletzt nicht aufgelöst, was ich als äußerst unbefriedigend empfunden habe. Auch die persönlichen Lebensumstände der Familie Holländer und die Beziehungen untereinander sind sehr seltsam. Am Schluss hatte ich das Gefühl, die Autorin wusste nicht so recht, wie sie die Geschichte zu Ende führen soll, so konstruiert wirkt das Ganze. Ein Buch, das stark beginnt und äußert schwach endet. 2,5 Sterne und leider keine Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 21.04.2022

Der Stellenwert des Waldes

Das Lied des Waldes
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Veronika, die in einem Forsthaus im Nürnberger Reichswald groß geworden ist, nach dem Abitur jedoch froh war, dem Wald und ihrer ländlichen Heimat den Rücken zu kehren, will das Elternhaus samt dem dazugehörigen ...

Veronika, die in einem Forsthaus im Nürnberger Reichswald groß geworden ist, nach dem Abitur jedoch froh war, dem Wald und ihrer ländlichen Heimat den Rücken zu kehren, will das Elternhaus samt dem dazugehörigen Wald nach dem Tod der Mutter so schnell wie möglich verkaufen. Ihr Leben steht an einem Wendepunkt. Mit ihrer Ehe steht es nicht zum Besten (ihr Mann nimmt sich gerade eine Auszeit in Südamerika) und die erwachsene Tochter ist ebenfalls für ein Jahr im Ausland. Zu allem Überfluss hat Veronika ihren Job in einer Frankfurter Werbeagentur verloren. Mit dem Geld aus dem Verkauf des Elternhauses will sie sich eine eigene Agentur aufbauen.
In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir Anna Stromer kennen, die im 14. Jahrhundert in Nürnberg lebte. Als 8jähriges Kind ging Ana im Nürnberger Reichswald verloren und lebte monatelang in einer Waldhütte bei einer Zeidlerin. Dort lernte sie den Wald kennen und lieben, was ihr Leben für immer geprägt hat. Trotz ihres jungen Alters war sie überzeugt, dass der Wald nicht nur ausgebeutet, sondern geschützt werden muss, eine zur damaligen Zeit ganz und gar abwegige Idee.
Das Buch behandelt einige interessante Themen rund um das Thema Wald, beispielsweise trifft Veronika in ihrem Waldstück auf Ben, der mithilfe von Mikrofonen die Sprache der Bäume hörbar macht. Auch war mir nicht bewusst, dass der Wald in früheren Jahrhunderten nicht als Erholungsort, sondern vielmehr als „terra inculta“, als wildes, unbebautes Land, vor dem sich die Menschen fürchteten, galt.
Die Geschichte der Anna Stromer, die im übrigen historisch belegt ist, wenngleich sich die Autorin nicht an alle historischen Fakten gehalten hat, fand ich ganz interessant. Trotzdem blieb mir die Person Anna fremd. Veronikas Handlungsstrang hat mich weniger interessiert. Sie wird als Mensch dargestellt, dem vor allem die Wirkung auf andere wichtig ist. So erzählt sie niemandem, dass sie ihren Job verloren hat, denn das würde einen Gesichtsverlust für sie bedeuten. Der Entschluss ihres Mannes, allein nach Südamerika zu reisen, verletzt sie zutiefst, doch tut sie so, als ob alles in Ordnung wäre. Diese Unehrlichkeit Veronikas hat mich sehr gestört.
Über weite Strecken plätschert die Geschichte so vor sich hin, am Schluss überschlagen sich allerdings die Ereignisse auf eine Art, die auch nicht glaubhaft wirkt. Nachdem mir Klara Jahns letztes Buch ganz hervorragend gefallen hatte, war ich sehr auf „Das Lied des Waldes“ gespannt, aber leider konnte es meine Erwartungen nicht erfüllen.

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Veröffentlicht am 16.04.2022

Äußerst unterhaltsam

Der Tod macht Urlaub in Schweden
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Nach einer Reihe von Ohnmachtsanfällen beschließt der Stockholmer Kriminalkommissar Peter Vinston, einen ruhigen und erholsamen Sommer in Österlen, in der Nähe seiner Ex-Frau und Tochter zu verbringen. ...

Nach einer Reihe von Ohnmachtsanfällen beschließt der Stockholmer Kriminalkommissar Peter Vinston, einen ruhigen und erholsamen Sommer in Österlen, in der Nähe seiner Ex-Frau und Tochter zu verbringen. Dumm nur, dass kurz nach seiner Ankunft dort eine Frau ums Leben kommt. Es handelt sich um die von vielen gehasste Immobilienmaklerin Jessie Anderson, die einen ruhigen Strandabschnitt mit Luxusvillen - hässlichen Betonklötzen, die ganz und gar nicht in die ländliche Gegend passen - bebauen wollte. War es wirklich ein Unfall? Oder doch Mord? Die örtliche Polizeidirektion bittet Peter Vinston um Mithilfe, denn mit einer eventuellen Mordermittlung haben die örtlichen Beamten keinerlei Erfahrung. Die leitende Ermittlerin Tove Esping ist allerdings alles andere als begeistert, diesen Stockholmer Schnösel im feinen Zwirn und handgearbeiteten Schuhen an ihrer Seite zu haben. Als ein zweiter Unfall geschieht, der sich schnell als Mord herausstellt, ist klar: das beschauliche Österlen wird von einem Serienmörder heimgesucht. Trotz der anfänglichen Vorbehalte auf beiden Seiten bilden Vinston und Esping mit der Zeit ein gutes Team. Gemeinsam schaffen sie es, diesen verzwickten Fall aufzuklären.
Mir hat die Lektüre von „Der Tod macht Urlaub in Schweden“ sehr viel Spaß gemacht. Die Personen sind gut gezeichnet, die Handlung ist spannend, die Dialoge amüsant. Den Buchtitel finde ich jedoch ziemlich albern und auch die Klassifizierung „cosy crime“ (noch schlimmer: Häkelkrimi!) wird diesem Krimi nicht gerecht. Auf die weiteren Bände der Reihe freue ich mich schon.

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Veröffentlicht am 08.04.2022

Ihrer Zeit weit voraus

Eine Frage der Chemie
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Elizabeth Zott ist Wissenschaftlerin mit Leib und Seele. Sie möchte in Chemie promovieren, doch in den USA der 1950er Jahre haben Frauen gefälligst entweder Hausfrau zu sein oder als Sekretärin oder Verkäuferin ...

Elizabeth Zott ist Wissenschaftlerin mit Leib und Seele. Sie möchte in Chemie promovieren, doch in den USA der 1950er Jahre haben Frauen gefälligst entweder Hausfrau zu sein oder als Sekretärin oder Verkäuferin zu arbeiten, im wissenschaftlichen Betrieb werden sie nicht gern gesehen. Nur ein Mann sieht das ganz anders: Calvin Evan, selbst genialer Wissenschaftler, der schon viele Preise abgeräumt hat. Er erkennt, dass Elizabeth sehr viel intelligenter ist als ihre männlichen Kollegen, die sie zwar gern um Rat fragen, ihre Leistungen jedoch nicht offiziell anerkennen.
Nach einem holprigen Start werden Elizabeth und Calvin ein Paar. Sie ziehen zusammen, ohne Trauschein – unerhört in der damaligen Zeit! - doch leider ist ihnen nicht viel Zeit miteinander vergönnt. Elizabeth verliert ihren Job und kommt durch Zufall in Kontakt mit dem Programmverantwortlichen eines Fernsehsenders, der ihr eine Kochshow anbietet, „Essen um sechs“. Aus finanziellen Gründen nimmt Elizabeth an. Doch die Vorstellungen des Senders und ihre eigenen klaffen weit auseinander. Für Elizabeth ist Kochen Chemie, und genau das will sie den amerikanischen Hausfrauen beibringen. Ihre spröde Art, gepaart mit guten Rezepten und ihrem Glauben, dass in den Frauen, die ihre Sendung verfolgen, mehr steckt als sie sich bisher zutrauen, machen ihre Sendung zu einem unerwarteten Erfolg.
Doch Elizabeth wäre nicht sie selbst, wenn sie sich mit diesem Erfolg zufriedengeben würde.
„Eine Frage der Chemie“ spricht die Missstände in der Gesellschaft und Arbeitswelt der 1950er und 60er-Jahre an: Frauenfeindlichkeit, Ungleichheit in der Gesellschaft und der Bezahlung, das Stigma, das unverheirateten Müttern anhaftete, um nur einige zu nennen. Doch Bonnie Garmus hat es geschafft, trotz dieser ernsten Themen einen sehr amüsanten Roman zu schreiben, der durch seine abstrusen Situationen und besonderen Charaktere lebt. Ich habe jede Seite dieses außergewöhnlichen Romans genossen, der für mich das Lesehighlight des bisherigen Jahres darstellt!

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Veröffentlicht am 02.04.2022

Der Vergleich mit Agatha Christie hinkt

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
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Wenn man zu einem cozy crime Buch greift, erwartet man keine atemberaubende Spannung. Ich jedenfalls habe mir von diesem Buch eine nette Kriminalgeschichte mit einem schönen Setting und etwas skurrilen ...

Wenn man zu einem cozy crime Buch greift, erwartet man keine atemberaubende Spannung. Ich jedenfalls habe mir von diesem Buch eine nette Kriminalgeschichte mit einem schönen Setting und etwas skurrilen Gestalten erhofft. Das ist eigentlich auch alles vorhanden, trotzdem fand ich die Lektüre leider ziemlich langweilig und somit enttäuschend.

Die Leseprobe hatte mir gut gefallen: die 77jährige Judith Potts, die allein in einem Herrenhaus direkt am Ufer der Themse wohnt und jeden Abend nackt im Fluss schwimmt, hört eines Abends einen Schuss vom Grundstück ihres Nachbars. Sie alarmiert die Polizei, die eher halbherzig nachschaut und somit auch keine Leiche findet. Judith macht sich selbst ein Bild der Lage und wird fündig. Ihr Nachbar Stefan wurde erschossen. Trotzdem glaubt die Polizei nicht an ein Verbrechen, sondern an Selbstmord, was nicht sehr plausibel ist. Überhaupt kommt die Polizei in diesem Buch sehr unbedarft daher.

Eine weitere Person wird erschossen und natürlich macht sich Judith auf die Suche nach dem Mörder. Unterstützung bekommt sie von der alleinstehenden Hundesitterin Suzie und der in ihrer Rolle als Pfarrersfrau unterforderten und etwas seltsamen Becks, die sich schon mal im Schrank versteckt, um Gemeindemitgliedern aus dem Weg zu gehen. Ein schräges Trio, das aber mein Herz nicht gewinnen konnte, die Personen sind einfach zu konstruiert. Die Situationskomik beschränkt sich darauf, dass die drei sich „aus medizinischen Gründen“ gerne mal einen oder mehrere Whiskys genehmigen und sich nach einem Bad in der Themse Entengrütze aus den Haaren klauben, der Sprachwitz darauf, dass Fragen wie „Sind Sie sich sicher, dass Sie sicher sind?“ gestellt werden. (Gleich zweimal hintereinander, als ob ein lahmer Witz durch seine Wiederholung jemals besser geworden wäre.)

Als ein dritter Mord geschieht und alle brauchbaren Hinweise bisher von Mrs. Potts kamen, beschließt die Polizistin Tanika, die drei Damen ganz offiziell als Verstärkung ihres Teams einzusetzen. Natürlich gelingt es Judith am Schluss, die Morde unter Einsatz ihres Lebens aufzuklären. Mein Fazit: eine wenig originelle Geschichte mit nicht sonderlich sympathischen Personen und sehr konstruiertem Ende.

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