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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.12.2025

Sehr klischeehaft und voraussehbar

Das Jahr voller Bücher und Wunder
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Vor Jahren habe ich das Buch „Im Freibad“ von Libby Page gelesen und fand es unterhaltsam und herzerwärmend. Deshalb habe ich mich nun über die Neuerscheinung „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ der Autorin ...

Vor Jahren habe ich das Buch „Im Freibad“ von Libby Page gelesen und fand es unterhaltsam und herzerwärmend. Deshalb habe ich mich nun über die Neuerscheinung „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ der Autorin gefreut. Um es kurz zu machen: ich hatte viel mehr erwartet. Die Story hörte sich vielversprechend an. Mathilda Nightingale, deren Mann Joe vor einem halben Jahr gestorben ist, bekommt einen Anruf aus einer Buchhandlung, wonach sie ein Buch abholen soll, das Joe für sie hinterlegt hat. Es stellt sich heraus, dass Joe ihr für ein ganzes Jahr Bücher ausgesucht hat, jeden Monat kann Tilly sich ihr Buch in der Buchhandlung „Book Lane“ abholen. Seit Joes Tod konnte Tilly, die eigentlich eine Leseratte ist, kein Buch mehr lesen. Durch die monatliche Lektüre verliert sich ihre Leseblockade und dank der Bücher schafft sie es, sich wieder auf das Leben und seine Herausforderungen einzulassen. Sie unternimmt Reisen, lernt Kochen und beginnt mit Joggen, um nur ein paar zu nennen. So weit, so gut, die Idee ist ganz schön, doch leider ist die Geschichte von Anfang an auch mit einer Liebesgeschichte verquickt. Ich habe überhaupt nichts gegen Liebesgeschichten, doch die kitschigen Formulierungen und die überdeutlichen Anzeichen, wer am Schluss ein Paar wird, haben mir überhaupt nicht gefallen. Dauernd errötet jemand angesichts von putzigen Sommersprossen oder bekommt weiche Knie, wenn ein bestimmter Name genannt wird oder ein Stückchen nackte Haut aufblitzt. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Gut möglich, dass es mir in Buchform besser gefallen hätte, denn obwohl die Sprecherin eine angenehme Stimme hat, verleiht sie manchen Personen eine dermaßen fürchterliche Stimme, dass mir das Zuhören schwerfiel. Beispielsweise Prudence, die über 70jährige Mitarbeiterin der Buchhandlung Book Lane, die eine dermaßen brüchige und zittrige Stimme hat, wie ich sie noch nie an einer lebenden Person gehört habe. Mir ist klar, dass es nicht einfach ist, so viele verschiedene Stimmen für all die Charaktere eines Buchs so darzustellen, dass man sie unterscheiden kann, aber man kann auch übertreiben. Ähnlich ist es mit Tillys Schwester Harper, die total hysterisch und überdreht klingt.
Die vielen Klischees, deren sich die Autorin bedient, haben mich auch genervt. So riecht Buchhändler Alfie nach Büchern, was ich reichlich seltsam finde, während Tilly, die mit ihrer roten Mähne und ihren Ringelstrümpfen an eine erwachsene Pippi Langstrumpf erinnert, nach Apfel und Vanille duftet.
Es gab Passagen im Buch, die mich gut unterhalten haben, aber alles in allem hat mich „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ enttäuscht.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Genialer Whodunnit

Tod zur Teestunde
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Obwohl ich bisher alle Romane aus Anthony Horowitz‘ Reihe über Susan Ryeland gelesen habe, bin ich immer dankbar, wenn der Autor die komplexen Ereignisse der letzten Bände zusammenfasst und in Erinnerung ...

Obwohl ich bisher alle Romane aus Anthony Horowitz‘ Reihe über Susan Ryeland gelesen habe, bin ich immer dankbar, wenn der Autor die komplexen Ereignisse der letzten Bände zusammenfasst und in Erinnerung ruft.
In gewohnter Manier ist auch „Tod zur Teestunde“ ein Buch im Buch. Zunächst erfahren wir, dass Susan Ryeland aus Kreta zurückgekehrt ist und wieder in London lebt. Dort soll sie den letzten Band der Atticus Pünd-Reihe lektorieren. Da der Autor der Reihe, Alan Conway, im letzten Band ums Leben kam, soll ein unbekannter Autor namens Eliot Crace das Buch im Stil von Conway weiterschreiben. Der Name Crace ist allerdings sehr bekannt, denn Eliots Großmutter schrieb eine höchst erfolgreiche Kinderbuchreihe namens „Little People“, in der herzensgute Menschen in einer heilen Welt leben. Im Gespräch mit Eliot erfährt Susan allerdings, dass Eliots Kindheit unter einem Dach mit der Großmutter alles andere als idyllisch war. Außerdem deutet er an, dass seine herrische Großmutter keines natürlichen Todes gestorben sei. In dem Buch, das er nun schreibt, finden sich viele Parallelen zu seinem eigenen Leben, viele Familienmitglieder kommen dabei nicht gut weg. Ihnen ist das Buch ein Dorn im Auge, in ihren Augen ist Eliot ein Nestbeschmutzer, der dem immer noch lukrativen Familienunternehmen schaden will. Als Eliot dann bei einem Unfall ums Leben kommt, gibt es eine ganze Reihe von Leuten, denen sein Tod gelegen kommt. Hauptverdächtige in den Augen der Polizei ist allerdings Susan Ryeland selbst.
Wie immer bei Horowitz‘ Büchern habe ich „Tod zur Teestunde“mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn ich dieses Mal das eine oder andere Detail nicht sehr glaubhaft fand und in der Mitte des Buchs ein paar Längen aufkamen. Insgesamt tat dies dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Die eingestreuten Anagramme sind wirklich clever. Ich bewundere Leute, die sich sowas ausdenken. Als treue Leserin freue ich mich schon auf den nächsten Band aus dieser unterhaltsamen Reihe, die im übrigen ganz hervorragend von Lutz-W. Wolff übersetzt wird!

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Wo ist Kandis?

Ein stilles Mädchen
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Die sechsjährige Kandis ist verschwunden. Ihr Vater hatte sie nach eigenen Angaben nur kurz zuhause allein gelassen. Seit Kandis‘ Mutter vor zwei Jahren gestorben ist, kümmert sich ihr Vater, der nach ...

Die sechsjährige Kandis ist verschwunden. Ihr Vater hatte sie nach eigenen Angaben nur kurz zuhause allein gelassen. Seit Kandis‘ Mutter vor zwei Jahren gestorben ist, kümmert sich ihr Vater, der nach einem selbst verschuldeten Unfall unter chronischen Schmerzen leidet, allein um das Kind.
Kommissar Eddie Feber und seine Kollegin übernehmen den Fall. Hatte der Vater womöglich Feinde? Gibt es aktenkundige Pädophile in der Gegend? Wer könnte etwas beobachtet haben?
Bei ihren Nachforschungen stoßen sie tatsächlich auf eine Spur, doch mittlerweile ist schon fast eine Woche vergangen und die Chance, dass das Kind noch lebt, scheint sehr gering.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand die Stimme des Sprechers sehr angenehm. Das Buch ist eher ein Roman als ein Krimi. Man erfährt viel über die persönlichen Hintergründe der einzelnen Personen. Oft fließen auch philosophische Gedanken ein. Als Leser/Hörer weiß man von Anfang an, in wessen Gewalt sich Kandis befindet, was allerdings sehr lange unklar bleibt, ist, wie Kandis und ihr Entführer sich getroffen haben. Obwohl die Geschichte manchmal etwas langatmig erzählt wird, fand ich sie durchaus spannend. Mein einziger Kritikpunkt ist das Verhalten der knapp sechsjährigen Kandis, die sich trotz der äußerst beängstigenden Situation mit ihrem Schicksal abfindet ohne auch nur einmal zu weinen oder Panik zu empfinden. Das fand ich äußerst unrealistisch. Auch dass die Kleine, die gerade erst in die Schule gekommen ist, schon Wörter entziffern kann, ist zumindest ungewöhnlich. Das Ende des Buchs ist überraschend und schockierend. Leider bleiben für mich einige Fragen ungeklärt, was mich etwas frustriert.
Insgesamt fand ich „Ein stilles Mädchen“ interessant, doch nicht so gut wie frühere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Zweigeteilt

Der unsichtbare Elefant
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Thomas Siebenmorgen, Anwalt in einer renommierten Düsseldorfer Anwaltspraxis, stürzt im Atrium der Anwaltskanzlei in den Tod. Seine Kollegin Maria will ihm noch helfen, zurück über die Balustrade zu gelangen, ...

Thomas Siebenmorgen, Anwalt in einer renommierten Düsseldorfer Anwaltspraxis, stürzt im Atrium der Anwaltskanzlei in den Tod. Seine Kollegin Maria will ihm noch helfen, zurück über die Balustrade zu gelangen, doch sie kommt zu spät. Sie konnte Thomas gut leiden und hat ihm viel zu verdanken, deshalb will sie mehr über die Beweggründe erfahren, die Thomas zu diesem für sie völlig unerklärlichen Schritt geführt haben. Vonseiten der Kanzlei wird der junge Staranwalt Simon damit beauftragt, sich mit dem Fall zu befassen und mögliche Imageschäden von der Kanzlei fernzuhalten. Die dritte Person, die sich vorrangig um Thomas‘ Eltern kümmern soll, ist Victor, ein früherer Schulkamerad des Toten, der inzwischen in einem Kriseninterventionsteam arbeitet. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Perspektive dieser drei Personen geschildert.
Wir erfahren, dass Thomas‘ Elternhaus ausgesprochen spießig und ein wenig aus der Zeit gefallen ist, zumindest, was die Sprüche des Herrn Papa angeht. Wer sagt denn heute noch „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ oder „Persil bleibt Persil“? Thomas wurde wohl von seinen Eltern dazu gedrängt, etwas „Ordentliches“ zu lernen, denn Jura war nicht seine erste Wahl gewesen. Trotzdem war er auf seinem Fachgebiet sehr versiert. Vor allem einer der Partner der Kanzlei verließ sich voll und ganz auf Thomas‘ Recherchen, nur um dann selbst die Lorbeeren einzustreichen.
Bis etwa zur Hälfte des Buchs hat mich die Geschichte sehr gefesselt. Das Erste, was mich gestört hat, war die Art und Weise, wie Maria auf einen entscheidenden Hinweis stößt, was der Auslöser für Thomas‘ Selbstmord gewesen sein könnte. Das war vollkommen unrealistisch. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr geht der rote Faden verloren. Thomas‘ frühere Klassenkameraden veranstalten ein spontanes Klassentreffen, bei dem eine der Frauen einen Weinkrampf bekommt, als sie von ihrem lieblosen Elternhaus erzählt. Schön und gut, aber was hat das mit der Geschichte zu tun? Auch die Schilderung von Siebenmorgens teils problematischer Familiengeschichte nahm viel zu viel Platz ein, und die Andeutung, vererbte Traumata könnten zu Thomas‘ Suizid beigetragen haben, konnte mich nicht wirklich überzeugen.
Für mich ist dieses Buch regelrecht zweigeteilt: es beginnt mit einem Selbstmord und der spannenden Frage nach den Hintergründen und verliert sich dann in vielen einzelnen Handlungssträngen, die nur mäßig interessant sind.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine emanzipierte Frau

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia ...

Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia nicht als seine Tochter an. Da das Buch Ende des 19. Jahrhunderts spielt, sind Vaterschaftstests Zukunftsmusik.
Emilia wächst in San Francisco auf und entwickelt sich zu einer selbstbewussten jungen Frau. Ihre Leidenschaft ist das Schreiben. Sie beginnt, unter einem männlichen Pseudonym mit großem Erfolg Groschenromane zu verfassen, doch was sie wirklich möchte, ist, unter ihrem eigenen Namen zu schreiben. Sie stellt sich bei einer Tageszeitung vor, wo ihr der Chefredakteur zunächst skeptisch entgegentritt, dann aber von einem von ihr verfassten Bericht über einen ungeklärten Todesfall sehr angetan ist und sie einstellt. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Journalistin bekommt Emilia die Chance, gemeinsam mit einem männlichen Kollegen nach Chile zu reisen, um von dort aus über den bevorstehenden Bürgerkrieg zu berichten. Der Aufenthalt in Chile verändert Emilias Leben von Grund auf.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Stunden beendet und bin immer noch ganz atemlos von den sich überschlagenden Ereignissen im Leben dieser für die damalige Zeit unglaublich emanzipierten jungen Frau. Seit ich vor langer Zeit das Buch „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelesen habe, ist mir kein Buch begegnet, in dem das grausame Kriegsgeschehen so eindrücklich geschildert wird. Als Leser hat man das Gefühl, an Emilias Seite vor Ort alles mitzuerleben. Die geschilderten Schlachten haben tatsächlich stattgefunden und auch die politischen Konstellationen entsprechen der geschichtlichen Realität, wodurch dieses Buch noch mehr unter die Haut geht, als wenn es sich um reine Fiktion handelte. Ich bin kein großer Fan von historischen Romanen, doch dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und ist eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Absolute Leseempfehlung!

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