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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2018

Flügellahmer Schmetterling

Der Schmetterling
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Die Ehefrau des beliebten schwedischen Fußballspielers Måns Sandin, Henna, wird ausgerechnet an Heiligabend im Beisein ihrer beiden kleinen Kinder ermordet. Die Familie ist noch nicht lange in Schweden ...

Die Ehefrau des beliebten schwedischen Fußballspielers Måns Sandin, Henna, wird ausgerechnet an Heiligabend im Beisein ihrer beiden kleinen Kinder ermordet. Die Familie ist noch nicht lange in Schweden zurück und hat nicht allzu viele soziale Kontakte. Liegt der Schlüssel zu dem Mord in Florenz, wo sie bis vor kurzem gelebt haben? Galt der Mord womöglich gar nicht der Ehefrau sondern ihm selbst? Und warum war Henna mit Rohypnol vollgepumpt?
Kriminalinspektor Johan Rokka, der gerade erst aus Stockholm in seine Heimatstadt Hudiksvall zurückgekehrt ist, wird mit dem Fall betraut. Måns ist ein ehemaliger Klassenkamerad, sie spielten als Jugendliche in derselben Mannschaft.
Dann geschieht ein weiterer Mord. Einem Besucher der Trabrennbahn, der gerade viel Geld bei der Pferdewette gewonnen hatte, wird die Kehle durchgeschnitten. Hängen die beiden Fälle irgendwie zusammen?
Gabriella Ullberg Westin kann gut schreiben, aber die Story ist ziemlich lahm. Was mich außerdem genervt hat, ist Rokkas Vorgesetzte. Anscheinend sitzen in schwedischen Polizeidienststellen ausschließlich ältere, arrogante und machthungrige Chefinnen, die trotz geringer Personalausstattung ihre Mitarbeiter so schnell wie möglich wieder vergraulen wollen. Auch Rokkas Affaire mit einer jungen Frau, die seine Tochter sein könnte (im übrigen die Tochter eines früheren Klassenkameraden) fand ich total daneben. Der ganze Handlungsstrang rund um den namensgebenden Schmetterling ist total irrelevant.
Alles in allem ein Krimi, den man zwischendurch lesen kann, der aber kein besonderes Highlight darstellt. Ich hatte mir mehr davon versprochen.

Veröffentlicht am 09.10.2018

Die Hetzjagd geht weiter

Redemption Point
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Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war: Der Polizist Ted Conkaffey hat das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Dutzende Zeugen haben ihn gesehen, wie er an einer Bushaltestelle ...

Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war: Der Polizist Ted Conkaffey hat das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Dutzende Zeugen haben ihn gesehen, wie er an einer Bushaltestelle anhielt, von der wenig später die 13jährige Claire verschleppt und vergewaltigt wurde. Seine Frau und seine Kollegen wenden sich von ihm ab, er wird inhaftiert. Mangels Beweisen wird Conkaffey freigelassen, doch sein Leben ist ein Spießrutenlauf, er ist der meistgehasste Mann Australiens. Er verzieht sich in das Kaff Crimson Lake, wo er die skurrile Amanda kennenlernt, die dort als Privatdetektivin arbeitet. Als Partner in ihrer Detektei findet er ein Stück weit zu einem normalen Leben zurück, bis der Vater des damaligen Vergewaltigungsopfers eines Tages bei ihm auftaucht und ihn bedroht.
Conkaffey liegen von Amanda gesammelte Unterlagen vor, die Hinweise auf den wahren Vergewaltiger enthalten. Claires Vater bekommt Zweifel, ob Conkaffey der Täter ist. Doch dann werden neue Vorwürfe gegen den Ex-Cop erhoben und Conkaffey bleibt nichts anderes übrig als sich endlich auf die Suche nach Claires Vergewaltiger zu machen.
Zur gleichen Zeit geschieht in einer zwielichtigen Kneipe in Crimson Lake ein Doppelmord. Der Vater des einen Mordopfers bittet Ted und Amanda zu ermitteln.
„Redemption Point“ ist die äußerst gelungene und im übrigen hervorragend übersetzte Fortsetzung von „Crimson Lake“. Einer der besten Krimis, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Veröffentlicht am 17.09.2018

Paris kann sehr einsam sein

Ein Winter in Paris
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Der junge Victor hat es geschafft, der Enge der Provinz zu entkommen und in Paris an einer Elitevorbereitungsschule angenommen zu werden. Von Anfang an ist er ein Außenseiter. Seine Mitschüler kommen aus ...

Der junge Victor hat es geschafft, der Enge der Provinz zu entkommen und in Paris an einer Elitevorbereitungsschule angenommen zu werden. Von Anfang an ist er ein Außenseiter. Seine Mitschüler kommen aus reichen Elternhäusern und wohnen in den nobelsten Wohngegenden von Paris, während er täglich vom Wohnheim in der Vorstadt zum Unterricht pendelt. Das gesamte erste Jahr ist er isoliert, im zweiten Jahr lernt er Matthieu kennen, dessen Geschichte seiner eigenen ähnlich ist. Auch er stammt aus der Provinz und einem bildungsfernen Elternhaus. Die beiden kennen sich nur flüchtig, doch Victor beschließt, sich mit ihm anzufreunden. Aber dazu kommt es nicht mehr. Matthieu erträgt den Druck und die Sticheleien eines Lehrers nicht mehr und begeht Selbstmord.
Von diesem Moment an ändert sich alles für Victor. Er gilt als engster Freund des Toten und das macht ihn interessant.
Einerseits genießt Victor seine plötzliche Popularität, andererseits fühlt er sich wie ein Hochstapler. Er gewinnt Freunde und Selbstbewusstsein, doch gleichzeitig ist er sich nicht mehr sicher, den richtigen Weg gewählt zu haben.
„Ein Winter in Paris“ ist ein sehr eindringliches Buch, das nachdenklich macht. Blondel versteht es, in präzisen Worten Gefühle und Situationen zu beschreiben. Mich haben sein Schreibstil und Victors Geschichte gefesselt.

Veröffentlicht am 14.09.2018

Der Stein der Schuld

Vier.Zwei.Eins.
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1999: Bei einer Sonnenfinsternis in Cornwall kommt Laura zu einer Vergewaltigung hinzu, zumindest stellt es sich für sie so dar. Es kommt zum Prozess, bei dem der Vergewaltiger, Jamie, nicht zuletzt aufgrund ...

1999: Bei einer Sonnenfinsternis in Cornwall kommt Laura zu einer Vergewaltigung hinzu, zumindest stellt es sich für sie so dar. Es kommt zum Prozess, bei dem der Vergewaltiger, Jamie, nicht zuletzt aufgrund von Lauras Aussage verurteilt wird. Das Opfer, Beth, sucht nach dem Prozess Laura und ihren Freund Kit in London auf. Für sie sind Laura und Kit die einzigen verbliebenen Freunde, denn in ihrem Heimatort herrschen Zweifel an Beths Integrität.
Kit ist von Beths Eindringen in ihre Zweierbeziehung nicht begeistert, und auch Laura wird die Beziehung zu Beth bald zu eng. Dann passieren bedrohliche Dinge, für die sie Beth verantwortlich machen. Ist Beth psychisch gestört? Laura und Kit ändern ihre Identität und tauchen ab. Die Angst vor Beth macht beiden das Leben zur Hölle. Laura schafft es kaum, die Wohnung zu verlassen. Kit, der sich rührend um sie kümmert, verliert seinen Job.
15 Jahre später: Laura ist mit Zwillingen schwanger, Kit fährt ohne sie zu einer Sonnenfinsternis. Obwohl so viel Zeit vergangen ist, haben beide immer noch Angst, dass Beth sie aufspüren könnte. Dann passiert genau das, doch plötzlich erscheint alles, was sich damals zugetragen hat, in einem völlig anderen Licht...
„Vier. Zwei. Eins“ ist einer der besten Krimis, die ich in langer Zeit gelesen habe. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen und die Handlung bleibt spannend und glaubhaft bis zum Schluss. Unbedingte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.09.2018

Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!
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Helikoptereltern und ihre Premiumsprösslinge sind natürlich ein sehr ergiebiges Thema. Die beiden Autorinnen haben Dutzende von Anekdoten zu diesem Thema gesammelt, die witzig, absurd, haarsträubend und ...

Helikoptereltern und ihre Premiumsprösslinge sind natürlich ein sehr ergiebiges Thema. Die beiden Autorinnen haben Dutzende von Anekdoten zu diesem Thema gesammelt, die witzig, absurd, haarsträubend und teilweise erschreckend sind. Das Buch beginnt mit Anekdoten, die sich mit werdenden Eltern und Hebammen befassen und behandelt die einzelnen Lebensabschnitte der Kinder und deren überbeschützenden Eltern über Kindergarten, Schule, Freizeitaktivitäten bis hin zu Ausbildung und Studium. Was sie dem Baby im Mutterleib vorlesen solle, fragt eine werdende Mutter. Die schlagfertige Antwort der Hebamme: „Gedichte von Schiller. Oder das Telefonbuch, Hauptsache das Kind hört ihre Stimme“. Im Kindergarten bitten die Eltern die Erzieherin, doch bitte die Clobrille vorzuwärmen, indem sie sich zuerst draufsetzt. Das Kind ist es von zuhause so gewöhnt.
Bei manchen der beschriebenen Vorkommnisse bleibt einem allerdings das Lachen im Hals stecken, wenn Eltern beispielsweise wegen einer Lappalie den Notarzt samt Hubschrauber anfordern! Oder in die Ambulanz fahren, weil das Kind einen Eiswürfel verschluckt hat...
Mit hat das Buch sehr gut gefallen und ich könnte die Sammlung ohne weiteres mit etlichen Anekdoten aus meinem eigenen Berufsleben erweitern.