Profilbild von Readaholic

Readaholic

Lesejury Star
offline

Readaholic ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Readaholic über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2026

Wer war Nikolas?

Eine Liebe ohne Sommer
0

Rosa und Nikolas lernen sich zufällig im Treppenhaus kennen. Rosa bekommt sofort weiche Knie angesichts dieses ausgesprochen gutaussehenden Manns und kann es gar nicht glauben, dass er auch an ihr Interesse ...

Rosa und Nikolas lernen sich zufällig im Treppenhaus kennen. Rosa bekommt sofort weiche Knie angesichts dieses ausgesprochen gutaussehenden Manns und kann es gar nicht glauben, dass er auch an ihr Interesse zeigt. Schnell entwickelt sich mehr daraus, wobei auf intensive Phasen oft Tage folgen, in denen Nikolas von der Bildfläche verschwindet. Rosa weiß nicht so recht, wie sie damit umgehen soll. Während er ihre Freundinnen bald kennenlernt, weiß sie so gut wie nichts über ihn und seinen Freundeskreis. Auch was seine Vergangenheit angeht, hält er sich bedeckt. Vor allem dem Thema frühere Beziehungen weicht er aus. Nur durch Recherche im Internet erfährt Rosa, dass Nikolas früher gemodelt hat und auch heute noch manchmal als Aktmodell arbeitet.
Die einzige Person aus Nikolas‘ Umfeld, die Rosa kennenlernt, ist seine dominante Mutter Ellen, die Rosa anscheinend am liebsten als Schwiegertochter sehen würde. Nikolas ist einerseits ein ziemliches Muttersöhnchen, andererseits begibt er sich immer wieder in gefährliche Situationen. Als Rosa und er sich drei Monate kennen, kommt er bei einer solch gewagten Aktion ums Leben und Rosa stellt fest, dass sie noch immer sehr wenig über ihn weiß. Sie beginnt zu überlegen, was Nikolas für sie war. Die große Liebe oder doch nicht? Was hat den Menschen Nikolas ausgemacht, wenn er nicht mit ihr zusammen war? Und warum hat seine Mutter Ellen so wenige Menschen zu Nikolas‘ Trauerfeier eingeladen? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, nimmt Rosa Kontakt zu Menschen aus Nikolas‘ Vergangenheit auf.
Die Grundidee dieses Buchs hat mich angesprochen, die Umsetzung weniger. Der betont coole und flapsige Ton und die vielen englischen Begriffe wie Random Dude, Lovebirds, Inner Circle usw. waren mir, um in der Sprache des Romans zu bleiben, too much. Einige Handlungsstränge sind für meine Begriffe nicht sehr glaubhaft und zu ausführlich beschrieben. So lernt Rosa zum Beispiel „Dickeskind“ kennen, die ein großer Fan von Nikolas war. Da Nikolas nicht mehr lebt, verbringt Rosa stellvertretend für ihn Zeit mit ihr. Würde ein zehnjähriges hyperaktives Kind tatsächlich freiwillig einen ganzen Tag mit einer wildfremden Frau verbringen und ihr nebenbei kluge Lebensratschläge geben?! Auch die Geschichte rund um Nikolas‘ Vater und das Treffen mit der überdrehten Influencerin Jasmin („Hey, ihr Beauty-Mäuse!“), mit der Nikolas längere Zeit zusammen war, erschienen mir sehr konstruiert. Für mich ist „Eine Liebe ohne Sommer“ eine leichte Sommerlektüre, die viele Themen anreißt, aber doch an der Oberfläche bleibt. Ich hatte ein bisschen mehr Tiefgang erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2026

Mosaik der Abschweifungen

Das Mosaik der Frauen
0

Der Einstieg in das Buch erzählt von dem Syrer Said Nardini, der 1971 gegen den Willen seiner Familie nach Deutschland flieht. In der Heimat war der Student der Philosophie und Literatur damals nur knapp ...

Der Einstieg in das Buch erzählt von dem Syrer Said Nardini, der 1971 gegen den Willen seiner Familie nach Deutschland flieht. In der Heimat war der Student der Philosophie und Literatur damals nur knapp seiner Verhaftung entkommen. Zunächst schlägt sich Nardini mit Aushilfsjobs durch, doch lernt er in kürzester Zeit so gut Deutsch, dass er als Simultandolmetscher arbeiten kann. Er ist gut integriert und heiratet eine Deutsche. Nach Jahren meldet sich ein alter Freund aus Studientagen bei ihm, der inzwischen Leiter einer großen Klinik ist. Einer seiner Patienten, der schwerkranke Syrer Nadim Suri, möchte vor seinem Tod dem Landsmann von seinem bewegten Leben berichten, das vor allem von Frauen geprägt wurde. Nardini, der inzwischen Autor etlicher Bücher ist, soll Suris Lebensgeschichte niederschreiben. Nardini findet in Suri einen charismatischen Erzähler vor, der ihm nicht nur eine Fülle an persönlichen Anekdoten, sondern auch viel über die politischen Entwicklungen in Syrien und anderen arabischen Ländern berichtet. Dabei kommt Suri vom Hundertsten ins Tausendste, man hat den Eindruck, die halbe Bevölkerung von Damaskus kennenzulernen. Suris Bemerkung „Aber ich schweife wieder ab“ ist das Leitmotiv seiner Erzählungen. Obwohl vieles interessant ist, machten diese Ausschweifungen für mich das Erzählte sehr ermüdend, zumal kein roter Faden ersichtlich ist. Auch die blumige, poetische Sprache hat mich nicht erreicht, beispielsweise, wenn der Tomatenverkäufer auf dem Markt in Damaskus seine Ware mit den Worten anpreist „Meine Tomaten haben ihre Wangen geschminkt und gehen mit mir spazieren“ oder der Aprikosenverkäufer nebenan seine Kunden mit „Oh, Aprikose! Der Wind hat dich und die Gier hat mich tief fallen lassen.“
Die persönlichen Schicksale der Frauen in Suris Leben sind durchaus bewegend, so wird zum Beispiel seine erste Liebe, Samira, von einem eifersüchtigen Cousin ermordet, weil der nicht ertragen kann, dass sie seine Liebe verschmäht. Ab der Mitte des Buchs habe ich die Seiten nur noch quergelesen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich vor ein paar Jahren aufgehört habe, die Bücher von Rafik Schami zu lesen. Für mich leider eine eher enttäuschende Leseerfahrung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2026

Abwechslungsreiches Buch mit vielen guten Nachmachideen

Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita
0

Alma, Pippa, Emil, Kisi und Aziz sind Vorschulkinder, die einmal in der Woche mit ihrem Erzieher Joschi etwas Besonderes basteln oder spielen und auch die Schule, in die sie nächstes Jahr gehen werden, ...

Alma, Pippa, Emil, Kisi und Aziz sind Vorschulkinder, die einmal in der Woche mit ihrem Erzieher Joschi etwas Besonderes basteln oder spielen und auch die Schule, in die sie nächstes Jahr gehen werden, besuchen. Dabei haben sie jede Menge Spaß und lernen viele neue Sachen. Sie erfinden selbst Spiele, bauen einen Vulkan, erfahren, dass man Knete auch selbst anrühren kann und lernen dabei spielerisch Sozialverhalten, schulen ihre Feinmotorik und Kreativität. Das Beste dabei ist, dass den einzelnen Kapiteln Seiten folgen, auf denen genau beschrieben ist, wie die Aktivitäten zuhause nachgemacht werden können und erklärt wird, welche Fähigkeiten durch die Aktivitäten trainiert werden. Wie es sich für ein Kinderbuch der Jetztzeit gehört, kommen die Vorschulkinder nicht nur aus klassischen Mutter-Vater-Kind(er)-Familien, sondern Pippa hat beispielsweise zwei Väter. Diese „political correctness“ in Kinderbüchern finde ich in diesem Fall ein wenig übertrieben, da ich in letzter Zeit schon mehrere Kinderbücher gekauft habe, in denen es entweder zwei Mütter oder zwei Väter gab. So wie diese Familienkonstellation früher gar nie in Kinderbüchern vorkam, ist sie meiner Meinung nach jetzt überrepräsentiert. Gut finde ich allerdings, dass eines der Kinder, Emil, ein Cochlea-Implantat hat und deshalb bei wilden Spielen nicht mitmachen kann. Auf diese Weise erfahren Kinder, dass es bei ihren Spielkameraden körperliche Einschränkungen geben kann und es Rücksicht zu nehmen gilt.
Das Buch ist liebevoll gestaltet und sehr farbenfroh. Die Sprache ist kreativ, was mir mal mehr, mal weniger gefallen hat. „Rappelzappelig“ und „nörgelmotzig“ ist ja ganz nett und lautmalerisch, aber „es riecht nudelig“? Über einen QR-Code gelangt man zum Vorschullied, dessen eingängige Melodie wohl jeder kennt. Hier hätte ich allerdings eine Bande von Vorschulkindern erwartet, die das Lied vorsingt, und nicht die Autorin.
Alles in allem finde ich das Buch allerdings sehr gelungen. Es gibt eine Fülle von Anregungen, von denen wir mit Sicherheit viele aufgreifen werden (zum Beispiel das „Wehe, du lachst“ Spiel)! Ein Buch, das sich hervorragend als Geburtstagsgeschenk für ein Vorschulkind eignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2026

Leben am Rande der Gesellschaft

Solange ein Streichholz brennt
0

Alina Alev ist eine junge, ambitionierte Journalistin, die in dem Fernsehsender, für den sie arbeitet, in den letzten Jahren kaum die Möglichkeit hatte, ihr Können zu beweisen. Sie geht davon aus, bald ...

Alina Alev ist eine junge, ambitionierte Journalistin, die in dem Fernsehsender, für den sie arbeitet, in den letzten Jahren kaum die Möglichkeit hatte, ihr Können zu beweisen. Sie geht davon aus, bald ihre Kündigung zu erhalten, als sie stattdessen das Angebot bekommt, eine Reportage zum Thema „Wie entgleitet ein Leben?“ zu drehen. Dafür will sie einen Obdachlosen in seinem Alltag begleiten. Ihre Wahl trifft auf Bohm, einen 35jährigen, der auf der Straße lebt. Bohm will zunächst davon nichts wissen, erst als sein Hund schwer verletzt wird und dringend Behandlung braucht, lässt er sich darauf ein, denn der Sender wird im Gegenzug für die Tierarztkosten aufkommen.
Obwohl Alina und Bohm aus völlig unterschiedlichen Welten stammen, ist von Anfang an Sympathie zwischen den beiden da. Alina erlebt die Geringschätzigkeit, die Bohm tagtäglich entgegengebracht wird. Er nimmt weite Wege auf sich, um an ein kostenloses Mittagessen zu kommen und campiert in schmutzigen Hinterhöfen, immer in der Angst, entdeckt und verjagt zu werden. Diesen Einblick in das Leben von Obdachlosen fand ich interessant. Man fragt sich, wie es dazu kam, dass Bohm seit Jahren auf der Straße lebt, doch über seine Vergangenheit gibt er zunächst nichts preis.
Alina ist mit ihrem Leben auch nicht glücklich. Sie strampelt sich ab, doch ihre Reportagen finden im Sender wenig Anklang. Sie hat keinen Freundeskreis und die Kollegen im Sender sind oberflächlich und würden alles für die Quote tun.
In „Solange ein Streichholz brennt“ wird im Wechsel aus Alinas und Bohms Perspektive erzählt. Beide Personen fand ich zunächst sehr sympathisch und glaubhaft dargestellt. Lediglich im letzten Drittel, als man erfährt, was den Ausschlag für Bohms Ausbrechen aus seinem alten Leben gab, konnte mich die Geschichte nicht mehr überzeugen und meine Sympathie für Bohm nahm ab. Der Antiklimax am Ende des Romans hat mir ein wenig die Freude an dem Buch verdorben, daher vergebe ich nur 4 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2026

Lebendige Geschichte

Ein Ort, der bleibt
0

Der Roman erzählt die Geschichte der Familie Heilbronn, die 1933 von Deutschland in die Türkei übersiedelte. Alfred Heilbronn lehrte an der Universität Münster als Botaniker, aufgrund seiner jüdischen ...

Der Roman erzählt die Geschichte der Familie Heilbronn, die 1933 von Deutschland in die Türkei übersiedelte. Alfred Heilbronn lehrte an der Universität Münster als Botaniker, aufgrund seiner jüdischen Wurzeln wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen. Da Präsident Kemal Atatürk in der Türkei gerade nach Wissenschaftlern aus dem Ausland suchte, die das Universitätssystem in der Türkei auf den neuesten Stand bringen sollten, gelang es Alfred, seiner Frau Magda und den beiden Kindern, Deutschland rechtzeitig zu verlassen, bevor Alfred womöglich in einem KZ gelandet wäre.
In der Türkei fasst Alfred schnell Fuß und auch Magda lebt sich gut ein. Sie bauen sich dort ein neues Leben auf und finden zunächst Halt in der Gemeinschaft der Exildeutschen, die das gleiche Schicksal teilen. Doch auch dort ist man nicht vor den Spitzeln der Nazis sicher. Alfreds größte Errungenschaft in seiner neuen Heimat Istanbul ist der Aufbau eines wunderschönen botanischen Gartens mit Pflanzen aus aller Welt.
In einem zweiten Handlungsstrang, der in der Jetztzeit spielt, lernen wir die junge Städteplanerin Imke kennen, die für vier Wochen Istanbul besucht, um zusammen mit ihrem Vorgesetzten ein Gutachten zum dortigen botanischen Garten zu erstellen, das den Ausschlag darüber geben wird, ob der vor fast hundert Jahren durch Alfred Heilbronn angelegte Garten erhalten werden soll oder nicht.
Das Interessante an der Geschichte ist, dass der historische Teil auf wahren Begebenheiten beruht. Die Vita der historisch belegten Personen ist dem Buch in einem Anhang beigefügt.
„Ein Ort, der bleibt“ ist wirklich faszinierende Lektüre. Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Es erweckt längst vergangene Ereignisse und Personen zum Leben und ist akribisch recherchiert. Die Autorin muss viele Monate damit zugebracht haben, sich nicht nur über die historischen Begebenheiten, sondern auch über Botanik zu informieren! Sandra Lüpkes ist eine lebendige Geschichte gelungen, die überaus spannend zu lesen ist. Absolute Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere