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Veröffentlicht am 10.04.2026

Agentenehre und viele unbeantwortete Fragen

Untergang - Jensen und Sander ermitteln
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Das Buch beginnt mit einer Zusammenfassung der Ereignisse rund um den Untergang der estnischen Passagierfähre Estonia am 28.9.1994. Es ist das schwerste Schiffsunglück in Europa seit dem 2. Weltkrieg, ...

Das Buch beginnt mit einer Zusammenfassung der Ereignisse rund um den Untergang der estnischen Passagierfähre Estonia am 28.9.1994. Es ist das schwerste Schiffsunglück in Europa seit dem 2. Weltkrieg, bei dem über 800 Menschen ums Leben kamen. Laut Verlag basiert dieses Buch auf wahren Tatsachen, wobei mir bis zuletzt nicht klar war, was denn nun Tatsache und was Fiktion ist. Unumstritten ist, dass die Bugklappe der Fähre bei hohem Seegang abgerissen wurde und Wasser in das Fahrzeugdeck flutete. Im vorliegenden Buch wird jedoch ein ganz anderes Szenario geschildert, in dem die schwedische Regierung um jeden Preis verhindern will, dass die Öffentlichkeit die wahre Ursache für den Untergang der Estonia erfährt. Was ebenfalls Fakt ist: die schwedische Regierung wollte unter keinen Umständen, dass die Fähre geborgen wird, obwohl sie in relativ geringer Tiefe liegt. Stattdessen gab es den Plan, einen Sarkophag aus Beton um die Estonia zu gießen. Dieses Vorhaben wurde zwar nicht umgesetzt, doch ist es nach wie vor verboten, zum Wrack der Estonia zu tauchen, angeblich, um die Totenruhe der Opfer nicht zu stören.
„Untergang“ ist der 6. Band der Reihe um Michael Sander und Lene Jensen. Es hilft zwar, die vorigen Bände zu kennen, denn es wird Bezug auf Ereignisse daraus genommen, doch ist es ein abgeschlossener Fall, den man auch ohne Vorkenntnisse lesen kann.
Zu Beginn des Buchs findet in Stockholm ein Attentat statt, das das Ehepaar Sander/Jensen auf unterschiedliche Weise betrifft. Es geht um Geheimdienste und Unterlagen, die auf keinen Fall in die falschen Hände geraten dürfen. Die Verwicklung in den Fall stellt die ohnehin bereits belastete Beziehung von Michael Sander und Lene Jensen auf eine harte Probe.
Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, was sich als ziemlich schwierig herausstellte. Da sind zunächst die vielen Fakten und Daten, hinzu kommen die Namen der unterschiedlichen Regierungsmitarbeiter und Agenten diverser Geheimdienste. Bei der gedruckten Version kann man zurückblättern, beim Hörbuch ist es natürlich möglich, manche Szenen erneut hören, aber was, wenn man nicht weiß, in welchem Abschnitt eine gewisse Person bereits erwähnt wurde? Trotz dieser Schwierigkeiten fand ich das Hörbuch spannend. Lediglich der Showdown am Schluss ist für meine Begriffe unnötig brutal. Es macht mir keinen Spaß zuzuhören, wie ein Agent Höllenqualen erleiden muss, egal welcher Nationalität er ist. Insofern lässt mich das Hörbuch gespalten zurück. Was mich im Übrigen mit der Zeit sehr genervt hat, ist der russische Akzent, den der Sprecher den russischen Agenten verpasste. Konsequenterweise hätte er auch die Engländer, Schweden und Dänen mit Akzent sprechen müssen, was er dankenswerterweise nicht getan hat. Abgesehen von diesem Fake-Akzent war das Hörbuch gut gesprochen.
Mein Fazit: „Untergang“ beginnt spannend, wird aber mit der Zeit immer verworrener und brutaler. Für Fans von Agententhrillern, aber besser lesen als hören.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Nomen est Omen?

Die Namen
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Als junges Mädchen verlässt Cora ihre Heimat Irland, um in London Balletttänzerin zu werden. Dort trifft sie auf Gordon, einen sympathischen jungen Arzt. Sie heiraten und Cora muss bald feststellen, dass ...

Als junges Mädchen verlässt Cora ihre Heimat Irland, um in London Balletttänzerin zu werden. Dort trifft sie auf Gordon, einen sympathischen jungen Arzt. Sie heiraten und Cora muss bald feststellen, dass Gordon auch eine andere, dunkle Seite hat. Als ihr Sohn auf die Welt kommt, ist es Gordons Wunsch, dass auch sein Sohn Gordon genannt wird, wie schon zuvor sein Vater und Großvater. Cora gefällt der Name nicht, sie möchte, dass ihr Sohn anders wird als seine Vorfahren. Die ältere Schwester des Babys, Maia, hat die Idee, ihren Bruder Bear zu nennen, wie ein liebenswertes knuddeliges Bärenkind. Cora gefällt der Name Julian gut. In „Die Namen“ werden drei verschiedene Szenarien geschildert. Was passiert, wenn Cora entgegen dem ausdrücklichen Wunsch ihres dominanten Ehemanns „Bear“ als Geburtsnamen eintragen lässt? Wie entwickelt sich die Geschichte, wenn Maias Bruder „Julian“ heißt? Und schließlich, wie wirkt sich der traditionelle Name „Gordon“ auf das Kind und seine Familie aus?
Florence Knapps Debütroman ist faszinierende Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen konnte, obwohl manche Kapitel nur schwer zu ertragen waren. Wer auf der Suche nach Wohlfühllektüre ist, sollte die Finger davon lassen, allen anderen kann ich „Die Namen“ wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Ein Serienmörder in Südschweden?

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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In Trelleborg, einem kleinen Ort nicht weit von Malmö, wird der achtjährige Robin, der mit zwei Nachbarsjungen im Wald Verstecken gespielt hat, vermisst. Bald darauf wird er tot aufgefunden und es zeigt ...

In Trelleborg, einem kleinen Ort nicht weit von Malmö, wird der achtjährige Robin, der mit zwei Nachbarsjungen im Wald Verstecken gespielt hat, vermisst. Bald darauf wird er tot aufgefunden und es zeigt sich, dass er Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Die junge Schutzpolizistin Gunni Hilding, die in der Nähe von Trelleborg wohnt, soll die Kriminalpolizei bei ihren Ermittlungen unterstützen. Einerseits ist Gunni geschmeichelt, andererseits fühlt sie sich durch ihre neue Aufgabe überfordert. Sie hat zwar keinerlei Erfahrung im Lösen von Kriminalfällen, doch ein gutes Gespür für Menschen. Es geht ihr gegen den Strich, wie schnell die Tat - nicht zuletzt wegen des öffentlichen Drucks, den Mörder schnellstmöglich zu finden -, gelöst wird, denn für sie ist keineswegs klar, dass die Polizei den richtigen Täter ermittelt hat.
Fünf Jahre später passiert ein ähnlicher Fall. Der kleine Sohn von deutschen Urlaubern, der Robin erstaunlich ähnlich sieht, wird tot in der Nähe des Campingplatzes der Familie aufgefunden. Auch bei diesem Fall soll Gunni das Dezernat für Gewaltverbrechen unterstützen. Die Parallelen zum früheren Fall erscheinen ihr offensichtlich, doch da der Mord an Robin als gelöst gilt, steht sie zunächst mit ihrer Meinung allein da.
Ich habe „Tatort Trelleborg“ in kürzester Zeit gelesen. Da die Kapitel sehr kurz sind, fliegt man nur so durch die Seiten. Edvardsson versteht es hervorragend, Fährten zu legen. Irgendwann ist fast jeder verdächtig. Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist, dass man als Leser viel über Gunni Hildings persönlichen Hintergrund erfährt. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der wahrscheinlich bei den meisten Lesern den Wunsch weckt, auch den Folgeband der Reihe zu lesen. Was mich anbelangt: Mission accomplished!
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Motiv des Mörders in meinen Augen nur durch Mutmaßungen erklärt wird. Auch gewisse Gedächtnislücken empfinde ich als wenig glaubhaft. Insofern war ich von der Auflösung ein wenig enttäuscht. Alles in allem hat mir die Lektüre aber Spaß gemacht und ich habe vor, Gunni Hildings Werdegang weiter zu verfolgen.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Kindheitsfreunde

Der Sommer, der uns blieb
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Pia, Britta und Martin waren als Kinder und Jugendliche beste Freunde. Dann geschah etwas, was sie auseinanderbrachte. Ihre Wege trennten sich, nur Martin blieb im Heimatort wohnen. Auch jetzt, mit 40, ...

Pia, Britta und Martin waren als Kinder und Jugendliche beste Freunde. Dann geschah etwas, was sie auseinanderbrachte. Ihre Wege trennten sich, nur Martin blieb im Heimatort wohnen. Auch jetzt, mit 40, lebt er noch mit seiner dominanten Mutter zusammen, die sein Leben bestimmt, was ihm allerdings erst bewusst wird, als sowohl Britta als auch Pia in die Heimat zurückkehren. Britta hat sich in Frankfurt ein Leben aufgebaut, jetzt kehrt sie zurück, weil es ihrem an Demenz erkrankten Vater nicht gut geht. Pia ist inzwischen eine renommierte Fotografin, die im Ort ihrer Kindheit eine Vernissage hat, was jedoch keineswegs der einzige Grund für ihre Rückkehr ist.
Die Story hörte sich interessant an, man fragt sich, was der Grund für das Zerwürfnis der drei Freunde war. Doch leider bleibt die Geschichte ziemlich an der Oberfläche. Einige der Enthüllungen sind vorhersehbar und keine große Überraschung. Keine der drei Personen erschien mir sonderlich sympathisch. Alle drei hängen ihrer glücklichen Jugendzeit nach, die in Rückblicken geschildert wird.
Die Gegenwartskapitel spielen während der Zeit der Coronapandemie. Trotzdem treffen sich die Personen munter auch in größeren Gruppen. Es wird erwähnt, dass Seniorenheime für Besucher geschlossen sind, aber im Heimatort der drei Hauptpersonen merkt man nichts von coronabedingten Einschränkungen.
Mit dem Schreibstil der Autorin hatte ich teilweise Probleme. Sie schreibt sehr bildhaft und anschaulich, aber manchmal schießt sie mit ihren Vergleichen für meine Begriffe über das Ziel hinaus, was ungewollte komisch wirkt, beispielsweise wenn die Kaffeemaschine „das schwarze Gold in die Kanne spuckt“. Rechtschreibfehler wie „da muss ich wohl andere Seiten aufziehen“ finde ich auch störend.
Auf der positiven Seite muss ich sagen, dass ich selten so ein schön gestaltetes Buch in den Händen gehalten habe. Die stimmige Umschlaggestaltung einer Blumenwiese in Pastellfarben, zweigeteilt in Gegenwart und Vergangenheit, sowie ein wunderschöner Farbschnitt und ein farblich passendes Lesebändchen haben mir sehr gefallen.
Ich fürchte, ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe des Vani-Verlags, denn Wohlfühlbücher sind nicht so mein Beuteschema. Für Leserinnen, die sich von „Geschichten umarmen“ lassen mögen (Verlagsseite), ist „Der Sommer, der uns blieb“ sicher die richtige Lektüre.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Warum leuchtet der Mond?

Kleine und große Wunder des Weltalls
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Als ich das Buch „Kleine und große Wunder des Weltalls“ des Carlsen Verlags zum ersten Mal durchgeblättert habe, hatte ich die Befürchtung, meinen fast fünfjährigen Enkel mit den geballten Informationen, ...

Als ich das Buch „Kleine und große Wunder des Weltalls“ des Carlsen Verlags zum ersten Mal durchgeblättert habe, hatte ich die Befürchtung, meinen fast fünfjährigen Enkel mit den geballten Informationen, die in diesem Buch präsentiert werden, zu überfordern. Doch ich hätte mir keine Gedanken zu machen brauchen, denn er stürzte sich mit Begeisterung auf die Seiten und ich bin erstaunt, wie viel Fachwissen bei ihm hängenbleibt. So erklärte er später seinen Eltern, wieso der Mond leuchtet und warum Pluto traurig ist. Sehr hilfreich sind die schönen Illustrationen, zum Beispiel die schwitzende Venus, die anschaulich zeigt, wie heiß es auf ihrem Planeten ist! Auch das Kapitel über die Milchstraße muss ich immer wieder vorlesen, vor allem schwarze Löcher, die alles verschlucken, findet er faszinierend. Im Übrigen bietet das Buch auch für Erwachsene so manche neue Information. Ich hatte zumindest noch nie von der Oortschen Wolke gehört!
Wir haben noch längst nicht alle Kapitel gelesen und dieses schöne und informative Buch wird uns sicher noch lange begleiten! Herausheben möchte ich noch die wirklich ansprechende Gestaltung und den stabilen Einband mit Golddruck, auf dem sich die Planeten um die Sonne scharen. Ein schönes und lehrreiches Buch für wissbegierige Kinder.

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