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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2017

Spannend bis zum Schluss

Durst
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Ich war bisher immer der Meinung, dass mir die Nesbo Romane zu brutal sind, weshalb ich noch nie einen Harry Hole Roman gelesen hatte. Auch in diesem Band geschehen brutale Morde, doch die Leseprobe hat ...

Ich war bisher immer der Meinung, dass mir die Nesbo Romane zu brutal sind, weshalb ich noch nie einen Harry Hole Roman gelesen hatte. Auch in diesem Band geschehen brutale Morde, doch die Leseprobe hat mir so gut gefallen, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Nesbo versteht es wirklich, Spannung aufzubauen und - was noch viel wichtiger ist - sie auf über 600 Seiten aufrecht zu erhalten.
Harry Hole, Mordermittler mit Kultstatus bei der Osloer Polizei, ist aus dem Polizeidienst ausgeschieden und lehrt inzwischen an der Polizeihochschule. Als ein Serientäter mehrere junge Frauen umbringt, die alle bei dem Datingdienst Tinder angemeldet waren, kehrt Harry Hole - nicht ganz freiwillig - zurück, um dem Ermittlerteam mit seiner Erfahrung zur Seite zu stehen. Er bildet ein eigenes Team und bald schon ahnen sie, um wen es sich bei dem brutalen Mörder handeln muss. Allerdings hat dieser offensichtlich eine neue Identität angenommen und sein Aussehen chirurgisch verändern lassen.
Die Jagd auf den "Vampiristen", wie die Medien den Mörder bald nennen, ist wirklich äußerst spannend. Immer, wenn man glaubt, der Fall ist gelöst, ergibt sich etwas Neues. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Es hat auch nicht gestört, dass ich die früheren Harry Hole Romane nicht gelesen hatte. Ab und zu wird zwar auf Harrys Vergangenheit und frühere Fälle eingegangen, aber die Kenntnis dieser Fälle ist keine Voraussetzung, um bei diesem Buch mitzukommen.
Wirklich spannende Lektüre und sicher nicht mein letzter Harry Hole Roman.

Veröffentlicht am 19.09.2017

Amüsant, außergewöhnlich und gewöhnungsbedürftig

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam
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Die Leseprobe versprach ein amüsantes Buch über die arbeitslose und am Hungertuch nagende Journalistin Sophie. Vor allem die Wortneuschöpfungen, die Sophie ihrer Mutter in den Mund legt, fand ich höchst ...

Die Leseprobe versprach ein amüsantes Buch über die arbeitslose und am Hungertuch nagende Journalistin Sophie. Vor allem die Wortneuschöpfungen, die Sophie ihrer Mutter in den Mund legt, fand ich höchst gelungen: kraquäken, widernörgeln, unkzürnen, bellschnauzen, anfeuermutigen... Der Übersetzerin ist hier ebenfalls ein großes Lob zu zollen.
Wir erfahren, wie es ist, wenn man mit ein paar Euro den Rest des Monats über die Runden kommen muss. Diesen Teil der Geschichte fand ich interessant. Auch Sophies sexbesessener Freund, mit dem sie selbst allerdings eine platonische Beziehung unterhält, ist amüsant, will er doch unbedingt in Sophies Roman vorkommen. Sehr lustig: die Beschreibung seiner Zufallsbekanntschaft mit der lustgesteuerten Sirine, die er später unter ganz anderen Vorzeichen wiedertrifft.
Allerdings konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Immer wieder kamen Passagen, mit denen ich so gar nichts anfangen konnte, zum Beispiel, als Sophie über zwei Seiten hinweg aufzählt, mit was für Männern sie keine Beziehung eingehen kann oder die Passage, der das Buch seinen Titel verdankt. Ich bin wirklich sehr gespalten, was dieses Buch anbelangt. Denn das Buch enthält auch geniale Beschreibungen, beispielsweise eine Anleitung für eine effektive Andiedeckestarrung.
Was mir dann jedoch gar nicht gefallen hat, ist der Schluss, bei dem ich den Eindruck hatte, die Autorin wusste ganz einfach nicht, wie sie dieses Buch zu Ende bringen soll.
"Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" ist ein sehr ungewöhnliches Buch, das wohl vor allem Literaturkritikern, nicht aber der breiten Masse gefallen wird.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Das Echo der Zeit

In einem anderen Licht
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Die Journalistin Miriam hat bei einem Angriff im Nordirak ihren Mann, der ebenfalls als Journalist arbeitete, verloren. Da sie in ihrer alten Redaktion alles an ihn erinnert, wechselt sie das Ressort und ...

Die Journalistin Miriam hat bei einem Angriff im Nordirak ihren Mann, der ebenfalls als Journalist arbeitete, verloren. Da sie in ihrer alten Redaktion alles an ihn erinnert, wechselt sie das Ressort und arbeitet nun in der Redaktion einer Frauenzeitschrift. Dort ist sie verantwortlich für die Berichterstattung und Vorbereitung für eine Preisverleihung. Stifterin ist die zurückgezogen lebende Hamburger Senatorswitwe Dorothea Sartorius. Während Miriam versucht, ein Interview mit Frau Sartorius zu bekommen, erhält sie Briefe, in denen sie aufgefordert wird, Dorothea Sartorius nach einer gewissen Marguerite zu fragen.
Als sie es tatsächlich schafft, Frau Sartorius zu einem Interview zu treffen, ist sie äußerst angetan von ihr. Auf die kryptischen Briefe angesprochen, verrät Dorothea Sartorius ihr den Nachnamen der Frau, die die Briefe mit Elisabeth unterzeichnet hat.
Um ihrem 5-jährigen Sohn Max, der ebenfalls unter dem Verlust des Vaters leidet, eine Freude zu machen, meldet Miriam sich zusammen mit ihm zu einem Drachenbaukurs an. Dort lernt sie den charismatischen Bo kennen, der sie wiederum mit der Bewohnerin eines nahegelegenen Klosters bekanntmacht, die ihr einiges über Dorothea Sartorius’ Vergangenheit erzählt. Miriam ist schockiert, denn plötzlich erscheint deren Lebensgeschichte in einem ganz anderen Licht. Welches Bild der Senatorswitwe soll sie ihren Leserinnen präsentieren? Miriam befindet sich in einem Gewissenskonflikt...
Die Leseprobe und die Idee des Buchs fand ich zunächst sehr ansprechend, allerdings konnte mich die Umsetzung nicht so richtig überzeugen. Zu Anfang verliert sich die Autorin zu sehr in Details und wortreichen Beschreibungen. Die Trauer Miriams wird als Rabe, der in ihrer Brust lebt, beschrieben, ein für meine Begriffe treffendes Bild. Allerdings wird dieses Bild im Lauf des Buchs so überstrapaziert, dass es irgendwann nur noch nervt.
Die vielen Zufälle oder schicksalshaften Fügungen waren auch zuviel des Guten und daher wenig glaubhaft. Es war allerdings interessant, über die 1970er Jahre in Deutschland und die damalige politische Stimmung im Land zu lesen.
Mein Fazit ist, dass dieses Buch nicht schlecht ist, man muss es allerdings nicht unbedingt gelesen haben.

Veröffentlicht am 08.09.2017

Die Schatten der Vergangenheit

Kreuzschnitt
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Der norwegische Kommissar Bogart Bull verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, schafft es jedoch, mit Hilfe seines Vaters und seiner Vorgesetzten wieder trocken ...

Der norwegische Kommissar Bogart Bull verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, schafft es jedoch, mit Hilfe seines Vaters und seiner Vorgesetzten wieder trocken zu werden.
Um ihn aus der gewohnten Umgebung zu holen und den brillanten Ermittler wieder zum Vorschein zu bringen, der er einmal war, schlägt seine Chefin ihn als Sonderermittler von Europol vor, der in Fällen ermitteln soll, in denen norwegische Staatsbürger im Ausland ums Leben kommen.
Bulls erster Fall führt ihn nach Südfrankreich, wo ein reicher Norweger ermordet und seine Leiche geschändet wird. Bald darauf geschieht ein weiterer Mord. Da der oder die Täter dem Anschein nach keine Spuren hinterließen, beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen...
Ein weiterer Handlungsstrang spielt in Frankreich während des zweiten Weltkriegs, als die Nazis Frankreich besetzt hielten. Der Leser wird Zeuge eines äußerst brutalen Racheakts einer deutschen Eliteeinheit an Résistancekämpfern. Nichts für schwache Nerven!
Eine weitere Handlung findet Anfang des 20. Jahrhunderts statt und beschreibt eine Gemeinschaft von Künstlern um Matisse, Munch und andere.
All diese Handlungsstränge werden kunstvoll miteinander verwoben.
Der Autor versteht es, den Leser mit seinem äußerst kurzweiligen Erzählstil und einer spannenden Handlung bis zuletzt zu fesseln. Ich hoffe sehr, bald mehr von ihm lesen zu können.

Veröffentlicht am 07.09.2017

Die sprichwörtliche Leiche im Keller

Die Lieferantin
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Ein Restaurantbesitzer wird um Schutzgeld erpresst und entledigt sich seines Erpressers. Dies ist der Auslöser einer ganzen Spirale von Gewalt, die im absoluten Chaos endet.
Die Geschichte spielt in naher ...

Ein Restaurantbesitzer wird um Schutzgeld erpresst und entledigt sich seines Erpressers. Dies ist der Auslöser einer ganzen Spirale von Gewalt, die im absoluten Chaos endet.
Die Geschichte spielt in naher Zukunft in London. Der Brexit liegt bereits in der Vergangenheit, jetzt steht der Druxit auf der Tagesordnung: schärfere Drogengesetze, namentliche Nennung von Straftätern, Entzug des Versicherungsschutzes. Marodierende Gruppen, die sogenannten Rotweißblauen, anscheinend von der Pro-Druxit Bewegung angeheuert, ziehen durch die Straßen und verbreiten Angst und Schrecken. Die Anti-Druxit Bewegung vertritt die Meinung, dass die Lösung in der Legalisierung von Drogen liegt, da somit die Qualität der Drogen besser kontrolliert werden kann und es weniger Beschaffungskriminalität gibt. Eine Vertreterin dieses Lagers ist Ellie, die "Lieferantin", die ihre Kunden via Drohnen mit Drogen beliefert. Als ihr eigener Drogenlieferant ermordet wird, gerät sie selbst ins Visier der anderen Drogenbosse...
Zoe Beck hat eine beklemmende und spannende Zukunftsvision geschrieben, in der sich der Leser damit schwer tut, sich mit den Charakteren zu identifizieren, da jeder einzelne von ihnen kriminell ist. Ist Ellies Verhalten moralisch höher einzuschätzen als das des Drogenbosses Boyce? Sind sie nicht beide für unzählige Drogentote verantwortlich?
Es ist ein fesselndes Buch, das viele Fragen aufwirft. Absolut lesenswert.