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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2022

Fesselnde, dystopische Fantasy-Story

Hidden Lies. Mein Geheimnis kann dich töten
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Für ein Jugendbuch finde ich das Thema wirklich ziemlich hart. Es hat mich ein wenig an „The Walking Dead“ erinnert. Morbus Shade ist eine Art Zombiekrankheit, die in einer dystopischen Welt circa 15/20 ...

Für ein Jugendbuch finde ich das Thema wirklich ziemlich hart. Es hat mich ein wenig an „The Walking Dead“ erinnert. Morbus Shade ist eine Art Zombiekrankheit, die in einer dystopischen Welt circa 15/20 Jahre nach der unsrigen spielt. Entflohen aus einem Forschungslabor, übertragen durch Blut und Bisse. Die Krankheit hat mehr als die halbe Menschheit ausgerottet, ein Viertel davon ist weiterhin infiziert, jedoch schläft die Krankheit im Körper, unterdrückt durch eine Art Medikament. Die Ressourcen und Mittel allgemein sind knapp, daher weiß man nicht, wie lange die Infizierten noch versorgt werden können. Ist das Medikament leer, dann bricht die zweite Welle los und zerstört wahrscheinlich den Rest der Menschheit.

Mir haben diese Infizierten wirklich leidgetan, ich habe mit ihnen stark sympathisiert und die Menschen gehasst, die sie wie Aussätzige behandeln, wie Ungeziefer, wie Dreck. Natürlich, dank der Infizierten haben viele ihre Familien verloren, ihre Freunde, aber im Großen und Ganzen wissen die „Zombies“ nicht, was sie überhaupt tun. Sie können nichts dafür, dass sie infiziert worden sind. Hier ist die Regierung schuld, die das Virus erschaffen hat. Sollte man kranke Menschen dafür hassen, dass sie etwas unwissend und bei nicht vollem Bewusstsein tun? Ich finde es mehr als fragwürdig. Viele sind einfach in ihrem Schmerz des Verlustes gefangen und vergessen, dass auch nur ein Mensch dahintersteckt, welcher mit dem leben muss, was er als „Zombie“ getan hat. Denn ja, die Erinnerungen kommen zurück und sind nur schwer zu ertragen.

Man kann sehen, dass ich mir während des Buches viele Gedanken über Dieses und Jenes gemacht habe. Die Geschichte regt auf jeden Fall dazu an. Die Autorin konnte dieses ernste Thema wunderbar umsetzen, hat es verknüpft mit humorvollen und auch romantischen Szenen. Ich fand es zwischendurch wirklich spannend und der Showdown zum Ende des Buches hin hat mich überrascht und überzeugt. Es gab viele nicht vorhersehbare Wendungen, die abwechslungsreich und detailliert beschrieben worden sind. Der tolle Schreibstil wird nur der Form halber von mir erwähnt. Hier hat es mir gut gefallen, dass zwischendurch nach jedem Hauptkapitel immer eine andere Nebenperson zu Wort gekommen ist. Sei es der Vater, die Mutter, die Schwester, der Freund etc.

Die Charaktere fand ich richtig sympathisch, auch wenn mir die weibliche Prota hin und wieder auf die Nerven gegangen ist. Kara ist impulsiv, sie vertraut sich kaum noch selbst, sie ist wütend und wirkt häufig auch zynisch und verbittert. Nun gut, sie hat viel erlebt, aber sie muss versuchen, damit abzuschließen. Adrian hingegen konnte ich lange Zeit nicht einschätzen und ich fand ihn zu verkopft. Er hat viele Vorurteile gegenüber den Infizierten, nicht so viele wie andere Nebenprotas zum Beispiel, aber er ist durch seinen Schmerz doch sehr festgefahren in seiner Meinung. Doch auch er hat eine Entwicklung durchgemacht und mich dadurch sehr überrascht. Im Großen und Ganzen fand ich, dass die Charaktere gut ausgearbeitet waren.

Fazit: Mir hat die dystopische Fantasygeschichte sehr gut gefallen. Die Ernsthaftigkeit und hin und wieder auch die Brutalität innerhalb des Buches haben mich überrascht und häufig auch erschreckt, aber genau das hat es zu einem tollen und vielfältigen Leseerlebnis gemacht. Müsst ihr lesen!

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Veröffentlicht am 19.10.2022

Cooler Plot, schöne Kulisse

Kalt und still
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Am besten zur Ruhe komme ich, wenn es draußen kalt ist und ich den Schnee riechen kann. Daher kann ich Hanna verstehen, dass sie sich für ein leer stehendes Ferienhaus in Åre entschieden hat, um wieder ...

Am besten zur Ruhe komme ich, wenn es draußen kalt ist und ich den Schnee riechen kann. Daher kann ich Hanna verstehen, dass sie sich für ein leer stehendes Ferienhaus in Åre entschieden hat, um wieder zu Kräften zu kommen.

Die 34-jährige Polizistin wurde kürzlich von ihrem Freund verlassen und man hat ihr nach einem beruflichen Zwischenfall nahegelegt, den Dienst in Stockholm zu quittieren. Åre bedeutet für sie also nicht nur Erholung, sondern bietet zugleich einen Neuanfang. Doch das Idyll hier ist trügerisch. Und wirklich zur Ruhe kommt Hanna nicht. Während dichter Schneefall alles zudeckt und verschwinden lässt, erreicht sie eine Vermisstenmeldung. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn bei den eisigen Temperaturen kann niemand lange draußen überleben.

Und schwupps hatte mich der Auftaktband der neuen Polarkreis-Krimi-Reihe voll in seinem Besitz. Bereits im Prolog erschüttert die Autorin mit dem Auffinden einer steifgefrorenen Leiche. Man wird von der ersten Seite an wie bei einer Lawine mitgerissen und ständig mit Schneebällen beworfen. Die können mitunter ein bisschen weh tun, schockieren, entrüsten und sogar überrumpeln.

Die Landschaftsbeschreibungen führen einem vor Augen, wie wunderschön, aber auch lebensgefährlich und tückisch die Wetterverhältnisse am Polarkreis sind und wie diese Bedingungen die Suche nach der Vermissten erschweren. Ich habe jedes Detail, jedes Fleckchen in Åre und jedes Wort zwischen den Zeilen geliebt. Viveca Sten schafft es beinahe mühelos, eine eisige, unheimliche und bedrohliche Atmosphäre entstehen zu lassen, dass man beim Lesen Gänsehaut bekommt. I was hooked! Und ich bin jetzt schon gespannt wie ein schneeweißes Bettlaken, wie es mit Hanna weitergeht.

Fazit: Was für ein spannender Reihenauftakt! Die sympathische und eigenwillige Polizistin Hanna, eine wendungsreiche Story und die traumhaft schöne Kulisse schneebedeckter Berge - wer sich nicht nach Åre begibt, verpasst etwas ziemlich Cooles!

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Veröffentlicht am 15.10.2022

Gut recherchiert und authentisch

Diese eine Entscheidung
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Zugegeben: Eigentlich bin ich kein Fan von Büchern, die sich thematisch mit Politik und Religion auseinandersetzen. Eines kann ich aber vorweg sagen: Obwohl Tuil ihre Story genau darauf aufbaut, hat mich ...

Zugegeben: Eigentlich bin ich kein Fan von Büchern, die sich thematisch mit Politik und Religion auseinandersetzen. Eines kann ich aber vorweg sagen: Obwohl Tuil ihre Story genau darauf aufbaut, hat mich diese komplett umgehauen. Nun, nicht umsonst wurde die Autorin für ihre Bücher bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Zitat Pos. 294:
„Das Leben konfrontiert uns alle mit persönlichen Krisen. In meinem Leben sind es zwei auf einmal: eine Liebesgeschichte und das Attentat.“

Alma Revel ist Ermittlungsrichterin in der Abteilung Terrorismusbekämpfung. Ihre Ehe ist am Ende und sie beginnt eine Affäre mit dem Anwalt Emmanuel. Diese stürzt sie in einen Gewissenskonflikt, denn sie bearbeiten denselben Fall. Dann trifft Alma eine folgenschwere Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird.

Karine Tuil teilt das Buch in zwei Erzählungen auf: Zum Einen verfolgen wir die Befragung des Inhaftierten Kacem, zum Anderen das private und berufliche Leben der Richterin Alma. Tuil hat die Erzählungen so gut miteinander verbunden, dass daraus eine spannungsgeladene Story entstanden ist, die bis zum Schluss nichts an Überraschungsmomenten und Twists einbüßt.

Tuil ist selbst Juristin, was man beim Lesen zwar gemerkt hat, aber in keinster Weise störend oder zu trocken war. Ganz im Gegenteil! Sie überzeugt durch fundierte Recherchen und erzählt dabei mit einer Leichtigkeit, die mich absolut begeistert hat.

Fazit: Wer Lust auf eine gut recherchierte, authentische Story hat, der ist bei Karine Tuil genau an der richtigen Adresse. Mich hat sie absolut überzeugt und ich werde ganz sicher weitere Bücher von ihr lesen. Also ab auf's Sofa und ran an diesen spannungsreichen Roman!

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Veröffentlicht am 15.10.2022

Pageturner at its best!

Todesrache
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Ein Jahr voller Anspannung, zähfließenden Tagen und steter Ungeduld hatten Mitte September endlich ein Ende, denn der neue Sneijder war da und hat die Lesergemeinde von dem fiesen Cliffhanger, der ein ...

Ein Jahr voller Anspannung, zähfließenden Tagen und steter Ungeduld hatten Mitte September endlich ein Ende, denn der neue Sneijder war da und hat die Lesergemeinde von dem fiesen Cliffhanger, der ein Jahr im Raum stand, erlöst.

Nachdem bei der letzten Ermittlung die Sterberate im Freundes- und Kollegenkreis außerordentlich hoch lag, konnte Sneijder nicht mehr mit der Verantwortung der Verluste leben, doch ein kleiner Wink des Schicksals lässt ihn noch einmal all seine Kraftreserven mobilisieren. Die neue Spurensuche führt über Umwege über den Osten Deutschlands, wo sich Sneijder aufgrund einer Fallüberschneidung an die Fersen von Walter Pulaski, bekannt als Ermittler aus der Rache-Reihe, heftet, bis nach Polen. Dort bekommen sie es mit einer Hackerbande und der ehemaligen Stasi-Sondertruppe „Leguan“ zu tun.

Als ich hörte, dass Andreas Gruber ein Crossover zwischen seinen beiden Ermittlern plante, war ich zunächst skeptisch. Sowas kannte ich bisher nur von John Sinclair & Dorian Hunter und die Verbindung der beiden hatte mich alles andere als vom Hocker gerissen. Hier jedoch ist die Verschmelzung genial gelungen.

Thematisch werden viele Bereiche miteinander verflochten, sodass es nie langweilig wird: Cyberkriminalität, Kinderpornografie, politische Ideologie, Autismus, Leichenentsorgungsmöglichkeiten und Nutzungsmöglichkeiten von Lost Places. Wenn man mal darüber nachdenkt, wie viel Recherchearbeit hierfür notwendig war, kann man sich gar nicht vorstellen, dass ein Jahr für diesen Thriller gereicht hat. Hut ab, Herr Gruber, da haben Sie ordentlich Vollgas gegeben und die Latte für alle anderen Krimi- und Thrillerautoren verdammt hoch gelegt!

Fazit: Dieses Buch ist durch die Komplexität, die klug konstruierte Ermittlungsarbeit und insbesondere durch Sneijders Humor ein grandios gelungener Pageturner par excellence. Ich bin ein Grubie der allerersten Stunde und erneut restlos begeistert. Mein Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Geht ans Herz

Lake Paradise – Ein Zuhause für das Glück
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Allein das Cover vermittelt bereits einen Eindruck davon, wie idyllisch dieser Ort, Lake Paradise, sein muss. Also bitte, wenn ich mir diesen phantastischen Himmel und diese zauberhaften Häuser am See ...

Allein das Cover vermittelt bereits einen Eindruck davon, wie idyllisch dieser Ort, Lake Paradise, sein muss. Also bitte, wenn ich mir diesen phantastischen Himmel und diese zauberhaften Häuser am See betrachte, regt sich in mir ein Gefühl von Geborgenheit und zu Hause sein. Wer möchte dieses heimelige Fleckchen Erde nicht Heimat nennen?

Manuela Inusa erzählt eine herrliche Liebesgeschichte, die einige Hindernisse überwinden muss, bis das Glück der beiden Protagonisten Lexi und Aaron besiegelt werden kann. Dabei schafft es Inusa, die Realität stets im Blick zu behalten. So wie Lexi und Aaron sich kennen und lieben lernen, könnte es auch jeden von uns treffen. Die Geschichte ist zu keiner Zeit von Romantik (und Kitsch) überladen. Das schafft einen persönlichen Bezug und macht die Story sehr nahbar.

Die Autorin erzählt auf authentische Art und Weise und zeichnet ihre Figuren realistisch. So steigt man direkt in die Handlung ein und wird gänzlich mitgerissen. Lexi als Hauptfigur hat mir persönlich sehr gut gefallen. Ich habe mit ihr mitgefiebert und konnte ihr Handeln in jedem einzelnen Moment nachvollziehen. Hier wurde eine Welt erschaffen, in der das Schöne und die Liebe im Mittelpunkt stehen, das Tragische, das jeden von uns früher oder später ereilen muss, aber nicht außen vor lässt. Für mich ist mit diesem ersten Band ein grandioser, mitreißender Reihenauftakt gelungen.

Karoline Mask von Oppen ist als Sprecherin eine gute Wahl. Sie erzählt die Story um Lexi und Aaron mit einer Leichtigkeit, die die Zeit nur so dahinrasen lässt. Etwas befremdlich fand ich zwar die Stimmveränderungen, wenn die direkte Rede der männlichen Figuren eingesprochen wurde, dies hat der Erzählweise im Allgemeinen aber keinen Abbruch getan. Karoline Mask von Oppens Stimme habe ich sehr gern zugehört.

Fazit: Diese Story geht ans Herz ohne dabei zu sehr auf Kitsch und Klischees zu setzen. Das doch etwas offen gehaltene Ende war für mich der perfekter Schlusspunkt. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass es zumindest am Rande auch im zweiten Teil ein Wiedersehen mit Lexi und Aaron geben wird. Lesens- und hörenswert!

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