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Regina1960

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2025

Ein Buch zwischen Leidenschaft und Leiden

All the Way to the River
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Dieses Buch von Elizabeth Gilbert hat noch lange in mir „nachgearbeitet“. Auf den etwas mehr als 400 Seiten von „All the way to the river“ nimmt die Autorin ihre Leser mit auf eine ganz persönliche ...

Dieses Buch von Elizabeth Gilbert hat noch lange in mir „nachgearbeitet“. Auf den etwas mehr als 400 Seiten von „All the way to the river“ nimmt die Autorin ihre Leser mit auf eine ganz persönliche Reise, es ist „ihre“ Geschichte. Diese handelt von Liebe und Sucht, Verlust und dem Weg zu Heilung und Befreiung. Auf dieser Berg- und Talfahrt nimmt Gilbert einen mit, ich habe beim Lesen gefühlt alle Emotionen durchlebt, das Buch hatte für mich einen wahren „Suchtfaktor“, und in nur zwei Tagen hatte ich es ausgelesen. Nachhallen tut es noch immer, denn es beinhaltet soviel mehr, als nur die Beziehung von Liz und Rayya zu beschreiben. Was zunächst jahrelang als reine Freundschaft existierte, entwickelte sich später zu einer dramatischen Liebesbeziehung, geprägt von Abhängigkeiten und Exzessen. Fatal für Liz als Liebes-Süchtige, für Rayya als stoffgebunden Süchtige. Die Krebserkrankung von Rayya bringt beide Protagonistinnen bis an ihre körperlich-psychischen Grenzen, der lange, schmerzvolle Weg des Abschieds wird schonungslos beschrieben. Dabei variiert Gilbert in ihrem Buch mit Skizzen, gekrizzelten Anmerkungen und „Gesprächen“, die Liz gedanklich beispielsweise mit der Verstorbenen oder aber Gott führt. So bekommen auch die einzelnen Kapitel immer eine kurze Überschrift, einige sind recht kurz gehalten, dennoch sehr intensiv. Schriftstellerisch eine individuelle Meisterleistung von Gilbert für mein Empfinden, denn das Geschehen wurde dadurch so lebendig und packend für mich. Dass der Tod von Rayya für Liz nun auch die Chance bietet, sich auf sich selbst zu besinnen und sich hren eigenen Süchten zu stellen, macht das Buch für mich noch einmal mehr zu etwas Besonderem. Denn Liz erlebt das befreiende Gefühl der Heilung. Sie lernt, sich selbst genug zu sein und sich unabhängig zu machen von der (süchtigen) Liebe durch andere Menschen oder beispielsweise auch Materielles. Diesen Weg der Entwicklung darf der Leser dann nach Rayyas Tod mit Liz gemeinsam gehen, was auch mir zum Schluss des Buches etwas Frieden und Ruhe geschenkt hat. Denn die Geschichte mit den zahlreichen Drogen-Eskapaden hatte es schon in sich, und ich habe mich manches Mal gefragt, ob hier nicht sogar eine Triggerwarnung für empfindliche Leser angebracht gewesen wäre…Mir hat das Buch jedenfalls sehr gut gefallen, es war intensiv, aufwühlend, mitreißend und schonungslos ehrlich und emotional geschrieben. Es ist einfach etwas ganz Besonderes!

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Offen, bewegend, persönlich

Inside
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Ich bin ein leidenschaftlicher Tennisfan, und mir entgeht wohl selten ein Match, das im TV übertragen wird. Dabei interessieren mich auch immer wieder die Kommentare von Boris Becker, die für ...

Ich bin ein leidenschaftlicher Tennisfan, und mir entgeht wohl selten ein Match, das im TV übertragen wird. Dabei interessieren mich auch immer wieder die Kommentare von Boris Becker, die für mein Empfinden immer sehr ehrlich, zutreffend und fundiert sind. Daher war ich ganz besonders neugierig auf sein neues Buch „Inside“, das von seiner Zeit in den zwei britischen Gefängnissen Wandsworth und Huntercombe handelt. Im April 2022 war er wegen des Vorwurfs von Insolvenzstraftaten zu 30 Monaten Haft verurteilt worden, von denen saß er insgesamt 7 Monate hinter Gittern. Ich wurde nicht enttäuscht, im Buch gibt sich Becker offen und reflektiert, und die Dinge, die mich interessierten aus seinem Leben, habe ich auch auf den gut 345 Seiten gefunden. „Inside“ ist gut zu lesen, abwechselnd wird von der Zeit hinter Gittern und dem Privatleben erzählt. Wie konnte es dazu kommen, dass ein so gefeierter deutscher Tennisstar so tief gefallen ist? Er, der zig Trophäen mit nach Hause nehmen konnte und Millionen verdiente, endete quasi mit null Euro in der Tasche in englischen Gefängnissen? Mehr als einmal macht er dafür seinen frühen Ruhm und den Sieg des Wimbledon-Turniers im Alter von nur 17 Jahren mit verantwortlich. Er ist der Überzeugung, wäre er nicht so früh so erfolgreich gewesen, wären die Dinge anders gelaufen. Boris Becker gibt dabei auch Fehler zu, die er in seinem Leben gemacht hat, wenngleich er gleichzeitig immer wieder betont, „Er habe es eben für zwei Wochen versäumt, seinem Insolvenzverwalter Vermögenswerte anzugeben und habe Geld aus der Insolvenzmasse für Unterhalt, Miete und die Kosten einer Knieoperation verwendet. Das kann in meiner Position jedem passieren", so Becker. Alles verloren, und doch wieder auf Kurs, so würde ich es einmal bilanzieren. So schwer die Zeit auch temporär im Gefängnis war – unangenehme Wärter, schreiende Mitinsassen, schimmelige Zellen, dubiose Häftlinge - so war es für Boris gleichzeitig auch ein Neuanfang. Im Gefängnis konnte er neue Freundschaften schließen, er hat das Buch geschrieben, mit Lilian scheint er die perfekte Frau an seiner Seite zu haben, die ihn in der wohl schwersten Zeit seines Lebens nicht hat fallen gelassen und mit der er nochmal Vaterfreuden genießen wird, und auch nach der vorzeitigen Entlassung aus der Haft steht er wieder in Lohn und Brot, kommentiert bei Turnieren, und präsentiert sich wieder im Rampenlicht. Die schwere Zeit hat ihm allerdings auch aufgezeigt, welche Freunde die wahren sind . Mir hat gut gefallen, wie ehrlich und schonungslos Boris Becker dieses Buch geschrieben hat, es hat meine Erwartungen erfüllt. Ich gebe für das Buch auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung, ich habe es sehr gerne gelesen, und ich bin um einige Informationen rund um den Menschen Boris reicher. Auch der Blick hinter die Gefängnismauern war durchaus interessant. Manche Zustände, die er beschreibt, hätte ich so nicht erwartet. Aber aus diesem Grund wollte ich es ja lesen. Der Buchtitel „Inside“ ist für mein Empfinden perfekt gewählt, und dass Becker „Gesicht“ auf dem Cover zeigt, ebenfalls.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Spannender historischer Roman jedoch mit einigen Längen

Der Krieger und die Königin
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„Der Krieger und die Königin“ vom Autoren-Duo Iny Lorentz ist ein über 500 Seiten umfassender, historischer Roman, der vom Krieger Garibald und der Langobarden-Prinzessin Waltrada handelt. Er spielt um ...

„Der Krieger und die Königin“ vom Autoren-Duo Iny Lorentz ist ein über 500 Seiten umfassender, historischer Roman, der vom Krieger Garibald und der Langobarden-Prinzessin Waltrada handelt. Er spielt um das 6. Jahrhundert, wo sich in der Region zwischen Alpen und Donau das bayerische Stammesherzogtum herausbildete, ein Mischvolk aus einheimischen Keltoromanen und zuwandernden Germanen wie Alamannen und Goten. Das Buch präsentiert sich als wunderschöner Einband mit extravagantem, ästhetisch anmutenden Cover. In dem opulenten Werk wimmelt es nur so von dramatischen Kämpfen, sich bekriegenden Stämmen, fiesen Intrigen, die das Lesen zwar durchaus spannungsgeladen machen, gleichzeitig aber auch zu einer Herausforderung. Beim Lesen schwankte ich in meiner Bewertung zwischen „Mitreißend und spannend“ und „zu kompliziert, verwirrend durch die vielen Namen, Verwandschaftsgrade und Ausdrücke“. Glücklicherweise gibt es in diesem Buch ein Glossar, in dem man Namen und Ausdrücke nachschlagen kann, was die Übersicht etwas erleichtert, allerdings auch den Lesefluss zwischendurch schon störte. Stellenweise wirkten mir manche Kampfszenen einfach zu ausgedehnt beschrieben, sie nahmen schon enorm viel Platz ein, während die eigentliche Liebesgeschichte, die ich aufgrund des Buchcovers mit einer wunderschönen, jungen Frau und des Klappentextes erwartet hatte, mir persönlich zu kurz kam. Schließlich geht es ja darum, wie das Paar im Früh-Mittelalter das Schicksal Bayerns in eine neue Richtung lenkt. Dabei tritt mir aber die Langobarden-Prinzessin Waltrada viel zu wenig in Erscheinung, während der junge bajuwarische Krieger Garibald immerzu präsent ist. Während Garibald in Italien an der Seite der Ostgoten kämpft und zu Ruhmesehren gelangt, wird Waltrada gegen ihren Willen mit dem mächtigsten König der Franken verheiratet. Erst zum Ende des Buches befreit Garibald Waltrada aus ihrer mißlichen Situation und nimmt sie später zur Frau. Das geht dann für mich am Schluss dann alles doch sehr schnell, da hätte ich mir gewünscht, dass Waltrada als Hauptfigur zwischendurch mehr in Erscheinung getreten wäre, und auch das Zusammenkommen mit Krieger Garibald etwas glaubwürdiger geschildert worden wäre. Das war mir etwas zu oberflächlich und wirkte etwas „runterschrieben“ zum Buchende. Damit werden die beiden zum ersten historisch verbürgten Herzogpaar der Bajuwaren, mit ihnen beginnt die Geschichte Bayerns als eigenständigem Herrschaftsgebiet. Ein durchaus spannender, historischer Roman, der jedoch stellenweise anstrengend zu lesen war und von dem ich persönlich eine etwas andere Vorstellung hatte.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Das ist ein Krimi, den man nicht mehr aus der Hand legen kann!

Die Farbe des Schattens
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Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Kriminalromanen, dennoch hatten mich der interessante Klappentext und das ausdrucksstarke Cover zu Susanne Tägders Buch „Die Farbe des Schattens“ neugierig ...

Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Kriminalromanen, dennoch hatten mich der interessante Klappentext und das ausdrucksstarke Cover zu Susanne Tägders Buch „Die Farbe des Schattens“ neugierig gemacht. Ich wurde wahrhaft nicht enttäuscht, der Roman mit seinen etwas mehr als 300 Seiten hat mich so fasziniert und in seinen Bann gezogen, dass ich einfach nicht mehr aufhören konnte zu lesen. In 2 Tagen hatte ich es ausgelesen, und mir gleich danach sofort ein weiteres Buch der mir bis dahin unbekannten Autorin bestellt, denn Tägdar schreibt einfach so unfassbar gut! In diesem Roman geht es um den elfjährigen Matti Beck, der in einer Plattenbausiedlung im Mönkebergviertel in Mecklenburg, gemeinsam mit seinen Eltern und zwei Geschwistern, lebt. Wir schreiben das Jahr 1992, die Zeiten nach der Wende sind trist, die Menschen frustriert, teilweise sehr perspektivlos, es herrschen Arbeitslosigkeit und allgemein ein Gefühl der Orientierungslosigkeit. Matti wird am frühen Abend noch zum Einkaufen geschickt, es fehlt noch ein Brot, und kehrt nicht mehr zurück nach Hause. Es beginnt eine verzweifelte Suchaktion nach dem Jungen, schließlich findet man ihn ermordet in einem dusteren Kellerraum in einem leerstehenden Gebäude. Mit der Aufklärung beschäftigen sich fortan der leitende Hauptkommissar Groth und sein Team, und begeben sich auf akribische Tätersuche. Der erfahrene Ermittler holt noch seinen ehemaligen Kollegen Gerstacker mit ins Boot, denn das Verschwinden von Matti weckt Erinnerungen an einen ungeklärten Mord an einem anderen Jungen, der sich ebenfalls vor Jahren in derselben Gegend ereignet hat. Gerstecker ermittelte damals erfolgslos in dem Fall, wurde im Zuge der Wende vom Dienst suspendiert wegen einer verschwiegenen Verbindung zur Stasi. Gibt es Parallelen, handelt es womöglich um den gleichen Täter? Wie Susanne Tägder von Anfang an die einzelnen Protagonisten mit ihren Charakteren herausarbeitet, ist dann einfach einzigartig. Die Autorin nimmt einen mit in deren Gedankenwelt, als Leser lebt und fühlt man beispielsweise mit Ermittler Groth, der immer wieder eingeholt wird von den Erinnerungen an seine verstorbene Tochter. Eingearbeitet werden dann noch geschickt Einzelschicksale, die auf den ersten Blick nichts mit dem Geschehen zu tun haben, zum Schluss aber dennoch eine Rolle spielen für die Ermittlungen. Dabei blickt die Autorin einfühlsam, dennoch mit scharfem Blick, auf den tiegreifenden Umbruch in der ehemaligen DDR, drei Jahre nach dem Mauerfall und die daraus resultierenden sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftliche Konsequenzen: Leerstehende, verfallende Gebäude, Abwanderung junger Menschen, die im Westen bessere Chancen sahen, Perspektivlosigkeit durch den Verlust der Arbeitsplätze, was den Boden nährte für die Entwicklung von „braunen Zellen“. Tägder legt hier bewusst die Finger in die Wunde der Anfangsschwierigkeiten und sozialen Spannungen der Nachwendezeit, die Anhänger mobilisierten und die Wiedervereinigung nutzten, um ihre Propaganda zu verbreiten. Fazit: Der Roman bleibt fesselnd bis zum Schluss, und ist ein außergewöhnlich intensiv geschriebener Krimi. Für mich wohltuend und begrüßenswert, dass er auf Grausamkeiten oder brutale Szenen nahezu verzichtet, und dennoch so intensiv und fesselnd ist, dass man einfach nicht genug davon bekommen kann. Der Schreibstil von Susanne Tägder ist einzigartig und verdient für mein Empfinden weit mehr als 5 Sterne!



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Veröffentlicht am 03.09.2025

Emotionaler Roman mit Tiefgang einfühlsam geschrieben

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Dieses Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, „Du mußt meine Hand fester halten, Nr. 104“ von Susanne Abel ist für mich eines der besten Bücher, das ich jemals gelesen habe. Mit großem Einfühlungsvermögen ...

Dieses Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, „Du mußt meine Hand fester halten, Nr. 104“ von Susanne Abel ist für mich eines der besten Bücher, das ich jemals gelesen habe. Mit großem Einfühlungsvermögen und psychologischem Tiefgang erzählt die Autorin in ihrem Roman die Geschichte von Hardy und Margret, die als Kinder im Krieg ihre Familien verlieren und zunächst im gleichen Heim untergebracht werden. Der einige Jahre jüngere kleine Hardy muss hier besonders leiden, denn er verweigert das Sprechen als Schutzmaßnahme und wird, wie damals so üblich, als geistig unterentwickelt eingestuft. Das hat zur Folge, dass man ihm niemals die Möglichkeit gibt, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Hardy wird systematisch gequält und mißhandelt. In dieser Zeit entwickelt sich Margret quasi zu seiner großen Schwester, sie ist die Einzige, der er sich anvertraut und mit der er spricht. Ihre Wege trennen sich zunächst aber wieder, um sich später wieder zu kreuzen, die beiden heiraten sogar und bekommen eine Tochter. Über die traumatische Vergangenheit wird aber in der Familie nie gesprochen, und das holt alle generationenübergreifend in der Gegenwart ein. Susanne Abel erzählt diesen Roman auf zwei Zeitebenen, die Vergangenheit von Hardy und Margret verwebt sie meisterhaft mit der Gegenwart, wobei es der Autorin von der ersten Zeile an gelingt, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Ich mochte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, ich habe mit den Protagonisten mitgelitten, wobei es neben vielen tragischen und traurigen Momenten auch durchaus einige heitere gab. Es war für mich eine Bereicherung, diesen bewegenden Roman zu lesen, der inhaltlich sehr viel Tiefgang hat. Das Buch werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Alle Charaktere wurden nahezu meisterlich herausgearbeitet, geschichtliche Hintergründe wie Medikamentenversuche und Mißbrauch in Heimen zur Nachkriegszeit eingearbeitet, wobei Sabine Abel stilistisch nie den Bogen überspannt hat und stets einfühlsam geblieben sind. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

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