Unterhaltsamer Nordsee-Krimi, der bis zum Schluss spannend bleibt
Der Tote auf dem Kniepsand„Der Tote auf dem Kniepsand“ war mein erstes Buch, das ich von der Autorin Anna Johannsen gelesen habe. Sie hat bereits 12 Kriminalromane in der Reihe rund um die „Inselkommissarin“ Lena verfasst, diesen ...
„Der Tote auf dem Kniepsand“ war mein erstes Buch, das ich von der Autorin Anna Johannsen gelesen habe. Sie hat bereits 12 Kriminalromane in der Reihe rund um die „Inselkommissarin“ Lena verfasst, diesen Band 13 kann man aber ohne jegliches Vorwissen problemlos lesen. Verlegt vom Verlag Edition M (einem Imprint von Amazon Publishing,) deutet bereits ein Blick auf das Cover, das Meer und Watt zeigt, wo das Geschehen sich abspielt: Am Meer, genauer gesagt auf der Insel Amrum. Die 286 Seiten hatte ich in kürzester Zeit ausgelesen, zu gespannt war ich einfach, wer sich hinter den Straftaten verbirgt. Und das habe ich wirklich erst ganz zum Schluss erfahren und war echt total überrascht! Inhaltlich geht es um den 35-jährigen Dennis Claasen, den man tot am Amrumer Kniepsand auffindet. Ob Suizid oder Fremdeinwirkung, wird sich erst später bei den Ermittlungen klären. Rund um den Tod gibt es noch um einen Zweitstrang, einen Drogenhandel, der über die Nordsee im Bereich der Insel Amrum abgewickelt wird. Es macht den Anschein, dass sowohl der Tod des jungen Mannes als auch aufgefundene Drogenpakete miteinander zu tun haben, fragt sich nur wie? Organisierter Drogenhandel, Erbstreitigkeiten und individuelle Geldprobleme einiger Inselbewohner geraten ins Visier der Ermittlungsbehörden. Eine ganz schön knifflige Aufgabe für die Chefin Kommissarin Lena Lorenzen und ihre Kollegin Naya Olsen. Die beiden legen Fleiß, akribischen Ehrgeiz und Mut an den Tag, um mit ihren Nachforschungen voranzukommen. Puzzleteilartig kommen neue Indizien hinzu, die später dann aber teilweise wieder verworfen werden. Bis zum Schluss lässt einen die Autorin Rätselraten, legt auch raffiniert manch falsche Fährte, was dann den Krimi noch einmal etwas spannender gemacht hat. Neben klugen Wendungen hat das Buch dann besonders gepunktet bei mir durch die hervorragende Herausarbeitung der tragenden Figuren, Lena und Naya. Die beiden konnte ich mir charakterlich sehr gut vorstellen, sie werden sehr menschlich in ihrem Denken und Handeln beschrieben und wurden dadurch sehr greifbar für mich. Ihrer beider problematisches Privatleben wird geschickt in die Handlung eingearbeitet., aber dezent, nie übertrieben. Das hat das Buch für mich einen ganzen Hauch lebendiger gemacht, sonst wäre es mir vielleicht zu „ruhig“ für einen Krimi gewesen. Denn das Buch bleibt zwar inhaltlich durchaus spannend bis zum Schluss, hat aber ein relativ gemäßigtes Tempo. Für mich hätte der Spannungsaufbau noch einen Tick mehr hätte sein dürfen. Aber Ermittlungen gehen halt im realen Leben auch häufig etwas schleppend voran, so wird es dadurch auch wieder glaubhaft. An jedem noch so kleinen Ermittlungsschritt darf man teilhaben in diesem Buch, so war man quasi immer an der Seite der Kommissarinnen und auf dem Laufenden. Dabei waren die Handlungsstränge immer logisch und nachvollziehbar. Wer einen soliden Kriminalroman mit Inselflair und Lokalkolorit mag, der sich vom Tempo eher langsam entwickelt und dennoch spannend bleibt, mit klugen Wendungen überrascht, flüssig geschrieben ist in einem hervorragenden Schreibstil, ist mit diesem Buch gut beraten.