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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2025

Faden für Faden zur Ruhe – Achtbeinige Einschlafhilfe mit Herz

Die kleine Spinne Widerlich freut sich auf ihr Bettchen
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Obwohl der kleine Leser bereits einige „Gute Nacht“ Bücher und Bücher rund um das Thema Einschlafen hat, konnte ich bei diesem hier trotzdem nicht widerstehen. Glücklicherweise konnte ich nicht widerstehen, ...

Obwohl der kleine Leser bereits einige „Gute Nacht“ Bücher und Bücher rund um das Thema Einschlafen hat, konnte ich bei diesem hier trotzdem nicht widerstehen. Glücklicherweise konnte ich nicht widerstehen, denn sowohl der kleine Leser als auch wir Erwachsene sind restlos begeistert.
Für uns ist es nicht das erste Buch von der kleinen Spinne Widerlich und daher kannten wir bereits einige der in der Geschichte vorkommenden Spinnen. Wobei dies für die Geschichte nicht wirklich relevant ist und das Buch auch ohne Vorkenntnisse der vorhergehenden Bände ohne Schwierigkeiten gelesen werden kann.
Wie der Titel des Buches bereits verrät, dreht sich in dieser Geschichte alles um das Thema „ins Bett gehen“. Die kleine Spinne besucht und befragt dazu Freunde und Verwandte bezüglich ihrer Strategien zum schnellen und guten Einschlafen. Am Anfang habe ich befürchtet, dass es ein wenig langweilig werden könnte, da es sich dabei ja immer wieder um die gleiche Fragestellung handelt. Doch diese Sorgen waren vollkommen unbegründet. Jedes Gespräch der Spinne hat seinen eigenen besonderen Charme und enthält dazu wichtige Informationen. Die verschiedenen Dinge, die man machen kann, werden dabei ansprechend und kindgerecht erklärt. Besonders großartig finde ich hierbei, dass die Bezeichnung der Rituale und Routinen dabei immer in einer roten Spinnenschrift dargestellt werden und sich dadurch optimal vom restlichen Text abheben.
Das Verlag gibt als empfohlenes Lesealter an, dass das Buch für Kinder ab 4 Jahren geeignet ist. Da der Text doch umfangreich ist, kann ich diese Einschätzung verstehen. Allerdings hat meine Erfahrung mit dem kleinen Leser und dem Buch gezeigt, dass auch jüngere Kinder an der Geschichte ihre Freude haben. Ich persönlich würde daher das Buch bereits ab 2 Jahren empfehlen, unter der Voraussetzung, dass das Kind bereits mit etwas längeren Texten vertraut ist.
Wirklich etwas Neues haben wir durch dieses Buch nicht gelernt, die Rituale und Routinen waren mir so weit schon vertraut. Trotzdem finde ich es großartig dies alles noch einmal auf engem Raum zusammengefasst zu haben. Vor allem da der kleine Leser immer wieder Schwierigkeiten damit hat zur Ruhe zu kommen. Onkel Langbeins Ritual des „bettfein machen“ hat dem kleinen Leser hierbei besonders gut gefallen und wir haben dies jetzt in unseren Alltag integriert und es scheint wirklich zu wirken.
Die Illustrationen von Martina Matos sind farbenfroh, detailreich und äußerst liebevoll gestaltet. Es gibt sogar ein kleines Suchspiel, das sich quer durch die Geschichte zieht. Da wir das Buch aber Großteils zum Einschlafen lesen, haben dies bis dato noch nicht wirklich gemacht. Ich finde es aber eine schöne Möglichkeit die Aufmerksamkeit der Kinder im Buch zu behalten.
Martina Matos schafft es mit ihren Bildern die verschiedenen Spinnen äußerst sympathisch wirken zu lassen und hebt noch einmal ihre besonderen Fähigkeiten und ihre Einzigartigkeit hervor. Diana Amft unterstützt diesen Eindruck mit ihren gelungen und durchaus sehr humorvollen Texten.
Obwohl wir, wie anfangs bereits erwähnt, bereits eine Vielzahl ähnlicher Bücher haben, muss ich sagen, dass dieses Buch hier wirklich mein absoluter Favorit ist. Ich freue mich jedes Mal, wenn der kleine Leser dieses Buch aussucht, denn das Vorlesen macht einfach wirklich viel Spaß. Und auch der kleine Leser hat Spaß, vor allem Niesi hat es ihm angetan, den findet er nämlich zum Schießen komisch.
Für dieses Buch kann ich wirklich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen und es allen Menschen mit kleinen Kindern ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Zwischen grünen Hügeln und rotem Gesicht – Wenn Spice die Story überlagert

Morbidly Yours
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Die Inhaltsangabe des Buches versprach so viele interessante Themen und eine grandiose Liebesgeschichte in einer atemberaubenden Kulisse. Ein schüchterner und unkonventioneller Held, eine starke Heldin ...

Die Inhaltsangabe des Buches versprach so viele interessante Themen und eine grandiose Liebesgeschichte in einer atemberaubenden Kulisse. Ein schüchterner und unkonventioneller Held, eine starke Heldin eingebettet in die grünen Hügel Irlands. Zu meiner großen Enttäuschung musste ich allerdings feststellen, dass hier mehr Schein als Sein war.
Wobei ich dem Verlag zugutehalten muss, dass die Inhaltsangabe nicht komplett falsch lag, so etwas gibt es ja leider auch ab und an. Es waren alle angesprochenen Aspekte vorhanden, nur war ich mit der Umsetzung nicht besonders glücklich. Erste Befürchtungen, dass dieses Buch und ich keine Freunde werden hatte ich aber schon bevor ich überhaupt mit dem ersten Kapitel angefangen habe. Also alles andere als ein guter Start. Denn, bevor man in die Geschichte eintauchen darf, gibt es "Irisch / Gälisch Aussprache und Übersetzung". Ich habe mich gefreut, dass auch in der Sprache die Authentizität durchkommt und manche irischen Begriffe nicht übersetzt werden. Zu meinem großen Entsetzen musste ich dann aber feststellen, dass es sich bei den angeführten Wörtern fast ausschließlich um "dirty talk" handelt. Ein klares Zeichen für mich, dass der Anteil an intimen Szenen sehr hoch sein wird. Leider bin ich aber kein Fan von zu viel und vor allem von in die Geschichte unpassendem Spice.
Nach den ersten paar Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass ich mir unnötig Sorgen gemacht habe und ich in eine einfache Übersetzungsliste zu viel hineininterpretiert habe. Denn der Beginn war genau so wie ich es mir vorgestellt habe.
Mit Callum hat Autorin Ivy Fairbanks einen wirklich interessanten und teilweise unkonventionellen Charakter erschaffen. Mit seinem Beruf als Bestatter, seiner sozial Phobie und seinem Stottern hebt er sich deutlich von der Masse an Liebesroman-Helden ab. Optisch ist Callum natürlich trotzdem ein Hingucker und auch sein Charakter ist tadel- und makellos.
Bei Lark schaut die Sache hingegen ein wenig anders aus. Natürlich ist auch sie gutaussehend, aber ihren Charakter würde ich nicht als makellos bezeichnen. Viele ihrer Handlungsweisen kann ich nicht nachvollziehen und wirklich sympathisch wurde Lark mir bis zum Schluss auch nicht. Ich kann zwar verstehen, dass die ganze Situation für sie aufgrund ihrer Vergangenheit, auf die ich aufgrund von Spoilergefahr nicht näher eingehen möchte, nicht ganz einfach ist und sie sich in einer Zwickmühle befindet. Ihr Umgang mit Callum ist trotzdem mehr als fragwürdig und ich würde sie sogar als distanzlos, zudringlich und aufdringlich beschreiben.
Wie nicht anders zu erwarten, kam es dann auch irgendwann zu den ersten intimen Szenen. Ich lehne solche Szenen nicht kategorisch ab, habe aber große Ansprüche an die Art und Weise wie diese in die Geschichte eingebunden werden und an die Qualität der Beschreibungen. Leider hat mich Ivy Fairbanks in dieser Hinsicht enttäuscht. Zu Beginn dachte ich noch, dass sie die Kurve bekommen könnte, doch dann wurde die Anzahl immer höher, die Gelegenheiten immer unpassender und vor allem empfand ich es mit den Charakteren und deren Vergangenheit als unstimmig.
Bei diesem Buch bin ich erstmals sehr unsicher, was die Bewertung des Schreibstils betrifft. Denn ich kann hierbei schwer sagen, was wirklich Schwächen der Autorin sind und was auf eine mangelhafte Übersetzung hindeutet. Ich denke aber, dass es hierbei die Übersetzung ist, die mir so große Probleme gemacht hat.
Mein erster Impuls war, dieses Buch mit nur 2 von 5 Sternen zu bewerten. Da aber weder die Autorin noch der Verlag schuld an meiner Abneigung gegen übermäßigen Spice sind, gebe ich wohlmeinende 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Wenn Süßigkeiten die Seele berühren

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Endlich wieder einmal ein richtig schöner, einfühlsamer und träumerischer asiatischer Wohlfühlroman. Autorin Hiyoko Kurisu hat meiner Meinung nach hier alles richtig gemacht und Liebhaber von Romanen wie ...

Endlich wieder einmal ein richtig schöner, einfühlsamer und träumerischer asiatischer Wohlfühlroman. Autorin Hiyoko Kurisu hat meiner Meinung nach hier alles richtig gemacht und Liebhaber von Romanen wie "Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen", "Das kleine Café der zweiten Chancen" oder "Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei" werden hier auf ihre Kosten kommen. Besonders freut mich, dass es bereits einen Folgeroman gibt, auch wenn dieser leider noch nicht in der deutschen Übersetzung vorliegt.
Normalerweise halte ich mich bei meinen Rezensionen nicht lange mit der Optik und Haptik von Büchern auf. Dies liegt daran, dass ich vermehrt E-Books lese, bei denen beide Punkte nicht so relevant sind. In diesem Fall muss ich aber eine Ausnahme machen und dem Droemer Knaur Verlag wirklich zu der Aufmachung des Buches gratulieren. Denn auch optisch und haptisch ist dieses Buch ein kleines Highlight. Das dunkelblaue Cover mit den goldenen Elementen passt perfekt zu Titel und Inhalt des Buches und stimmt einen beim Betrachten bereits auf den Inhalt ein. Zusätzlich wurde beim Cover auch noch mit einem Prägeverfahren gearbeitet und einige der Elemente sind spürbar erhöht.
Da das Äußere des Buches mich bereits restlos überzeugt hatte, war ich umso gespannter, ob Kurisu-san mich auch inhaltlich begeistern wird können. Zu meiner großen Freude kann ich diese Frage mit einem lauten Ja beantworten.
Das Buch ist in sechs Kapitel bzw. Episoden eingeteilt. Jede Geschichte ist in einem gewissen Maße in sich abgeschlossen und trotzdem gibt es den berühmten roten Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht und alles miteinander verbindet. Wie so häufig gibt es Kapitel, die einem mehr zusagen als andere. Wobei es in diesem Fall so ist, dass mir alle Geschichten gefallen haben, ich mich aber mit der einen oder anderen besser identifizieren konnte, da sie näher an meinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen ist.
Der Erzählstil der Autorin ist poetisch, ein klein wenig mystisch und mythisch. Das ganze Buch wirkt wie ein Märchen oder eine Fabel und dies ist sicher nicht durch Zufall passiert. Kurisu-san vermischt sehr gekonnt alltägliche Dinge und Probleme mit Fabelwesen und einer Prise Magie. Wie bereits erwähnt handelt es sich um einen Wohlfühlroman, der aber nicht nur darauf abzielt dem Leser oder der Leserin ein gutes Gefühl zu geben. Viel mehr lädt das Buch ein tief ins Innere zu blicken, in das der Protagonisten, aber vor allem auch in das eigene. Es geht um Wünsche und Träume, um Unsicherheiten und Selbstzweifel. In gewisser Weise handelt es sich hierbei auch um einen Selbsthilferoman. Das Thema Selbsthilfe wird jedoch nicht so plump angegangen, wie es in anderen Büchern oft der Fall ist. Hier sind es die leisen Zwischentöne, die uns aufrütteln und uns erkennen lassen, wie wir selbst unser Leben beeinflussen können. Oft braucht es nur einen kleinen Anstoß von außen, wie eben die magischen Süßigkeiten von Kogetsu, damit wir unser Leben ändern oder erkennen, dass wir eigentlich sowieso alles haben, was wir uns wünschen. Es oft aber aufgrund unserer Selbstzweifel nicht sehen oder zulassen können.
Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt und fasziniert und ich wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die gut 200 Seiten sind nur so an mir vorbeigeflogen. Wobei ich mir sicher bin, dass dies einer der Bücher ist, die ich bestimmt noch einmal lesen werde.
Ich kann und möchte dieses Buch wirklich von ganzem Herzen weiterempfehlen und hoffe, dass es bald eine deutsche Übersetzung für die Fortsetzung geben wird. Denn ich kann es gar nicht erwarten wieder in die Zwischenwelt der Mondlichtgasse eintauchen zu dürfen.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Zauberhaft, aber nicht verzaubert

Rewitched
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Bereits seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Hexen und Magie. Diese Faszination ist mit zunehmendem Alter zwar ein wenig geschrumpft, aber gegen eine gute Geschichte über eine moderne Hexe habe ...

Bereits seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Hexen und Magie. Diese Faszination ist mit zunehmendem Alter zwar ein wenig geschrumpft, aber gegen eine gute Geschichte über eine moderne Hexe habe ich nichts einzuwenden. Lucy Jane Woods Roman hat mir ein paar vergnügliche Lesestunden beschert, aber zum Lesehighlight hat es nicht gereicht.
Dabei hat die Autorin es geschafft viele Kleinigkeiten, die ich mag in ihrem Buch zu vereinen. Dazu zählt selbstverständlich Magie und Hexenkunst. Auch wenn dies für manche vielleicht einfallslos oder langweilig klingt, aber ich habe mich gefreut, endlich wieder einmal über ganz klassische Hexenkunst zu lesen. Ich bewundere alle Fantasyautorinnen und -autoren für ihre kreativen Einfälle, aber manchmal will man einfach nur ursprüngliches und althergebrachtes. Lucy Jane Wood hat dieses alte Wissen sehr gut in die moderne Welt eingebunden und vor allem die kleinen Zauber in der Buchhandlung fand ich herzallerliebst. Wobei Buchhandlung ein gutes Stichwort ist. Auch für die Wahl des Handlungsortes bekommt die die Autorin von mir Pluspunkte. Ebenso für die interessanten und leicht kauzigen Nebencharaktere.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und gerade der erste Teil des Buches ist nur so an mir vorbeigeflogen. Die herbstliche Stimmung war klar und deutlich spürbar und auch die verschiedenen Emotionen konnte ich fühlen und nachempfinden. Ich konnte von der ersten Seite weg richtiggehend in die Geschichte eintauchen und hätte am liebsten den Platz mit Belle getauscht. Auch gegen Ende hin, als sich die Ereignisse förmlich fast überschlagen haben, war ich tief versunken in den Vorkommnissen. Leider gab es aber auch den Mittelteil, beidem ich oft das Gefühl hatte, dass das Buch nie ein Ende finden würde. Obwohl auch dort viel passiert und es eigentlich nie langweilig wird, hat sich dieser für mich ein wenig gezogen.
Wenig begeistern konnte ich mich auch für die Liebesgeschichte. Dies liegt aber nicht daran, dass ich prinzipiell etwas gegen Liebesgeschichten habe, sondern eher daran, dass der Funke einfach nicht übergesprungen ist. Es zwar meiner Meinung nach zwar schon relativ früh im Buch klar, zwischen welchen Personen sich etwas entwickeln wird, aber richtig gespürt habe ich das Ganze nicht. Obwohl ich an vielen anderen Stellen die Gefühle von Belle gut nachvollziehen konnte, vor allem, was ihr mangelndes Selbstvertrauen betrifft, war die aufkeimende Liebe für mich einfach nicht glaubhaft.
Wie bereits erwähnt, konnte Lucy Jane Wood bei mir Punkte sammeln für ihre Charaktere. Dazu zählt vor allem Belle, immerhin geht es in dieser Geschichte um sie und ihre Hexenmagie. Besonders hervorheben möchte ich, dass sich die Autorin nicht nur darauf beschränkt hat die Entwicklung der Kräfte zu beschreiben, sondern Belle auch als Persönlichkeit im Laufe des Buches gewachsen ist und eine deutliche Charakterentwicklung durchgemacht hat.
Der Hexenzirkel, dessen Mitglieder und die Beschreibungen des Ganzen habe ich sehr interessant gefunden und der Großteil davon war auch sehr gelungen. Allerdings gab es auch hier einige Punkte, die ich nicht ganz verstanden habe bzw. die für mich nicht logisch waren.
Alles in allem war dieses Buch wie gesagt, eine durchaus angenehme Leseerfahrung. Allerdings konnte ich mich die Geschichte nicht so begeistern und mitreißen wie ich es mir erhofft und erwartet habe. Eine Leseempfehlung möchte ich trotzdem für das Buch aussprechen, und zwar für all jene, die eine Einstimmung auf den Herbst haben möchten und die, so wie ich, ein Faible für Hexenmagie haben.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Fragmentierte Erinnerungen und stille Emotionen

Onigiri
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In der letzten Zeit habe ich vermehrt das Gefühl, dass die japanischen Romane, welche eine deutsche Übersetzung bekommen, grob in zwei Kategorien eingeteilt werden können. Da gibt es die Wohlfühlromane, ...

In der letzten Zeit habe ich vermehrt das Gefühl, dass die japanischen Romane, welche eine deutsche Übersetzung bekommen, grob in zwei Kategorien eingeteilt werden können. Da gibt es die Wohlfühlromane, wie z. B. „Die Magnolienkatzen“, „Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ oder „Das kleine Café der zweiten Chancen“. Bücher, die einem zwar zum Nachdenken anregen, aber den Leser oder die Leserin mit einem positiven Gefühl zurücklassen. Und gibt es da die Romane, wie z.B. „Vermissen auf Japanisch“ oder „Kankos Reise“, die meistens ein schwieriges Thema behandeln, einen leicht verwirrenden Aufbau haben und eher ein leicht bedrückendes Gefühl hinterlassen.
„Onigiri“ zählt hierbei für mich ganz klar zur zweiten Kategorie. Wobei diese Einteilung noch nichts über die Qualität des Buches aussagt. Ich finde es nur wichtig dies zu erwähnen, um etwaige Enttäuschungen vorzubeugen. Wer einen japanischen Wohlfühlroman sucht, wird mit diesem Buch wohl eher nicht glücklich werden.
Autorin Yuko Kuhn erzählt hier auf sehr eindrucksvolle und empathische Weise eine deutsch-japanische Familiengeschichte. Die beiden Hauptschwerpunkte der Geschichte, der Tod der in Japan lebenden Großmutter und die Demenzerkrankung der Mutter, welche man bereits dem Klappentext entnehmen kann, geben dabei aber nur einen groben Rahmen vor. Wie bereits zu Beginn meiner Rezension angedeutet, ist der Aufbau des Romans ein wenig verwirrend und gewöhnungsbedürftig. Dies liegt vor allem daran, dass die Erlebnisse nicht chronologisch erzählt werden. Dies ist selbstverständlich in vielen Romanen der Fall, Yuko Kuhn geht aber noch einen Schritt weiter. Indem sie nämlich ohne Kennzeichnung die zeitliche Ebene von einem Absatz zum nächsten wechselt. Für manch einen mag dies befremdlich sein und den Lesefluss stören. Ich bin dies allerdings bereits aus anderen Romanen gewohnt und konnte mich daher schnell darauf einstellen. Gerade in Kombination mit der Demenzerkrankung von Akis Mutter, fand ich dies ein sehr gut gewähltes Stilmittel.
Yuko Kuhn schafft den, meiner Meinung nach äußerst schwierigen, Spagat zwischen Emotionalität und Nüchternheit. Für manche mag ihre Art die Geschichte zu erzählen vielleicht ein wenig zu distanziert und kühl wirken. Dies ist mir bereits in mehreren japanischen Romanen aufgefallen und ich würde es auch hier wieder dem kulturellen Hintergrund der Autorin zuordnen. Dennoch steckt in den Zeilen so viel Gefühl. Man braucht nur eben einen Augenblick, um dies zu merken. Genauso wie man ein wenig braucht, um die Geschichte im Kopf zusammensetzen zu können. Für mich waren die einzelnen Episoden wie kleine Puzzlestücke die verstreut auf einem Tisch liegen. Erst nach und nach haben sie sich in meinem Kopf zusammengesetzt und dann ein Gesamtbild ergeben.
Dies ist kein Roman, den man einfach so mal zwischendurch lesen kann. Dies ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, sowohl während als auch nach dem Lesen. Den das Gelesene berührt einen, gibt einem zu denken und lässt einen so schnell nicht mehr los. Jedenfalls ist es mir so ergangen.
Besonders berührend empfand ich die Beschreibungen und den Umgang mit der Demenzerkrankung von Keiko. Obwohl die Krankheit maßgeblichen Einfluss auf Keikos Verhalten und die gesamte Familiendynamik hat, wird sie nie als Kranke dargestellt. Also nicht in dem Sinne, dass die Krankheit sie definiert und ausmacht.
Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich hierbei um ein, auf vielen Ebenen, schwieriges Buch handelt. Meiner Meinung nach ist die Lektüre der Geschichte aber eine lohnende Erfahrung.

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