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Veröffentlicht am 24.08.2024

Der Debütroman von Laura Spence-Ash ist ein netter Schmöker mit Ecken und Kanten.

Und dahinter das Meer
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Die Autorin erzählt von Beatrix, die im Zweiten Weltkrieg mit vielen anderen Kindern von Großbritannien in die USA verschifft wird, um ihr Leben zu schützen. Sie muss als 11jährige sich allein in einer ...

Die Autorin erzählt von Beatrix, die im Zweiten Weltkrieg mit vielen anderen Kindern von Großbritannien in die USA verschifft wird, um ihr Leben zu schützen. Sie muss als 11jährige sich allein in einer neuen Umgebung, in einer neuen Familie zurecht finden. Dabei hat sie das Glück, dass sie in eine gute, freundliche und liebevolle Familie kommt. Währenddessen kämpfen ihre Eltern, um ihre Ehe, ihre Gefühle und gegen die Deutschen.

Der Schreibstil lässt den Lesenden schnell in die Geschichte eintauchen. Die Autorin bleibt bei den geschichtlichen Passagen leider sehr oberflächlich und baut die Widrigkeiten nur am Rande mit ein. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die geschichtliche Entwicklung mehr in die Geschichte mit eingebaut wird.

Ihr Fokus liegt jedoch mehr auf den Beziehungen, die sich innerhalb der zwei Familien entwickeln. Die Zerrissenheit, die Wut und Ohnmacht der zurückgebliebenen Eltern. Die Angst der Mutter, dass sie ihre Tochter an die neue Familie verliert. Da ihre Eltern sich immer mehr zerstreiten und kaum noch miteinander sprechen, entwickeln sich unabhängig voneinander zwei (Austausch-)Stränge, die zu den Ersatzeltern Mr. und Ms. G führen.

Die Autorin erzählt die Geschichte von 1940 bis 1977. Es sind viele (vielleicht auch zu viele) Jahre für die wenigen Seiten, so dass sie leider nur an der Oberfläche der Gefühle, der Geschichte und den Personen kratzen kann. Mir waren die Sprünge manchmal zu abrupt. Auf einmal war man im Jahr 1951 und dann in den Jahren 1960-1965 gelandet. Da sie aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte geschrieben hat, wurden man immer wieder aus der aktuellen Szene herausgerissen. Die Art und Weise, wie die Charaktere lebten und liebten, erinnerte mich weniger an die 50-60iger Jahre. Es war für mich eher eine Mischung aus der Vergangenheit gepaart mit den Ansichten von heute. Daher wirkten manche Handlungen leider nicht so passend (für die vergangene Zeit). Das Ende, ach das Ende, war dann doch mehr oder weniger (je nach Neigung des Lesenden) im Kitschtopf gefallen.

Der Debütroman von Laura Spence-Ash ist ein netter Schmöker mit Ecken und Kanten.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2024

Schönes ruhiges Buch

Hotel Paraíso
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Arezu Weitholz hatte mich schon mit ihrem Buch "Beinahe Alaska" eingefangen. Ich mochte ihre Art zu erzählen und wie sie die Menschen sieht und beschreibt. Wem das Buch "Beinahe Alaska" gut gefallen hat, ...

Arezu Weitholz hatte mich schon mit ihrem Buch "Beinahe Alaska" eingefangen. Ich mochte ihre Art zu erzählen und wie sie die Menschen sieht und beschreibt. Wem das Buch "Beinahe Alaska" gut gefallen hat, wird auch seine Freude an dem neusten Werk "Hotel Paraíso" haben.

Diesmal begleiten wir Frieda, die kurz vor einem Burnout steht, nach Portugal. Dort erhofft sie sich etwas Ruhe, Zeit für sich und zum Nachdenken und Reflektieren. Sie hat sich die Weihnachts- und Neujahrszeit ausgesucht. Keine Touristen, raues Klima und Stille und ein leerstehendes Hotel.

Es ist eine unaufgeregte Geschichte, die sich ganz leise durch die Seiten bewegt. Es gibt wenig Spannung oder große Handlungen. Nur Frieda, Otto und die Gedanken. Und ab und an gibt es einen stillen (anfangs unbekannten) Mitesser, der jedoch immer wieder Lebensmittel in der Küche hinterlässt. Friedas Gedanken driften ab und erzählen dem Lesenden ihre Geschichte.

Der Wechsel zwischen dem Gestern und Heute hat mir gut gefallen. Auch das langsame Voranschreiten der Geschichte fand ich gut. Die Autorin hat einen, für mich, beruhigenden Schreibstil. Das Abtauchen in die Geschichte gelang mir schon nach wenigen Seiten und das Kopfkino sprang ebenfalls schnell an. Ich hätte gern noch ein paar Seiten mehr von Frieda, Otto & Co. gehabt.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Kein Wohlfühlroman

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Ein Buch über Bücher, von Bücher oder mit Büchern in der Handlung muss von mir gelesen werden. Also habe ich mich voller Vorfreude auf die Geschichte gestürzt und bin dann doch etwas hart gelandet. Die ...

Ein Buch über Bücher, von Bücher oder mit Büchern in der Handlung muss von mir gelesen werden. Also habe ich mich voller Vorfreude auf die Geschichte gestürzt und bin dann doch etwas hart gelandet. Die Geschichte ist schlicht, keine Neuheit (außer vielleicht die Buchelemente) und beinhaltet leider keine Überraschungen oder spannende Wendungen. Man verfolgt auf den 336 Seiten Erin und James beim Katz und Maus Spiel und begleitet sie bei den Rückblicken in ihre jeweilige Vergangenheit.

Während James für mich noch greifbar und durchaus sympathisch war, konnte ich mit Erin nicht viel anfangen. Sie ist eine schwierige und sich wenig reflektierende Person. Für alles gibt es einen Schuldigen oder Schuldige und die Schubladen, in die sie sie packt sind sehr groß und geräumig. Menschen ausreden zu lassen, ihnen zu zuhören und über das Gesprochene einmal nachzudenken, ist nicht ihre Stärke. Eher geht sie mit sehr viel Selbstmitleid durch das Leben und blockiert dadurch ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen.

Es gab durchaus Passagen, die unterhaltsam und zum Schmunzeln waren oder wo das Thema Bücher mehr im Fokus stand, aber leider überwiegen sie nicht.

Es ist kein klassisches Wohlfühlbuch, dafür wurden zu viele schwere Themen wie z.B. Mobbing, Depression, bipolare Störung, Krankheit und Tod erwähnt und in die Geschichte mit eingebaut.

Insgesamt ist es ein Buch, welches sich schnell lesen lässt (denn der Schreibstil war gut) mit einer leicht nervigen Protagonistin, aber durchaus interessanten Nebenfiguren.

Veröffentlicht am 04.08.2024

Blaubart

Blaubart
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Amélie Nothombs Romane lese ich sehr gern. Sie sind selten über 200 Seiten, aber dafür voll mit vielen tollen Sätzen, Dialogen und schwarzem Humor. Es macht Spaß ihre Interpretation von "Blaubart" zu lesen. ...

Amélie Nothombs Romane lese ich sehr gern. Sie sind selten über 200 Seiten, aber dafür voll mit vielen tollen Sätzen, Dialogen und schwarzem Humor. Es macht Spaß ihre Interpretation von "Blaubart" zu lesen. Sie ändert die Geschichte sehr ab und transportiert das Alte in die heutige Zeit, jedoch der Kern bleibt erhalten.

Der Adlige Don Elemirio lebt zurückgezogen in seinem Palast und vermietet ein Zimmer stets an eine junge schöne Frau, die dann aus unerklärlichen Gründen verschwindet. Saturnine bezieht nun ebenfalls dieses Zimmer. Sie weiß von den verschwundenen Frauen und ist überzeugt, ihr wird dieses Schicksal nicht ereilen. Beide Charaktere sind sehr eigen und stark. Die Dialoge beim gemeinsamen Abendessen lesen sich wie ein kleines Theaterstück. Saturnine bietet dem Adligen die Stirn und verändert dadurch das Machtverhältnis.

Schwarzer Humor, klare und schnelle Dialoge und ein wunderbarer Schreibstil sorgen wieder für ein kurzes, da nur 143 Seiten, Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 08.07.2024

Spannend wie gewohnt

Das Auge der Nacht
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Endlich der nächste Band von Tom Stilton, Olivia Rönning & Co.

Cilla und Rolf Börjlind setzen der Reihe ein spannendes und interessantes Ende. Sie sparen nicht mit Verwirrungen, Verrat und unglücklichen ...

Endlich der nächste Band von Tom Stilton, Olivia Rönning & Co.

Cilla und Rolf Börjlind setzen der Reihe ein spannendes und interessantes Ende. Sie sparen nicht mit Verwirrungen, Verrat und unglücklichen Momenten. Das Duo packt alle losen Fäden zusammen und lassen (fast) jedem Charakter sein Ende zukommen. Mal mehr, mal weniger dramatisch und ergreifend, doch immer irgendwie passend zum Charakter, den man über Jahre begleitet hat. Alle bedeutenden Figuren spielen in diesem Band noch einmal eine Rolle und werden mitgenommen und teilweise noch einmal körperlich und/oder emotional durchgeschüttelt. Sie straucheln, kämpfen sich zurück und setzen ihr Zeichen.

Das Duo weiß, wie man eine packende Geschichte schreibt. Sie verweben die Charaktere wieder sehr gut miteinander, so dass der Überraschungseffekt erhalten bleibt. Die Themen sind aktuell und düster und manchmal nur schwer zu ertragen. Sie gehen dabei jedoch nicht in die Tiefe, sondern streifen die Themen, die sie für wichtig erachten und lösen trotzdem ein unangenehmes Gefühl aus.

Auf mich wirkte die Geschichte wie das große Finale. Alle durften noch einmal auf die Bühne. Aus meiner Sicht ist die Geschichte um Tom Stilton, Olivia Rönning & Co. auserzählt. Sollte es doch noch einen Band geben, wäre ich überrascht, aber ich würde ihn lesen.