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Veröffentlicht am 06.09.2022

Tierflüstern auf magisch

Das Geheimnis der Flüstermagie (Band 1) – Der Zauberwald erwacht
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Auf zauberhafte Weise werden hier Fantasy und Tierliebe zusammengebracht. Sophie wollte eigentlich mit ihrer besten Freundin die Ferien in einem Naturcamp verbringen, um Tieren ganz nahe zu sein. Mit ihrer ...

Auf zauberhafte Weise werden hier Fantasy und Tierliebe zusammengebracht. Sophie wollte eigentlich mit ihrer besten Freundin die Ferien in einem Naturcamp verbringen, um Tieren ganz nahe zu sein. Mit ihrer Tierliebe scheint sie nicht so recht in ihre eher erfolgsorientierte Familie zu passen. Damit ihre Eltern auf Kreuzfahrt gehen können, landet Sophie schließlich bei ihrer Tante Kathie. Wenigstens betreibt die einen Gnadenhof für Tiere. Doch Kathies jugendliche Helferinnen machen Sophie das Leben schwer. Plötzlich hat Sophie auch noch geheimnisvolle Stimmen im Kopf. Kann sie wirklich die Sprache der Tiere verstehen? Und wer sind die geheimnisvollen Besucher Noah und Silvio? Vor allem Silvio geht Sophie gar nicht mehr aus dem Kopf...

Das Konzept, mit magischen Tieren zu flüstern, hat sogar mir als erwachsenem Fantasyfan und Tierliebhaber großen Spaß gemacht. Es wurde hier sehr fantasievoll umgesetzt. In die Geschichte fließt sehr viele Themen ein, so dass eine bunte Vielfalt entsteht, die jugendbuchtypisch aufgrund des geringen Buchumfanges schnell abgehandelt werden müssen. Die Story ist daher aber auch angenehm vielfältig und bietet noch einiges an Stoff für die Fortsetzung, denn "Der Zauberwald erwacht" ist der erste Band einer Reihe. Sophie und Silvio waren mir so sympathisch, dass ich gern mehr über sie lese.

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Veröffentlicht am 04.09.2022

Mitten hinein in die Wünsche

Zehn Wünsche, sieben Abenteuer und eine sprechende Katze
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Als Ed und Roo Zeit bei der älteren, in ihren Augen langweiligen Nachbarin Miss Filey verbringen sollen, sind sie alles andere als begeistert. Ed, der im Rollstuhl sitzt, ärgert vor allem das fehlende ...

Als Ed und Roo Zeit bei der älteren, in ihren Augen langweiligen Nachbarin Miss Filey verbringen sollen, sind sie alles andere als begeistert. Ed, der im Rollstuhl sitzt, ärgert vor allem das fehlende WLAN. Als er und seine Schwester sich dort über den Gartenzaun hinweg mit dem Nachbarsjungen Willard anfreunden, verspricht das zumindest etwas Abwechslung. Nie hätten die Kinder gedacht, dass das Haus von Miss Filey einen magischen Schatz birgt: Wunscherfüllungskerzen! Doch diese sind von ganz spezieller Natur und schon bald stecken nicht nur die Kinder, sondern auch Miss Filey mitten in haarsträubenden Wünschen...

Schön wenn Kinderbücher wie dieses auch Erwachsenen Spaß machen. Am meisten begeistert hat mich der Kater Atlee, der trotz seiner allgegenwärtigen schlechten Laune mit in die Wünsche gesogen wird und nie um einen süffisanten Spruch verlegen ist. Die ganz nebenbei eingeflochtenen Botschaften, wie selbstverständliche Inklusion und dass sich nicht nur die Kinder, sondern allen voran Miss Filey selbst gehörig weiterentwickeln muss. haben mich berührt. Das ganz Geschehen rund um die Wunschmagie fand ich fantasievoll erdacht.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Konklikte als Einladung mit Schleifchen

Mach's wie die Möwe, scheiß drauf!
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Lea Blumenthal erzählt hier sehr amüsant und einfallsreich aus der Ich-Perspektive von der eigenen Harmoniesucht. Dabei treibt sie es wirklich auf die Spitze und das erste Aha-Erlebnis für mich war, dass ...

Lea Blumenthal erzählt hier sehr amüsant und einfallsreich aus der Ich-Perspektive von der eigenen Harmoniesucht. Dabei treibt sie es wirklich auf die Spitze und das erste Aha-Erlebnis für mich war, dass ich mir doch gar nicht so viel bieten lasse wie gedacht. Das hat auch der im Buch enthaltene Test bestätigt.

Die Autorin hat kein trockenes Lehrbuch verpasst. Vielmehr schildert sie Situationen, anhand derer den Lesenden dann geschickt psychologisches Wissen mit eingeflochtenen Praxistippss vermittelt wird. Diese stammen häufig aus dem Mund ihrer Psychologen-Freundin, die Lea regelmäßig zum Joggen schleppt, was Lea hasst, aber sich nicht zu sagen traut. Ihr Freund Boris ist ein ganz anderer Typ und geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg.

Was zunächst wirkt, wie lediglich gekonnt erzählte Anekdoten, ist tatsächlich sehr strukturiert aufgebaut und entfaltet in meinem Fall anscheinend auch einen nachhaltigen Effekt hin zu mehr Konfliktfähigkeit.

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Veröffentlicht am 29.08.2022

Monströses Berlin

Berlin Monster - Ein Dieb kommt selten allein
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""Jetzt, da sie nicht mehr fliehen, wirken sie auf eine alterslose Art verbraucht, wie es nur Stifs können. Ihre Arme baumeln ohne Spannkraft, und ihre Bewegungen wirken träge und ruckartig, als müssten ...

""Jetzt, da sie nicht mehr fliehen, wirken sie auf eine alterslose Art verbraucht, wie es nur Stifs können. Ihre Arme baumeln ohne Spannkraft, und ihre Bewegungen wirken träge und ruckartig, als müssten sie sich bei jedem Schritt erst von den Spinnfäden der Ewigkeit lösen."

Im zweiten Band der "Berlin Monster"-Reihe kehren wir zurück in ein alternatives Berlin, in dem sich durch Strahlung die Stifs manifestiert haben. Stifs von Superstition oder auch Abergläubige, eine Vielfalt von Wesen aus Märchen, Legenden und Ähnlichem. Doch nicht nur Wesen haben sich manifestiert, sondern auch legendäre Artefakte mit gewaltigen Kräften. Privatermittlerin Lucy besitzt die Fähigkeit, die übernatürliche Omega-Strahlung wahrzunehmen. Bei einem Auftrag im berühmten Pergamon-Museum geschieht ein Diebstahl und Lucy gerät selbst unter Verdacht. Zudem verschwindet ihr Mitbewohner, der Dämon Aki, und auch Feenkönigin Maeve treibt weiterhin ihr eigenes Spiel...

Wieder habe ich Kim Rabes Einfallsreichtum wirklich bewundert. Mich als gebürtige Berlinerin beeindruckt zusätzlich, wie wunderbar authentisch sie Berliner Lokalkolorit einbringt und Bekanntes so eindrucksvoll verfremdet, dass es passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Maeves Hof war so fantasievoll dargestellt, dass es im Kontrast zum modernen Berlin besonders bemerkenswert ist. Lucy war für mich wieder eine so plastische Ermittlerin, dass es meinetwegen noch zahlreiche Bände mit ihr geben könnte. Auch Aki bringt noch eine Menge Potenzial unerzählter Geschichten mit. So lasse ich mir Berlin gern gefallen!

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Veröffentlicht am 28.08.2022

Wortzauberin und Homo Faber

Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe
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"Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir." (Ingeborg Bachmann)

Unglaublich nahe bin ich den beiden Literaturgrößen gekommen, so umfassend hat sich Bettina Storks in die Jahre der Beziehung ...

"Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir." (Ingeborg Bachmann)

Unglaublich nahe bin ich den beiden Literaturgrößen gekommen, so umfassend hat sich Bettina Storks in die Jahre der Beziehung zwischen Max Frisch und Ingeborg Bachmann eingefühlt. Ich hatte oft das Gefühl, dass sie dabei eine ähnliche Sensibilität erreicht, wie sie auch Ingeborg Bachmann nachgesagt wird.

Max Frisch ist mir noch aus dem Deutsch-Leistungskurs ein Begriff. Sein Homo Faber hat mich damals so beeindruckt, dass ich noch einiges von ihm gelesen habe. Nun war ich neugierig, was für ein Mensch er gewesen ist. Seine Beziehung zu Ingeborg Bachmann war mir bisher kein Begriff.

Frisch und Bachmann begegnen sich 1958 in Paris. Frisch ist bereits Ende 40 und hat Kinder aus einer zurückliegenden Beziehung. Die wesentlich jüngere Dichterin Bachmann fasziniert den eher pragmatischen Schweizer und studierten Architekten auf nie gekannte Weise. Trotz Ingeborg Bachmann großen Freiheitsdranges werden die beiden ein Paar. Während Max Frisch selbst bisher nie treu war, macht ihm die Umschwärmtheit Ingeborgs und vor allem ihre andauernde Freundschaft zu ihren ehemaligen Geliebten Paul Celan sehr zu schaffen.

Bettina Storks wirft nicht nur Schlaglichter auf zwei faszinierende Persönlichkeiten mit sehr unterschiedlicher Herangehensweise an ihr jeweiliges literarisches Schaffen. Sie schildert auch eine Beziehung, die zwischen Annäherung und Flucht schwankt, sowie eine Zeit, in der es nicht einmal Lektorinnen, sondern nur Lektoren gab und in der Ingeborg Bachmann als weibliche Literaturschaffende noch eine große Ausnahme darstellte.

Zunächst blieb mir Max Frisch etwas fremd. Im Laufe des Buches hatte ich aber das Gefühl, dass Max' Perspektive deutlich die Überhand gewann und mir Ingeborg etwas verloren ging. Zwangsläufig konzentriert sich der Roman auf die Jahre, in denen die beiden ein Paar waren, so dass manches Interessante, wie etwa Ingeborgs Beziehung zu Celan, nur in der Retrospektive oder gar nicht beleuchtet werden kann. Insgesamt hat mich aber die Schilderung so fasziniert, dass ich das Buch hintereinander weg hätte lesen können. Durch die eingestreuten, kursiv gesetzten Originalzitate sind viele beeindruckende Einblicke gelungen.

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