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Veröffentlicht am 18.04.2021

Pferdegöttinnen

Das Rätsel des Pferdeamuletts - Eponas Erbe
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Es gefällt mir wunderbar, wie Karin Müller in ihren Bücherreihen stets Pferde, Mystik und ganz viel Reiterwissen mitreißend miteinander verknüpft. Hier schreibt jemand, der Pferde nicht nur liebt, sondern ...

Es gefällt mir wunderbar, wie Karin Müller in ihren Bücherreihen stets Pferde, Mystik und ganz viel Reiterwissen mitreißend miteinander verknüpft. Hier schreibt jemand, der Pferde nicht nur liebt, sondern auch viel über sie weiß. Das ist für mich als erwachsene Leserin und Pferdehalterin besonders wichtig.

Der finale Band der Trilogie schließt nahtlos an den zweiten an und wiederholt sogar ein paar Seiten. Das ist einerseits wunderbar für den Wiedereinstieg, zeigt aber auch, dass es sinnvoll gewesen wäre, die Bände entweder nicht zu trennen oder aber die Handlung anders zu gestalten. Überhaupt hätten deutlich mehr Seiten der Geschichte wirklich gut getan. So muss Godje nicht nur im Zeitraffer ihre verchwundene Schwester Rhiannon suchen, sondern auch zur Rettung ihrer anderen Schwester Cora und zum Kampf gegen den Dunklen antreten. Vor allem beim Ende hatte ich das Gefühl, dass sich die Handlung regelrecht überschlug.

Ich muss daher sagen, dass mir die Nordstern- und die Nordlicht-Reihe (von ihr bisher nur der erste Band erschienen) doch noch etwas besser gefallen hat. Leider erinnert Godje vom Wesen auch sehr an die Haupt-Protagonistinnen dieser Serien, so dass etwas mehr Variationen auch schön wären. Trotzdem wieder ein gelungener Pferde-Lesespaß für Groß und Klein.


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Veröffentlicht am 12.04.2021

Naturpoesie

Echo Mountain
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Dies ist nun schon das zweite Buch von Lauren Volk, das mich restlos bezaubert hat. Obwohl die Protagonistin Ellie erst 12 Jahre zählt und das Buch sicherlich als Jugendbuch vermarktet wird, habe ich mir ...

Dies ist nun schon das zweite Buch von Lauren Volk, das mich restlos bezaubert hat. Obwohl die Protagonistin Ellie erst 12 Jahre zählt und das Buch sicherlich als Jugendbuch vermarktet wird, habe ich mir hier auch als Erwachsene restlos wiedergefunden, denn Ellie scheint über eine alte, beinahe magische Seele zu verfügen.

Der Börsencrash von 1934 treibt Ellies vorher wohlhabende Familie aus der Stadt aufs Land, an den unzivilisierten Echo Mountain. Für Ellie selbst wäre das kein großes Unheil, doch ihre Mutter und ihre ältere Schwester Esther leiden sehr unter der Abgeschiedenheit. Dann geschieht Ellies geliebtem Vater ein folgenschwerer Unfall. Während er von der Familie im Koma gepflegt wird, glauben alle, Ellie habe diesen Unfall verschuldet. Noch mehr als zuvor sucht Ellie Trost bei den Tieren und in der Schönheit der Natur.

Eine von Volks großen Stärken sind ihre unglaublich lebendigen, poetischen Naturbeschreibungen. Auch für die geheimnisvolle Flamme, die in Ellie brennt und eine gewaltige Gabe für die Heilkust mit sich bringt, findet sie unglaublich berührende Formulierungen. Mit Ellie habe ich mich identifizieren können, da sie sich mit allem um sie herum verbunden fühlt und empathisch mit allen Wesen und der Natur mitempfindet.

Doch vor Ellie liegen große Aufgaben. Nicht nur ihren Vater möchte sie zum Aufwachen bringen. Da ist auch die mysteriöse alte Frau auf dem Berg, die alle nur die Hexe nennen, ein Junge mit verwundetem Herzen und dem Haar eines Bären sowie ein Welpe, der Ellies Herz auf ganz besondere Weise gefangen nimmt. Sie alle brauchen Ellies Hilfe.

Diese Geschichte hat mich nicht nur mit ihrer Tiefgründigkeit, sondern auch mit ihrer Vielschichtigkeit überrascht. Familienzwistigkeiten, der Umgang mit Andersartigkeit und Vorurteilen, über sich Hinauswachsen, tiefe Liebe zu allen Migeschöpfen - eine ganz besondere Coming of Age Geschichte, die noch lange in mir nachhallen wird.

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Veröffentlicht am 11.04.2021

Die Hugenottensaga geht weiter

Die Stadt der Tränen
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Mit ihrer Hugenottensaga, die sich vom 16. bis ins 19. Jahrhundert erstrecken soll, hat sich Kate Mosse viel vorgenommen.

Im ersten Teil, "Die brennenden Kammern" lernten wir Minou Reydon-Joubert und ...

Mit ihrer Hugenottensaga, die sich vom 16. bis ins 19. Jahrhundert erstrecken soll, hat sich Kate Mosse viel vorgenommen.

Im ersten Teil, "Die brennenden Kammern" lernten wir Minou Reydon-Joubert und ihren hugenottischen Mann Piet kennen und erlebten wie Minou zur Burgfüstin von Puivert wurde. Mittlerweile sind beide Eltern und hoffen auf Frieden durch die Heirat zwischen der katholischen Margarete von Valois und dem Hugenottenkönig Heinrich von Navarra. Zur Hochzeit reist die Familie Reydon nach Paris und gerät mitten in die Kämpfe, die als Bartholomäusnacht oder Pariser Bluthochzeit in die Geschichte einging. Und nach den Wirren dieser Nacht bleibt Tochter Martha wie vom Erdboden verschluckt...

Dieser zweite Band hat mir deutlich mehr Lesespaß bereitet als der erste Teil, da mich das Schicksal der Protaginisten diesmal weniger kalt ließ. Antagonist Vidal spielt auch diesmal wieder eine entscheidende Rolle. Mit seinem Sohn Louis hat Kate Mosse nun auch endlich eine Figur geschaffen, die sowohl gute als auch schlechte Züge in sich vereint und verzichtet an dieser Stelle endlich auf Schwarz-Weiß-Malerei. Leider wiederholt sie zum Teil ihr Strickmuster aus dem ersten Band, indem sie Krankheit und Wahnsinn als Erklärung für Bösartigkeit heranzieht. Da macht sie es sich meiner Meinung nach zu einfach.

Dennoch schafft die Frage, was aus Martha geworden ist, durchaus eine gewisse Spannung, wenn ich auch noch immer vom emotionalen Mitfiebern, wie ich es bei den Geschichten von Lieblingsautoren kenne, etwas entfernt war. Ich denke jedoch, dass Louis, dessen Charakter ich einfach überzeugender ausgearbeitet fand, im nächsten Teil eine größere Rolle spielen wird, und freue mich daher auf die Fortsetzung.

Genau meinen Geschmack getroffen hat der schöne Buchumschlag, den ich im Regal äußerst schmückend finde.

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Veröffentlicht am 05.04.2021

Kein fauler Zauber

Akademie Fortuna - Wenn Wahrsagen so einfach wäre
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Schneiderbücher haben mich schon in meiner Kindheit bezaubert und einige tun das noch heute. Vor allem, wenn sie so phantasievoll und originell daherkommen wie dieses. Die Idee einer Zauberakademie mag ...

Schneiderbücher haben mich schon in meiner Kindheit bezaubert und einige tun das noch heute. Vor allem, wenn sie so phantasievoll und originell daherkommen wie dieses. Die Idee einer Zauberakademie mag nicht neu sein, aber die Autorin hat eine völlig eigenständige Welt erschaffen, die von der ersten bis zur letzten Seite Spaß macht.

Auf der Akademie Fortuna lernen die Sprößlinge mächtiger Wahrsagerclans den richtigen Umgang mit ihrer jeweiligen Kunst. Da gibt es Tarotkartenleser, Handleser, Traumdeuter und noch einiges mehr. Die junge Anniversary, die ausgerechnet "Sorry" genannt wird, gehört zur mächtigen Familie der Visionisten, die seit Generationen die Schulleitung stellen und zum Wahrsagen keinerlei Hilfsmittel brauchen. Aber Sorry scheint alles andere als so begabt zu sein wie ihre erfolgreiche ältere Schwester Merry. Ihre Visionen wirken unscheinbar und beschränken sich stets auf das Naheliegende. Wie soll Sorry damit bloß an der Akademie bestehen? Als bei ihrer Einführung auch noch der Nekromant Ben verlangt, in die Schule aufgenommen zu werden, scheint zudem Unheil seinen Lauf zu nehmen, denn Nekromanten sind in große Ungnade gefallen, seit sie vor langer Zeit versuchten, die Macht an sich zu reißen. Wem kann Sorry überhaupt trauen?

Sarah M. Kempen schafft nicht nur mitreißende Protagonisten, die von der Illustratorin ansprechend und plastisch in Szene gesetzt werden. Ihre Namenswahl strotzt auch geradezu vor Anspielungen und Wortmalereien (etwa die Lehrerin, die äußerst passend Madame Demain heißt oder die Schülerin Annomalie), so dass ich auch als Erwachsene voll auf meine Kosten kam. Zudem haben mir die einfallreichen Schilderungen der verschiedenen Wahrsagearten und Prophezeiungen ausnehmend gut gefallen.
Die erzählte Geschichte ist durchweg spannend und kommt zu einem gewissen Abschluss, macht aber durch einen überraschenden Twist am Schluss jetzt schon sehr große Lust auf den nächsten Band dieser unheimlich sympathischen Reihe.

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Veröffentlicht am 04.04.2021

Kleines Juwel

Hier im echten Leben
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Ein "normales" Kind, das würden sich Wares Eltern so sehr wünschen. Einen sportbegeisterterten Jungen mit vielen Freunden. Aber Ware verfügt über eine reife, empathische Seele, spürt die Angst der anderen ...

Ein "normales" Kind, das würden sich Wares Eltern so sehr wünschen. Einen sportbegeisterterten Jungen mit vielen Freunden. Aber Ware verfügt über eine reife, empathische Seele, spürt die Angst der anderen beinahe am eigenen Leib, sucht das Alleinsein und hängt äußerst tiefgründigen Gedanken nach. Als seine überarbeiteten Eltern ihn ins verhasste Sommercamp schicken, will Ware eigentlich nur einen Blick auf das Nachbargrundstück werfen. Dort erwartet ihn nicht nur eine Kirchenruine, die in Wares Phantasie eine hervorragende Burg abgeben würde, sondern auch das Mädchen Jolene, das aus zunächst unerfindlichen Gründen dort einen Papaya-Garten anlegt. Zunächst ist Jolene alles andere als begeistert über Wares Gesellschaft. Aber als das Grundstück versteigert werden soll, müssen die beiden Kinder, die bisher stets nur am Rand stehen wollten, lernen, neue Wege zu gehen, im Versuch, ihr kleines Paradies zu beschützen.

Sara Pennypacker hat mich mit ihrer Geschichte und ihren Protagonisten von der ersten bis zu letzten Seite eingefangen. Hier gibt es keine wilde Action, sondern ganz viele leise, schöne und manchmal fast poetische Momente, etwa wenn die Scherben des zerbrochenen Kirchenfensters funkeln wie "Juwelen, auf denen ein Fluch lag". Ganz nebenbei und ohne erhobenen Zeigefinger können Kinder lernen, dass es in Ordnung ist, anders zu sein und vielleicht sogar die Freude am Naturschutz entdecken. Mich als Erwachsene hat die Story wirklich berührt.

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