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Veröffentlicht am 13.05.2020

Toller Genremix

Ich bin Princess X
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Als jahrzehntelange Vielleserin freue ich mich stets, wenn ich sagen kann, dieses Buch ist mal etwas ganz anderes und erinnert mich an kein zweites. Und das kann ich über "Ich bin Princess X" mit Fug und ...

Als jahrzehntelange Vielleserin freue ich mich stets, wenn ich sagen kann, dieses Buch ist mal etwas ganz anderes und erinnert mich an kein zweites. Und das kann ich über "Ich bin Princess X" mit Fug und Recht schreiben. Der Roman hat mich ausnehmend gut unterhalten und ich habe mich stets aufs Weiterlesen gefreut. Dabei gehöre ich sicherlich nicht einmal zur Zielgruppe dieses Jugendbuches.
May und Libby sind beste Freundinnen seit Kindertagen, von dem Moment an, als sie sich Princess X gemeinsam ausgedacht haben. Libby zeichnet die Prinzessin im Mangastil mit lila Katana-Schwert, und May überlegt sich die Geschichten dazu. Doch ihre Freundschaft scheint ein jähes Ende zu nehmen, als Libby und ihre Mutter bei einem Autounfall in einen Fluß stürzen. Beide Leichen werden geborgen, Libbys allerdings unkenntlich. May kann nicht einmal die Aufzeichnungen zu Princess X retten, so schnell hat Libbys Vater das Haus ausgeräumt und verlassen.
Drei Jahre später hat May den Tod der besten Freundin noch immer nicht verwunden, als plötzlich überall in der Stadt Princess X-Aufkleber auftauchen. Zunächst glaubt May, jemand habe einfach die Unterlagen gefunden. Als sie jedoch sogar auf eine Princess X-Homepage mit Comicstrips stößt, merkt sie, dass da jemand auch sie gut zu kennen scheint. Ist Libby etwa noch am Leben?
Die Comicstrips werden direkt in den Text eingestreut, nicht einfach beschrieben. Obwohl ich schon seit meiner Kindheit keine Comics mehr gelesen habe und noch nicht mit Mangas aufgewachsen bin, habe ich mich zu meiner eigenen Verblüffung auf die gezeichneten Sequenzen richtig gefreut.
Gemeinsam mit einem neuen Freund, dem Computerkenner Trick, begibt sich Libby auf eine abenteuerliche Suche nach Libby, in dem sie den versteckten Hinweisen in der Geschichte von Princess X folgt. Realität und Fantasie greifen dabei immer wieder ineinander. So hat Princess X beispielsweise eine Dohle (englisch jackdaw) als Ratgeber, und May und Trick erhalten bald Hilfe von einem jungen Mann, der sich selbst Jackdaw nennt, kurz Jack. Dadurch bekommt die Geschichte einen märchenhaften Touch, der mir sehr gut gefallen hat. Auch das Rätsel hinter Libbys Verschwinden fand ich originell ausgedacht. Sprachlich ist der Roman keine große Literatur, sondern lebt von seinen Dialogen und ist durchaus ansprechend geschrieben. Er kommt unglaublich frisch, modern und ungewöhnlich daher, abgerundet mit einem passenden Cover im Mangastil.

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Veröffentlicht am 13.05.2020

Echter Pageturner

Du hättest es wissen können
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Endlich einmal wieder ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Nicht nur der Roman selbst heißt "Du hättest es wissen können", auch das Erstlingswerk der Protagonistin Grace Sachs trägt diesen ...

Endlich einmal wieder ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Nicht nur der Roman selbst heißt "Du hättest es wissen können", auch das Erstlingswerk der Protagonistin Grace Sachs trägt diesen Titel, schon einmal eine originelle Idee. Grace ist Paartherapeutin und verfasst ein Buch mit dem Aufhänger, dass eigentlich jede Frau von Beginn an ein Gefühl dafür hat, wenn sie den falschen Partner wählt. Sie schafft es dann nur, ihr intuitives Wissen erfolgreich zu verdrängen. Ähnliche Gedanken hatte ich auch schon oft, daher fand ich das einen sehr interessanten Ansatz.
Grace dagegen scheint ein geradezu märchenhaft perfektes Leben in New York zu führen, der Ehemann Johnathan erfolgreicher pädiatrischer Onkologe, der strebsame Sohn Henry auf einer exklusiven Privatschule. Ich fand, dass sich die Autorin bezüglich Johnathan eines nahezu genialen Kunstgriffes bedient: Er ist immer abwesend, immer bei der Arbeit, als Leser erlebt man ihn ausschließlich durch Graces Augen. Dadurch steigt die Spannung in Bezug auf Johnathan in nahezu Hitchcockscher Manier immer weiter an. Zunächst sind die Zweifel, die man bekommt, minimal: Könnte Jonathan sich nicht etwas mehr seiner Familie widmen? Aber was soll man gegen einen Mann sagen, der versucht, krebskranke Kinder zu retten, und sich dabei mehr einzusetzen scheint, als man je von einem Arzt gehört hat? Die Risse, die die Fassade von Graces Leben bekommt, sind zunächst haarfein, bis alles mit einem Mal zusammenbricht: Jonathan, der weiterhin nur in Anrufen und Textnachrichten präsent war, verschwindet und wird verdächtigt, eine Frau ermordet zu haben. Diese soll auch noch seine schwangere Geliebte gewesen sein und bereits ein Kind mit ihm haben.
Das tiefe Loch, in das Grace dadurch fällt, wird herausragend und mitreißend geschildert. Grace muss erkennen, dass sie, die erfolgreiche Therapeutin, ausgerechnet schlimmer hereingefallen ist als alle ihre Patientinnen. Beinahe alles, was Jonathan ihr je geschildert hat, entpuppt sich als Lüge: die angeblich lieblose Herkunftsfamilie, der anhaltende Erfolg im Beruf... Ausgerechnet Grace hat einen Psychopathen geheiratet. Um sich und ihren Sohn zu schützen, flieht Grace schließlich in ihr Landhaus in Connecticut.
Danach fällt der dramatische Spannungsbogen zwar unweigerlich etwas ab. Dennoch bleibt es fesselnd zu lesen, wie Grace ihr Leben nach und nach wieder in den Griff bekommt. Ein wenig habe ich es bedauert, dass Jonathan selbst bis zum Ende nicht in Erscheinung tritt, aber dies macht den Roman wirklich ungewöhnlich. Die Geschichte wird atmosphärisch so dicht erzählt, dass der Leser stets mitfiebert. Sie wäre sicherlich auch eine wunderbare Vorlage für eine Verfilmung!

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Veröffentlicht am 13.05.2020

Faszinierender Digby

Digby #01
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Ich liebe die Jugendbücher von Oetinger. Daher habe ich mich über den Gewinn dieses Buches wirklich gefreut. Sehr gern hätte ich auch sogar volle fünf Sterne vergeben, was nicht so oft vorkommt, denn ich ...

Ich liebe die Jugendbücher von Oetinger. Daher habe ich mich über den Gewinn dieses Buches wirklich gefreut. Sehr gern hätte ich auch sogar volle fünf Sterne vergeben, was nicht so oft vorkommt, denn ich habe mich stets aufs Weiterlesen richtig gefreut. Aber die Optik soll ja auch mit bewertet werden, und ich muss es leider sagen: In der Buchhandlung hätte ich diese Buch komplett übersehen. Dabei kann ich nur das Taschenbuch-Leseexemplar bewerten, das ich bekommen habe. Tatsächlich kommt das Buch wohl zunächst in einer gebundenen Variante heraus. Dann macht es sicherlich einen hochwertigeren Eindruck. Darüber kann ich aber nur mutmaßen. Die mir vorliegende Variante ist sehr unscheinbar mit Passbild-artigen Fotos von einen Mädchen und einem Jungen, die weder der Beschreibung im Roman noch meiner Vorstellung von der jungen Ich-Erzählerin Zoe und ihres Freundes Digby entsprechen. Auch den eingestreuten Spruch "Why so serious?!" kann ich überhaupt nicht mit der Handlung in Verbindung bringen.
Die Geschichte selbst und die Erzählweise haben mich aber restlos überzeugt und besitzen gewohnte Oetinger-Qualität. Vor allem Zoe und Digby sind plastische Charaktere fernab von den Abziehbild-Protagonisten, die man selbst in Erwachsenen-Romanen oft finden kann. Digby selbst ist so herrlich skurril und witzig, dass ich mich bis zum Schluss nicht entscheiden konnte, ob ich Zoe eine Romanze mit Digby wünsche oder mit ihrem Schwarm, dem sympathischen Footballspieler Henry, der aber eigentlich nicht zu haben ist... Da es jedoch glücklicherweise Nachfolgebände geben wird, bleibt diese Frage ohnehin offen.
Digbys Schwester ist als kleines Kind entführt worden, was ihn nicht nur traumatisiert hat, sondern noch immer beschäftigt. Daher lässt ihn auch das Verschwinden der jugendlichen Marina nicht kalt. Gemeinsam mit Zoe und Henry beginnt er zu ermitteln, und ist dabei durch seine ungewöhnlichen Methoden der Polizei oft voraus. Digbys Zuhause ist mehr als fragwürdig, aber auch Zoe hat mit Eltern-Problemen zu kämpfen. Ihre oft
überforderte Mutter fand ich liebenswert und originell geschildert. Sie versucht noch in ihrem Leben als Geschiedene Fuß zu fassen, während Zoes Vater seine Ehefrau gegen ein jüngeres "Modell" ausgetauscht hat. Er wirkte sehr unsympathisch und daher ein wenig eindimensional. Da er aber nur eine sehr kleine Nebenrolle spielt, fiel das nicht ins Gewicht.
Zwar kann das Rätsel um Marina gelöst werden (nebenbei werden sogar noch andere Verbrechen aufgedeckt), aber das Verschwinden von Digbys Schwester bleibt ein Rätsel. Nachfolgebände werde ich auf jeden Fall lesen, nicht nur deswegen, sondern weil mir Zoe, Digby und Henry mit ihren witzigen Dialogen wirklich schnell ans Herz gewachsen sind.

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Veröffentlicht am 12.05.2020

Stets gültiger Satz

Auch das wird vergehen
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Der Titel des Romans geht zurück auf eine Geschichte um einen chinesischen Kaiser, der seine Ratgeber beauftragte, ihm einen Satz zu nennen, der unter allen Umständen immer gültig ist. Dieser Satz lautet ...

Der Titel des Romans geht zurück auf eine Geschichte um einen chinesischen Kaiser, der seine Ratgeber beauftragte, ihm einen Satz zu nennen, der unter allen Umständen immer gültig ist. Dieser Satz lautet "Auch das wird vergehen". Für mich birgt er gleichzeitig Hoffnung (in schlimmen Zeiten) als auch allergrößten Schrecken (weil man alles, egal wie sehr geliebt, irgendwann verliert), und ist daher wirklich beeindruckend gewählt. Sehr berührt hat mich auch die Art, wie die vierzigjährige Ich-Erzählerin Blanca die Trauer um ihre kürzlich verstorbene Mutter schildert. Manches ist so realistisch, dass ich es aus eigenem Erleben kenne, etwa das Gefühl, bei jeder Beerdigung im Grunde innerlich die eigene Mutter erneut zu Grabe zu tragen. Überhaupt alles in diesem kleinen Roman ist unglaublich feinsinnig, fast sezierend, beobachtet und eloquent geschildert.
Für Blanca ist das Gegenteil des Todes nicht das Leben, sondern Sex. Sie kennt leider nur dieses eine Mittel, um die Trauer zu verarbeiten. Überhaupt gibt es sehr viele Männer in ihrem Leben, zwei Ex-Ehemänner, von denen sie mit einem noch sexuell verkehrt trotz dessen neuer Beziehung, einen verheirateten Liebhaber und unzählige Flirtpartner, nach denen sie in der flirrenden Hitze Spaniens unaufhörlich auf der Suche ist. Blanca führt ein unglaublich priviligiertes Leben. Um ihre beiden Söhne kümmert sich eine Kinderfrau, obwohl man nicht erfährt, dass sie selbst je gearbeitet hätte. Ihrer Trauer kann sie sich im wunderbaren Strandhaus der Mutter so richtig hingeben. Um den Haushalt kümmert sich eine Freundin. Als diese ihr vorwirft, Blanca täte nichts anderes als von Zinsen zu leben, hatte ich großes Verständnis für diese Freundin, zumal sie - nicht ganz unberechtigt - das Gefühl hatte, dass die bekiffte Blanca nun sogar mit ihrem Freund anbandeln wollte.
Trotz allem Mitempfinden mit Blancas Trauer gewann ich daher im Lauf der Geschichte immer mehr Abstand zu ihr als Protagonistin. Wenn der Verlust auch tief empfunden wirkte, erweckte Blanca dennoch auf mich irgendwann einen sehr oberflächlichen und eindimensionalen Eindruck und verlor daher einen Teil meiner Sympathien. Deshalb, und weil das schmale Bändchen vorbeirauschte wie ein Sommertag, reicht es trotz der hervorragenden Stilkunst nur zu vier Sternen.

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Veröffentlicht am 12.05.2020

Elementar, Dr. Watson

Holmes und ich – Die Morde von Sherringford
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Dieser berühmte Satz taucht im vorliegenden Buch zwar nicht auf. Dennoch wurde Sherlock Holmes hier gekonnt in die Moderne übertragen, und zwar in Form seiner fiktiven Nachfahrin, der jungen Internatsschülerin ...

Dieser berühmte Satz taucht im vorliegenden Buch zwar nicht auf. Dennoch wurde Sherlock Holmes hier gekonnt in die Moderne übertragen, und zwar in Form seiner fiktiven Nachfahrin, der jungen Internatsschülerin Charlotte Holmes, die ebenso brillant, kompliziert und drogengefährdet ist wie ihr Vorfahr. Auch ihr steht ein Watson zur Seite, James, der Nachkomme des bekannten Doktors, den seine Familie auf dasselbe Internat in den USA schickt, das auch Charlotte besucht. Charlotte hat schon in frühester Kindheit für Aufsehen gesorgt und der Polizei bei der Aufklärung von Verbrechen geholfen. Seitdem ist Charlotte so etwas wie eine imaginäre Freundin für James und er träumt davon, mit ihr gemeinsam zu ermitteln. Nun ist Charlotte auch noch faszinierend und hübsch. James Wunsch erfüllt sich schneller als gedacht, als ein Mitschüler ermordet wird, mit dem sich James kurz zuvor geprügelt hat, um Charlottes Ehre zu verteidigen. Doch ausgerechnet Charlotte ist die Hauptverdächtige! Zudem erinnern dieser Mordfall und folgende Überfälle auch noch fatal an Sherlock Holmes berühmte Fälle.
Das Buch hat sich in Windeseile nur so weggelesen. James, der in der Ich-Perspektive erzählt, ist ein äußert sympathischer Protagonist, und auch die schwierige Charlotte habe ich schnell ins Herz geschlossen. Daher bin ich sicher bin, dass ich eventuelle Folgebände auf jeden Fall kaufen werde. Gelungen fand ich auch die mehr als zarte, nur angedeutete Liebesgeschichte zwischen Charlotte und James. Charlotte ist so hochbegabt, dass es unrealistisch gewirkt hätte, wenn sie in Liebesdingen funktioniert hätte wie durchschnittliche Menschen. Der Epilog, in dem Charlotte dann selbst zu Wort kommt, war so erfrischend und exzentrisch, dass ich mir wünsche, sie möge vielleicht im nächsten Teil die Ich-Erzählerin sein. Der Untertitel "Die Morde von Sheringford" lässt ja auf eine Reihe schließen.
Der Buchumschlag hat mir in der Realität besser gefallen als auf der Abbildung, auch wenn ich ihn noch immer etwas schlicht finde. Das dargestellte Paar entspricht aber tatsächlich sehr gut meiner Vorstellung der beiden Ermittler.

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