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Veröffentlicht am 30.09.2022

Überzeugender, spannender Klassiker

Rebecca
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Inhalt:
Die junge, namenlose Protagonistin heiratet den verwitweten und fast doppelt so alten Maxim de Winter und bewohnt mit ihm sein Landgut Manderley. Die Erinnerung an Rebecca de Winter, Maxims verstorbene ...

Inhalt:
Die junge, namenlose Protagonistin heiratet den verwitweten und fast doppelt so alten Maxim de Winter und bewohnt mit ihm sein Landgut Manderley. Die Erinnerung an Rebecca de Winter, Maxims verstorbene Frau, überschattet mehr und mehr den Alltag und die Gedanken der Protagonistin. Ausserdem legt ihr die Haushälterin, welche Rebecca glühend verehrt hat, permanent Steine in den Weg und es fällt der Protagonistin immer schwerer, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und Wahrheit von Lüge zu unterscheiden.

Meine Meinung:
Gemeinsam mit Melli von Mellis Buchleben und Ina von literaturina_reads habe ich dieses Buch gelesen und mich mit ihnen intensiv über das Gelesene ausgetauscht. Diesen Austausch habe ich sehr geschätzt und dadurch, dass "Rebecca" viele Leerstellen enthält, bietet es sich wirklich an, das Buch in einer Leserunde/einem Buchkreis zu lesen.
Es hat mich erstaunt, wie aktuell, spannend, düster und auch humorvoll dieser Klassiker erzählt ist und ich habe mich beim Lesen immer wieder darüber gewundert, wie unbekannt dieses Buch doch leider ist. Mir persönlich hat die Geschichte sehr gut gefallen, sie hat mich in eine ganz andere Welt entführt, mir das Leben in einer Villa um 1930 herum nähergebracht und mich mit einer sehr vielschichtigen Protagonistin und einer packende Handlung mit sehr unerwartetem Ausgang überzeugt.

Schreibstil und Aufbau:
Unsere Protagonistin bleibt während der ganzen Geschichte namenlos, sie wird erst nach ihrer Hochzeit überhaupt und dann nur mit "Mrs. de Winter" angesprochen. Das Buch beginnt sehr düster und mit einem Rückblick auf die vergangenen und sehr schillernden Tage auf Gut Manderley. Dann springt es zurück zur ersten Begegnung der Protagonistin mit Mr. de Winter und wird fortan chronologisch erzählt. Detaillierte Beschreibungen sorgen für ein atmospährisches Leseerlebnis und obwohl eigentlich nicht so viel geschieht, wird das Buch nie langweilig. Es ist du Maurier gelungen, Elemente des Krimis und des Schauerromans mit Elementen des Liebesromans und des Gesellschaftsromans zu verbinden und so für viele Überraschungen, Spannung und auch einige sehr humorvolle Szenen zu sorgen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch lohnt sich wirklich und es lohnt sich vor allem auch, sich über dieses Buch zu unterhalten. "Rebecca" verdient so viel mehr Aufmerksamkeit und ich empfehle es euch sehr herzlich.

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Veröffentlicht am 29.09.2022

Wird immer besser und überzeugt am Ende mit intelligenter Auflösung

Lemmings Himmelfahrt: Lemmings zweiter Fall
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Inhalt:
Lemming steht auf der Strasse und ertränkt seinen Kummer in Alkohol. Er erlebt sturzbetrunken eine Schiesserei und wird versehentlich für einen Mörder gehalten. Um dieses Missverständnis aufzuklären ...

Inhalt:
Lemming steht auf der Strasse und ertränkt seinen Kummer in Alkohol. Er erlebt sturzbetrunken eine Schiesserei und wird versehentlich für einen Mörder gehalten. Um dieses Missverständnis aufzuklären gibt es nur einen Weg: zuerst einmal muss Lemming nüchtern werden und dann muss er sich in die Psychiatrie einschleusen, aus dieser der wahre Täter wohl entflohen ist. Ausserdem trachtet ihm auch noch sein ehemaliger Kollege und Erzrivale Krotznig nach dem Leben und Lemming sitzt einmal mehr komplett in der Tinte.

Meine Meinung:
Bereits der erste Fall rund um den österreichischen Ermittler Leopold Wallisch, genannt Lemming, hat mich überzeugt und nun hat mich auch dieser zweite Band der Reihe hervorragend unterhalten. Der Aufbau ist nicht neu: ein ziemlich versoffener ehemaliger Polizist - stets ein wenig am Rande der Gesellschaft und von aller Welt und sämtlichen Geistern verlassen - ermittelt auf eigene Faust und tief im Herzen überzeugt von der Mission, dem Bösen ein Ende zu bereiten, in gefährlichen Gefilden. Der Anfang hat mich eher langsam in die Geschichte finden lassen, aber nach einigen Kapiteln war ich gefangen, überzeugt und bestens unterhalten vom düsteren Humor und ausgeklügelten Plot dieses intelligenten Krimis.

Aufbau:
Selten habe ich einen Krimi gelesen, der mir fortwährend so viel über den Täter preisgegeben hat und mich gleichzeitig fast bis zum Ende komplett im Dunkeln tappen liess. Diese Meisterleistung ist Slupetzky hervorragend gelungen und ausserdem hat er mich wunderbar unterhalten. Sein Ermittler Lemming überzeugt mit Mut und Eigenwille sowie lebensrettenden Reflexen und einem guten Herzen. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzungen.

Meine Empfehlung:
Mit steigender Begeisterung habe ich diesen ansprechenden und anspruchsvollen Krimi gelesen und empfehle euch euch diese vor schwarzem Humor triefende Fortsetzung sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 25.09.2022

Überzeugender zweiter Teil der Reihe

Himmel über dem Salzgarten
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Julia hat ihr Meson "Flor de Sal" renoviert und darin ein edles Restaurant eröffnet. Mit der grossen Unterstützung ihres Freundes Álvaro fasst sie langsam Fuss in der Dorfgemeinschaft auf der Insel La ...

Julia hat ihr Meson "Flor de Sal" renoviert und darin ein edles Restaurant eröffnet. Mit der grossen Unterstützung ihres Freundes Álvaro fasst sie langsam Fuss in der Dorfgemeinschaft auf der Insel La Palma. Ihr Bruder Jens schafft es aber einmal mehr, ihr das Leben schwer zu machen und diesmal verbündet er sich sogar mit lokalen Politikern, um in Küstennähe eine Tauchschule eröffnen zu können. Julia versucht, dies um jeden Preis zu verhindern, den überraschend vielen Gästen im Restaurant gerecht zu werden und ihren Neffen Emil bei Laune zu halten. Wenn das nur gut geht.

Es war mir eine Freude, wieder nach La Palma zurückzukehren und Julias kulinarische Künste sowie ihre herzliche Art zu geniessen. Es gefällt mir sehr, wie sie versucht, sich mehr und mehr in die Gemeinschaft zu integrieren und mit regionalen Lebensmittelproduzent*innen zusammenzuarbeiten. Die Beschreibungen der Arbeit in der edlen Restaurantküste aber auch der privaten Entwicklungen in Julias Leben haben mich gut unterhalten und waren spannend sowie faszinierend erzählt. Weiterhin hat mir sehr gut gefallen, wie Julia versucht, den Kontakt zu ihrem Neffen Emil allen Widrigkeiten zum Trotz zu pflegen. Weniger gut gefallen hat mir, wie aufbrausend Álvaro manchmal ist und wie sehr er sich als Besitzer des "Flor de Sal" aufspielt und Julia dabei übergeht. Sie weiss sich zum Glück nicht nur ihm, sondern auch ihren Neidern gegenüber immer entschiedener zu wehren und gewinnt mehr und mehr Sicherheit im Umgang mit den kleinen und grösseren Zankereien und Intrigen im Dorf.

Bereits der erste Band der Salzgarten-Saga "Sonne über dem Salzgarten" hat mir ziemlich gut gefallen, wenn auch ich einige kleine Punkte zu bemängeln hatte. Diese zweite Teil der Salzgarten-Saga ist viel runder erzählt, als der erste Teil, die Handlung verläuft nicht ganz so 08/15 und Tabea Bach hat vom Aufbau und der Ausgestaltung der Figuren her definitiv bewiesen, dass sie wundervoll erzählen kann. Ich werde die weiteren Bände der Reihe auf jeden Fall lesen und empfehle die Reihe sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 17.09.2022

Unterhaltsam und einfach fürs Herz

Das kleine Café an der Mühle
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Inhalt:
Sophies Leben in Hamburg ist nicht mehr das, was es einmal war. Sie ist einsam, wird bei der Arbeit nicht geschätzt und nur ihre beste Freundin Miri ist ein Lichtblick in ihrem langweiligen Alltag. ...

Inhalt:
Sophies Leben in Hamburg ist nicht mehr das, was es einmal war. Sie ist einsam, wird bei der Arbeit nicht geschätzt und nur ihre beste Freundin Miri ist ein Lichtblick in ihrem langweiligen Alltag. Da stirbt auch noch ihre geliebte Tante Dotti und hinterlässt ihr ein Café in der Pampa, das sie für mindestens fünf Jahre lang weiterführen muss, um ihr Erbe überhaupt antreten zu können. Nach einigem Hin und Her lässt sie ihr tristes Leben in Hamburg zurück und reist nach Wümmerscheid-Sollensbach, wo sie mit unerwarteten Schwierigkeiten aber auch überraschender Hilfsbereitschaft konfroniert wird.

Meine Meinung:
Vor bald zwei Jahren habe ich den zweiten Band dieser Reihe "Winterzauber im kleinen Café an der Mühle" gelesen und war so angetan von dieser unterhaltsamen Geschichte, dass ich die Reihe unbedingt komplett lesen wollte. Auch dieser erste Band hat mich begeistertert und es war sehr angenehm, nun auch noch zu erfahren, wie Sophie überhaupt zu ihrem Café gekommen ist und welche Startschwierigkeiten sie anfangs hatte. Vor allem die Begegnungen mit den Sturköpfen der beiden sich stetig bekämpfenden Dörfer Wümmerscheid und Sollensbach haben mich bestens unterhalten. Zum Glück bekommt Sophie aber auch ein wenig Unterstützung und schafft es, sich ein wenig in dieser nicht ganz einfachen Region zurechtzufinden.

Schreibstil und Aufbau:
Das Autor*innenduo hat es geschafft, sowohl den tragischen Verlust ihrer Tante als auch Sophies schwierige Lebenssituation in Hamburg authentisch darzustellen und trotzdem ein sehr unterhaltsames Buch, das ans Herz geht, zu schreiben. Das turbulente Dorfleben wird liebenswert und mit einem Augenzwinkern beschrieben und Sophies kleine und grosse Errungenschaften und Rückschläge scheinen realistisch. Ausserdem ist zwar natürlich ein wenig Romantik in diesem Buch zu finden, sie nimmt aber nicht überhand und wirkt stimmig in die Handlung eingebettet.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine herzliche Empfehlung für die ganze Reihe und ich freue mich sehr, dass bald ein fünfter Band erscheinen wird, so habe ich noch mindestens drei schöne Geschichten vor mir.

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Eindringlich erzählte Gesellschaftsstudie

Nebenan
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TW: Häusliche Gewalt, unerfüllter Kinderwunsch/Fehlgeburt, Tod/Verlust

Inhalt:
Julia wünscht sich sehnlichst ein Kind und die langen Tage im dunklen Januar nutzt sie dafür, bei Instagram glückliche Vorzeigefamilien ...

TW: Häusliche Gewalt, unerfüllter Kinderwunsch/Fehlgeburt, Tod/Verlust

Inhalt:
Julia wünscht sich sehnlichst ein Kind und die langen Tage im dunklen Januar nutzt sie dafür, bei Instagram glückliche Vorzeigefamilien zu beneiden, ihrer Arbeit als Keramikerin nachzugehen und das seit den Weihnachtsferien leerstehenden Haus gegenüber zu beobachten, während ihr Mann Chris sich mit unzähligen Plastikteilchen befasst, die plötzlich in den umliegenden Gewässern aufgetaucht sind. Astrid wird zu einem rätselhaften Notfall gerufen, macht sich Sorgen um ihre alternde Tante und ihr Mann versucht, sich mit dem Leben als Pensionär zu arrangieren. Was hat es mit den vielen Geheimnissen auf sich? Und wie gut kennt man seine Nächsten wirklich?

Meine Meinung:
"Nebenan" stand seit seinem Erscheinen (respektive schon kurz vorher) auf meiner Wunschliste und da es nun auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht, habe ich einfach nicht mehr länger warten können und das Buch im Bloggerportal angefragt.
Mich hat von Anfang an die düstere Grundstimmung begeistert. Es ist Januar, es ist kalt, die Weihnachtstage und der Lichterglanz sind vorbei, Nebel liegt über den Feldern und einem verlassenen Haus. Hat jemand die Serie "Katla" gesehen? An diese Stimmung erinnerten mich die ersten Seiten dieses Buches. Da ich alle Rezensionen nur überflogen und auch den Klappentext nicht gelesen hatte, konnte ich anfangs überhaupt nicht einordnen, wohin mich die Geschichte führen würde. Auch nachdem ich das Buch vor einigen Tagen beendet habe, fällt es mir sehr schwer, das Gelesene und meine Meinung dazu in Worte zu fassen, obwohl mir dieses wirklich aussergewöhnlich erzählte Buch sehr gefallen hat.

Aufbau:
Zwei Frauen und ihre Geschichte stehen im Zentrum. Sie wohnen nicht weit voneinander entfernt, kennen sich aber nicht. Nach und nach zeigt sich, wie und wo sich ihre Leben berühren, wie sehr sie sich aber auch voneinander unterscheiden. Alle Fäden laufen in einem leerstehenden Haus zusammen, das Julias und Astrids Aufmerksamkeit auf sich zieht und bei dem immer wieder ein kleiner Junge auftaucht und nach jemandem zu suchen scheint. Darin soll eine Familie gelebt haben, die entweder sehr lange in den Urlaub gefahren oder überstürzt ausgezogen ist.
Während mir das Kinderwunschthema ein wenig zu sehr in den Vordergrund gerückt worden ist, hätte ich gerne noch viel mehr über Astrid und ihre alternde Tante erfahren. Ausserdem hat mich gefreut, wie über Astrids Beziehung zu ihrer ehemaligen besten Freundin Marli berichtet worden ist.
Besonders überzeugt hat mich, wie gut es Bilkau gelungen ist, so viele Themen zu streifen, ohne sich zu verzetteln oder oberflächlich zu wirken. Das Kinderwunschthema ist sehr präsent, aber es geht auch um die Umweltverschmutzung, die Fake-Welt von Social-Media, das Altern, Vernachlässigung, eine bewegte Familiengeschichte, Verlust, häusliche Gewalt, die Entfremdung von den eigenen Kindern oder guten Freund:innen sowie die Veränderungen in Freundschaften und Beziehungen.

Sprache:
Die anfänglich sehr mysteriöse Grundstimmung erzeugt Bilkau mit wenigen Worten. Es bleiben viele Leerstellen, einiges habe ich mir zusammengereimt und ich wäre am liebsten noch viel länger und tiefer in die beschriebenen Schicksale eingetaucht. Auch die Figuren und ihre Gedankengänge - allen voran natürlich Astrid und Julia - sind so beschrieben, dass ich ihre Ansichten und Gefühle sehr gut nachvollziehen konnte, obwohl diese beiden Leben und Lebensentwürfe mir persönlich sehr fremd sind. Diese einzigartige Sprache und das immer wieder vorkommende leerstehende Haus haben mich überzeugen und fesseln können und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Meine Empfehlung:
"Nebenan" ist sicher kein Buch, das sich einfach so nebenher weglesen lässt und ich kann mir vorstellen, dass einige der beschriebenen Szenen Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch belasten können. Die einzigartige Sprache und das leerstehende Haus in der Nachbarschaft als Metapher für all die kleinen und grossen Unbekannten in unserem Leben machen das Buch aber zu einer lesenswerten, eindringlich erzählten Geschichte, die lange nachhallt.

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