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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.12.2025

Sehr unterhaltsam und gegen Ende auch ziemlich spannend

Gray
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Inhalt:
Der Student Elliot hat viele Gesichter, wird von einigen Mitmenschen verachtet und von anderen bewundert. Und plötzlich ist er tot. Unfall? Mord? Selbstmord? Sein Graupapagei Gray wird vorübergehend ...

Inhalt:
Der Student Elliot hat viele Gesichter, wird von einigen Mitmenschen verachtet und von anderen bewundert. Und plötzlich ist er tot. Unfall? Mord? Selbstmord? Sein Graupapagei Gray wird vorübergehend von seinem Tutor Dr. Augustus Huff übernommen, der sich sicher ist, dass Elliot ermordet worden ist. Gemeinsam mit Gray macht sich Huff ans Ermitteln und lernt gleichzeitig noch die Herausforderungen eines Alltags mit einem so anspruchsvollen und schamlosen Haustier kennen.

Meine Meinung:
Vor einigen Jahren habe ich "Glennkill" und "Garou", die beiden Schafskrimis von Leonie Swann, gelesen. Dies waren ihre ersten Romane und ich will gleich vorwegschicken, dass sie mich noch ein wenig mehr beeindruckt haben, als "Gray", weil sie wirklich aus der Sicht der Schafe erzählen und so herrlich atmosphärisch und düster sind. "Gray" hat mir aber ebenfalls sehr gut gefallen. Der sprachgewandte Papagei Gray und der ein wenig seltsame Professor Dr. Augustus Huff agieren darin als unfreiwilliges - und unfreiwillig komisches - Duo. Die Schwierigkeiten von Huff - als plötzlicher Vogelbesitzer, der sonst schon durch seinen starken Aberglauben und zahlreiche Ticks im Alltag herausgefordert ist, was natürlich absolut nachvollziehbar ist - sorgen für einige sehr komische Situationen und für viel Unterhaltung. Allerdings finde ich, dass Huff seinem Papagei lange nicht gut genug zuhört und dadurch wichtige Hinweise und Aussagen verpasst, die ihn schon viel früher auf eine richtige Spur hätten bringen können. Dies fand ich ein wenig schade und hat dafür gesorgt, dass der Krimi zwar sehr humorvoll, aber über grosse Strecken nicht wirklich spannend daherkommt.

Schreibstil und Aufbau:
Anders als in den Schafskrimis wird die Geschichte aus der menschlichen Perspektive erzählt und wir haben keinen inneren Monolog von Gray. Daran musste ich mich zuerst ein wenig gewöhnen, weil ich von Anfang an das Gefühlt hatte, dass Huff nicht so richtig versteht, was Gray ihm mit seinen dahingeworfenen Worten sagen will. Huff ist dafür sehr stark mit sich und zahlreichen Neurosen und Ticks beschäftigt. Der Aufbau und die humorvolle Erzählweise haben mir aber sehr gut gefallen, obwohl ich mir mehr Spannung gewünscht hätte. Diese kam aber gegen Ende doch noch auf und hat das Buch wunderbar abgerundet.

Meine Empfehlung:
Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen und ich habe eine mir bis dahin unbekannte, äusserst humorvolle Seite der Autorin kennengelernt, die mich beeindruckt hat. Ich bin schon sehr gespannt auf weitere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Berührend und trotz Längen im Mittelteil sehr unterhaltsam

Alle Toten fliegen hoch
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Inhalt:
Im Auftaktband der autofiktiven Reihe "Alle Toten fliegen hoch" schreibt Meyerhoff über sein Austauschjahr in Amerika in einer religiösen und konservativen Familie, sein Aufblühen in der neu gewonnenen ...

Inhalt:
Im Auftaktband der autofiktiven Reihe "Alle Toten fliegen hoch" schreibt Meyerhoff über sein Austauschjahr in Amerika in einer religiösen und konservativen Familie, sein Aufblühen in der neu gewonnenen jugendlichen Freiheit, über Sehnsucht und Verlust. In Laramie gehen die Uhren langsamer, Meyerhoff ist plötzlich Klassenbester in Deutsch und trainiert hart für einen Stammplatz in der Basketballmannschaft. Er besucht den Todestrakt in einem Gefängnis, wird vom Gastbruder angefeindet und hört nachts die Wölfe heulen. In "Amerika" geht es aber auch um eine überstürzte und eine geplante Rückkehr in sein altes und zugleich neues Leben in Deutschland und ein Ereignis, das seine Familie tief zerrüttet hat.

Meine Meinung:
Im April habe ich den Abschluss dieser Reihe von Meyerhoff gelesen und war dann sehr neugierig auf die Vorgängerbände, die ich mir nun alle ausleihen darf. Nun habe ich den Auftakt der Reihe gelesen und in "Amerika" Meyerhoff durch sein Austauschjahr in Wyoming begleitet. Die Geschichte hat mich immer mal wieder sehr gut unterhalten und sehr bewegt, obwohl ich mit einigen Längen im Mittelteil zu kämpfen hatte. Besonders gut gefallen haben mir die Schilderungen des Basketballtrainings und Meyerhoffs Pragmatismus, mit dem er sich ins Leben seiner Gastfamilie eingegliedert hat.
Auch finde ich, dass viele der extrem abenteuerlichen Anekdoten in eine komplett andere Zeit und Gesellschaft blicken lassen, was sehr spannend ist und doch ist es auch gut, dass viele der Szenen aus dem Gefängnis in Wyoming sowie der doch eher spezielle Unterricht, den Meyerhoff in Laramie "genossen" hat heute (zumindest hoffentlich) undenkbar sind.

Meine Empfehlung:
Ich bin schon sehr gespannt auf die weiteren Bände der Reihe, die ich mir alle leihen darf und freue mich besonders auf den zweiten Band, der wohl aus der definitiv ziemlich speziellen Kindheit des Autors berichten wird.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Spannend und vielschichtig

Auf Treu und Glauben
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Inhalt:
Brunetti leidet unter der Hitze der sommerlichen Stadt und freut sich auf eine Auszeit in den Bergen mit seiner Familie. Nur leider machen ihm ein Leichenfund und skrupellose Betrüger einen Strich ...

Inhalt:
Brunetti leidet unter der Hitze der sommerlichen Stadt und freut sich auf eine Auszeit in den Bergen mit seiner Familie. Nur leider machen ihm ein Leichenfund und skrupellose Betrüger einen Strich durch die Rechnung. Mühsam kämpft er gegen die Hitze und korrupte Verbrecher an und wirbelt dabei richtig viel Staub auf.

Meine Meinung:
Das Verbrechen scheint zu ruhen, aber Ruhe ist nie ein gutes Zeichen in der Serenissima. Und so entwickelt sich schon bald ein spannender, politisch und gesellschaftlich brisanter Fall, dem sich Brunetti mit viel Fingerspitzengefühl und Finesse annimmt. Der Aufbau vieler Brunetti-Romane ist ähnlich. Anfänglich scheint nichts zusammenzupassen, aber irgendwie ist doch alles miteinander verbunden. Auch in diesem Roman entwickelt sich dies ähnlich: Vianellos Besorgnis um seine Tante, welche das ganze Geld der Familie auszugeben droht sowie einige verdächtige Vorgänge und Versäumnisse am Gericht hängen auf den ersten Blick nicht zusammen. Zudem macht die Hitze Brunetti so richtig zu schaffen, was ihn ein wenig langsam in die Gänge kommen lässt. Tatsächlich hat es auch bei mir ein wenig gedauert, bis ich verstanden habe, wie alles zusammenhängt und ich denke, dass dieser Roman den wohl bisher ausgeklügeltsten Fall beinhaltet. Trotzdem kommen die beliebten Restaurantbesuche, das augenzwinkernde Ärgern des Vice-Questore Patta und Szenen aus dem Privatleben Brunettis auch in diesem Buch nicht zu kurz.

Meine Empfehlung:
Auch wenn dieser Krimi von der Jahreszeit her gar nicht in den Dezember gepasst hat, hat mich dieser Fall sehr gut unterhalten und besonders intensiv rätseln lassen.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Unterhaltsam und klug geschrieben

Von Katzen lernen, den Faschismus zu überstehen
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Inhalt:
Dieses kleine Büchlein - das sich übrigens sehr gut als Geschenk eignet - umfasst acht Kapitel voller antifaschistischer Katzenliebe, Humor und Gedanken, die sich weiterzudenken lohnen.

Meine ...

Inhalt:
Dieses kleine Büchlein - das sich übrigens sehr gut als Geschenk eignet - umfasst acht Kapitel voller antifaschistischer Katzenliebe, Humor und Gedanken, die sich weiterzudenken lohnen.

Meine Meinung:
Dieses kleine Büchlein habe ich von meiner besten Freundin zum Geburtstag bekommen und sie hat damit voll ins Schwarze getroffen. Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und bringt die beiden auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassende Themen Katzenliebe und Antifaschismus auf kluge und humorvolle Art zusammen.

"Katzen wissen, dass das Überleben nicht nur von scharfen Krallen und geschicktem Anschleichen abhängt, sondern davon, aufeinander aufzupassen, Ressourcen zu teilen und zusammenzuhalten, wenn es am meisten darauf ankommt."

Der Autor lässt dabei keine Gelegenheit aus für liebevolle Seitenhiebe gegen Hundemenschen und geht mit Faschisten um so härter ins Gericht. Mit seinen Texten ruft er ausserdem dazu auf, zusammenzuhalten, sich gemeinsam gegen faschistische Parolen zu positionieren und das eigene Handeln immer wieder zu überdenken. Er zeigt unter anderem auf, wie man mit klugen und teilweise ganz kleinen Alltagskniffen ein friedliches Miteinander erreichen kann, natürlich immer am Beispiel von Katzen und ihren typischen Verhaltensweisen.

"Sei nahbar. Sei reizend. Sei die Art von Mensch - oder Katze -, der niemand widerstehen kann. Die Faschisten werden nicht wissen, wie ihnen geschieht, und die Zahl deiner Verbündeten wird schneller wachsen als ein Wurf Kätzchen."

Der Stil ist stets leicht, liest sich flüssig, unterhält wunderbar und die kurzen Kapitel sind mit passenden Illustrationen von Pablo Amargo versehen.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist nicht nur ein ideales Geschenk für Katzenfans, sondern einfach für alle, welche antifaschistisch leben und handeln wollen. Schliesslich findet es Platz in jedem noch so kleinen Bücherregal und sorgt für unterhaltsame und zum Nachdenken anregende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Wortgewaltiger Abschluss meines Lesemonats

Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird
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TW: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt, Sucht, Drogen, Alkohol, Suizidgedanken

Inhalt:
In sechzehn Szenen widmet sich die Wortkünstlerin Iuona Guruli Alltagssituationen, Beziehungen, Familienkonstellationen ...

TW: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt, Sucht, Drogen, Alkohol, Suizidgedanken

Inhalt:
In sechzehn Szenen widmet sich die Wortkünstlerin Iuona Guruli Alltagssituationen, Beziehungen, Familienkonstellationen und Erinnerungen Sie schafft es, ihre Figuren zwar kurz, aber intensiv durch die Texte zu begleiten und dabei Beklemmung, Liebe, Freundschaft und immer wieder einen Silberstreifen am Horizont spüren zu lassen. Umrahmt und unterbrochen werden diese Szenen von berührenden und unterhaltsamen "Kleinanzeigen", die nachhallen.

Meine Meinung:
"Biete:
28 Jahre alte, aber gut erhaltene grüne Augen, verschimmelte Träume und gebrochenes Herz mit interessantem Inhalt.
Preis: Verhandlungsbasis."
So beginnt dieses ungewöhnliche Buch und lässt damit direkt spüren, dass Guruli nicht lange fackelt, sondern mitten ins Geschehen, ins Leben ihrer Figuren springt, die teilweise verzweifelt, hoffend oder von Angst geplagt durch ihren Alltag stolpern. Sie verschont weder sie noch uns und mutet ihren Lesenden heftige Texte mit gewaltvollem Inhalt zu, welche mich oft haben innehalten lassen. Genau so schnell, wie sie uns ihre Figuren vorstellt, verlässt sie diese manchmal auch wieder, lässt sie teilweise erneut vorkommen oder nie mehr und lässt uns mitfiebernd und auf ein gutes Ende hoffend mit offenen Fragen zurück. Nur einige Male hätte ich mir doch noch ein wenig mehr Handlung oder auch Auflösung gewünscht, ansonsten empfand ich dies allerdings als stimmig. Immer wieder nimmt Guruli übrigens Bezug auf ihre Heimat Georgien, auf Krieg und Flucht und Armut und das harte Leben am Rande der Gesellschaft. Und auch wenn ich vom Inhalt manchmal sogar ein wenig abgeschreckt war, wollte ich doch immer weiterlesen, kein Wort dieser grandiosen Erzählerin verpassen, welche dieses Werk direkt selber vom Georgischen ins Deutsche übersetzt hat.

Meine Empfehlung:
Ich bin ehrlich begeistert und überzeugt und möchte noch viel mehr Texte aus Gurulis Feder lesen. Wenn ihr euch nicht ganz einfache Kost zutraut, seid ihr mit diesem mal zarten, poetischen, mal wuchtig und brutalen Buch bestens beraten.

Meine Empfehlung:
Ich bin ehrlich begeistert und überzeugt und möchte noch viel mehr Texte aus Gurulis Feder lesen. Wenn ihr euch nicht ganz einfache Kost zutraut, seid ihr mit diesem mal zarten, poetischen, mal wuchtig und brutalen Buch bestens beraten.

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