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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2020

Fesselnd und sehr authentisch geschrieben

Das Haifischhaus
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Inhalt:

Ein wenig zugenommen hat er, Toto Berger, seit er vom Profisport zurückgetreten ist. Seine Blutwerte sind auch nach dem Überwinden seiner Medikamentensucht noch nicht rosig und sein Konto ist ...

Inhalt:

Ein wenig zugenommen hat er, Toto Berger, seit er vom Profisport zurückgetreten ist. Seine Blutwerte sind auch nach dem Überwinden seiner Medikamentensucht noch nicht rosig und sein Konto ist komplett leer. Da fordert ihn sein ehemaliger Erzrivale, die aktuelle Nummer eins im Tennis Frédéric Lamenteau, zu einem letzten grossen Duell. Zehn Millionen stehen auf dem Spiel und vor allem auch Bergers Ehre. Sein ehemaliger enger Kreis von Vertrauten zieht mit ihm ins sogenannte Haifischhaus ein, in dem er sich auf dieses alles entscheidende Spiel vorbereien will. Dass er aber zuerst mit sich selber ins Reine kommen, alte Rechnungen begleichen und seine persönliche Lebenssituation klären muss, überrascht und fordert ihn auf unerwartete Weise.



Meine Meinung:

Vom Tennissport weiss ich lediglich das Nötigste. Vor allem mit meiner Grossmutter verfolge ich ab und an die grossen Turniere, sie ist nämlich ein grosser Fan von Roger Federer. Wie es sich aber anfühlt, im Rampenlicht zu stehen und unter grossem Druck eine Leistung zu erbringen - oft auch in einer Wettbewerbssituation - weiss ich als Musikerin sehr genau, was sich sicher ein wenig mit einigen Situationen im Sportlerleben vergleichen lässt. Um so beeindruckender empfand ich die äusserst authentischen und detaillierten Schilderungen der Situation auf dem Tennisplatz, der Unsicherheit, der Wut, dem Schmerz und dem fokussierten Denken und Handeln der Spieler. Auch der Aufbau des Protagonisten Toto Berger durch seinen Betreuerstab, die harten Trainings und die unterschiedlichen zwischenmenschlichen Situationen der Figuren im Haifischhaus waren spannend geschildert und stimmig aufeinander aufgebaut. Auch wenn viele Begriffe aus dem Tennissport fallen, ist das Buch sehr verständlich geschrieben und mit einer durchschnittlichen Allgemeinbildung ohne Probleme zu verstehen, ihr müsst also keine Sportler sein, um nachvollziehen zu können, was auf dem Platz vor sich geht.



Figuren und Sprache:

Bergers Sohn Nils, zu dem Toto Berger bis kurz vor seinem geplanten Comeback gar keinen Kontakt mehr hatte, übernimmt eine immer wichtigere Rolle in Bergers Leben und seine ehemalige grosse Liebe Liv, an der immer noch sein Herz hängt, ist zugleich eine grosse Unterstützung als auch ein Hindernis für sein hoch gestecktes sportliches Ziel. Wie die Personen in Bergers Betreuerstab interragieren, wie die Atmosphäre im Haifischhaus und auf dem Tennisplatz beschrieben ist, hat mich tief beeindruckt. In seinen Beschreibungen zeigt Rüdiger Barth nämlich nicht nur, dass er sich im Tennissport auskennt, sondern dass er auch sehr genau beobachtet und sich intenisv mit seinen Figuren auseinandergesetzt hat. Die Stimmungen werden intensiv spürbar, die Spannung gegen Ende des Buches steigt und der Schluss des Buches hat mich sehr zufrieden zurückgelassen, weil er eher überraschend kam, aber meiner Meinung nach wirklich gut gepasst hat. Die Sprache bleibt aber leicht und gut verständlich und war mir - mein einziger Kritikpunkt - manchmal ein wenig zu oberflächlich gehalten.



Meine Empfehlung:

"Das Haifischhaus" ist ein Buch über den Weg zum Erfolg, die unangenehmen Begleiterscheinungen von Berühmtheit, über Freundschaft, Liebe und ganz viel Schweiss und Tränen. Es ist ein besonderes Leseerlebnis, das die Leserschaft in die Welt des Profisports entführt und die Atmosphäre auf dem Tennisplatz auch für Laien greifbar machen kann. Deshalb empfehle ich euch dieses packende Buch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 10.01.2020

Märchenhaft und beklemmend

Der Schneesturm
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Inhalt:

Es schneit, es ist kalt, es stürmt und gefühlt befinden wir uns sowohl in der Vergangenheit, wo man sich mit Kutschen von A nach B bewegt, als auch in einer märchenhaften und auch ein wenig bedrohlichen ...

Inhalt:

Es schneit, es ist kalt, es stürmt und gefühlt befinden wir uns sowohl in der Vergangenheit, wo man sich mit Kutschen von A nach B bewegt, als auch in einer märchenhaften und auch ein wenig bedrohlichen Zukunft, in der es Zwergpferde und Riesen gibt, und in der seltsame Drogen für enorme Visionen sorgen können. Wir haben den Arzt Garin, der sich furchtlos durch den Sturm wagt und den Brotlieferanten Kosma, gennant Krächz, der unseren Arzt der bei der Bekämpfung einer Seuche, welche die Menschen zu zombieähnlichen Gestalten macht, dringend gebraucht wird, ins ein paar Stunden entfernte Örtchen Dolgoje fahren soll.


Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich in Marias Lesekreis gelesen und freue mich auf den Austausch, der am Sonntag stattfinden wird. Sicher sind nämlich auch einige äusserst kontroverse Meinungen dabei. Auf mich hat "Der Schneesturm" äusserst beklemmend gewirkt. Mit einer inneren Enge habe ich Seite um Seite umgeblättert und zusehen müssen, wie ein Hindernis nach dem anderen die sonst schon scheinbar endlose Kutschenfahrt noch mehr in die Länge zieht. Wie es kälter und kälter wird, wie unser eigentlich so pflichtbewusste Arzt seinen Kutscher und herzensguten Begleiter Krächz zurechtweist und massregelt, weil dieser mit seiner bedächtigen Art nicht gerade dazu beiträgt, dass die Reise ein baldiges Ende nimmt.

Wer zum ersten Mal zu einem Stück russischer Literatur greift, ist sicher irritiert von den Bildern und Ideen, die heraufbeschworen werden und dem Umgang, den die Menschen miteinander pflegen. Aber eigentlich befinden wir uns einfach in einem - äusserst dramatischen - russischen Märchen. Einem Märchen, in dem die endlose Kutschenfahrt eine Metapher für ein Land ist, in dem alles sehr langsam vorankommt, in dem Vergangenheit und Gegenwart und vielleicht sogar ein wenig Zukunft aufeinanderprallen, in dem Menschen abhängig sind von einem System, in dem der Alkohol und grosse Machthaber äusserst präsent in den Köpfen und Herzen sind und in dem eine Landschaft voller Schönheit und Weite zum Träumen und Schwelgen einlädt, aber auch äusserst bedrohlich wirken kann.

Die scheinbare Sinnlosigkeit des Versuches, ans Ziel zu kommen, hat mich ein wenig an "Wo warst du, Adam?" von Heinrich Böll erinnert. Dort allerdings ist es der zweite Weltkrieg, der bis zum bitteren Ende geführt wird und der ohne jeden Sinn und Zweck, aber auch komplett planlos für unheilbare Wunden in der Seele ganzer Nationen führt.


Sprache:

Einlullend und poetisch schön und zuweilen auch kafkaesk erzählt Sorokin seine Geschichte. Geübte Literaturkritiker wollen Zitate grosser russischer Autoren und Dichter in Sorokins Erzählung finden, ich habe vor allem sehr viel Humor, Sarkasmus und einige äusserst spitze Seitenhiebe gefunden. Immer wieder war da aber auch eine ganz eigene, schillernde sprachliche Schönheit, die das Buch zu einem wahren Lesegenuss gemacht haben und mich förmlich an den Seiten kleben liessen. Ein grosses Lob an dieser Stelle an den Übersetzer Andreas Tretner, der es mit diesem anspruchsvollen Text sicher nicht leicht hatte, dem aber eine runde, in sich stimmige Übersetzung gelungen ist.


Meine Empfehlung:

Von mir gibt es eine herzliche Empfehlung für dieses durchaus anspruchsvolle, wunderschön erzählte Buch, das aber auch äusserst beklemmend wirkt und beim Lesen für Gänsehaut gesorgt hat.

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Veröffentlicht am 03.01.2020

Ein tolles Buchgeschenk

Krimi
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Inhalt:
„Krimi“ beinhaltet und vereint jegliche Klischees und Vorurteile, mit denen der schweizer Krimi zu kämpfen hat. Das Büchlein ist aber eigentlich nicht sehr schweizerisch sondern viel eher eine ...

Inhalt:
„Krimi“ beinhaltet und vereint jegliche Klischees und Vorurteile, mit denen der schweizer Krimi zu kämpfen hat. Das Büchlein ist aber eigentlich nicht sehr schweizerisch sondern viel eher eine Art objektive Sicht auf gewisse Dinge, die sich vielleicht in der Schweiz, aber auch an jedem anderen eher abgelegenen Ort ereignen könnten und eine Sicht auf die ländliche Bevölkerung, welche gar nicht nur vor Einfalt strotzt, sondern durchaus über eine gewisse Intelligenz und Kombinationsgabe verfügt. Gleichzeitig ist es aber nicht nur ein Parodie auf, sondern auch eine zärtliche Liebeserklärung an den (schweizer) Krimi.

Sprache und Erzählweise:
Mit vielen Mundartwörtern gespickt und in teilweise haarsträubend langen und aberwitzigen Sätzen erzählt hat „Krimi“ einen ganz eigenen, ganz besonderen Reiz. Es ist wohl nicht falsch zu behaupten, dass sich der Autor auch ein wenig über den Leser lustig macht.
Der skurrile Kommissar, der das Ladleben überhaupt nicht gewohnt ist, und sein nicht sehr weit denkender Assistent lassen sich von den vielen Eindrücken und Erlebnissen verwirren und stecken in einer Geschichte fest, die mehr eine Konstruktion ihrer Gedanken als ein wirklicher Lösungsweg ist. Doch zum Glück gibt es da noch die Landbevölkerung mit ihren vom Autor sorgfältig ausgewählten Namen, die sehr gerne noch ihre eigene Version des Mordes oder eine total andere aber viel interessantere Geschichte zum Besten geben.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eigentlich kein Buch, sondern ein Gesamtkunstwerk, welches aus Text und Bildern besteht und ein wenig wie eine Bastelarbeit erscheint, was nicht nur das Gesamtkonzept des Büchleins, sondern auch der Handlung an sich zu sein scheint und als solches durchaus besticht.

Fazit:
Unterhaltsam und sehr reizvoll konzipiert eignet sich dieses Büchlein hervorragend als Mitbringsel.

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Veröffentlicht am 30.12.2019

Ein bewegendes und unterhaltsames Stück Literatur

Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft
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Inhalt:

Unsere Protagonistin lebt mit einem toten Maulwurf neben und in den Trümmern ihres Elternhauses und errichtet - Stein um Stein - eine Notunterkunft, in der sie bescheiden lebt. Alles, was sie ...

Inhalt:

Unsere Protagonistin lebt mit einem toten Maulwurf neben und in den Trümmern ihres Elternhauses und errichtet - Stein um Stein - eine Notunterkunft, in der sie bescheiden lebt. Alles, was sie braucht, schafft sie aus ihrem Elternhaus in ihre neue Bleibe oder sammelt und klaut es sich aus der Natur und den Geschäften der Umgebung zusammen. "Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft" ist ein Buch über einen alternativen Lebensentwurf, über die Jugend und das Notwendige, das Vergängliche, Verluste und Minimalismus.


Meine Meinung:

Auf "Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft" bin ich bei Jan aufmerksam geworden und ich bin wirklich froh, dass mich seine amüsante Schilderungen der Protagonistin und ihres toten Maulwurfs so neugierig gemacht haben auf dieses Buch. Nach den ersten paar Sätzen war ich allerdings noch ein wenig irritiert, weil die einzelnen Abschnitte eher Textfragmente sind, welche den Bau der "Notunterkunft" und die Umsiedlung in dieses neue, abgelegene und auch sehr einsame und verlassene Leben dokumentieren. Nach wenigen Seiten habe ich aber das Konzept durchschaut und mich nur so in diese Geschichte gestürzt, die gesellschaftliche Normen ad absurdum führt, mit Leerstellen viel Interpretationsspielraum und Platz für eigene Gedanken lässt und zudem in Rückblicken und Briefen eine Geschichte erzählt, die vom Verlust und der Einsamkeit handelt und nicht immer nur heiter Sonnenschein ist. Wie sich die Protagonistin an ihren toten Maulwurf klammert, hat mich nicht nur amüsiert, sondern auch berührt, wie sie sich von ihren Habseligkeiten trennt, sich aber auch einige wirkliche Notwendigkeiten mühsam beschaffen muss, hat mich zum Nachdenken gebracht. Simone Hirth ist mit diesem vielseitigen, kritischen und vor allem auch handwerklich geschickt geschriebenen Stück Gegenwartsliteratur ein wahrlich fesselndes und berührendes Debüt gelungen.


Meine Empfehlung:

Von mir gibt es eine herzliche Leseempfehlung für dieses Buch, das zeigt, wie mit wenigen Worten und viel Raum für eigene Gedanken eine ganze Geschichte erzählt werden kann, die kritisch und unterhaltsam zugleich für einige spannende Lesestunden sorgt.

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Veröffentlicht am 24.12.2019

Spannend, übernatürlich und sehr romantisch

Abschiedskuss
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Meine Rezension bezieht sich auf das Printexemplar:

Inhalt:
Maja hat nicht mehr sehr viele Erinnerungen an ihre Mutter, die seit einigen Jahren verschwunden ist. Dies ist der Grund, weshalb sie sehr ruhig ...

Meine Rezension bezieht sich auf das Printexemplar:

Inhalt:
Maja hat nicht mehr sehr viele Erinnerungen an ihre Mutter, die seit einigen Jahren verschwunden ist. Dies ist der Grund, weshalb sie sehr ruhig bleibt, als sie Inspektor King in Brighton trifft, um ihm einige Fragen zu beantworten. Bald steht sie dort, wo ihre Mutter ermordet worden ist und versucht, sich von ihr zu verabschieden. Doch Maja kann King nicht helfen, noch nicht, denn zuerst muss sie verstehen, was ihre Mutter ihr immer wieder zu sagen versucht. Maja sieht und hört mehr, als die meisten anderen Menschen. Den Geruch ihrer Mutter nimmt sie immer dann wahr, wenn diese ihr Hinweise zum Verbrechen zu geben versucht. Aber Maja muss sich auch auf ihr Kunststudium konzentrieren, welches ihr sehr viel abverlangt. An ihrer Kunsthochschule in Oxford hat sich ausserdem vor einigen Jahren eine fürchterliche Tragödie ereignet, bei der vier junge Frauen aus noch immer unbekannten Gründen ums Leben gekommen sind. Diese jungen Frauen begegnen Maja immer wieder und wollen ihr zeigen, was mit ihnen geschehen ist. Doch haben diese Frauen etwas mit ihrer Mutter zu tun? Was genau ist an jenem Abend geschehen? Welche Rolle spielt der Direktor der Schule in dieser Geschichte und was führt ihre Mitbewohnerin im Schilde? Sehr feinsinnig tastet sich Maja Schritt für Schritt an die Geschichte ihrer Mutter und den qualvollen Tod der jungen Frauen heran. Aber welchen ihrer zum Teil sehr rätselhaften Mitstudenten kann sie trauen?

Meine Meinung:
Anfangs war ich überhaupt nicht überzeugt von diesem Buch. Doch dann hat es mich immer mehr in seinen Bann gezogen. Ich persönlich denke schon, dass es Menschen gibt, welche besonders sensibel sind und eine sehr ausgeprägte Intuition haben. Majas Fähigkeiten waren mir aber ein wenig zu extrem und eigentlich mag ich keine so übernatürlichen Geschichten. Die besonders fein gewobenen Erzählstricke und die verschiedenen detailliert ausgearbeiteten Charaktere haben mich jedoch überzeugt. Der Schreibstil erzeugt eine unglaubliche Spannung und die Kapitel enden jeweils so, dass ich einfach weiter lesen musste. Ausserdem war mir die Protagonistin Maja sehr sympathisch.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von diesem Buch sogar geträumt habe. Als ich das Buch an einem sehr düsteren Abend beendete, habe ich mich danach fast nicht mehr ins Badezimmer getraut und hatte immer Angst, dass jemand neben mir im Bett liegt...

Fazit:
Abschiedskuss ist ein sehr übernatürliches Buch, welches eine Mischung aus Krimi, Thriller und Liebesgeschichte ist und allen gefallen wird, welche ein so spannungsgeladenes Buch ertragen können.

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