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Veröffentlicht am 03.11.2019

Humorvoller und fesselnder Auftakt einer Jugendbuchreihe

Selection
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Inhalt:
America ist eine fünf und stammt damit aus der Künstler- und Musikerkaste, welche im Staat Illeá eine sehr niedrige Bedeutung hat. Das verdiente Geld reicht nicht für grossen Luxus und von den ...

Inhalt:
America ist eine fünf und stammt damit aus der Künstler- und Musikerkaste, welche im Staat Illeá eine sehr niedrige Bedeutung hat. Das verdiente Geld reicht nicht für grossen Luxus und von den Mahlzeiten bleibt nie etwas übrig, weil die Mittel zu knapp sind. Doch America hat Aspen. Aspen stammt aus der Kaste sechs und somit ist ihre Beziehung zum Scheitern verdammt, wenn er nicht genug Geld zusammen bringen und sie heiraten kann. Doch seine Familie hungert noch viel mehr und arbeitet als Bedienstete von höheren Kasten. Diese Liebe muss also streng geheim gehalten werden.
Eines Tages kriegt Amercia die Einladung zum Casting aller Mädchen des Staates Illeá welche sechzehn Jahre alt oder älter sind. Aus diesen vielen Mädchen werden 35 Schönheiten ausgewählt, welche um die Gunst des Prinzes von Illeá buhlen müssen und dürfen und so die Möglichkeit haben, in eine höhere Kaste aufzusteigen, viel Geld zu verdienen oder sogar Prinzessin zu werden. Amercia weigert sich, wird aber von Aspen und ihrer Familie überredet, die Chance zu ergreifen. Sie meldet sich an und wird tatsächlich ausgewählt. Doch sie will diesen Prinzen gar nicht, sie will Aspen und sie will gar nicht gegen andere Mädchen um einen Prinzen kämpfen. So bietet sie dem Prinzen einen Deal an: er lässt sie bleiben, bis ihre Familie genügend Geld für ein besseres Leben erhalten hat und dafür hilft sie ihm, aus den vielen Mädchen auszuwählen. Doch sie hat die Rechnung ohne ihre Gefühle und ohne Aspen gemacht, welcher plötzlich im Palast auftaucht.

Meine Meinung:
Ich würde mich als emanzipierte junge Frau bezeichnen und deshalb ist mir so ein Auswählverfahren, welches mich stark an „Der Bachelor“ und ähnliche Formate erinnert ziemlich zuwider. Ich war jedoch froh, dass es Amercia genau so ging. Sie beginnt sich aber nach und nach an die Situation und ihre neuen Möglichkeiten zu gewöhnen und verstrickt sich immer mehr in eine komplizierte Freundschaftsbeziehung mit dem Prinzen Maxon. Dies verstehe ich sehr gut. Ausserdem ist sie in einer Situation, in der sie diese Möglichkeit als einzigen Ausweg für ihre Familie sieht. Ich finde es jedoch sehr schade, wie die Beziehung zwischen Aspen und Amercia sich vor ihrer Abreise verändert hat und es ist somit auch verständlich, dass es ihr nun leichter fällt, sich auf den Prinzen einzulassen. Dieser verhält sich meiner Meinung nach teilweise sehr kindlich, und dann trotzdem wieder sehr erwachsen und reif, was eigentlich gut zu seinem Alter, nicht aber unbedingt zu seiner Position als Prinz von Illeá passt. Eigentlich habe ich anfangs nur weiter gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte endet. Aber dann hat mich der Schreibstil so gefesselt, dass ich einfach weiter gelesen habe und innerhalb von kürzester Zeit war das Buch dann auch schon beendet. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, auch wenn ich mich mit gewissen Strukturen des Buches (kindlicher Prinz, überhaupt nicht emanzipierte junge Frauen, welche um einen Mann buhlen) überhaupt nicht anfreunden kann.

Fazit:
Ein unterhaltsames, spannendes und faszinierendes Jugendbuch, welches hungrig auf die weiteren Teile macht und über einen sehr fesselnden Schreibstil verfügt.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Nicht nur als Geschenk, sondern auch im eigenen Regal ein wahrer Schatz

Tiere und Töne
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Inhalt:

Was gibt es - für mich als Musikerin so oder so - Schöneres, als wenn sich eine Autorin die Zeit nimmt, sich sehr konkret mit Musik - in diesem Falle Händels Arien - auseinanderzusetzen und sich ...

Inhalt:

Was gibt es - für mich als Musikerin so oder so - Schöneres, als wenn sich eine Autorin die Zeit nimmt, sich sehr konkret mit Musik - in diesem Falle Händels Arien - auseinanderzusetzen und sich mit einem humorvollen Blick und zugleich solide recherchiertem Hintergrund auf die darin beschriebenen Tiercharaktere zu konzentrieren? Donna Leon ist dies meisterhaft gelungen und die wundervollen Illustrationen von Michael Sowa tragen viel zum Charme dieses Buches bei.


Meine Meinung:

Von der Aufmachung her ist dieses Buch genau so gelungen, wie inhaltlich. Jedes Kapitel bezieht sich auf ein einzelnes Tier, auf der Folgeseite wird eine liebevolle Illustration abgebildet und dann folgt der sich auf das Tier beziehende Text aus der Arie in der Originalsprache und in der Übersetzung. Als nächstes geht Leon auf Texte aus dieser Zeit (wir befinden uns bei Händel im 17./18. Jahrhundert) ein. Dies wären dann vor allem die mittelalterlichen Bestiarien Philippe de Thaons, Guillaume le Clercs und Gervaise de Fontenays, in denen teilweise amüsante, schauerliche, mystische und sehr konstruierte, aber manchmal auch überraschend genaue Beschreibungen des Aussehens und der Charaktereigenschaften der vorgestellten Tiere festgehalten sind. Dabei wird mit Humor, Feingefühl und vor allem viel Sachverstand erklärt und zusammengestellt, was damals zu den jeweiligen Tieren passte und wie diese Andeutungen und musikalischen Bilder in den Arien damals und heute zu verstehen sind, was nicht nur viel Lesevergnügen bereitet, sondern vor allem auch äusserst lehrreich ist.


Meine Empfehlung:

Dieses Buch ist nicht nur ein wundervolles Geschenk, es macht sich auch gut im eigenen Bücherregal und kommt mit einer CD mit Tonbeispielen daher, ist also nicht nur etwas fürs Auge und für entspannte Lesestunden, sondern auch fürs Ohr. Von mir gibt es deshalb eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Spannend und sehr ehrlich

Der große Trip
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Inhalt:
Es scheint, als hätte die junge und attraktive Cheryl alles verloren, als würde sie vor einem grossen Nichts stehen. Ihre Mutter ist vor einigen Jahren und viel zu jung an Krebs gestorben, ihre ...

Inhalt:
Es scheint, als hätte die junge und attraktive Cheryl alles verloren, als würde sie vor einem grossen Nichts stehen. Ihre Mutter ist vor einigen Jahren und viel zu jung an Krebs gestorben, ihre Geschwister entfernen sich immer mehr von ihr, obwohl Cheryl sie eigentlich über alles liebt, ihre Ehe ist zerbrochen und sich selber kann sie auch nicht mehr in die Augen schauen. Doch etwas Grosses und Mächtiges ist ihr geblieben: eine gewisse Verrücktheit, eine Willenskraft, viel Mut und ein grosser Traum, alles in allem also ein sehr starker Selbsterhaltungstrieb. Als sie nämlich einen Wanderführer über den Pacific Crest Trail in einem Laden findet, weiss sie, dass sie diesen Trail unbedingt gehen, ihre persönlichen Probleme hinter sich lassen und ganz am Ende des Weges die Brücke der Götter erreichen will und muss. Sie sieht keinen anderen Weg mehr, gibt ihr ganzes Leben auf, bringt die Scheidung über die Bühne, packt ihren Rucksack und marschiert los. Was sie erlebt, liest sich, wie eine Mischung aus Märchen und Abenteuerroman und die lange Reise über Berge und durch Täler soll auch eine Reise zu sich selber werden. Denn während sie wandert, hat sie genug Zeit, über ihr Leben und ihre Sorgen nachzudenken und so erfährt der Leser nach und nach von ihrer Kindheit in einer Holzhütte, ihrer immer liebenden und liebevollen Mutter, kleinen und grösseren Sorgen und ihrer grosser Liebe zu Paul. Dieses im Kailash Verlag erschienene autobiografische Buch zeigt auf, was im Leben wirklich wichtig ist: Vertrauen und Stärke für sich und andere und eine grosse Portion Mut, Liebe und Freundschaft. Es lässt sich hier bestellen.

Meine Meinung:
Als Kind habe ich einige Abenteuerromane gelesen und war immer fasziniert von den Erlebnissen grosser Entdecker und ihren sagenhaften Begegnungen und den Naturbeschreibungen. Ich hätte aber nie und nimmer gedacht, dass dieses Buch mich so sehr faszinieren und für sich einnehmen würde. Die Autorin schreibt so ehrlich, humorvoll und auch selbstkritisch, dass man sie einfach mögen muss. Für den Leser wird die ganze Trail-Route und auch die Änderungen, welche Cheryl aufgrund der Schneemassen in der Sierra Nevada vornehmen muss, sind verständlich beschrieben. Weil immer ein Tag nach dem anderen geschildert wird und die regelmässigen Rückblenden zu ihren jeweiligen Gedanken auf dem Trail passen, verliert man den roten Faden nicht und wird immer bestens unterhalten.
Ich habe mitgefiebert und mitgelitten und nur die Tatsache, dass Cheryl überlebt hat (sonst gäbe es dieses wunderbare Buch ja nicht), hat mich zuversichtlich bleiben lassen. Die Gafahren auf dem Trail sind nämlich nicht zu unterschätzen, viel Glück, hilfsbereite Menschen und ein erträgliches Wetter oder passende Alternativen sind die Faktoren, von denen eine erfolgreiche Absolvierung dieser langen Wanderung abhängen.

Fazit:
Cheryl Strayed ist ein ehrlicher, mitreissender und sehr unterhaltsamer Bericht gelungen. Ihre Schmerzen an den Füssen, die Hitze und die Kälte konnte ich förmlich spüren und über jede ihrer Begegnungen und Erkenntnissen habe ich mich gefreut, als hätte ich sie selber gemacht. Dieses Buch empfehle ich wärmstens weiter und werde es wohl in einiger Zeit ein zweites Mal lesen.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Ein gelungener und spannender Reihenauftakt

Der Duft der weiten Welt
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Inhalt:
Mina ist - nicht wie gefühlt alle anderen junge Frauen in ihrem Alter - nicht auf der Suche nach einem Ehemann und nicht interessiert an Handarbeiten und der Haushaltsführung. Viel lieber begleitet ...

Inhalt:
Mina ist - nicht wie gefühlt alle anderen junge Frauen in ihrem Alter - nicht auf der Suche nach einem Ehemann und nicht interessiert an Handarbeiten und der Haushaltsführung. Viel lieber begleitet sie ihren Vater in sein Kaffeekontor und lernt dort die Grundlagen der Geschäftsführung, hilft bei der Auswahl der Bohnen und erlebt, wie man mit Angestellten umgeht. Nur leider lebt sie in einer Zeit, in der Frauen nicht befugt sind, ganze Firmen zu führen und in die Handelkammern werden sie gar nicht erst eingelassen. Mina ist aber stur, macht sich für sich selber stark und holt sich die Unterstützung ihres Jugendfreundes Edo und dessen Ziehbruder Heiko. Vor allem Heiko, ein einfacher aber herzensguter Arbeiter, ist dafür, dass die Wirtschaft sich grundlegend zu verändern hat und dies bezieht sich nicht nur auf Männer und Frauen, sondern auch auf Arbeitnehmer und Dienstherren. Mit seinen fortschrittlichen Ansichten hilft er Mina beim Pläneschmieden.
Sogar Minas Vater ist nach und nach immer überzeugter, in ihr eine würdige Erbin gefunden zu haben, schliesslich hat er schon längst erkannt, dass sie "Kaffee im Blut" hat. Aber das Leben macht ihnen allen einen Strich durch die Rechnung und plötzlich ist es an Mina, ganz schnell eine Entscheidung zu fällen.

Meine Meinung:
Ich wollte unbedingt wieder einmal einen historischen Roman lesen und nicht enttäuscht werden und dies ist dem Buch "Der Duft der weiten Welt" gelungen. Aber dieser Reihenauftakt mit der mutigen und liebenswürdigen Protagonistin Mina und ihrem strengen aber in sie vernarrten Vater, der kleinen Schwester Agnes und all den anderen Nebenfiguren, die so liebevoll beschrieben und mit ganz einzigartigen Charaktereigenschaften versehen werden, ist noch viel mehr. Nämlich eine grandiose Kombination aus Familiendrama, intelligenter Unterhaltung und Gesellschaftskritik. Natürlich darf ganz viel fundiert recherchierte Geschichte auch nicht fehlen und eine Prise Romantik und Tragik gehören auch noch dazu. Vor allem aber wird die Stadt Hamburg mit der schönen Speicherstadt sehr realistisch beschrieben und "Der Duft der weiten Welt" hat mich deshalb auch ein wenig in einen kleinen Mini-Urlaub entführt.
Ohne zu spoilern möchte ich ausserdem erwähnen, dass dieser erste Band der Trilogie nicht nur aufgrund aller breits genannter Gründe ein wirklich sehr gelungener Auftakt ist, sondern weil er ausserdem ganz viele Fragen und lose Enden aufwirft, aber auch einige Rätsel aufdeckt und trotzdem genug Potenzial für (mindestens) zwei weitere Bände lässt.

Sprache:
Auch sprachlich hat Fenja Lüders ihr Handwerk bestens im Griff. Ich habe den Lesefluss und die wundervollen Beschreibungen geliebt, mit denen sie zugleich Spannung zu erzeugen und einfach eine entspannte Leseatmosphäre zu gestalten vermag. Ausserdem habe ich mitgelitten, herzhaft gelacht und einmal auch ganz feuchte Augen bekommen, weil mir das Schicksal der Figuren und die Träume, Wünsche und auch Entscheidungen dieser jungen, mutigen, intelligenten und gerechten Protagonistin so sehr zu Herzen gingen.

Meine Empfehlung:
"Der Duft der weiten Welt" ist ein gelungener, feinsinnig und zugleich leidenschaftlich erzählter Auftakt einer Reihe und aufgrund der stimmigen Handlung mit den vielen fundierten Recherchen und den Details in der Erzählsprache kann ich euch dieses Buch nur ans Herz legen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
  • Thema
Veröffentlicht am 27.10.2019

Ein Buch, das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient hat

Schildkrötensoldat
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Inhalt:

Der ein wenig seltsame und aufgrund der im Kindesalter erlebten Gewalt lernschwache und stotternde Zoltán Kertész ist ein in seiner eigenen Welt lebender, kindlich gebliebener Philosophe. Indem ...

Inhalt:

Der ein wenig seltsame und aufgrund der im Kindesalter erlebten Gewalt lernschwache und stotternde Zoltán Kertész ist ein in seiner eigenen Welt lebender, kindlich gebliebener Philosophe. Indem er sich in der Natur verliert, liebevoll ein Lindenblatt streichelt, Ameisen beobachtet oder Kreuzworträtsel löst, entflieht er seinem oft sehr traurigen Alltag, in dem er überall aneckt und auf Widerstände stösst. Ausgerechnet er wird von seinem willensschwachen und lieblosen Vater und seiner Mutter, die scheinbar genug Liebe für alle Männer dieser Welt übrig hat, in die Jugoslawische Volksarmee geschickt, in der er Gehorsam lernen und in den Krieg ziehen soll.

Nur versteht Zoltán oft nicht, was überhaupt von ihm erwartet wird und gerät versehentlich mit seinen Vorgesetzten aneinander. Erst als er sich mit Jenő anfreundet, wird seine Welt wieder bunt, er fühlt sich verstanden und geschätzt. Doch ausgerechnet dieser eine Freund wird ihm genommen und so beginnt er, sich dem System komplett entgegenzustellen.



"Wem gehören wir? Dem Staat? Gott? Den Eltern? Der Luft? Uns selbst? Dem Tod?"

Schildkrötensoldat - Melinda Nadj Abonji



Meine Meinung:

"Schildkrötensoldat" hat mich mit seiner poetischen, musikalischen Sprache und seiner überwältigenden Wortgewalt gefesselt und berührt. Besonders angetan hat es mir die liebevolle Erzählweise, in der die Ich-Erzählerin Anna (von Zoltán immer Hanna gennant) von ihrem Lieblingscousin Zoltán spricht. Sie ist es auch, die sich auf Spurensuche in ihrer gemeinsamen Vergangenheit macht und sie ist es, welche in der Kaserne, in der er bis kurz vor seinem Tod stationiert war, nach dem "Warum" fragt.

"Schildkrötensoldat" ist aber auch deshalb so grossartig angelegt, weil alle Ereignisse, die während des Kroatienkriegs um 1991/1992 spielen, immer ganz knapp am Kriegsgeschehen vorbeischrammen. Die Stimmung ist zwar da, die Luft flirrt, die Soldaten wissen, was ihnen unweigerlich blühen wird, aber das Buch umgeht, ja, verweigert diese direkte Konfrontation, bezieht keine Stellung, lässt Zoltán um Vukovar herumkommen, stattdessen aber einen geliebten Freund verlieren und wieder zum Ausseinseiter werden. Abonji zeigt, wie sehr sie sich den Eierschalen der europäischen Geschichte, auf denen ihr Protagonist zu tanzen scheint, bewusst ist, wie sehr diese Ereignisse, die zwar da sind, aber nie ganz konkret geschildert werden, die Stimmungen und Lebensumstände ihrer Figuren beeinflussen. Und trotzdem schafft sie es, die Gräuel und Sinnlosigkeiten dieser Zeit aber auch Zoltáns persönliche Erlebnisse mit seinen Eltern und weiteren Mitmenschen mit einer gewissen Leichtigkeit und einem äusserst poetischen Humor zu erzählen. Sie zeigt auf, was neben den Schlachtfeldern existiert und lässt ihren philosophischen Helden, den man einfach mögen muss, uns allen die Welt aus seiner Sicht erklären und so entdecken wir Farben, Formen, Gerüche und Zusammenhänge, die uns ohne Zoltán für immer verborgen geblieben wären.



Schreibstil:

Zoltán und Anna erzählen uns die Geschichte und durch ein paar Zeitsprünge reisen wir stets zwischen ihrer Kindheit und dem jungen Erwachsenenalter hin und her. Während Zoltán stottert, sich verliert und immer wieder Gedankensprünge macht, ist Anna von ihrer Schlaflosigkeit und dem steten Konsum von Xanax ruhiggestellt und betrachtet ihre Welt durch einen dumpfen Nebel, der ihre Empfindungen zu dämpfen scheint.

Nicht nur schafft es Abonji also, ihren Figuren auch charakteristisch passende sprachliche Stilmittel zuzuordnen, sie vereint die unterschiedlichen Ebenen auch äusserst intelligent zu einem wundervoll konstruierten Ganzen, das mit seinen humorvollen, poetischen, kritischen und auch schmerzlichen Untertönen zu überzeugen weiss.



Meine Empfehlung:

Sprachgewandt und wortgewaltig setzt uns Melinda Nadj Abonji hier eine Geschichte vor, die es in sich hat, die berührt und mit philosophischem, leichtem Humor unterhält und die auf ihre ganz eigene, äusserst intelligente Weise mit einem düsteren Kapitel der jüngeren Zeitgeschichte umgeht und uns statt Kriegsgräueln einen Protagonisten bietet, der die Schönheit in den kleinen Dingen des Lebens findet.

Von mir gibt es eine sehr, sehr ausdrückliche Leseempfehlung für "Schildkrötensoldat".