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Veröffentlicht am 03.01.2021

Ein Neuanfang in der Fremde

Hannah und Ludwig
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Ludwig und sein Bruder Heinrich sind rechtzeitig vor dem erstarkenden Naziregime ins britische Protektorat Palästina geflohen und versuchen voller Hoffnung, sich in diesem fremden Land ein neues Leben ...

Ludwig und sein Bruder Heinrich sind rechtzeitig vor dem erstarkenden Naziregime ins britische Protektorat Palästina geflohen und versuchen voller Hoffnung, sich in diesem fremden Land ein neues Leben aufzubauen.
Es handelt sich hier um den zweiten Teil einer Familiensaga, der jedoch problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.
Die Brüder sind sehr verschieden: der ältere Heinrich hofft, bald nach Deutschland zurückkehren zu können, er vermisst die Heimat.
Ludwig möchte die Chancen, die das neue Land bietet, nutzen und für seine ganze Familie hier einen neuen Lebensmittelpunkt und eine Heimat schaffen. Ohne weitere Unterstützung erarbeitet er sich durch drei Jobs gleichzeitig einen kleinen Besitz außerhalb Tel Avivs und schafft es, die Eltern und Geschwister rechtzeitig nachzuholen.
Der Autor beschreibt hier über seine eigene Familiengeschichte, einige Nebenpersonen sind aber fiktiv. Das Ganze ist sehr umfangreich, aber doch unterhaltsam mit vielen geschichtlichen Fakten angereichert. So erlebt der Leser nicht nur Ludwigs beruflichen Werdegang und seine Familiengeschichte mit Liebe und Streit, sondern auch die Entstehung des jungen Staates Israel. Im letzten Teil des Buches tritt dies alles leider sehr gerafft auf, hier hätten es gerne ein paar Seiten mehr sein können.
Erzählt wird hauptsächlich aus der Perspektive Ludwigs als Ich-Erzähler, aber auch aus der Sicht seiner Frau Hannah und des Sohn Raffael wird einiges geschildert. Die Charaktere machen allesamt eine ziemliche Entwicklung durch, dabei passiert manches widersprüchliche, so wie es im echten Leben halt ist. Die Unsicherheit des Lebens durch Geldsorgen und Kriegsgeschehen sind dadurch gut verdeutlicht.
Mir gefiel das Buch sehr gut, den ersten Teil werde ich bestimmt noch lesen, bevor der letzte Teil der Trilogie erscheint, auf den ich mich schon freue.
Fazit:
Eine gute Unterhaltungslektüre, die die Geschichte einer Familie aber auch die des Landes Israel authentisch erzählt.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

verschenktes Potential

Elchtage
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Das tolle Cover hat mich verlockt, dieses Buch zu lesen. Die Hauptperson Johanna ist gerade in die siebte Klasse gekommen, die anderen Mädchen interessieren sich nur noch für Jungs, Mode und die Rangstellung ...

Das tolle Cover hat mich verlockt, dieses Buch zu lesen. Die Hauptperson Johanna ist gerade in die siebte Klasse gekommen, die anderen Mädchen interessieren sich nur noch für Jungs, Mode und die Rangstellung in der angesagten Clique. Sie möchte sich aber nicht verbiegen und verbringt weiterhin ihre Zeit lieber im Wald und beobachtet Tiere. Sie versucht wiederholt einen Elch anlocken, um ihn zu zähmen und auf ihm zu reiten. Als die Jagdsaison beginnt und Tierhändler im Wald auftauchen ist der Elch durch seine Zutraulichkeit gefährdet. Johanna muss handeln.
Die schöne Grundidee blieb hier etwas auf der Strecke. Viele wichtige Themen wurden nur angeschnitten. Eigentlich begleitet man Johanna nur eine kurze Zeit und verlässt sie danach wieder, ob sie sich durch das Erlebte verändert hat, erfährt der Leser nicht. Die wichtigen Themen Tierschutz und Naturschutz, aber auch Abgrenzung und Erwachsenwerden, werden kurz angesprochen, aber nicht richtig thematisiert. Schade, da hätte man deutlich mehr machen können. So liest sich die Geschichte nett und hinterlässt aber leider keinen bleibenden Eindruck. Der Erzählstil ist sehr einfach gehalten, das Buch ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Ayumis Abenteuer

Der Dachs, der Wind und das Webermädchen
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Schon das Cover mit typischen japanischen Gebäuden im Nebel und der Sakura, der Kirschblüte, die für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit steht, weist auf den Inhalt, ein japanisches Märchen, hin. Der ...

Schon das Cover mit typischen japanischen Gebäuden im Nebel und der Sakura, der Kirschblüte, die für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit steht, weist auf den Inhalt, ein japanisches Märchen, hin. Der Autor erzählt hier von dem bösen Dachs, dem listigen Fuchs und dem Geist des Nordwindes. Das Webermädchen Ayumi und die Tochter des Tennos sind ebenfalls in die Geschichte verwickelt.
Das Webermädchen stemmt sich mit aller Kraft gegen die bösen Vorhaben des Dachses, der ihr den ersten Sieg übelnimmt und daraufhin versucht bittere Rache zu üben. Es gibt es viele Opfer, aber das Gute gibt sich nicht geschlagen.
Die Geschichte weiß mit der japanischen Mystik zu verzaubern und macht Spaß. Das Ende erinnert aber durchaus auch an europäische Märchen. Die Gestalten sind mit japanischen Begriffen bezeichnet, die in einer Übersicht am Ende erklärt werden. Der Lesefluss wird dadurch nicht gestört. Als Bonus enthält der kleine Band noch ein Gedicht, dass den Leser ebenfalls in die Vergangenheit entführt.
Mir hat das Buch viel Spaß gemacht, ich kann es Erwachsenen und älteren Kindern, die Märchen mögen sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Unlogisch und Verworren

Hexenjäger
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In diesem Reihenauftakt um die Kommissarin Jessica Niemi fängt alles vielversprechend an. Ein Mord, der von einem Buch inspiriert wurde, verwirrt die Ermittler. Kurz darauf gibt es weitere Opfer. Die Polizei ...

In diesem Reihenauftakt um die Kommissarin Jessica Niemi fängt alles vielversprechend an. Ein Mord, der von einem Buch inspiriert wurde, verwirrt die Ermittler. Kurz darauf gibt es weitere Opfer. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Hinweise und Indizien werden vom Täter manipuliert, so scheint die Lösung des Falls lange nicht in Sicht.
In einem zweiten Handlungsstrang erfährt man einiges über Erlebnisse der jungen Kommissarin. Wozu dieser Teil dient, wird bis zum Ende nicht offenbart, evtl. findet sich die Erklärung hierzu im geplanten Nachfolgeband. In diesem Buch waren sämtliche Einschübe aus der Vergangenheit überflüssig und dienten erst mal nicht dem Kriminalfall.
Der Fall an sich löste sich leider nicht auf, am plötzlichen Ende wurde kurz etwas dazu gesagt, dies war aber unbefriedigend, zahllose offenen Fragen blieben. Die Gründe für die Tat, einige Vorkommnisse und der Abschluss waren einfach nur unlogisch. Der Verweis auf Okkultismus entschuldigt nicht das Fehlen von Antworten, die der Autor hier in großer Zahl schuldig blieb. Es hatte den Anschein, dass man hier einfach nur zum Ende kommen wollte. Sehr schade, da konnte auch die kompetente angenehme Sprecherin nichts mehr retten.

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Veröffentlicht am 21.12.2020

Erwachsenwerden im Irak

Palast der Miserablen
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Sham wächst im Irak auf, als Saddam Hussein an der Macht ist. Die Familie zieht nach Bagdad, sie erhofft sich dort einen Neustart in ein besseres Leben. Dieser Plan geht leider nicht auf, schnell landet ...

Sham wächst im Irak auf, als Saddam Hussein an der Macht ist. Die Familie zieht nach Bagdad, sie erhofft sich dort einen Neustart in ein besseres Leben. Dieser Plan geht leider nicht auf, schnell landet die Familie im Elendsviertel. Der Junge und seine Schwester versuchen die Familie durch zahlreiche Arbeiten zu unterstützen, der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung sind groß und halten auch den widrigen Bedingungen stand. Shams Liebe zur Literatur, die er über die Gruppe „Palast der Miserablen“ nährt, bringt ihn und die anderen Mitglieder in Gefahr. Viele Werke sind illegal, die Gruppe zerfällt aufgrund tragischer Vorkommnisse.

Der Autor erzählt die verschiedenen Episoden nicht chronologisch, so weiß man schon am Anfang, dass Sham im Gefängnis landen wird. In unserer freien Gesellschaft kann man sich kaum vorstellen, wie es ist in so einem Land zu leben, in einer Gesellschaft, die einem soviel versagt bzw. vorschreibt. Die Gewaltherrschaft und die Ungerechtigkeiten des Systems, das Reiche und Einflussreiche begünstigt, werden hier eindrücklich dargestellt. Bildung, freie Meinungsäußerung, Unterstützung durch den Staat, Religionsfreiheit und ein sicheres Heim sind für Sham unerreichbar, nur weil er dort lebt.
Die Geschichte hat keine herausragenden Handlungsspitzen, der Autor stellt den Alltag einer Familie dort aber sehr gut dar.
Wenn man sich darauf einlässt, ein gutes Porträt einer fremden Welt.

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