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Veröffentlicht am 13.12.2020

Lilibets Gouvernante erzählt

Teatime mit Lilibet
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Die junge Marion Crawford wird Gouvernante der Prinzessinen Elisabeth und Margaret von England. Eigentlich wollte sie sich immer für sozial schwache Kinder einsetzen und für diese arbeiten, aber hier findet ...

Die junge Marion Crawford wird Gouvernante der Prinzessinen Elisabeth und Margaret von England. Eigentlich wollte sie sich immer für sozial schwache Kinder einsetzen und für diese arbeiten, aber hier findet sie nun unverhofft auch eine Erfüllung. Sie versucht den Mädchen das Leben ihres zukünftigen Volkes durch besondere Erlebnisse nahezubringen und hinterlässt so Spuren in deren Leben. Das Nahebringen des „einfachen und normalen“ Lebens klappte allerdings nur eingeschränkt. Gerne wollte sie ihren eigentlichen Zielen treu bleiben oder sich verändern, aber letztlich begleitete sie die heutige Queen vom 6 Lebensjahr bis zur Hochzeit.

Dieser Roman lehnt sich sehr stark an die Memorien der Marion Crawford an, wurde aber stark angereichert; leider wird nicht klar, was hier dazu gedichtet wurde und was der Wahrheit entspricht. Die „Fakten“ dieser interessanten Zeit, das Leben der Royals und deren Familiengeschichte werden recht umfassend aus der Sicht „Crawfies“ geschildert.
Der Erzählstil gefiel mir nicht so, manches war mir zu platt oder auch zu ausführlich dargestellt, so dass der Lesefluss darunter litt. Die Gouvernante hatte eine schwierige Stellung: Sie gehörte nicht zur Familie, aber auch nicht zur Dienerschaft, diese Zerrissenheit ist spürbar. Ihr Privatleben hat sie aus Liebe zu den Kindern immer wieder hintenangestellt, so dass sie im Alter sehr einsam war. Dieses Opfer blieb ohne Dank. Mir hat das Buch aufgrund der stellenweisen Längen und der Vermischung von Fakten und Fiktion nur bedingt gefallen, daher kann ich es nur eingeschränkt weiterempfehlen und vergebe 3 Sterne.
Fazit: eher für Fans des Königshauses oder für Liebhaber historischer Romane.

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Veröffentlicht am 12.12.2020

Mafiaverbrechen rund um Göteborg

Schneenacht
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Schneenacht ist der dritte Teil aus der Embla-Nyström-Reihe von Helene Tursten. Die Kenntnis der Vorgänger ist zum Verständnis nicht nötig.
Embla verbringt ein paar Urlaubstage mit Elliot, dem Sohn eines ...

Schneenacht ist der dritte Teil aus der Embla-Nyström-Reihe von Helene Tursten. Die Kenntnis der Vorgänger ist zum Verständnis nicht nötig.
Embla verbringt ein paar Urlaubstage mit Elliot, dem Sohn eines Freundes, in Dalsland bei ihrem Onkel Nisse, um den Schnee zu genießen. Die Idylle wird für sie jäh unterbrochen, als in der Nähe zu einem Leichenfund gerufen wird, da die dortige Polizei überlastet ist. Der Tote ist der gebürtige Kroate Milo Stavic, einer der namhaftesten Gangsterbosse Göteborgs. Noch am Tatort lernt sie Olle Tillmann einen örtliche Polizeiinspektor kennen, mit dem sie im Verlauf gut zusammenarbeitet. Den Fall einer Messerstecherei in Dalsland und die Leichen von Milo Stavics Brüdern kommen noch hinzu. Auch das Geheimnis um ihre vor 14 Jahren verschwundene Freundin Lolle spielt plötzlich eine große Rolle, und so hat Embla an verschiedenen Fronten gut zu tun.
Der Krimi ist gut geschrieben, Helene Tursten weiß den Leser bei der Stange zu halten und kann mit gutem Stil und unvermuteten Wendungen immer wieder Spannung erzeugen. Diesmal jedoch ist es ihr nicht auf so hohem Niveau gelungen, wie ich es von der Irene Huss Reihe gewohnt bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass es einige Parallelen zwischen Irene und Embla gibt und dass gegen Ende ein ziemlich dramatischer Showdown in der Einöde an Kriegsgeschehen erinnerte. Dieses Spektakel fand ich etwas überzogen, aber insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und ich kann es für Krimifans weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 09.12.2020

von Schwierigkeiten ein neues Leben zu beginnen

Fast ein neues Leben
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Die Autorin schreibt in 12 Kurzgeschichten fragmentarisch über Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Leben einer Ich-Erzählerin, die als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland migriert ist. Die Geschichten ...

Die Autorin schreibt in 12 Kurzgeschichten fragmentarisch über Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Leben einer Ich-Erzählerin, die als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland migriert ist. Die Geschichten sind nicht chronologisch aufgelistet, sondern springen in der Lebenszeit vor und zurück, so als ob sich jemand an verschiedene Episoden aus seinem noch recht jungen Leben erinnert.
Jede einzelne Geschichte für sich ist gewichtig und aussagekräftig, man kann sie unterschiedlich interpretieren, da nicht alles erzählt wird, aber jede für sich weiß den Leser zu berühren oder macht betroffen.
Als Gesamtbild zeichnen sie das Bild einer Frau, die ihre alte Heimat vergessen will und diese verleugnet. Zwanghaft möchte sie dazugehören, so sein wie die anderen und mit der Masse verschmelzen. Das es noch andere Probleme gibt, ist ihr lange Zeit nicht klar, so übermächtig ist ihr Wunsch, und auch wenn ihr die Dramatik im Leben anderer Menschen offenbar wird, fehlt es ihr an Empathie. Um sich und ihre Strategie zu schützen ist sie auch bereit Schuld auf sich zu laden.

Anderssein, Verlorenheit, Hilflosigkeit, Ankommen, Ausgegrenzt werden, Ablehnung, Gewalt, Vorteilen begegnen und Vorurteile haben, Identitätssuche, Scham, Glück, Schuld und mehr begleiten den Weg der Protagonistin. Durch eine klare nüchterne Sprache, aber auch durch geschickte Anspielungen lässt die Autorin den Leser an der Gefühlswelt teilhaben und lässt ihn nachdenklich zurück. Das Hinterfragen des eigenen Verhaltens wird hier als Nebenwirkung geschickt initiiert.

Ein kleines dünnes Buch mit großer Wirkung und inhaltlicher Schwere, es weiß zu beeindrucken und hinterlässt einen Nachhall.
Mich hat das Buch beeindruckt, ich kann es weiterempfehlen und kann es mir auch gut als Schullektüre vorstellen.



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Veröffentlicht am 07.12.2020

toller Auftakt zu Staffel 2

Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Die Crumply-Morde oder Das Zeichen der Vier (Fall 6)
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Fünf Jahre sind vergangen, Watson hat Sherlocks Tod noch immer nicht verwunden und seine Ehe ist zerbrochen. Nun wird auch noch Sherlocks Reputation durch ein neues Buch und Fake News zerstört.
Watson ...

Fünf Jahre sind vergangen, Watson hat Sherlocks Tod noch immer nicht verwunden und seine Ehe ist zerbrochen. Nun wird auch noch Sherlocks Reputation durch ein neues Buch und Fake News zerstört.
Watson ist überfordert und möchte nicht mehr leben, wie immer postet er alles fleißig in seinem Blog, und so erhält dieser Wunsch Gegenwind. Letztlich kann ihn aber eine neue „Lady“, die dem Blog folgt und diesen rege kommentiert, zu Nachforschungen anregen und Watson rollt einen alten Fall auf der Suche nach Beweisen auf. Nebenbei erfährt man dabei auch, wie Watson seine Mary kennen- und lieben gelernt hat. Und er und Sherlock klären die Morde an älteren Mitmenschen auf, aber auch die Terroristenszene wird bemüht. Sehr spannend und lebhaft knüpft dieses Hörspiel trotz des Zeitsprungs gut und nahtlos an Staffel 1 an.
Zu den altbekannten Fans und Followern von Watsons Blog habe sich Neue gesellt, so geben z.B. Theresa und Boris schöne aktuelle Kommentare und Seitenhiebe aufeinander ab. Diese Einträge sind eine schöne und lustige Auflockerung zu den Erzählungen Watsons über Sherlocks Erfolge und eine tolle Ergänzung der eigentlichen Geschichte. Die Sprecher sind wieder hochkarätig besetzt, die einzelnen Rollen werden perfekt intoniert.
Tempo und Hintergrundgeräusche erzeugen Spannung und ein besonderes Setting. Für mich war das wieder ein Hörerlebnis, das eine super Atmosphäre vermitteln konnte und mich neugierig auf die Fortsetzung macht.

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Veröffentlicht am 01.12.2020

über schuldbeladene Menschen

Ohne Schuld
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Das Buch ist der dritte Teil einer Reihe, aufgrund von kurzen Rückblicken ist die Kenntnis der Vorgängerbände aber nicht erforderlich.
Die Autorin verwebt mehrere Handlungsstränge zu einem Fall.
Zunächst ...

Das Buch ist der dritte Teil einer Reihe, aufgrund von kurzen Rückblicken ist die Kenntnis der Vorgängerbände aber nicht erforderlich.
Die Autorin verwebt mehrere Handlungsstränge zu einem Fall.
Zunächst erlebt der Einsatzleiter Caleb einen desaströsen Einsatz: er kann einen erweiterten Suizid nicht verhindern. Obwohl er keinen offensichtlichen Fehler gemacht hat, wird er suspendiert, denn er hatte 1,7 Promille im Blut. Für den Alkoholiker, der an seinem Job hängt, ein herber Schlag, der jedoch berechtigt war. Sein junger Kollege Robert übernimmt die Abteilung, in die jetzt Kate von Scotland Yard wechselt, sie organisiert ihr Leben neu und hatte den Job von Caleb angeboten bekommen. Nun müssen Robert und Kate ungewollt miteinander klarkommen und gemeinsam ermitteln.
Kate kann während einer Zugfahrt einen Mordanschlag auf eine Frau verhindern, den sich keiner erklären kann. Kurz darauf stürzt eine Fahrradfahrerin über einen gespannten Draht und erleidet schwerste Verletzungen. Ein Schuss verfehlt sie jedoch.
Die beiden Fälle hängen zusammen, aber das erschließt sich den Ermittlern erst nach und nach. Link erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven und Zeiten, so dass sich nach und nach ein Bild ergibt, das zur Lösung führt.
Eine tragische Geschichte verbirgt sich hinter den Ereignissen und ohne Schuld bleiben selbst die Ermittler hier nicht. Lediglich ein Protagonist, dessen Schicksal die aktuellen Taten ausgelöst haben, ist schuldlos in seine Lage geraten.
Eine tragische Geschichte, die jedoch viele unnötige Längen hatte.
Claudia Michelsen liest sehr gut und pointiert, aber dennoch zurückhalten, so dass den Figuren Raum bleibt. Ich habe ihr sehr gerne zugehört, für mich war sie das Highlight in der eher mäßig spannenden Story.

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