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Veröffentlicht am 02.05.2020

drastische Familiengeschichte

Das wirkliche Leben
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Der Autorin ist ein sehr berührender, realistischer und packender Roman über die Verhältnisse innerhalb einer Familie gelungen.
Die 10-jährige Tochter erzählt von dem gewalttätigen Vater, dessen Attacken ...


Der Autorin ist ein sehr berührender, realistischer und packender Roman über die Verhältnisse innerhalb einer Familie gelungen.
Die 10-jährige Tochter erzählt von dem gewalttätigen Vater, dessen Attacken und Launen das Familienleben dominieren; von der Mutter, die zur Amöbe wurde vor lauter Angst und von dem kleinen Bruder Gilles mit dem süßen Milchzahnlächeln. Hier gibt es keine elterliche Liebe oder Fürsorge, die Kinder versuchen aber, sich dies gegenseitig zu geben.
Ein schlimmes Ereignis verändert das Leben der Kinder und beeinflusst ihre Entwicklung und ihre Zweisamkeit. Beide gehen sehr unterschiedlich damit um. Das Mädchen möchte ausbrechen und sucht seine Wege, der Junge nähert sich dem Vater an. Über fünf Jahre kann man das Leben in der Familie mitverfolgen. Der Erzählstil nimmt einen gefangen und lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Drastische Dinge passieren und der Spannungsbogen steigt zunehmend. In sehr kurzen Kapiteln lässt die Autorin die Icherzählerin bewegend berichten, wie es ihr ergeht. Sie versteht es den Leser einzufangen und große Betroffenheit auszulösen, auch weil diese Geschehnisse so real wirken und es vermutlich auch sind.
Dass sich das Mädchen seine Menschlichkeit bewahren möchte und wie sie darum kämpft sich und den Bruder zu retten, ist herzzerreißend. Man möchte die Kinder einfach in den Arm nehmen, sie trösten und ihnen helfen. Das Mädchen entwickelt sich trotz des Umfelds erstaunlich gut, entwickelt für die Naturwissenschaften eine außerordentliche Begabung, kann viele Situationen gut einschätzen und bleibt bei einigen Themen ungewöhnlich naiv.

Dem Vater ist daran gelegen, ihren Intellekt zu unterdrücken, als Frau hat sie zu dienen, ist ein Opfer oder die Beute, mehr nicht. Ihr Antrieb zur Gegenwehr ist stets die Liebe zu dem Bruder, den sie davor bewahren möchte, wie der Vater zu werden. Das Ende mit Knalleffekt kann einen Wendepunkt in dem Familienleben bedeuten, die gesamte Entwicklung ist erschütternd.
Ein tolles und berührendes Buch, mit spannenden Wendungen, dass ich gerne gelesen habe und weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 28.04.2020

Im Visier der Nazis

Zeus und Goldenberg
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1936 treffen im Ruhrgebiet zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander, die durch die Verfolgung der Nazis geeint werden. Zeus ist ein Kommunist, der sich aufgrund eines Beschäftigungsverbots durchschlagen ...

1936 treffen im Ruhrgebiet zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander, die durch die Verfolgung der Nazis geeint werden. Zeus ist ein Kommunist, der sich aufgrund eines Beschäftigungsverbots durchschlagen muss, der Arzt Goldenberg muss aufgrund seines jüdischen Glaubens untertauchen. Beide treffen in einer katholischen Gemeinde in Hamm aufeinander. Der Pfarrer beschäftigt Goldberg als Bibliothekar und Zeus als Küster. Dies geht eine ganze Zeit gut, als der Pfarrer verhaftet wird, müssen die Beiden sich jedoch nach anderen Möglichkeiten umsehen. Sie sind getrennt unterwegs, treffen sich wieder und trennen sich erneut. Die Kriegszeiten sind hart und gefährlich, nicht alles nimmt ein gutes Ende.



Der Autor erzählt sehr nüchtern und distanziert die bewegte Geschichte der Beiden durch einen Schüler von Zeus, denn dieser ist später Lehrer geworden. Er möchte den jungen Menschen Geschichte nahebringen, aber vor allem erreichen, dass sie selber denken und hinterfragen können. Ein gutes Mittel, um eine Wiederholung der Geschehnisse zu verhindern und für die Nachkriegsgeneration sicher nicht üblich.



Die Geschichte dieser Zeit wird durch die beiden fiktiven Schicksale erlebbar und spürbar gemacht. An mancher Stelle hätte ich mir noch ausführlichere Informationen gewünscht, aber insgesamt ist es ein gutes Buch, um sich über die Zeit zu informieren. Durch die persönlichen Schicksale lässt es sich diese Kapitel der düsteren deutschen Geschichte besser lesen, verstehen und nachvollziehen als durch ein Sachbuch.

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Veröffentlicht am 28.04.2020

Inspiration für den Garten mit Lachfalten

Mein Wabi Sabi-Garten
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Die Autorin hat mit diesem Buch einen kleinen Schatz geschaffen: ein superschönes und inspirierendes Gartenbuch mit vielen Informationen, Anregungen und Fotos. Es lädt immer wieder zum Betrachten und Lesen ...

Die Autorin hat mit diesem Buch einen kleinen Schatz geschaffen: ein superschönes und inspirierendes Gartenbuch mit vielen Informationen, Anregungen und Fotos. Es lädt immer wieder zum Betrachten und Lesen ein und bringt damit eine wohltuende Pause in den Alltag.



Das Prinzip des Wabi Sabi kommt ursprünglich aus Japan, es wird hier ausführlich vorgestellt und es gibt Anregungen, dies in unser Leben zu übertragen. Achtsamkeit und Entschleunigung, sowie der Respekt vor der Natur in all ihren Schattierungen stehen dabei im Vordergrund.

Der Wandel des Jahreskreis soll spürbar erlebt werden, Parallelen zum eigenen Lebenskreislauf sind erkennbar.

Im perfekt unperfektem Garten kann man seine Zufriedenheit finden. Das dies nicht mit andauerndem Arbeitseinsatz, sondern Ruhe gelingt ist verlockend. Die verwendeten Elemente sind natürlichen Ursprungs: Wasser, Steine und Holz stehen im Fokus.



Wie man Lebensräume für tierische Gartennutzer schaffen kann und dabei mit alltäglichen Gegenständen ungewöhnliche Lebensräume schafft, fand ich sehr kreativ und schön. Einiges davon wird bestimmt umgesetzt.



Die Vorstellung geeigneter Pflanzen in tabellarischer und schriftlicher Form wird durch zauberhafte Fotos unterstützt.



Hier wird vorgestellt, wie man seinen Garten als kreative Spielwiese für Geist, Körper und Seele gestalten kann. Individuell, authentisch und fern vom Mainstream. Eine besondere Art der Wertschätzung der Natur und sehr inspirierend.

Ein tolles Buch, dass ich nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 20.04.2020

Ideen für unsere Umwelt

Storys für Kinder, die die Welt retten wollen
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Ein schönes und inspirierendes Buch für Kinder und Erwachsene, sowohl Optik als auch Haptik des Buches sind sehr hochwertig und schön. Die Schriftgröße ist etwas größer als üblich gewählt und die Seiten ...

Ein schönes und inspirierendes Buch für Kinder und Erwachsene, sowohl Optik als auch Haptik des Buches sind sehr hochwertig und schön. Die Schriftgröße ist etwas größer als üblich gewählt und die Seiten sind mit grünen Pflanzenornamenten geschmückt. Zu jeder der 16 vorgestellten Personen gibt es ein gezeichnetes Bild.
Neben bekannten Persönlichkeiten wie Emma Watson, Greta Thunberg, Leonardo DiCaprio, Al Gore und Dian Fossey werden auch einige unbekanntere Personen vorgestellt, die tolle Projekte auf die Beine gestellt haben.
Es ist sehr interessant, wo auf der Welt überall tolle Menschen etwas erreicht haben. Hier kann man Inspiration finden, vor allem sehen Kinder, dass es möglich ist etwas zu tun und dass es sich lohnt, sich für eine Herzenssache wirklich einzusetzen. Auch wird deutlich, das Dranbleiben sich lohnt, solche Projekte sind eine Langzeitaufgabe, kein Schnellschuss.

Hier liegt auch mein Kritikpunkt zu dem Buch: die einzelnen Projekte sind so groß und beeindruckend, dass es die Kinder vielleicht erschlägt oder sie keinen eigenen Ansatz für sich finden, etwas aktiv für die Umwelt zu tun. Der Erfolg der Personen hat sich über Jahre aufgebaut. Ein paar altersgerechte Anregungen wären schön gewesen.
Vielleicht liegt es einfach am irreführenden Titel, der leicht fehlinterpretiert werden kann. Hier wurden 16 Biografien kurz angerissen. Bei Interesse kann man an anderer Stelle über diese Personen weiterlesen. Konkrete Anleitung für Kinder sind nicht enthalten.
Insgesamt betrachtet aber ein schönes und informatives Buch.

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Veröffentlicht am 20.04.2020

Invasion durch Pflanzen

Bloom
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In der neuen Jugend Dystopie von Kenneth Oppel geht es nach der Vorstellung der Charaktere recht schnell und forsch zur Sache. Das Buch wird ab 12 Jahren empfohlen, manches ist wirklich angsteinflößend ...

In der neuen Jugend Dystopie von Kenneth Oppel geht es nach der Vorstellung der Charaktere recht schnell und forsch zur Sache. Das Buch wird ab 12 Jahren empfohlen, manches ist wirklich angsteinflößend und grausam, insofern würde ich zartbesaiteten jungen Lesern das Buch nur bedingt unbegleitet an die Hand geben.
Die drei Jugendlichen Anaya, Petra und Seth, besuchen dieselbe Jahrgangstufe auf einer Insel. Das Leben könnte recht idyllisch sein, doch die Mädchen leiden an Allergien, was ihr Leben beschwert, außerdem sind die ehemals besten Freundinnen sich spinnefeind. Seth ist ein Waisenjunge, der wieder einmal versucht in einer neuen Pflegefamilie anzukommen.
Nach einem schweren weltweiten Regen beginnen überall merkwürdige Pflanzen sehr schnell zu wuchern. Diesem neuen schwarzen Gras ist kaum beizukommen: extrem widerstandsfähig und unglaublich schnell wachsend, sprießt es überall und gefährdet die Ernten und Nahrungsmittelversorgung. Es lässt sich einfach nicht vernichten. Kurz darauf gibt es auch fleischfressende Pflanzen, Grubenpflanzen, die große Tiere und Menschen verschlingen, Lianen dringen in Häuser ein und attackieren die Bewohner. Das Leben ist wirklich gefährlich geworden, zudem entwickeln die meisten Menschen Allergien gegen die neuen Gräser. Nur den drei Protagonisten geht es zunehmend besser und jeder entwickelt andere unglaubliche Kräfte. So ausgestattet gelingt den drei Jugendlichen gemeinsam ein erfolgreicher Kampf gegen die tückische Invasion. In ihren neuen Kräften liegt ein sehr besonderes Geheimnis, das die Jugendlichen zu Außenseitern macht und sie gefährdet. Für die Erklärung dieser Phänomene unternimmt der Autor einen gelungenen Ausflug ins Reich der Science-Fiction.

Die Geschichte ist sehr spannend und schnell geschrieben. Die weltweite Umweltkatastrophe und die Sorgen der Einzelnen werden gut beschrieben. Die Panik und Angst sind beim Lesen spürbar.
Die drei Jugendlichen finden zügig zu einer schlagkräftigen Gruppe zusammen. Auf jeden Erfolg kommt eine neue Hiobsbotschaft oder eine neue Aufgabe. Bis zum Schluss warten immer neue Überraschungen auf den Leser, teils gruseliger Natur. Am Ende gibt es noch einen fiesen Cliffhanger, der auf den nächsten Teil neugierig macht.
Einen kleinen Kritikpunkt hatte ich jedoch. Die Entwicklung der Jugendlichen ging mir zu einfach von statten. Sowohl ihr Zusammenwachsen zur Gruppe als auch die Akzeptanz der einzelnen Wandlung verlief sehr reibungslos. Die Charaktere waren ziemlich eindimensional und konfliktfrei angelegt. Die permanent neu auftretenden Probleme wurden immer sofort gelöst. Hier hätte ich mir etwas mehr Reibung und Verwicklung gewünscht, aber vielleicht ist das für die gedachte Zielgruppe auch zu viel des Guten und auf hohem Niveau beanstandet.
Von uns gibt es vier von fünf Sternen und eine Leseempfehlung. Wir sind beim nächsten Teil definitiv wieder dabei.

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