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Veröffentlicht am 15.01.2024

Anekdoten

Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte
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Als wäre der Titel noch nicht lang genug, verrät uns der Untertitel direkt den Inhalt: "In kuriosen Anekdoten durch die Weltgeschichte" - und zwar beginnend mit einem Schmähgedicht über Hitlers Hoden.

Sortiert ...

Als wäre der Titel noch nicht lang genug, verrät uns der Untertitel direkt den Inhalt: "In kuriosen Anekdoten durch die Weltgeschichte" - und zwar beginnend mit einem Schmähgedicht über Hitlers Hoden.

Sortiert sind die Anekdoten in 16 Teilen, die wohl den englischen E-Book-Novellen entsprechen, jeweils mehr oder weniger zu einem Thema, so z. B. Teil 2 zu Hitler, Teil 3 zu taffen Damen, Teil 4 zu Stalin, Teil 8 zu Pechvögeln etc.

Auf 290 Seiten erfahren wir vom britischen Historiker Giles Milton allerlei Kuriositäten - allerdings sind die letzten 40 Seiten Quellenangaben, damit man den Wahnsinn selbst nochmal nachrecherchieren kann. Klassischer Fall von "Kannste dir nicht ausdenken!"



Insgesamt war es weniger witzig (zuviel Krieg und Tod), als vielmehr offenes Staunen - über menschliche Dummheit, über faszinierende Fakten und über die Schrecken der Vergangenheit der Welt. Für Leute wie mich, die nie genug "Fun Facts" lesen können, eine ideale Zusammenstellung, um auf der nächsten Party (ha.ha.) den Raum in Staunen zu versetzen. Oder wusstet ihr, dass es einen fanatischen Japaner gab, der noch 20 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs im Dschungel kämpfte? Oder dass Lenins Körper noch immer ausgestellt aufgebahrt ist, sein Gehirn aber 2 km von ihm entfernt ruht? Wieso die Mona Lisa berühmter als da Vincis andere Gemälde ist? Oder wie umtriebig Charlie Chaplin nach seinem Tod noch war?

Nein? Na dann aber los in die nächste Buchhandlung und kaufen!



"Wer alle Regeln befolgt, verpasst den ganzen Spaß" - Katharine Hepburn

Veröffentlicht am 15.01.2024

Witzig

Cogito, ergo dumm
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Sebastian 23 ist seines Zeichens deutscher Poetry Slam Meister. Während meines Studiums begegnete er mir in mehreren Poetry-Slam-Anthologien, in neuerer Zeit schreibt er lieber Sachbücher - doch das nicht ...

Sebastian 23 ist seines Zeichens deutscher Poetry Slam Meister. Während meines Studiums begegnete er mir in mehreren Poetry-Slam-Anthologien, in neuerer Zeit schreibt er lieber Sachbücher - doch das nicht minder witzig. Bezaubert hat mich der Titel seines vorletzten Buches "Hinfallen ist wie anlehnen, nur später" und als er auf Facebook nach Bloggern suchte, die "Cogito, ergo dumm" rezensieren wollten, hatte er mich erneut mit dem lustigen Titel gepackt. A propos Titel: Der Untertitel lautet klugerweise "Eine Geschichte der Dummheit", nicht "Die Geschichte", denn die Menschheit war schon immer furchtbar blöde und so gibt es nicht eine definitive Geschichte dieser Dummheiten.

Und so wurde diese leider unendliche und noch immer andauernde Geschichte der Dummheit klugerweise in diverse Kategorien und Kapitel aufgeteilt, so erfährt man von politischem Blödsinn, liebeswütigen Torheiten, Moment-Aussetzern, unsinnigen Gesetzen, Aluhutträgern und grausigen Gesundheits"tipps", wie Lobotomien. A propos Lobotomie, da das Buch hochaktuell ist, bekommt natürlich auch das orange Cleverle der USA sein Fett weg.



Einerseits ist das natürlich ein sehr lustiges Thema, denn wer hatte nicht schonmal einen geistigen Aussetzer und hinterfragte dann sein Abitur? Andererseits ist es auch ein sehr trauriges und schockierendes Thema, dass Menschen immer wieder mit absichtlichen Dummheiten und Dreistigkeiten nicht nur durchkommen, sondern auch noch Katastrophen oder Tode verursachen. Ich schwankte immer wieder zwischen hysterischem Gegacker und "Mund steht fassungslos offen" - ich bin sicher, meinem Gesichtskasper beim Lesen zuzuschauen wäre an sich eine gute Show gewesen.



Es wundert mich jedoch, dass er kein einziges Mal die Darwin Awards erwähnt hat, die fragwürdige Auszeichnung für die dümmsten Todesfälle oder die Stella Awards für die meschuggensten, aber erfolgreichen Gerichtsverfahren - vielleicht war das aber auch zu offensichtlich. Am Ende gibt es jedenfalls ausführliche Quellenangaben, damit jede*r die Dummheiten der Welt nochmal nachlesen kann.



Amüsant, unterhaltsam und kurzweilig - aber vorsicht: Am Ende könntet ihr was gelernt haben und eure Dummheit gefährden!



Sebastians Buchtour ist aufgrund der aktuellen Krise abgesagt / verschoben worden, falls ihr ihn also unterstützen wollt, kauft seine Bücher! Es gibt jetzt ein Bonuskapitel: "Dummheit in Zeiten von Corona". Viel Spaß!



"Wir sind also nicht dumm, sondern bloß so klug, dass wir es selbst nicht verstehen können. Beruhigend, oder?"

Veröffentlicht am 15.01.2024

COach

Lovecoach
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Karla ist Beziehungsberaterin. Ihr Lieblingstipp lautet "Lerne dich selbst kennen - probiere 10 (sexuelle) Dinge, die du noch nie getan hast!". Doch dann macht ihr langjähriger Freund mit ihr Schluss und ...

Karla ist Beziehungsberaterin. Ihr Lieblingstipp lautet "Lerne dich selbst kennen - probiere 10 (sexuelle) Dinge, die du noch nie getan hast!". Doch dann macht ihr langjähriger Freund mit ihr Schluss und sie muss ihrem eigenen Rat folgen - und sich ganz neu kennenlernen.

Auch ihre drei Freundinnen haben Probleme: Mieze zerbackt ihren Liebeskummer mit ihrer fremdgehenden Frau in der Küche, Fine chattet aus Prinzip nur online mit Fremden und Tilda lebt in einer enthaltsamen Kommune mit intriganten "Geschwistern".



Wer Sophies Bücher kennt, weiß: Sex kommt hier nicht zu kurz. Immer wieder anders, immer wieder kreativ beschäftigt sie sich mit dem nackigsten Hobby der Welt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es in älteren Bänden noch mehr Handlung zwischen den Vögeleien gab. Karlas 10 Experimente plus die Sexkapaden ihrer Freundinnen ergeben diesmal eindeutig mehr Sex.

Witzig fand ich die Idee, an jedem Kapitelanfang einen Ratschlag des Lovecoaches zu stellen. Diese verkörpern sehr gut die Ideale, die Sophie Andresky in ihren Werken predigt: Sei dir selbst treu, lerne dich kennen, kein Sex mit Idioten, immer nur Safer Sex und und und.



Ich wollte ja eigentlich eine Pause von Andresky-Büchern machen, da dort immer viel wild rumgevögelt wird und mir dann Nora, Sören & Kingsley mit ihrer tieferen Verbindung fehlen - aber die Neugier hat gesiegt und ich habe vorgesorgt und mir den nächsten Original-Sinners-Band zurechtgelegt.



Insgesamt ein prima Buch, wenn man selbst gerade in einer Krise steckt und sich selbst besser kennenlernen will - und natürlich auch höchst amüsant und informativ, wenn man auf der Suche nach Inspirationen sein sollte.

Veröffentlicht am 15.01.2024

Magisch

Geheimnisse der Hexen
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Es beginnt schon wunderschön: Auf dem Cover glitzert einem die Schrift und die Sterne entgegen, das Vorsatzpapier ist mit passenden Symbolen gestaltet und beim ersten Durchblättern sieht man, dass jede ...

Es beginnt schon wunderschön: Auf dem Cover glitzert einem die Schrift und die Sterne entgegen, das Vorsatzpapier ist mit passenden Symbolen gestaltet und beim ersten Durchblättern sieht man, dass jede Seite liebevoll gestaltet wurde.

Ich habe aus Platzgründen als Autorin nur Julie Légère gelistet, aber eigentlich ist dieses hübsche Meisterwerk eine Gemeinschaftsarbeit, zusammen mit Elsa Whyte (Co-Autorin) und Laura Pérez (Illustrationen) sowie den Übersetzerinnen Katharina Schmidt und Barbara Neeb.



"Die Geschichte war uns selten wohlgesinnt."



Ich dachte zunächst, es sei mehr eine fiktive Darstellung, musste aber schnell feststellen, dass es wirklich mehr Sachbuch ist, das allerdings auch jüngere Leser*innen ab 12 anspricht - bspw. werden viele Begriffe erklärt und die Hexen erzählen ihre Geschichten aus der Ich-Perspektive. Geschickt mischen die Autorinnen Fiktion mit heidnischen Bräuchen, so wandern die Kapitel von Etymologie zu geschichtlichen Abhandlungen - mittelalterliche Hexenverfolgungen über Salem zu aktueller Popkultur - bis hin zu einem eigenen kleinen Grimoire, mit dessen Hilfe die lesende Junghexe ihre ersten eigenen Schritte in Richtung Magie unternehmen kann. Als Wicca finde ich es immer spannend, neue magische Bücher zu entdecken - besonders, wenn sich diese eher an ein jüngeres Publikum richten. Die Damen Légère und Whyte haben ihre Hausaufgaben allerdings gemacht - und erzählen die geschichtlichen Ereignisse sogar aus der Wir-Perspektive ("unsere Schwestern"). Einziges Manko ist hierbei, dass kein einziges Mal erwähnt wird, dass es auch männliche Hexen gibt.

Eingestreut finden sich immer wieder Biografien berühmter weiblicher Hexen: Kirke, Marie Laveau und Hermine sind dabei nur die bekanntesten Namen. Durch das zumeist grausige Ende der Hexen würde ich davon abraten, es als Gute-Nacht-Geschichte zu verwenden.

Amüsanter wird es dann in der Neuzeit, wenn Frauenbewegungen das Hexentum zurückerobern und positiv konnotieren (Darf ich dazu auch Alix Harrows "The Once and Future Witches" empfehlen?). Hier hätte ich mir noch mehr Informationen zu den diversen neuheidnischen Strömungen gewünscht, denn es wird nur Wicca erwähnt.



"Tremate, tremate, le streghe son tornate!"

(Ital.: Zittert, zittert, die Hexen sind zurück!)



Als ich das Buch auf Instagram entdeckte, musste ich sofort an Benjamin Lacombes wunderschönes "Lisbeth und das Erbe der Hexen" denken (s.u.). Ich habe glücklicherweise noch eine alte Ausgabe im Schuber, zusammen mit dem Grimoire über berühmte Hexen ergattert, aber wer nur die neue Ausgabe ohne Grimoire hat, dem sei dieses Werk als Ersatz ans Herz gelegt.



Insgesamt eine liebevoll gestaltete Einführung in die Welt der Hexen, in der man immer wieder blättern und die tollen Illustrationen genießen und Fakten nachschlagen kann. Leider viel zu kurz (80 Seiten), ich hatte es an nur einem Tag durch!

Veröffentlicht am 15.01.2024

Wunderschön

BiblioStil: Vom Leben mit Büchern
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Nina Freudenberger, Sadie Stein und die Fotografin Shade Degges besuchten 32 in Kennerkreisen bekannte Persönlichkeiten und deren Privatbibliotheken. Keine öffentlichen Büchereien, die die finanziellen ...

Nina Freudenberger, Sadie Stein und die Fotografin Shade Degges besuchten 32 in Kennerkreisen bekannte Persönlichkeiten und deren Privatbibliotheken. Keine öffentlichen Büchereien, die die finanziellen Mittel haben, alles hübsch einzurichten und aufzustellen oder Buchhandlungen, die alles im richtigen Licht präsentieren. Nein, private Kollektionen, in alle Ritzen des Hauses gestapelt, in Kleiderschränken gehortet, in Küchenkabinetts versammelt. Authentisch, real und ungemein bekannt, wenn ich mich beim Tippen in meinem Bücherstapel-Chaos so umsehe...

Seht nur all die Post-Its! Gelb für tolle Fotos, Blau für Recherche und Orange für Zitate. Nicht immer dieselben Buch-Ansichten von den schönsten und größten und tollsten (die natürlich super Reisetipps abgeben, versteht mich nicht falsch - aber hier konnte selbst ich von vorne bis hinten Neues entdecken!) Besonders Highlight waren für mich die Sammlungen von Coralie Bickford-Smith, die mit ihren Penguin Classic Covern Bekanntheit erlangte und deren Belegexemplare nebeneinander einfach umwerfend schön sind (mein Mann dreht mir den Hahn zu, wenn ich die jetzt auch noch sammele...), sowie Sylvia Beach Whitman - denn jede*r Bibliophile kennt die Kultbuchhandlung "Shakespeare & Co." in Paris, aber wer weiß schon, wie es bei Sylvia privat aussieht? Ich jetzt!



Für alle Sammelwütigen ein richtiger, großformatiger und durchgehend bebilderter Schatz mit viel zu hübschen Bildern, viel zu wenig Text und somit viel zu kurzer Lesedauer. Und mit viel zu vielen Inspirationen - ich will auch eine Schaukel in meiner Bibliothek!!



"Dieses Buch widmet sich nicht unerschwinglichen Bibliotheken und perfekt gestylten Häusern. Stattdessen geht es um die Fähigkeit von Büchern, Geschichten zu erzählen - im wörtlichen wie im übertragenen Sinne."