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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2025

Verloren im Klang, gefangen im Blick

Herzlauschen
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Die Geschichte beginnt mit einem unerwarteten Treffen in Berlin: Tessa, eine Sopranistin, begegnet einem stillen Künstler, der sie heimlich skizziert. Schon dieser erste Moment hat mich neugierig gemacht, ...

Die Geschichte beginnt mit einem unerwarteten Treffen in Berlin: Tessa, eine Sopranistin, begegnet einem stillen Künstler, der sie heimlich skizziert. Schon dieser erste Moment hat mich neugierig gemacht, weil er zeigt, dass die Begegnung beider Figuren mehr sein könnte als nur Zufall.
Im Verlauf des Buches entwickeln sich mehrere kleine Szenen, in denen sich die beiden Figuren näherkommen. Mal ist es ein flüchtiger Blick, dann wieder eine gemeinsam betrachtete Zeichnung oder ein stiller Austausch, der mehr andeutet, als er ausspricht. Diese Momente sind zurückhaltend gestaltet, tragen die Handlung und machen die Figuren greifbar.
Besonders gefallen hat mir, dass die Autorinnen die Figuren nicht überdramatisieren. Tessa ist sympathisch, ihre Entscheidungen wirken nachvollziehbar, und der Bildhauer bleibt geheimnisvoll, ohne unglaubwürdig zu erscheinen. Dennoch bleibt die emotionale Tiefe an manchen Stellen begrenzt, weshalb ich mich beim Lesen teilweise etwas distanziert gefühlt habe.
Die Handlung entwickelt sich in kleinen Schritten, ruhig und sachlich. Es gibt wenige große Wendungen, stattdessen konzentriert sich das Buch auf die feinen Zwischentöne in den Begegnungen der beiden Hauptfiguren. Manche Szenen überraschen, andere lassen Fragen offen – das passt zum Ton der Geschichte, erzeugt aber auch ein Gefühl von Zurückhaltung.
Gefühlsmäßig habe ich die Lektüre als ruhig und bedacht erlebt. Es sind vor allem die kleinen Hinweise auf die wachsende Verbindung, die den Lesefluss interessant machen. Die Geschichte entfaltet ihre Wirkung mehr in den Beobachtungen der Figuren als in dramatischen Ereignissen.
Am Ende bleibt ein gemischter Eindruck: Das Buch bietet ein leises, zurückhaltendes Leseerlebnis, das mich interessierte, aber nicht vollständig fesseln konnte. Für meine persönliche Einschätzung liegt es damit im mittleren Bereich und somit bei 3 Sternen.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Ein Roman, den man so schnell nicht vergisst

Der Italiener
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„Der Italiener“ von Arturo Pérez-Reverte hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt der Roman von den geheimen Operationen italienischer Kampfschwimmer im Hafen ...

„Der Italiener“ von Arturo Pérez-Reverte hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt der Roman von den geheimen Operationen italienischer Kampfschwimmer im Hafen von Gibraltar während des Zweiten Weltkriegs. Eine dieser Figuren, verletzt und erschöpft, wird an einem andalusischen Strand entdeckt – eine Begegnung, die das Schicksal zweier Menschen unwiderruflich verändert.
Genau hier setzt das Buch seinen stärksten Akzent: auf der Spannung zwischen einer riskanten Mission und dem persönlichen Dilemma, das daraus entsteht. Mich hat beeindruckt, wie real und greifbar die Situation beschrieben wird – das Meer, die Bedrohung, die ständige Gefahr der Entdeckung. Gleichzeitig entwickelt sich eine stille, sehr intensive Beziehung zwischen der Frau, die helfen will, und dem Mann, der eigentlich ein Feind ist.
Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst am Strand zu stehen, das Rauschen der Wellen im Ohr und die Anspannung in jeder Geste spürbar. Der Roman ist voller unerwarteter Wendungen, doch nie reißerisch – vielmehr fein nuanciert, atmosphärisch dicht und durchzogen von einer Ernsthaftigkeit, die mich nachdenklich zurückgelassen hat.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es Spannung, Geschichte und Menschlichkeit auf so überzeugende Weise verbindet. Für mich ist „Der Italiener“ ein fesselnder und bewegender Roman, der weit über die reine Handlung hinaus wirkt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Eine Geschichte, die Herzen sanft berührt

So weit die Liebe uns trägt (Liebesroman)
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Josefine Weiss erzählt in diesem Roman die Geschichte von Lana, einer Frau Mitte 30, deren Leben sich zwar sicher, aber auch leer und festgefahren anfühlt. In der Stille ihres Alltags scheinen Lebendigkeit ...

Josefine Weiss erzählt in diesem Roman die Geschichte von Lana, einer Frau Mitte 30, deren Leben sich zwar sicher, aber auch leer und festgefahren anfühlt. In der Stille ihres Alltags scheinen Lebendigkeit und Freude verloren gegangen zu sein – eine Ausgangslage, die sehr nachvollziehbar wirkt und viele leise Töne anschlägt.
Die Begegnung mit Anton, einem freiheitsliebenden Mann mit einer ganz eigenen Mission, bringt frischen Wind in Lanas Leben. Er ist unterwegs, um das Reisetagebuch eines geliebten Menschen zu vollenden – und auf diesem Weg öffnet er Lana nicht nur neue Räume, sondern auch alte, verschlossene Türen in ihr selbst. Zwischen gemeinsamen Momenten unter freiem Himmel, ungeplanten Umwegen und tiefen Gesprächen entwickelt sich mehr als nur eine zarte Liebe. Lana beginnt, sich selbst wieder zu spüren – und das mit einer ruhigen, glaubwürdigen Entwicklung, die ohne große Dramen auskommt.
Josefine Weiss schreibt mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Die Sprache bleibt klar und unaufgeregt, trägt die Geschichte aber mit Wärme und leiser Tiefe. Man spürt beim Lesen die Sehnsucht nach einem echten, erfüllten Leben – und gleichzeitig den Mut, der dafür nötig ist. Die Wendung, die durch Antons wahres Geheimnis entsteht, wirkt glaubwürdig und verleiht der Handlung zusätzliche Substanz.
Mich hat das Buch auf eine stille Weise berührt. Es ist kein lauter Roman, eher ein Begleiter, der einen sanft erinnert: Es ist nie zu spät, sich neu zu begegnen – weder einem anderen Menschen noch sich selbst. Wer sich nach einer gefühlvollen, aber unaufdringlichen Geschichte sehnt, wird in diesem Buch einen warmen Platz finden. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Bewegender Abschluss einer großen Familiengeschichte

Blankenese - Zwei Familien
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"Blankenese – Zwei Familien Zeitensturm" ist der dritte und letzte Teil der Reihe und führt die Leser in die schwierigen Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band zeigt, wie die Familien ihren Platz in ...

"Blankenese – Zwei Familien Zeitensturm" ist der dritte und letzte Teil der Reihe und führt die Leser in die schwierigen Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band zeigt, wie die Familien ihren Platz in einer völlig veränderten Welt finden müssen. Alte Wunden sind noch längst nicht verheilt, gleichzeitig bestimmen Neubeginn und Aufbruch die Zeit. Diese Mischung aus Vergangenheit und Zukunft verleiht dem Buch eine besondere Spannung.
Mit viel Gespür zeichnet die Autorin ein Bild der Nachkriegsjahre, in dem soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen greifbar werden. Man spürt die Unsicherheit, die in der Luft liegt, aber auch den Wunsch nach Stabilität. Themen wie Schuld, Verantwortung, Verdrängung und Neuanfang ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung und machen sie inhaltlich gehaltvoll. Zugleich gelingen viele Momente, in denen deutlich wird, wie sehr die Figuren mit ihren ganz persönlichen Fragen ringen – sei es in ihren Familien, in ihren Beziehungen oder in der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Besonders gelungen ist, dass die verschiedenen Handlungsstränge, die man aus den vorigen Bänden kennt, hier zusammengeführt werden. Man bekommt das Gefühl, dass die Figuren nach einem langen Weg an einem Punkt angelangt sind, an dem sie Entscheidungen treffen müssen, die für ihr weiteres Leben prägend sind. Manche dieser Entscheidungen sind schmerzhaft, andere öffnen neue Möglichkeiten. Diese Mischung aus Konflikt und Hoffnung hat die Geschichte für mich sehr lebendig gemacht.
Der Roman überzeugt durch die atmosphärische Dichte. Orte, Situationen und Stimmungen sind so geschildert, dass man sich mitten hineingezogen fühlt – man kann die Sorgen und Hoffnungen dieser Zeit fast miterleben. Dazu kommt, dass die Figuren trotz der historischen Distanz sehr nahbar wirken. Ihre Unsicherheiten und Hoffnungen sind nachvollziehbar, und gerade das macht das Lesen berührend.
Für mich ist "Zwei Familien Zeitensturm" ein würdiger und stimmiger Abschluss der Reihe. Der Roman fasst die Themen der Vorgängerbände zusammen und zeigt noch einmal, was diese Familiengeschichte so besonders macht: die Verbindung von Zeitgeschichte und persönlichem Schicksal. Ein Buch, das sowohl unterhält als auch nachdenklich stimmt. Deshalb vergebe ich fünf Sterne und empfehle die Reihe jedem, der sich für historische Familienromane interessiert, die nicht nur erzählen, sondern auch etwas über die Zeit spürbar machen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Zwischen Faszination und Distanz

Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten
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"Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten" von Emeli Glaser hat bei mir ein zwiegespaltenes Gefühl hinterlassen. Die Sammlung gibt kurze Einblicke in das Verhalten verschiedenster Männer – von alltäglichen ...

"Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten" von Emeli Glaser hat bei mir ein zwiegespaltenes Gefühl hinterlassen. Die Sammlung gibt kurze Einblicke in das Verhalten verschiedenster Männer – von alltäglichen Eigenheiten bis hin zu verstörenden Abgründen. Glaser zeigt ein feines Gespür für Details und Charakterzüge, wodurch die Figuren oft lebendig wirken. Manche Geschichten haben mich richtig gefesselt, andere blieben eher flach und hinterließen keinen nachhaltigen Eindruck.
Besonders spannend fand ich die Vielfalt der Charaktere und Situationen. Einige Geschichten wirkten bedrohlich, andere melancholisch oder nachdenklich, und es war interessant, diese unterschiedlichen Facetten zu beobachten. Dennoch fehlte mir manchmal ein verbindender roter Faden, der die Sammlung stärker zusammenhält. Die Mischung aus Momenten der Spannung und längeren, reflektierenden Passagen erzeugte beim Lesen ein ständiges Auf und Ab.
Mein Lesegefühl war intensiv, aber wechselhaft. Ich war neugierig und irritiert zugleich, habe nachgedacht und mich stellenweise etwas distanziert gefühlt. Besonders gelungen fand ich die Passagen, die psychologische Tiefe andeuten und zum Nachdenken über menschliches Verhalten anregen. Weniger gelungen waren für mich die Geschichten, die sich zu schnell erschöpften oder deren Wirkung auf mich nicht wirklich durchdrang.
Insgesamt bietet Glaser interessante Ansätze und Momente, die neugierig machen und die menschliche Psyche beleuchten. Das Buch kann aber nicht durchgehend fesseln, was den Gesamteindruck etwas getrübt hat. Wer kurze, teils intensive Einblicke in das Verhalten verschiedener Männer schätzt, findet hier Lesestoff – allerdings mit deutlichen Höhen und Tiefen. 3 Sterne.

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