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Shilo_

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein Roman, der keine Schonung kennt

Bambino
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Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer ...

Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer auszuhalten ist und genau deshalb lange nachwirkt.
Mattia, von allen nur Bambino genannt, ist jung, brutal und schon früh Teil der faschistischen Bewegung. Sein Spitzname täuscht, denn hinter dem jungen Gesicht steckt eine erschreckende Härte. Gewalt wird für ihn zur Sprache, Macht zum Halt. Auffällig ist die Kälte seines Handelns und die Leere, die ihn antreibt. Entschuldigungen gibt es keine, nur Gründe.
Die Geschichte entfaltet sich schnell und konzentriert. Szenen wechseln abrupt, fast atemlos. Immer wieder blitzen Hinweise auf Mattias’ Herkunft auf, auf das Schweigen des Vaters, auf die fehlende Mutter. Diese Suche zieht sich sanft durch den Roman und gibt der Figur eine zusätzliche Tiefe. Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um Verletzungen, die nie ausgesprochen wurden und sich in Gewalt verwandeln.
Besonders eindrücklich ist der Umgang mit Geschichte. Krieg, Faschismus, Besatzung und Schuld werden nicht erklärt oder eingeordnet. Sie sind einfach da, roh und unausweichlich. Triest wird zu einem Schauplatz, an dem sichtbar wird, wie schnell Täterrollen entstehen und wie flüchtig jede Form von Macht ist. Vieles bleibt bewusst offen.
Die Sprache ist klar, hart und schnörkellos. Gefühle werden nicht ausformuliert, sondern entstehen zwischen den Zeilen. Gerade dadurch wirkt vieles beklemmend nah. Bambino bleibt eine Figur, die abstößt und zugleich fesselt, weil sie nicht vereinfacht wird. Am Ende steht kein Trost, keine Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass Geschichte Menschen formt und verformt und dass Schuld selten eindeutig beginnt.
Dieses Buch hinterlässt Unruhe. Es zwingt dazu, länger darüber nachzudenken, wie aus Orientierungslosigkeit Überzeugung wird und wie leicht Gewalt zur Identität werden kann. Ein Roman, der nicht gefallen will, sondern etwas offenlegt.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Romane schätzen, die fordern, verstören und lange nachwirken.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Herausforderungen und Hoffnungen in der Fremde

Unter fremden Himmeln
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Die neue Umgebung stellt das Leben aller auf die Probe. Alltag, Klima und Menschen fordern mehr, als zunächst erwartet. Sicherheit ist hier keine Selbstverständlichkeit.
Das Leben in der Siedlung ist von ...

Die neue Umgebung stellt das Leben aller auf die Probe. Alltag, Klima und Menschen fordern mehr, als zunächst erwartet. Sicherheit ist hier keine Selbstverständlichkeit.
Das Leben in der Siedlung ist von Beginn an angespannt. Entscheidungen müssen getroffen werden und haben oft Folgen. Die koloniale Verwaltung bestimmt den Alltag und lässt wenig Raum für eigene Wege. Gleichzeitig entstehen vorsichtige Kontakte zu den Einheimischen, geprägt von Neugier, Respekt und Unsicherheit.
Im Zentrum stehen drei Frauen, deren Lebenswege sich verändern. Jede von ihnen trägt eigene Hoffnungen und Sorgen mit sich. Beziehungen geben Halt, geraten aber auch ins Wanken. Nicht alles wird ausgesprochen.
Der Alltag ist geprägt von Arbeit, Krankheit und dem Versuch, etwas Beständiges aufzubauen. Medizinisches Wissen trifft auf das Heilwissen der Einheimischen. Kleine Szenen aus dem täglichen Leben lassen die Umgebung lebendig wirken. Tara Haigh schreibt ruhig und anschaulich, sodass die Figuren und Orte lebendig werden.
Die Geschichte entwickelt sich ruhig und nimmt sich Zeit. Spannung entsteht durch Entscheidungen und durch das, was unausgesprochen bleibt. Vertrauen wird geprüft, Träume verändern sich, und nicht jede Hoffnung erfüllt sich.
Zurück bleibt das Gefühl, einer fremden Welt nahegekommen zu sein. Die Figuren wirken lange nach, und die Atmosphäre bleibt im Gedächtnis. Ein starker zweiter Band, der zurückhaltend erzählt wird, aber lange nachwirkt. Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Ein Blick hinter die Fassaden

Unaufhaltsam ehrlich
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Im Zentrum der Geschichte steht ein junger Mann, der gelernt hat, sich zu verstecken. Seit seiner Kindheit trägt er sichtbare und unsichtbare Narben. Die äußeren lassen sich verdecken, die inneren nicht. ...

Im Zentrum der Geschichte steht ein junger Mann, der gelernt hat, sich zu verstecken. Seit seiner Kindheit trägt er sichtbare und unsichtbare Narben. Die äußeren lassen sich verdecken, die inneren nicht. Dieses Spannungsfeld begleitet ihn durch sein Leben.
Der Weg an die Filmhochschule ist ein vorsichtiger Schritt nach vorn. Dort trifft er einen Professor, der offen mit seinen eigenen Verletzungen umgeht und dadurch Nähe zulässt. Er hilft ihm, offener zu werden und sich nicht mehr ständig zu verstecken.
Aus dieser Begegnung entsteht ein Dokumentarfilmprojekt. Es führt zu Gesprächen mit Menschen, die nach außen hin sicher wirken, innerlich aber mit sich kämpfen. Es geht um Scham, Selbstzweifel und das Gefühl, nicht zu genügen.
Auch das Thema Adoption wird zurückhaltend behandelt. Die Frage nach den leiblichen Eltern ist nicht immer gegenwärtig, aber spürbar. So bleibt die Frage immer im Hintergrund. Diese leise Präsenz macht das Thema glaubwürdig und berührend.
Der Schreibstil ist klar und leicht zu lesen. Die Autorin zeigt viel Verständnis für ihre Figuren. Einige Entwicklungen sind vorhersehbar und manches wirkt tröstlich. Spannung fehlt stellenweise, doch die Nähe zu den Figuren bleibt.
Die Haltung des Romans ist ruhig und menschlich. Es geht nicht um Mitleid, sondern darum, sich selbst anzunehmen. Nicht perfekt zu sein und sich nicht dafür zu entschuldigen. Diese Botschaft zieht sich durch die ganze Geschichte.
Am Ende bleibt ein Buch, das leise erzählt, von Verletzlichkeit und Nähe berichtet und zeigt, wie schwer es sein kann, sich selbst zu akzeptieren. Nicht alles überrascht, aber vieles wirkt ehrlich. Daher vergebe ich vier Sterne. 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die Geschichten über Menschen und ihre leisen Kämpfe schätzen.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen gesellschaftlichem Urteil und innerer Reue

Eine Versöhnung am Meer
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Im Mittelpunkt dieses dritten Bandes der Reihe steht eine Frau, die einen schweren Fehler begangen hat und nun mit den Folgen leben muss. Claires Rückkehr an die Küste nach dem Tod ihrer Großtante ist ...

Im Mittelpunkt dieses dritten Bandes der Reihe steht eine Frau, die einen schweren Fehler begangen hat und nun mit den Folgen leben muss. Claires Rückkehr an die Küste nach dem Tod ihrer Großtante ist von Unsicherheit geprägt. Sie wird Teilhaberin an einem Gästehaus und hofft auf Versöhnung mit ihrer Familie. Doch die alten Wunden sind nicht verheilt, und Vertrauen muss, wenn es überhaupt möglich ist, erst nach und nach wieder entstehen. Besonders spürbar ist der Abstand zur Mutter, die an festen Regeln festhält und kaum Raum für Nachsicht lässt.
Die Arbeit im Gästehaus gibt Claire Halt. Sie zeigt, wie viel Geduld und Ausdauer nötig sind, um sich Schritt für Schritt ein neues Leben aufzubauen. Dabei entsteht langsam eine Nähe zu dem Eigentümer des Hauses und zu seiner kleinen Tochter Mira. Vor allem das Kind sorgt für stille, freundliche Momente, die beim Lesen sachte berühren.
Auch die Schwestern spielen eine wichtige Rolle. Ihre Sorge und ihre Suche machen deutlich, dass familiäre Bindungen nicht einfach verschwinden. Diese Szenen wirken natürlich und ehrlich und fügen sich stimmig in den ruhigen Erzählton ein.
Der Glaube ist Teil der Geschichte, bleibt aber dezent im Hintergrund. Er zeigt sich eher in Gedanken und Handlungen als in Worten und passt gut zu den Themen Vergebung und Neuanfang. Die Sprache ist einfach und klar. Die Beschreibungen der Küste und des Alltags schaffen eine ruhige Grundstimmung.
Die Handlung verläuft insgesamt ruhig und gleichmäßig. Große Überraschungen gibt es kaum, manches ist vorhersehbar. Trotzdem trägt die Entwicklung der Figuren sicher durch das Buch. Am Ende bleibt der Eindruck einer ruhigen Geschichte über Verantwortung, Geduld und die Hoffnung, dass Versöhnung möglich ist, auch wenn sie Zeit braucht.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen zwei Welten und einem Zuhause

Wohin ihre Flügel sie tragen
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Im Mittelpunkt steht ein vietnamesisches Mädchen, das in den Siebzigerjahren in den USA ein neues Zuhause findet. Die Geschichte spielt in einer Zeit, die vom Vietnamkrieg geprägt ist, und zeigt die Umstände, ...

Im Mittelpunkt steht ein vietnamesisches Mädchen, das in den Siebzigerjahren in den USA ein neues Zuhause findet. Die Geschichte spielt in einer Zeit, die vom Vietnamkrieg geprägt ist, und zeigt die Umstände, unter denen viele Kinder ihre Herkunft hinter sich lassen mussten.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, was der Geschichte spürbare Tiefe verleiht. Neben Minh stehen ihre Adoptiveltern Linda und Bruce im Fokus. Die Familie Matthews wächst nicht durch große Ereignisse zusammen, sondern durch Alltag, Verlässlichkeit und gegenseitige Achtung.
Mit der Zeit treten neue Fragen in den Vordergrund. Aus dem Kind wird eine junge Frau, die über ihre Herkunft nachdenkt und begreift, was sie geprägt hat. Der Wunsch, ihre eigene Geschichte zu verstehen, entwickelt sich langsam und nachvollziehbar, und die Entscheidung, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu begeben, wirkt natürlich und stimmig.
Auch die Perspektive der Adoptiveltern erhält viel Raum. Ihre Liebe zeigt sich in Fürsorge, Geduld und im Aushalten von Unsicherheit. Als Minh ihren eigenen Weg geht, wird deutlich, wie schwer Loslassen sein kann, selbst wenn man weiß, dass es richtig ist.
Der historische Rahmen bleibt stets präsent. Die Evakuierungsaktion "Operation Babylift", bei der zahlreiche Kinder Vietnam verließen, bildet einen stillen Hintergrund der Geschichte. Sie wird nicht erklärt oder ausgeschmückt, wirkt jedoch nach und prägt die Lebenswege der Figuren auf unaufdringliche Weise.
Der Schreibstil ist klar, ruhig und unaufdringlich. Gefühle entstehen aus Situationen und Begegnungen, nicht aus erklärenden Passagen. Manche Abschnitte sind bewusst schlicht gehalten, was der Geschichte guttut. Stellenweise hätte die Erzählung etwas mehr Spannung vertragen, doch der Fokus liegt klar auf den inneren Entwicklungen der Figuren.
Am Ende zeigt die Geschichte, dass Liebe nicht an Nähe gebunden ist und dass Vertrauen manchmal bedeutet, einen Menschen gehen zu lassen, ohne ihn zu verlieren.
4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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