Cover-Bild Bambino
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21,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 21.01.2026
  • ISBN: 9783257615708
Marco Balzano

Bambino

Peter Klöss (Übersetzer)

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2026

Hat mir gut gefallen

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Zum Inhalt:
Mattia ist einer der ersten Faschisten und das aus Überzeugung. Weil er so jugendlich aussieht, wird er Bambino genannt, aber ein Bambino ist er wahrlich nicht, denn er ist brutal und bald ...

Zum Inhalt:
Mattia ist einer der ersten Faschisten und das aus Überzeugung. Weil er so jugendlich aussieht, wird er Bambino genannt, aber ein Bambino ist er wahrlich nicht, denn er ist brutal und bald haben alle Angst vor ihm. Als seine Mutter stirbt, verrät sie ihm vorher noch, dass sie nicht seine Mutter ist. Der Vater ist nicht bereit, dass zuzugeben oder gar einen Namen zu nennen. Als der Krieg ausbricht muss Mattia feststellen, dass die Gewinner von einst nun die Verlierer sind und sein Leben nimmt eine ganz neue Wendung.
Meine Meinung:
Ich hatte wenig Ahnung von der Zeit des Faschismus in Italien oder der zeit danach und natürlich ist dies ein Roman und kein Sachbuch, aber ich hatte das Gefühl, dass die Zeit sehr gut rübergebracht wurde und auch die Zeit, die danach kam. Auch die Zerrissenheit von Mattia fand ich spürbar. Einerseits die Suche nach der Mutter, anderseits zunächst sein Dasein als Faschist, dem irgendwann die Grundlage entzogen wurde und er dadurch in Gefahr gerät, aber auch sein komplettes Leben in neue Bahnen lenken musste, war ungeheuer interessant zu lesen. Die zeitweise schon sehr schwierige Beziehung zum Vater fand ich extrem gut erzählt, auch dass gerade der Vater dann derjenige ist, der Mattia zu mindestens für eine Weile rettet, hat mir gefallen. Ich fand das Buch sehr gut und faszinierend geschrieben und habe die Lektüre genossen.
Fazit:
Hat mir gut gefallen

Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein Roman, der keine Schonung kennt

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Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer ...

Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer auszuhalten ist und genau deshalb lange nachwirkt.
Mattia, von allen nur Bambino genannt, ist jung, brutal und schon früh Teil der faschistischen Bewegung. Sein Spitzname täuscht, denn hinter dem jungen Gesicht steckt eine erschreckende Härte. Gewalt wird für ihn zur Sprache, Macht zum Halt. Auffällig ist die Kälte seines Handelns und die Leere, die ihn antreibt. Entschuldigungen gibt es keine, nur Gründe.
Die Geschichte entfaltet sich schnell und konzentriert. Szenen wechseln abrupt, fast atemlos. Immer wieder blitzen Hinweise auf Mattias’ Herkunft auf, auf das Schweigen des Vaters, auf die fehlende Mutter. Diese Suche zieht sich sanft durch den Roman und gibt der Figur eine zusätzliche Tiefe. Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um Verletzungen, die nie ausgesprochen wurden und sich in Gewalt verwandeln.
Besonders eindrücklich ist der Umgang mit Geschichte. Krieg, Faschismus, Besatzung und Schuld werden nicht erklärt oder eingeordnet. Sie sind einfach da, roh und unausweichlich. Triest wird zu einem Schauplatz, an dem sichtbar wird, wie schnell Täterrollen entstehen und wie flüchtig jede Form von Macht ist. Vieles bleibt bewusst offen.
Die Sprache ist klar, hart und schnörkellos. Gefühle werden nicht ausformuliert, sondern entstehen zwischen den Zeilen. Gerade dadurch wirkt vieles beklemmend nah. Bambino bleibt eine Figur, die abstößt und zugleich fesselt, weil sie nicht vereinfacht wird. Am Ende steht kein Trost, keine Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass Geschichte Menschen formt und verformt und dass Schuld selten eindeutig beginnt.
Dieses Buch hinterlässt Unruhe. Es zwingt dazu, länger darüber nachzudenken, wie aus Orientierungslosigkeit Überzeugung wird und wie leicht Gewalt zur Identität werden kann. Ein Roman, der nicht gefallen will, sondern etwas offenlegt.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Romane schätzen, die fordern, verstören und lange nachwirken.

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