Cover-Bild Bambino
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 21.01.2026
  • ISBN: 9783257073522
Marco Balzano

Bambino

Peter Klöss (Übersetzer)

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2026

schonungslos und eindrücklich

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Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, ...

Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sein Vater ihm aber nicht verraten möchte, wer ihn geboren hat, entwickelt sich die Suche nach seiner Mutter zu einer Obsession. Er ist gekränkt, entwickelt eine immer größer werdende Wut auf seine Mitmenschen und lebt diese in Gewaltexzessen aus. Bald schließt Mattia sich den faschistischen Schwarzhemden an und verbreitet mit ihnen Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Später zieht er freiwillig gegen Griechenland in den Krieg und wird im Kriegswinter in den Bergen zermürbt. Langsam bröckeln seine Überzeugungen, doch zu viel ist bereits passiert, als dass Mattia das Geschehene hinter sich lassen könnte.

Marco Balzano erzählt aus Mattias Perspektive, in nüchternem, beinahe sachlichem Stil. Man kann Mattia nicht mögen, und auch die Ungewissheit bezüglich seiner Herkunft, die Weigerung des Vaters, ihm mehr über seine Mutter zu offenbaren, dient glücklicherweise niemals als Entschuldigung für seine zügellose Gewalt, seine Bindungsunfähigkeit und seine tiefe Abneigung gegen Menschen. „Bambino“ wird er wegen seines glatten, bartlosen Gesichts von den Faschisten genannt, und ein Kind bleibt Mattia in gewisser Weise sein Leben lang. Er wirkt unreif, nicht fähig zu Verantwortung und Reflexion, seine tiefe Verunsicherung lässt ihn umso stärker zuschlagen und begründet seine Faszination für die Faschisten, die für ihn Stärke verkörpern. Einzig sein Vater hält sein Leben lang zu ihm, ist jedoch auch nicht in der Lage, eine tiefgehende Beziehung zu ihm aufzubauen, ihn emotional zu stützen und mit ihm zu kommunizieren. Wenn die beiden reden, reden sie aneinander vorbei.

Nebenbei erzählt der Roman die leid- und wechselvolle Geschichte von Triest und Julisch Venetien und thematisiert die nationalistisch motivierten Angriffe auf slowenische und kroatische Minderheiten. Der Autor hat reale historische Figuren und Ereignisse wie die Stürmung des Narodni dom oder den Angriff paramilitärischer faschistischer Horden auf eine Gruppe von Eltern, die auf die Rückkehr ihrer 1500 Kinder aus einem Ferienlager der Arbeitergenossenschaft warteten, in den Roman verwoben. Im Anhang finden sich hierzu nähere Erläuterungen.

Ein eindrücklicher, schonungsloser und sehr lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Triest im Wandel der Zeit

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Klappentext:
Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. ...

Klappentext:
Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

„Bambino“ von Marco Balzano führt die Leser*innen nach Triest in das Jahr 1920 und in die Zeit des 2. Weltkriegs.

Mattia Gregori wird Bambino genannt. So harmlos wie das klingt ist er aber nicht. Er ist eher aggressiv und hat so gut wie keine Freunde. Sein Vater ist Uhrmacher und rät Mattia eine Uhrmacherlehre zu machen. Doch Mattia hält sich lieber mit Diebstahl über Wasser. Schließlich landet er bei den italienischen Faschisten, die gegen die Kommunisten kämpfen und auf die Slowenen losgehen.
Ganz verloren ist er, als im seinen Mutter Donatella kurz vor ihm Tod verkündet, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist.

Marco Balzano schildert das Leben von Mattia Gregori sehr interessant. Dabei erzählt der Autor auch eine Zeitgeschichte, die mir vorher nicht so bekannt war.
Die Charaktere werden von Marco Balzano stark herausgestellt. Mattia Gregori ist unsympathisch aber eine interessante Figur, die uns durch ein Stück europäische Geschichte führt.

Marco Balzano erzählt die Geschichte wie von ihm gewohnt mit starken Worten. Man wird richtig in die Geschichte hineingezogen.

„Bambino“ ist ein interessanter Roman der sich fast wie eine Biografie liest.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Triest 1920 - 1946

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Der Icherzähler Mattia war noch ein Kind in Triest, als seine vermeintliche Mutter ihm sagt, das er nicht ihr Kind ist.
Orientierungslos und ohne klare Identität gerät er mit 20 zu den Schwarzhemden. Dort ...

Der Icherzähler Mattia war noch ein Kind in Triest, als seine vermeintliche Mutter ihm sagt, das er nicht ihr Kind ist.
Orientierungslos und ohne klare Identität gerät er mit 20 zu den Schwarzhemden. Dort wird er Bambino genannt und findet Zugehörigkeit und bleibt doch ein Außenseiter.
Aufgrund seiner Gewalttätigkeit steigt er in der Gruppe auf.
Mattia ist wahrlich kein Sympathieträger, doch der Autor gestaltet die Figur so, das man nah an ihr dran ist. Umso härter wirken seine Taten, z,B. die Denunziationen in der Zeit der deutschen Besatzung.
Dann folgt 1945 der Einmarsch der jugoslawischen Partisanen. Der Roman zeigt den historischen Wandel in dichter Form.

Kennzeichnend für den Roman ist die fast sinnliche  Wahrnehmung der Stadt Triest, aber auch die Schrecken der Zeit. Immer wieder wird Mattias moralischer Kompass geprüft und immer wieder versagt er.

Marco Balzano hat hier sein vielleicht härtestes Buch geschrieben. Man fühlt sich nach dem Lesen wie benommen.

Veröffentlicht am 22.01.2026

Italienische Geschichte grandios erzählt

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Ein Buch über Triest und seine Einwohner

„Bambino“, mit bürgerlichem Namen Mattia Gregori, erhält seinen Spitznamen aufgrund seines kindlichen Gesichts und seines fehlenden Haarwuchses. Als junger Mann ...

Ein Buch über Triest und seine Einwohner

„Bambino“, mit bürgerlichem Namen Mattia Gregori, erhält seinen Spitznamen aufgrund seines kindlichen Gesichts und seines fehlenden Haarwuchses. Als junger Mann entdeckt er, dass seine Mutter nicht seine leibliche ist, doch sein Vater weigert sich, ihm die Identität seiner wahren Mutter zu verraten. Auf der Suche nach ihr gerät er auf die schiefe Bahn, schließt sich zunächst den Faschisten an, zieht dann in den Krieg gegen Griechenland und kooperiert schließlich mit der SS. Als Tito die Stadt übernimmt, muss er für seine Gräueltaten büßen und wird gefangen genommen. Auch dort gelingt ihm die Flucht, allerdings nur unter der Bedingung, dass er ehemalige Faschisten denunziert.

Was ihm noch alles widerfährt, müsst ihr selbst herausfinden.

Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in die Geschichte Triests, was mir sehr gut gefallen hat. Bambino fand ich schrecklich unsympathisch, aber das soll er wahrscheinlich auch sein. Wie kann jemand, der solche Taten verübt, nett sein? Wieder einmal ist es Marco Balzano gelungen, ein spannendes Buch über einen Teil italienischer Geschichte zu schreiben, das den Leser von der ersten Zeile an fesselt.

Ich empfehle es allen, die sich für Geschichte und Italien interessieren, wärmstens weiter.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Bildreich

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BAMBINO
Marco Balzano
ET: 21.1. 2026

Triest, 1920 – eine Stadt im Umbruch, eingeklemmt zwischen Nationen, Ideologien und verletzten Identitäten. Hier wächst Mattia Gregori auf, der Sohn eines Uhrmachers ...

BAMBINO
Marco Balzano
ET: 21.1. 2026

Triest, 1920 – eine Stadt im Umbruch, eingeklemmt zwischen Nationen, Ideologien und verletzten Identitäten. Hier wächst Mattia Gregori auf, der Sohn eines Uhrmachers und seiner Frau Donatella. Der ältere Bruder hat die politischen Spannungen früh erkannt und ist nach Amerika ausgewandert, Mattia hingegen bleibt zurück: haltlos, wütend und ohne klare Perspektive.

Schon als Schüler fällt er durch seine Aggressivität auf. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und fühlt sich von seinen Kameraden nicht ernst genommen. Sie verspotten ihn als „Bambino“, wegen seines kindlichen Aussehens, der glatten Haut und des fehlenden Bartwuchses. Nur ein einziger Freund hält zunächst zu ihm, doch auch dieser wendet sich ab, nachdem Mattia sich weigert, einen Ertrinkenden zu retten.

Ein ehrbares Leben kommt für Mattia nicht infrage. Den Wunsch seines Vaters, ihn in die Uhrmacherlehre zu geben, quittiert er mit Hohn. Stattdessen stiehlt und betrügt er, zunehmend getrieben von Frustration und Gewaltbereitschaft, bis er schließlich bei den Schwarzhemden landet, den italienischen Faschisten, die gezielt gegen Slowenen an der Grenze und gegen Kommunisten vorgehen.

„Mir kam es vor, als dächten alle, ich würde mich nicht genug anstrengen, deshalb schlug ich umso heftiger zu.“ (S. 55)

Mattia ist überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Scham seines antifaschistischen Vaters, dessen Ablehnung seines Faschistendaseins und dessen düstere Prophezeiungen blendet er aus. Er sieht nur den Aufstieg der Partei und versteht nicht, warum sich sein Vater weigert, ihr beizutreten.

Als Donatella ihm auf dem Sterbebett offenbart, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist, verliert Mattia den letzten Halt. Getrieben von einer immer stärkeren Besessenheit macht er sich auf die Suche nach seiner Herkunft. Moralische Grenzen existieren für ihn längst nicht mehr, jedes Mittel scheint ihm gerechtfertigt.

Marco Balzano gelingt es erneut, eine fiktive Biografie eng mit historischen Ereignissen zu verknüpfen. Die Geschichte Triests und die gewaltsame Verdrängung der slowenischen Bevölkerung waren mir in dieser Deutlichkeit nicht bekannt, umso dankbarer war ich für diese literarische Annäherung an ein verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte.

Balzanos bildhafte, eindringliche Sprache entfaltet eine große Sogwirkung. Man liest wie im Rausch, obwohl – oder gerade weil – Mattia ein zutiefst unsympathischer Protagonist ist: ein Mensch, dem man im wirklichen Leben aus dem Weg gehen würde und der einen dennoch bis zur letzten Seite fesselt.

Fazit:
Ein weiteres sehr gutes Buch von Marco Balzano.
Lebendig erzählt, historisch aufgeladen und psychologisch präzise.
Für mich ein wichtiges Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen möchte.
4/5

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