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Veröffentlicht am 11.01.2022

Wann erscheint der nächste "Fall für Jackson Lamb?

Spook Street
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"Spook Street" (gemeint ist die Straße der Spione) von Mick Herron ist der 4. ins Deutsche von Stefanie Schäfer übersetzte "Fall für Jackson Lamb". Der wie immer schwarzhumorige, kritische und einfach ...

"Spook Street" (gemeint ist die Straße der Spione) von Mick Herron ist der 4. ins Deutsche von Stefanie Schäfer übersetzte "Fall für Jackson Lamb". Der wie immer schwarzhumorige, kritische und einfach köstlich zu lesende Spionagekrimi erschien im Diogenes-Verlag, (tb, brosch.) 2021.


Dieses Mal sind die Hauptprotagonisten sowohl das Slow House selbst, in dem der Chef der Abservierten, Jackson Lamb, in einem heruntergekommenen Bürogebäude residiert als auch der Großvater eines Slow Horses: David Cartwright, einst eine Legende im britischen Geheimdienst MI5, nun aber bereits 84 und etwas vergesslich, aber wie sich herausstellt, nicht vollkommen hilflos: Als eines Tages ein Mann vor seiner Tür steht und sich für seinen Enkel (River Cartwright, bestens bekannt aus den Vorgängerbänden) ausgibt, fackelt der O.B. (Old Bastard, larmoyant von River genannt, der sich seit einiger Zeit Sorgen um seinen Großvater macht) nicht lange - und erschießt den jungen Mann. Der "echte" Enkel findet in den Taschen des Toten eine Fahrkarte nach Frankreich - genau in den Ort, in dem sein Großvater früher immer "Urlaub" machte....


Der Spionagekrimi mit hochbrisanten Themen besticht wie seine Vorgänger durch geniale Wendungen und einem äußerst trockenen Humor, der besonders Jackson Lamb zu eigen ist: Dieser muss sich nach Kent begeben und den Toten im Badezimmer von David Cartwright identifizieren. Später sollte er das Geschehen wie folgt seinen Slow Horses gegenüber zusammenfassen:


"Ein ehemals hochrangiger Spion (der mehr Geheimnisse hat als die Queen Hüte) pustet seinem Enkel das Gesicht weg und verschwindet anschließend mit seiner Waffe in die Nacht - und ja, er tickt nicht mehr richtig" - so Lamb.


River begibt sich auf die Reise nach Frankreich und überlegt während der Zugfahrt, ob es dem Regent's Park (Zentrale des MI5) zuzutrauen wäre, dass dieser einen Vorhang über den O.B. senken wollte, weil dieser anfang, "undicht" zu werden. Wer und welche Motive stecken hinter diesem Anschlag auf David Cartwright? Und wieso wurde auch auf den damaligen Co-Spion Sam Chapman ein geplanter Mordversuch verübt?


Diesen Fragen geht Jackson Lamb in gewohnt lässiger Manier nach: Er fordert seine Crew auf, nachzudenken, um herauszufinden, "was an der Sache mit den Cartwrights dran ist" - ein Spion seiner Truppe der Abservierten ist in Aktion (River). Da die Slow Horses allesamt eins gemeinsam haben: Sie sind in Ungnade gefallen und wurden ins Slow House suspendiert, jedoch auch allesamt klug und ehrgeizig sind, nehmen sie die Spurensuche auf - und der Leser begleitet sie wohlgelaunt und zuweilen staunend hierbei, über die schrägen Dialoge und der eher unsozialen Eigenschaften Jackson Lambs schmunzelnd, der dennoch das Herz am rechten Fleck hat und hinter seiner Truppe steht; ja sogar hofft, dass seine rechte Hand, Catherine Standish, wieder zu den Slow Horses zurückkehren wird (ich hoffe es mit ihm).


Die Spannung wird von der ersten bis zur letzten Seite gehalten - wobei sie im letzten Romandrittel sehr anzieht: Wir verfolgen die jeweiligen Missionen zur Aufklärung von Marcus und Shirley, Roderick Ho, der wie immer als IT-Fachmann glänzt (und nun sogar auch äußerlich, da er seit Kurzem eine Freundin hat) lernen Moira Tregorian kurz kennen, die Nachfolgerin von Catherine, ebenso wie den Neuling an Bord J.K. Coe alias "Mr. Luftklavier", der, zuvor in der psychologischen Abteilung des MI5, auch hier beweist, dass er ein Gehirn hat und natürlich die von David Cartwright, der durchaus sehr lichte Momente hat wie die seines Enkels River, dessen Mission wie so oft nicht ungefährlich ist. Wir begleiten ihn zu "Les Arbres" in Frankreich, in dem einst Spione aus aller Welt zusammen wohnten, lernen auch den neuen Chef des MI5 kennen; Whelan, der schnell begreifen muss, wie dieser Geheimapparat tickt, um nicht selbst Opfer zu werden (ist Lady Di wirklich eine Rettungsboje für ihn? Finden Sie es heraus!) und einige obskure Gestalten, die mit dem Plot des Spionagekrimis in Zusammenhang stehen, sowohl ein perfektes Englisch wie auch ein ebenso perfektes Französisch sprechen.


Es geht um "Cold Boys", echte Identitäten, die auf "ihren" Besitzer warten; um alte Schulden, alte "Projekte" und Druckmittel unter Geheimdienstmitarbeitern und - um Geheimnisse, die lange zurückliegen und nun an die Oberfläche drängen: Wird der O.B. im "Safe House" wirklich sicher sein?


Herron lässt am Ende ein Showdown nach dem anderen heraufziehen; so dass man den Krimi nicht aus der Hand legen kann und fiebert mit den Slow Horses und Lamb sowohl auf Londons Straßen als auch in einer Autowerkstatt einem möglichst positiven Ausgang entgegen; nur um sich zuletzt mit der ganzen Crew (oder fast der ganzen) im Slough House wiederzufinden, wo die Situation zu eskalieren droht....


Fazit:


Mick Herron gelingt es auch in diesem vorliegenden Band, die Spannung hochzuhalten und den Leser mit heiklen Hintergründen des Geheimdienstwesens zu "versorgen". Die schrägen, witzigen und intelligenten Dialoge zwischen den Akteuren - ganz besonders hier Jackson Lamb selbst - bilden das Sahnehäubchen dieses interessanten und spannenden Spionagekrimis, den ich bestens weiterempfehlen kann. Jeder "Fall" ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von anderen gelesen werden (besser gesagt: Ein Einstieg ist jederzeit möglich ;) Ich würde jedoch chronologisch lesen, da die Figuren sich weiterentwickeln und der Leser nichts verpasst. Von mir erhält (mit Vorfreude auf den 5. Fall versehen!) "Spook Street" 5 Sterne und 97° auf der "Krimi-Couch" und eine absolute Leseempfehlung!


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Veröffentlicht am 07.01.2022

Inspirierende DIY-Projekte - persönlich und besonders!

Selber machen statt kaufen – Geschenke
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Vorausschicken möchte ich, dass ich Kreativität sehr mag und schon immer viel lieber Selbstgemachtes (in Form von geknüpften Teppichen, Socken, Lampen in Tiffany-Technik, Spiegel, Makramee-Blumenampeln, ...

Vorausschicken möchte ich, dass ich Kreativität sehr mag und schon immer viel lieber Selbstgemachtes (in Form von geknüpften Teppichen, Socken, Lampen in Tiffany-Technik, Spiegel, Makramee-Blumenampeln, auch Selbstgebackenes etc.) an liebe Menschen verschenke als gekaufte Dinge: Diese Geschenke besitzen "Seele" und haben Persönlichkeit - zudem sind sie oft langlebig (ich besitze selbst einige Dinge, die Freunde für mich selbst herstellten, es sind Kostbarkeiten für mich, die immer einen Bezug zu dem Menschen haben, der sie selbst herstellte).

"Geschenke selber machen statt kaufen" vom smarticular-Verlag (www.smarticular.net - eine Seite, die man sich unbedingt merken sollte!) war daher eine große und fantastische Inspirationsquelle für mich!

Von den zahlreichen Anleitungen und Ideen sowie Tipps auf den fast 200 Seiten war ich daher mehr als beeindruckt! In selbstgemachten Geschenken kann die eigene Kreativität ausgelebt werden, wobei zu einigen Projekten im Buch sicher ein bestimmtes know-how bzw. handwerkliches Geschick gefragt ist, andere jedoch wirklich sehr einfach nachzuarbeiten sind. Daher hält auch für weniger Geübte dieses tolle Sachbuch vieles bereit, das fast im Handumdrehen umgesetzt werden kann.

Der Einleitung folgen die Rubriken, was das Auswählen oder Suchen enorm erleichtert; so gibt es zahlreiche wirklich schöne und auch einfache, jedoch mit großer Wirkung nachzuarbeitende DIY-Projekte aus den Bereichen

- Küche, Natur, Handarbeit, Schönheit/Wohlbefinden, süße Naschereien, für Kinder und Verpackung.

Besonders gefielen mir die Ideen der Ableger von Pflanzen, Nützliches aus Salzteig (mit dem ich auch schon gearbeitet habe), Backmischungen im Glas, Memory-Spiel, Briefumschläge falten und gebackene Glücksbringer, die ich sehr originell und je nach Jahreszeit auch variabel zu gestaltend finde! Weiterer Pluspunkt in Sachen Nachhaltigkeit: Es werden in den selbstgemachten Geschenken ausschließlich oder vorwiegend Naturmaterialien verwendet (z.B. Bänder und Geschenkeanhänger). So kann getrost auf Nylon, Plastik o.ä. verzichtet werden.

Fazit:

Ein sehr gutes, durch zahlreiche Fotos und bestens beschriebene Projekte, Anleitungs- und DIY-Ideenbuch, das alle kreativen Köpfe (und auch solche, die es werden wollen) anspricht und überzeugen dürfte! Von mir eine absolute Empfehlung und 5*!

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Veröffentlicht am 08.12.2021

Eine genussvolle und kreative Backreise um die Welt

Back dich um die Welt
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"Back dich um die Welt" von Christian Hümbs (UT 90 süße Rezepte gegen Fernweh) erschien (HC, geb.) 2021 im DK-Verlag, München.


Vielen backfreudigen Genießern dürfte der Autor bestens als Juror (Sat1) ...

"Back dich um die Welt" von Christian Hümbs (UT 90 süße Rezepte gegen Fernweh) erschien (HC, geb.) 2021 im DK-Verlag, München.


Vielen backfreudigen Genießern dürfte der Autor bestens als Juror (Sat1) in "Das große Backen" bekannt sein. Hümbs zählt zu den besten Patissiers Deutschlands, dessen Kreativität kaum Grenzen zu kennen scheint. So hat er sich im vorliegenden Buch, das im Untertitel nicht ohne Grund "90 süße Rezepte gegen das Fernweh" trägt, von landestypischen Klassikern inspirieren lassen - und dennoch jedem Backwerk, ob Gebäck, Kuchen oder Torte, seine persönliche Note verliehen. Das geniale Backbuch ist das Ergebnis der süßen kulinarischen Reise des Autors, der seine Profession mit Leidenschaft ausübt und hier in den besten und leckersten Rezepten einfließen lässt; das "Sahnehäubchen" bilden seine zusätzlichen Tipps und Kniffe, die Hümbs hinzufügt.


Das Backbuch ist sehr übersichtlich gegliedert, vermittelt auch Hintergrundwissen zu den kreativen Rezepten, die von einfach bis raffiniert/anspruchsvoll sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittenen ein erfolgreiches Nachbacken garantieren. Nach der Einleitung begibt man sich mit Hümbs auf 5 kulinarische Reiserouten, die viele Länder abdecken - von Europa, über die USA, Südamerika bis nach Japan, Australien und Indien. (Einzig Nordafrika und arabische Länder sind nicht auf der "Reiseroute", ich hoffe, im nächsten Band kann man dann tunesische, marokkanische oder auch syrische Leckereien nachbacken, die ich teils kenne und ebenfalls sehr schätze).


Los geht es mit derzeit beliebten Zimtsternen, Aachener Printen über Klassiker wie den Hefezopf und den Frankfurter Kranz; in der Schweiz und Österreich locken Strietzel, Linzer Torte u.a.; in den Niederlanden backen wir Bollen und die "Ollie-Bollen" (S. 75) versetzen mich zurück in meine Schulabschlussfahrt mit den "Vaarende Vakantievloot" durch viele Grachten und Städte Hollands. Auch Scones-Fans kommen auf ihre Kosten (ich gehöre dazu) und sowohl die Rosinen- als auch die Zimtscones sorgen dafür, dass man sich gedanklich in England oder Schottland befindet...

Hier fehlt auch nicht die "Harry Potter Tarte" ((Treacle Tarte, S. 88) und Dänemark und Schweden warten mit "Lussekatter" und Zimtschnecken auf; im Winter ebenfalls ein Genuss (aber nicht nur dann). Exotisch geht es in den amerikanischen Rezepten weiter: Cheesecake, Cookies und besonders die Cranberry-Pekan-Brownies (S. 114/115) stehen noch auf dem Backprogramm! Selbst Pancakes und Pumpkin Pie dürften mit Hilfe der step-by-step Anleitung leicht gelingen.


Besonders gefallen haben mir die Übersichtlichkeit und auch die Angabe des jeweiligen Schwierigkeitsgrades sowie die wundervollen, appetitanregenden Fotos der jeweiligen Backwerke! Vom französischen Nachbarn (ein Katzensprung von mir entfernt) gibt es den Klassiker Croissants, Brioche und eine Tarte au Citron, die den Gaumen kitzeln dürfte. Besonders angetan hat es mir jedoch das Rezept für "Pastel de Nata" (Portugal), das ich noch ausprobieren möchte und das Fernweh nach Sagres, Lissabon und der wunderschönen Algarve etwas stillen könnte. Sehr lecker fand ich auch das Rezept "Banana Bread", das ich schon in anderer Variation gebacken hatte. Ein Register, ein Dank des Autors und einige Notizseiten beenden dieses fantastische Backbuch.


Fazit:


Eine sehr geniale klassische Sammlung von Backrezepten aus aller Welt, denen Christian Hümbs seine persönliche Note verliehen hat. Sehr gut nachzuarbeiten; sehr gut gegliedert und mit tollen Fotos versehen. Eine step-by-step-Backreise zu den süßen Hotspots dieser Welt, die das (momentane) Fernweh stillen hilft! Im Kochbuchregal wird es bei mir einen Ehrenplatz einnehmen und zur sprichwörtlichen "Crème de la Crème gehören! Ich vergebe 5 Sterne und eine absolute Empfehlung am Patisserie-Himmel.

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Veröffentlicht am 29.11.2021

An der Seite von Grace durch ein hungerndes Irland (1845-49)

Grace – Vom Preisträger des Booker Prize 2023 ("Prophet Song")
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"Grace" von Paul Lynch erschien (HC, gebunden) 2021 im Verlag Freies Geistesleben/Oktaven und umfasst 550 Seiten.


Irland, 1845 zur Zeit der großén Hungersnot


Grace, die Hauptprotagonistin dieses Romans, ...

"Grace" von Paul Lynch erschien (HC, gebunden) 2021 im Verlag Freies Geistesleben/Oktaven und umfasst 550 Seiten.


Irland, 1845 zur Zeit der großén Hungersnot


Grace, die Hauptprotagonistin dieses Romans, wird von Sarah, ihrer Mutter, die ihr 5. Kind erwartet, aber längst nicht mehr weiß, wie sie ihre Kinder sattbekommen soll, in Jungenkleidung als 14jähriges Mädchen weggeschickt, um selbst für ihr Essen und ihren Unterhalt zu sorgen.


Die Ernte wurde vernichtet durch sehr viel Regen und die Zeit der Hungersnot, die viele Iren z.B. nach Amerika auswandern ließ und auch eine Million an Hunger starben zwischen 1845 und 1849. Dies ist der zeitliche Rahmen, in der dieser Roman spielt, der sehr lesenswert, aber auch keine leichte Kost ist:


Colly, der 2 Jahre jüngere Bruder von Grace, wollte sich ihr unbedingt anschließen und später sollte Grace immer wieder Zwiegespräche mit ihrem Bruder halten. Der Leser beginnt also mit Grace seine Reise von Blackmountain an, wo Grace im Norden Irlands aufwuchs, um Richtung Süden zu wandern. Wir begegnen vielen Menschen, die sich hungernd durch die Straßen schleppen und versuchen, woanders ein Auskommen zu finden. Zerlumpte und ausgemergelte Gestalten, die oftmals nichts Gutes im Schilde führen, um zu überleben.


So lernt man an Grace's Seite einen Mr. Soundpost und Clackton sowie andere kennen, die durch eine Verwechslung Grace für Tim halten. Ein Glück für sie, da sie nun für Mr. Soundpost vierzig Kühe zu einem Ort bringen soll und abends Milch und Mehlfladen für ihre Arbeit bekommt. In Gedanken ist ihr Bruder Colly immer dabei; er ist oftmals ihre innere Stimme und die Zwiegespräche sind wie die zweier Kinder oder Halbwüchsiger zu lesen. Der Autor verzichtet komplett auf die direkte Rede, was das Lesen jedoch zuweilen etwas mühsam macht.

Allerdings ist der Schreibstil von Paul Lynch auch poetisch, bildhaft und sehr atmosphärisch: Immer wieder werden irische Landschaften wunderschön beschrieben, so dass man sich einem gewissen Sog, mit Grace auf Wanderschaft zu sein - mitsamt ihren Gefahren, aber auch ihren Beschützern und Weggefährten - nicht entziehen kann.


Grace selbst ist ein kluges, intelligentes Mädchen, das während ihrer Wanderschaft zur Frau reift und ein John Bart, der später ihr Beschützer sein sollte, gerade zur rechten Zeit kommt: Er ist an ihrer Seite, zeigt ihr, wie man mit dem Messer richtig umgeht und auch ein alter Mr. Blister, mit dem sie sich eine Scheune teilt, erteilt ihr wertvolle Ratschläge und Tipps zum Überleben.


Grace fühlt sich wie jemand, der "aus seinem alten Leben rausgerutscht ist - und die, die sie einmal war, verloren hat" (Zitat S. 104). Als Leser ist die Begleitung von Grace auf ihrer Wanderschaft durch das verarmte, hungernde Irland eine Herausforderung; einzig ihr Überlebenswille und auch Hoffnung sowie ihre Klugheit bewahren sie davor, zugrunde zu gehen wie so viele andere Menschen um sie herum. Lynch entwirft eine gespenstisch anmutende Landkarte dieser Hungersnot mit all ihren Schrecken, die man sich (so man Hunger noch nicht erleben musste) heute schwerlich vorstellen kann. Er beschreibt die Folgen der Ernteausfälle und die schrecklichen Auswirkungen auf die Menschen in unbeschönigenden Bildern bis hin zu Andeutungen des Kannibalismus, der vom Überlebenswillen des Menschen gefördert wird.


Geister der Toten stehlen sich immer wieder in Grace's Leben, z.B. Mary Bresher, die beim Überfall auf ihre Kutsche gemeinsam mit ihrem Mann umkam. Das tägliche Sterben wird fast schon ironisch folgendermaßen beschrieben:


"Der Teufel hat hier rumgetrödelt auf den Straßen, die nach Westen führen, und hat in jeder Ortschaft seinen Hut gelüpft". (Zitat S. 379)


Gegen Ende des Romans gibt es ein sehr forderndes, verstörendes Kapitel, in der die Realität im Hungerwahn verschwimmt, es endet mit zwei schwarzen Seiten - vor dem Licht. Wieder bekommt Grace einen anderen Namen und durchschaut trotz aller Schwäche, sie ist dem Tod gerade nochmal von der Schippe gesprungen bzw. wurde von einem Father gerettet, dessen Hintergründe. Menschlichkeit taucht auch hier und da in helfender Form auf, über die man sich mit Grace sehr freut: Dr. John Allender meint es gut mit ihr und versorgt sie mit Münzen, Stiefeln und einem Cape, da über weite Strecken im Buch die Kälte ein Geselle des ständigen Hungers ist.


Ihr Weg führt Grace zurück zu ihrem Heimatort, den sie anders vorfindet, als sie es sich mit Sicherheit erträumte; sie ist inzwischen fast 19 Jahre alt und ein sanfter Mann taucht auf, der einer verstummten jungen Frau ein Haus am Fluss baut, die mit ihrer Vergangenheit ringt, bei der sich Traum und Wirklichkeit noch immer verwischen bis sie loslässt - um im Hier und Jetzt mit Mann und Kind zu leben, dem Licht entgegen.


Fazit:


Ein verstörender, aber auch sehr poetischer Roman über eine junge Frau während der großen irischen Hungersnot (1845-1849), die viele Menschenleben forderte. Lynch beschreibt diese Zeit durch die Augen von Grace mit großer Sensibilität, sprachlicher Versiertheit und Klugheit, die aus vielen Sätzen spricht. Elend, Armut und Hunger bekommen ein grausiges Bild, das vor dem Auge des Lesers entsteht; die Handlung bezieht sich (ohne direkte Rede) immer auf die Perspektive der Hauptprotagonistin Grace. Einerseits gefiel mir der Roman gut, andererseits war er mir persönlich zuweilen zu langatmig und ausschweifend. Meine Bewertung liegt daher bei 3,5 Sternen.

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Veröffentlicht am 21.11.2021

Lieblingsgerichte - überbacken mit "flüssigem Gold"

Say Cheese!
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"Say Cheese" - Heißhunger-Gericht mit Käse - erschien (HC, geb.) 2021 im LV.Buch (Landwirtschaftlicher Verlag GmbH, Münster).


Bereits die Bucheinbandseiten (außen wie innen) sind sehr appetitanregend ...

"Say Cheese" - Heißhunger-Gericht mit Käse - erschien (HC, geb.) 2021 im LV.Buch (Landwirtschaftlicher Verlag GmbH, Münster).


Bereits die Bucheinbandseiten (außen wie innen) sind sehr appetitanregend und zeigen mit Käse überbackenes Brot (ein Gedicht!, toppt jedes Schmalz- und Knobibrot z.B. aus Studentenzeiten) und bereits die Hinweise des Verlags sind ein Garant für bestens gelingende Überraschungen und Rezepte mit Käse - wobei das bekannte Käsefondue nicht fehlt; jedoch auch viele wirklich ausgefallenere Rezepte zu finden sind.


Insgesamt folgen nach interessanter Einleitung 65 Rezepte (größtenteils mit Fotos), die es allesamt in sich - bzw. auf sich haben: Die Geschichte des geschmolzenen Käses wird ergänzt durch Profi-Tipps und Tricks zum Käseschmelzen und den Käsesorten wie Mozzarella, Cheddar, Greyerzer etc.), die am besten zum Schmelzen geeignet sind und den Gerichten einen unverwechselbaren, oft pikanten Geschmack geben.

Gegliedert sind die zahlreichen Rezepte in Brote, Nudeln, Gemüse, zum Dippen & Löffeln (Fondues, Ofenkäse und Suppen) und einer sehr guten Beschreibung zur detaillierten Zubereitung wird der käseliebende Gaumen oftmals mit einem entsprechenden Foto angeregt....

Ein Register und Bildnachweise runden dieses tolle Kochbuch ab.


Da wir Toast- und Sandwich-Fans sind und auch Pastagerichte nicht verachten, gehören zu unseren bisherigen Favoriten z.B. der "Apfel-Cranberry-Toast mit Brie", der auch mit Preiselbeeren sehr köstlich schmeckt,

Eine wirklich himmlische Kombination ist der Nudelauflauf mit Kürbis, Salbei und Cheddar; und das ist nur einer von vielen leckeren Nudelaufläufen und Gratins bis hin zu überbackenen Gnocchis (die ich seit Kinderzeiten liebe, da sie mich an eine sehr liebe Tante erinnern, die diese selbst herstellte; die Tomatensce. natürlich auch - mein Onkel kam aus Norditalien ;)


Raffinierte Suppenideen, die wir noch auf der Liste haben, sind z.B. Blumenkohlsuppe mit Greyerzer und Brokkolisuppe mit Blauschimmelkäse; (möglichst mildem englischem wie Stilton). Auch habe ich einen Käse entdeckt, den ich bis dato noch gar nicht kannte - und der sich ebenfalls zu "flüssigem Gold machen lässt".


Fazit:


Sehr gute beschriebene Rezepte, tolle Fotos zu leicht nachzubereitenden Gratins, Aufläufen, Toasts, Fondues und Suppen, die das Herz jeden Käseliebhabers höher schlagen lassen dürften! Wir sind jedenfalls von den Ergebnissen und dem außergewöhnlichen tollen Kochbuch begeistert und empfehlen es sehr gerne weiter! 5*

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