Profilbild von SigiLovesBooks

SigiLovesBooks

Lesejury Star
offline

SigiLovesBooks ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SigiLovesBooks über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2017

Der Dichter der Familie - absolut lesens- und empfehlenswert!

Der Dichter der Familie
0

"Der Dichter der Familie" von Grégoire Delacourt erschien 2017 (HC, gebunden) im Atlantik-Verlag und hat durch seine packende, ehrliche und pointierte Sprache mein Leserherz persönlich sehr gut erreichen ...

"Der Dichter der Familie" von Grégoire Delacourt erschien 2017 (HC, gebunden) im Atlantik-Verlag und hat durch seine packende, ehrliche und pointierte Sprache mein Leserherz persönlich sehr gut erreichen und auch begeistern können....

"Èdouard schreibt mit sieben Jahren sein erstes Gedicht. Die Familie ist begeistert, lobt und applaudiert ihm: welch eine Begabung! Von nun an ist er der Dichter der Familie. Doch es sollte anders kommen. Mit neun muss er die Klasse wiederholen, mit zehn stecken ihn die Eltern ins Internat in Amiens. Er studiert, wird statt Dichter Werbetexter, heiratet Monique, bekommt eine Tochter, dann eine zweite... Die Jahre ziehen ins Land, die Familie zerbricht, das Leben geht weiter. Èdouard gelingt es nicht, den einen Moment der allgemeinen Liebe und Bewunderung wieder entstehen zu lassen. Und trotz großer Erfolge als Werber fühlt er sich als Versager. Doch wie hatte sein Vater gesagt: "Schreiben heilt!" (Quelle Buchinhalt: Stories Magazin)

Meine Meinung:

Die ersten Strecken dieses Débutromans von Delacourt lesen sich wie ein Rückblick eines 18Jährigen auf sein Leben ab 9 Jahren auf das Familienleben einer nordfranzösischen Familie, der sich selbst auf dem Weg ins Erwachsenenalter stets in Beziehung zu den Erwartungen der Eltern setzt. Obwohl Èdouard nach dem Internat und dem Studium in der Buchhaltung landet, denkt er immer wieder an die Worte des Vaters und die Geschichte eines Amoklaufs im früheren Internat inspiriert ihn dazu, zu schreiben, er will - er muss Schriftsteller werden!
Die 'falsche', aber sehr dominante Frau, die er heiratet, Monique, wird ebenfalls eine Weile brauchen, um zu erkennen, dass es nicht um 'unsere' Bücher, sondern um ein Buch von Èdouard geht und immer wieder um Wörter, deren Bedeutung, deren Kraft und zuweilen auch deren Zerstörungswut...
Um Wörter, die ungesagt bleiben, um unausgesprochene Wörter, um letzte Wörter und vor allen Dingen darum, dass "das Leben noch ein Wörtchen mitzureden hatte".

Der Protagonist, gewissermaßen ein Antiheld, dafür jedoch mit einem sehr ehrlichen Blick nach innen wie auch nach außen, erhält einen Vertrag in der Werbebranche, stellt jedoch (auch wenn sein Verdienst enorm ist und ein luxuriöses Leben sowohl ihm als auch Monique ermöglicht) folgendes für sich fest:

"Mit 29 konnte ich von meiner Feder leben. Aber ich hatte mich im Tintenfass geirrt ".

Solche Passagen kennzeichnen den Stil des Autors, wie er auch seine Emotionen sehr stark, fast mit brutaler Klarheit, absoluter Authentizität formuliert, was mir persönlich sehr gut an seinen Romanen gefällt und auch hier im Dèbut zu finden sind.

Unglücklich mit der Frau, die dafür sorgt, ein feudables großes Haus weit entfernt von Paris zu kaufen und sich einem mondänen Lebensstil hingibt, entflieht Èdouard zuweilen zu seiner Mutter, Claire seiner Schwester und dem kleinen Alexandre, "um jene Zeit zurückzuholen in der blassgelben Küche, in der jeder von uns einem schönen Leben entgegensah".
Doch leider sieht die Realität anders aus; sein Vater, der inzwischen von der Mutter geschieden ist, fällt mehr und mehr in die Demenz und wird der jetzigen Frau an seiner Seite zur Last... Auch hier ist die harte Realität in kurzen Sätzen zu lesen, die mein Leserherz sehr berühren, da diese Beschreibungen Delacourts in packenden, pointierten Sätzen sehr authentisch sind - und gesellschaftlich real. So empfindet man auch mit Èdouard, der leider allzu oft in seinem Leben nichts sagte, jedoch sehr gut weiß, dass er hätte etwas sagen sollen, eine große Sympathie, als er weinend auf dem Parkplatz des Seniorenheims steht, die seinen verstummten Vater aufnahm...

Genau dort geschieht das Wunder, eine junge Frau sitzt auf der Motorhaube eines Wagens und die beiden kommen ins Gespräch. Endlich. Endlich beginnt Èdouard, das zu tun, was er selbst tun will: Das Mädchen auf der Motorhaube wiederzusehen...

Fazit:

Ein außergewöhnlicher Roman in einer intensiven, sensiblen und dabei auch schonungslos offenen Sprache, wie sie dem Autor zu eigen ist. Eine Geschichte zum Nachdenken, die auch zum Verstehen des Hauptprotagonisten anregt, indem er 3 Jahrzehnte Èdouards beschreibt (1960er bis in die frühen 1990er Jahre), die 'mitten aus dem Leben' stammen, das immer ein Wörtchen mitredet und einen emotionalen, zeitweise melancholischen, aber immer äußerst aufrichtigen Blick in das "Karussell des Lebens" schildert. Mich erfrischen solche prägnanten Sätze, besonders dieses 'zwischen den Zeilen' zu Lesende wie ein Quellwasser. Delacourt schafft es, den Leser zuweilen schmunzeln zu lassen, auch zu erschrecken, ihn staunen und hoffen zu lassen. Hier findet sich die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle und das untrügliche Gefühl, dass wir alle dazu tendieren, uns den Erwartungen anderer zu unterwerfen - oft widerspruchslos, wenn auch ungewollt - einzig um geliebt zu werden.
Von mir eine absolute Leseempfehlung, die volle Punktzahl auf der 'Belletristik-Couch' und 5 Sterne. Ich werde auch die anderen Romane (Alle meine Wünsche) des Autors noch lesen und sage merci für sehr interessante und berührende Lesestunden!

Veröffentlicht am 25.07.2017

Monsieur Jean und die Liste der Träume

Monsieur Jean und sein Gespür für Glück
0

Dieser zauberhafte Roman "Monsieur Jean und sein Gespür für Glück" von Thomas Montasser erschien als TB im Atlantik-Verlag; Gruppe Hoffmann & Campe. Das verführerische Cover symbolisiert bereits, worum ...

Dieser zauberhafte Roman "Monsieur Jean und sein Gespür für Glück" von Thomas Montasser erschien als TB im Atlantik-Verlag; Gruppe Hoffmann & Campe. Das verführerische Cover symbolisiert bereits, worum es in dieser Geschichte geht: Um das Finden eines "Häppchens vom Glück", das sich jeder Mensch wünscht...

"Monsieur Jean", wie ihn alle nennen, hat 43 Jahre als Nachtportier oder Concierge im Nobelhotel "Tour du Lac" in Zürich/Schweiz gearbeitet, als er in den Ruhestand entlassen wird...
Er ist ein ausgesprochener Menschenfreund und -kenner, einfühlsam und er erkennt die Wünsche der Gäste, bevor diese sie geäußert haben. Er beschließt nun, seit Kurzem in Pension, sein Notizbüchlein zu Rate zu ziehen, in dem er die Wünsche aufgeschrieben hat und wie zuvor auch, anderen Menschen eine Freude zu machen und ihrem Glück einen kleinen "Anschub" zu geben...

So freut sich z.B. die Concierge des Hauses, in dem er wohnt, "Madame Fuchs", über auf ihrer Fensterbank abgelegten Moosröschen; Sophie, die fleißige und strebsame Mitarbeiterin im Service des Hotels, die jedoch oft unter schmerzenden Füßen leidet; Anastasia Beljanina, die das kleine Bistrot übernimmt, in dem vormals Jaques, ein guter Freund von Monsieur Jean, seine Gäste bediente - und weitere Figuren, denen wir im Roman begegnen. Eine Person wird sogar neu in das Notizbuch aufgenommen, da es Monsieur Jean sehr an ihn selbst in jungen Jahren erinnert, als er von Frankreich in die Schweiz einreiste... einen jungen Taschendieb, dessen Schicksal sich ebenfalls wenden sollte, nachdem Jean Picard ihm eine Lektion fürs Leben erteilte...

Besonders charmant sind die Zettel, die der nette alte Herr verteilt und so dafür sorgt, dass zwei alte Ballerinas, die beide im Hotel wohnen und seit Jahrzehnten kein Wort miteinander sprachen, wieder "zu reden haben" ;) Madame Dupont und Marlene Weiß...

Mit sprachlich unerhörter und dennoch sehr sensibler Kraft und Ausdrucksstärke beschreibt Thomas Montasser auch die Gegensätze des Lebens bei Nacht, in der Monsieur Jean ja lebte und arbeitete - und seinen Wechsel zum Tag, der wesentlich lauter, hektischer und aufdringlicher ist; der aber auch ungewohnte Klänge in sich birgt, die ihm neu sind: Kinderlachen beispielsweise... Er liebt auch die Musik und die Oper, die er in seiner Kindheit kennenlernte und legt sich beim Zeitunglesen gerne Puccini oder Rossini auf, da die Oper für ihn der Inbegriff des Ausdrucks menschlicher Gefühle ist...

Der Roman liest sich auch wie ein Spaziergang durch Zürich, in dem man immer wieder auf Bekannte trifft, "in dem eigentlich aber nur der eine Chance hat, der es bereits geschafft hat" und man lernt natürlich die Orte kennen, die Monsieur Jean so sehr liebt, z.B. den Blumenmarkt. Unser (oft sich selbst unsichtbar machender) Held hat eine Gabe, anderen Menschen Mut und Selbstvertrauen zu geben, sie dahingehend zu motivieren, an ihren Zielen festzuhalten, dass es eine Freude ist. Man kann nicht anders, als vor ihm den Hut zu ziehen und ihn sehr zu mögen.

Zentrale Themen dieses wirklich bezaubernden Romans sind Freundschaft, Liebe, Hilfsbereitschaft, Loyalität, aber auch Poesie und Menschlichkeit, die Jean Picard oder Giacomo Picolli anderen Menschen zuteil werden lässt und versucht, durch ein kleines "Anschubsen" deren Glück möglicher zu machen. Wen wundert es, dass derart Beschenkte diesem alten Herrn ebenfalls sehr gerne "aus der Patsche" helfen? Am Ende fügt sich das meiste in einem großen Fest in Anas Café - sehr zur Freude der Anwesenden und natürlich des Gönners, Monsieur Jean.

Der Schreibstil des Autors ist wie die Geschichte selbst, beschwingt und heiter, dennoch auch mit melancholischen Untertönen besetzt, die jedoch das farblich-sprühende Gesamtbild wie einen Blumenstrauß, den man betrachtet, nicht zu verdunkeln vermag. Den Stil zeichnet auch für mich sehr positiv aus, dass Thomas Montasser es vermag, knappe Schilderungen bedeutsamer Taten eine starke Emotionalität zu geben, die diesen Taten innewohnt.

Fazit:

Eine zauberhafte Geschichte über einen sehr netten älteren Herrn, der es sich zur Aufgabe macht, andere Menschen zu ihrem Glück zu verhelfen und mit der ich schöne Lesestunden genoss: Man kann sich nur wünschen, dass es viele "Monsieur Jeans" geben sollte, womöglich würde die Zahl glücklicher Menschen rapide ansteigen! Mit einem augenzwinkernden Dankeschön vergebe ich die volle Punktezahl und 5*.

Veröffentlicht am 21.07.2017

Das Rätsel von Annandale Grange

Ein unmöglicher Mord
0

Der 3. Fall des Literaturprofessors John Stableford und seines Freundes Percy Holmes ist dieses Mal in Upper Biggins, einem alten Herrenhaus namens "Annandale Grange" verortet und erschien mit dem Titel ...

Der 3. Fall des Literaturprofessors John Stableford und seines Freundes Percy Holmes ist dieses Mal in Upper Biggins, einem alten Herrenhaus namens "Annandale Grange" verortet und erschien mit dem Titel "Ein unmöglicher Mord" von Rob Reef, dem Autor der Serie im Sinne eines whodunit im Dryas-Verlag, Frankfurt (2017). Das mysteriös-dunkel wirkende Cover lädt den Fan englischer Kriminalliteratur geradezu ein, mitzurätseln und zu grübeln..Das Besondere an diesem 3. Fall der (historischen) Golf-Krimis ist die Tatsache, dass das Taschenbuch "ringsum begrünt" ist - was mir persönlich sehr gefallen hat. Ohne die beiden Vorgänger zu kennen, kommt man als Leser durch den tollen Schreibstil von Rob Reef, der atmosphärisch dicht zu lesen ist und durch brillante Gedankengänge John Stablefords als Ermittler glänzt, schnell in die Geschichte hinein.

"England 1938: Der Literaturprofessor und Gelegenheitsdetektiv John Stableford freut sich auf ein paar unbeschwerte Tage in der Bibliothek seines Schwiegervaters, dem Vikar von Upper Biggins. Doch als seine Nichte im Garten des Pfarrhauses einen mit einem Hakenkreuz markierten Golfball findet, ist es mit der Idylle schlagartig vorbei. Der skandalöse Fund führt John in das benachbarte Herrenhaus, wo ihn sein Freund Dr. Holmes erwartet. Noch am selben Abend bricht der Hausherr Sir Edmund Rogie zusammen. Doch damit nicht genug. Am folgenden Tag geschieht ein Mord, der so unmöglich zu sein scheint, dass Stableford an seinem Verstand zu zweifeln beginnt."(Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:

Mit dem besagten Golfball beginnt "das Rätsel von Annandale Grange", das Herrenhaus, in dem ein etwas inoffizielles Rückspiel des im August 1936 in Baden-Baden ausgetragenes Turnier stattfinden soll, das den begehrten Teller, die Trophäe, ins Deutsche Reich bringen soll (wir schreiben das Jahr 1938). Als "Beobachter" lädt Holmes seinen Freund John Stableford ein, der sich als Caddie im Turnier verdingt. Bevor dieses stattfinden kann, gibt es ein Bankett ganz nach dem Gusto der langjährigen Geliebten von Sir Edmund - Cocktails und Canapés - was letzterem nicht zu munden scheint, da er bewusstlos zusammenbricht...Nita Nye lebt mit ihrem Sohn Nero, einem zynischen Dandy gemeinsam in Sir Edmunds Anwesen und ist zutiefst erschüttert über den gesundheitlichen Zustand dessen...
Doch es sollte noch schlimmer kommen: Am Folgetag geschieht in unmittelbarer Nähe der Spieler ein Mord, der nahezu unmöglich ist und die detektivischen Fähigkeiten von Holmes und besonders von John Stableford aufs Äußerste fordern.

Die Ermittlungsarbeit (natürlich inoffiziell, da das Rückspiel ebenfalls nicht offiziell stattfand) der beiden beginnt und so werden alle zur Tatzeit Anwesenden vernommen. Die Vernehmungen gestalten sich schwierig und führen zunächst zu keinerlei Aufschlüssen, allerdings beleuchten sie sehr amüsant die Beziehungsgeflechte der Bewohner. Nach dem "Ausschlussverfahren" bleiben einige wenige Verdächtige übrig, doch wer war es? Der Leser rätselt bis zum Schluss mit, was mir persönlich sehr viel Spaß machte, da der Spannungsbogen bis zum Ende anhielt und sich in den letzten Kapiteln noch um einiges steigerte. Auch fließen Artefakte aus der Zeit des 1. Weltkrieges und die Bedeutung des Herrenhauses, das bis ins elisabethanische Zeitalter reicht, mit in die Handlung ein, was mir persönlich überaus gut gefiel, da es historische Bezüge aufweist.

Der Stil von Rob Reef ist sehr flüssig und sprachlich in die Zeit versetzt zu lesen, was den Fan von Kriminalromanen, die auf klassische Manier den alten Christie und Carr-Detektivromanen huldigen, sehr erfreut, da er dieses Genre sehr gut zu bedienen weiß und hier an die Klassiker gut ansetzt. Auch die Orte der Handlung sind atmosphärisch beschrieben, so dass man das Gefühl hat, man weile auf Annandale Grange und sehe Stableford über die Schulter. Die Figuren sind sehr facettenreich beschrieben, der Plot stimmig und sehr schlüssig.

Besonders freut man sich als neuer Fan dieser Stableford-Reihe, dass ein 4. Fall auf den Scilly-Inseln bereits in Planung ist ;)
Das Golf-Glossar schenkt auch Lesern ohne Kenntnisse dieses Sports einen guten Einblick und befindet sich am Ende des Krimis.

Fazit:

Eine gelungene Hommage an das Krimigenre der 1930er Jahre mit hohem Aufforderungscharakter an den geneigten Krimileser zum Miträtseln und -raten: Sehr vergnüglich, interessant und überzeugend, daher von mir 5* und 95° auf der "Krimi-Couch" sowie der Vorfreude, die Vorgänger sowie den Nachfolger, der 2018 geplant ist, noch zu lesen!

Veröffentlicht am 21.07.2017

Ein Garten/Pflanzen/Gestaltungsratgeber der Superlative!

Mein Blumengarten
0

"Mein Blumengarten - wie er mir gefällt von Mascha Schacht ist im Ulmer-Verlag (2017) erschienen und optisch sowie inhaltlich eine "Augenweide". Übersichtlich, gut strukturiert, mit enormem und sehr qualifiziertem ...

"Mein Blumengarten - wie er mir gefällt von Mascha Schacht ist im Ulmer-Verlag (2017) erschienen und optisch sowie inhaltlich eine "Augenweide". Übersichtlich, gut strukturiert, mit enormem und sehr qualifiziertem Fachwissen und Sorgfalt der Autorin überzeugt er durch eine Fülle von wundervollen Anregungen und auch Erklärungen, die keine Wünsche werdender oder bereits bestehender Gartenliebhaber offen lassen!

Bereits das Aufschlagen dieses aufwändig und mit vielen Pflanzenfotos versehenen Ratgebers ist ein Hochgenuss (zu sehen ist eine Komposition des Zierlauchs mit Lupinen, traumhaft)!
Es folgen eine hervorragende Gliederung es Buches mit Haupt- und Untertiteln: Von "alles wissen" zu "schnell finden", in dem der Blumengarten von A-Z gelistet ist (beides mit wundervoller Gestaltung und Gärtnerutensilien); über die Vielfalt der Eigengestaltungsmöglichkeiten der Gartenwünsche (unter Berücksichtigung von Licht und Schatten sowie der Beschaffenheit des Bodens für die jeweilige Pflanzenauswahl); über Hochbeete und deren Besonderheiten und kühlen Schattenpflanzen - für jeden ist etwas dabei! Auch Balkon- und Terrassengarten fehlen nicht, da nicht jeder einen Garten besitzt. Weiter wird man verzaubert durch wohlriechende Pflanzen, die die Sinne verführen oder Kräuter, die selbst auf engstem Raum ihren Platz finden können.

Mascha Schacht behandelt mit viel Fachwissen und der Freude beim Gärtnern, die beim Lesen überspringt, die Standortansprüche, Bedürfnisse nach Licht und Schatten einzelner Pflanzen. Auch "das Gold des Gärtners" - der Humusgehalt des Bodens, spielt eine wichtige Rolle, wenn die ausgewählten Pflanzen in voller Blüte erstrahlen sollen.
Sie plädiert bei der Auswahl der Pflanzen zur vorhandenen Fläche zum einen zur Setzung von Prioritäten und zum zweiten zur Einbeziehung des Zeitmanagements, das für die Gartenarbeit verfügbar ist. Bei vielen Kapiteln freuten mich die Querverweise, hier etwa zur "to do Liste" der Arbeit im Garten. In den beiden "Herzkammern" des fachlich versierten Ratgebers findet man die Gartenplanung und die Gartengestaltung: Hier wartet die Autorin mit der Vorstellung der grünen Hauptprotagonisten auf, die jedes Gärtnerherz höher schlagen lassen: Die Hauptdarsteller sollten mit der Persönlichkeit des Gartenbesitzers korrespondieren, ebenso wie die farbliche Gestaltung der Pflanzen(gruppen).
Besonders gelungen fand ich das Kapitel über die Stauden: Als Tochter eines Staudengärtnermeisters liegen sie mir von Kind an besonders am Herzen: Oft langlebig, robust und blühfreudig sind viele Stauden prägende Elemente eines Gartens, die wiederum mit andersartigen Pflanzen harmonieren. Auf die Farb- und Harmonielehre geht Mascha Schacht ebenfalls ein, da das harmonische Miteinander das Wichtigste des späteren Garten- und Pflanzenbildes sind.

"Stauden sind das Herz eines Gartens" (Zitat S. 75)

Aber auch Kisten- und Kübelblüher werden nicht ausgelassen, ebenso die Steingärten und deren pflanzliche Bewohner wie auch für Rosenfreunde die Typologie der Rosenarten. Sehr gut gefällt mir auch die Vorstellung der "Kletterer", die Spaliere oder gar Häuserwände beranken und teils herrlich blühen! Bei den "Spezialisten" werden auch Exoten wie der Strelitzie genannt, die gar nicht so schwer zu pflegen ist, wie es den Anschein hat. Auch die "Duftblüher" finden hier Anerkennung, etwa Duftstauden und wahre Duftwunder wie der Waldphlox oder die Vanilleblume. Die Tipps der Autorin zur Teichbepflanzung (und deren Rand) fand ich sehr einleuchtend - hier ist weniger oft mehr!

Ein Kapitel zum Pflanzenschutz und ein sehr informatives Serviceteil mit wertvollen Adressen (z.B. der Gesellschaft der Staudenfreunde, die ich sehr empfehlen kann) runden diesen prächtigen und konzeptionell überzeugenden Gartenratgeber positiv ab. Zum Serviceteil gehören auch Bezugsquellen, wo man einzelne Pflanzengruppen oder Gehölze erwerben kann, die von gärtnerischer Hand zu Gartenpaketen auf Wunsch geschnürt werden können! Bildquellen-Nachweise und Impressum beenden das Buch, das sicher mehrmals im Jahr für Gartenfreunde in die Hand zu nehmen empohlen werden kann!

Fazit:


Qualifiziertes und profundes gärtnerisches Wissen, übersichtlich, umfassend, gut veranschaulicht und erklärt lassen diesen fachlich versierten Garten-Ratgeber zu einem der besten Wege ins (geplante oder aber bereits vorhandenen) Garten-Glück werden!
Eine absolute Empfehlung mit 5 * und einem Dank an Verlag sowie an die Autorin!

Veröffentlicht am 21.07.2017

Fundiert, informativ, humorvoll: Eine gelungene "Kampagne gegen Sitzenbleiber"

Sitzen ist fürn Arsch
0

Das Sachbuch "Sitzen ist fürn Arsch" erschien im Heyne-Verlag (tb, 2017) und wurde von der jungen Wissenschaftlerin Dr. Vivien Suchert geschrieben. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Sachbuch und sehr ...

Das Sachbuch "Sitzen ist fürn Arsch" erschien im Heyne-Verlag (tb, 2017) und wurde von der jungen Wissenschaftlerin Dr. Vivien Suchert geschrieben. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Sachbuch und sehr guten Ratgeber in Sachen "aufstehen statt sitzenbleiben" und kann es jedem empfehlen, der seiner eigenen Gesundheit im wahrsten Sinne des Wortes "auf die Sprünge helfen" will!

Inhalt:

"Wer länger sitzt, ist früher tot!
Evolutionär ist der Mensch zum Laufen gemacht. Doch was tun wir? Ob Auto, Bürostuhl oder Sofa - wir wechseln von einer Sitzgelegenheit zur nächsten. Die Folgen: Rückenbeschwerden, Übergewicht, Diabetes bis hin zu Depressionen, Herzkrankheiten und sogar Krebs. Dabei können wir viel für unsere Gesundheit tun, wir müssten nur öfter den Hintern hochbekommen. Vivien Suchert verrät einfache Tricks für mehr Bewegung im Haushalt, im Job und in der Freizeit und erklärt unterhaltsam, wie wir das Laufen verlernt haben, wo Sitzfallen lauern und warum Sport nur die halbe Miete ist."(Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:

Das Sachbuch vermittelt bereits in der Inhaltsangabe eine sehr gute und informative Übersicht der einzelnen Kapitel, deren Themen sich Vivien Suchert mit profundem Wissen und der Fähigkeit, dieses auf unterhaltsame und zuweilen humorvolle Weise (auf jeden Fall mit einem Augenzwinkern statt einer Oberlehrer-Manie ;) dem Leser näherzubringen:

Die Evolution der Menschheit, hier vertreten durch Ottfried, der in grauer Steinzeit noch Jäger und Sammler war und zwecks Überlebensstrategien selten die Möglichkeit hatte, sich hinzusetzen, macht dem Leser klar, dass unser Körper auch heute noch eher für viel Bewegung konzipiert ist als auf einem Sofa den mit industrieller und schnell zubereiteter Nahrung den sog. "Couch-Potatoe" abzugeben.

Dass letzteres auf Dauer höchst ungesund ist, wird anhand der genannten Erkrankungen, die mit einem überwiegend sitzenden Lebensstil in Zusammenhang stehen, von Vivien Suchert detailliert beschrieben. Leider haben die Menschen verlernt, ein "gesundes Mittelmaß beim Sitzen" zu entwickeln - und auch der industrielle (wie auch besonders der technische) Fortschritt spielen eine bedeutende Rolle bei dieser Entwicklung:

So haben Berufe mit überwiegend sitzender Tätigkeit gravierend zugenommen und Firmen sind heute mehr und mehr aufgefordert, ebenfalls für die Gesundheit ihrer Beschäftigten Sorge zu tragen und etwa Fitness-Räume anzubieten. Das Sachbuch ist aber auch ein Appell an jeden, sich bewusst zu machen, wieviel Zeit er jeden Tag sitzend verbringt und daran möglichst etwas (und auch mit Spaß) zu verändern:

Die zentrale Botschaft lautet: Jeder Schritt zählt, egal, ob Hausarbeit, Stadtbummel, Bergwanderung oder Parkbesuch! Wir sollten lernen, automatisiertes Bewegungsverhalten (bequemlichkeitsorientiert) ausbremsen zu können, aus "Sitzfallen" auszusteigen. Die Autorin bietet hier konkrete Pläne an, die im Alltag umgesetzt werden können:
Ziele setzen, verhaltensökonomische Prinzipien anwenden, soziale Unterstützung nutzen, Self-Monitoring betreiben und möglichst konkrete Ziele planen!

Hilfreich ist hier die SMART-Regel, die ebenfalls im Buch beschrieben und erklärt wird. Zwischendurch lockern die teils wissenschaftlichen Betrachtungen und Tabellen herrliche Cartoons auf, in denen sich so mancher wiedererkennen kann. Dr. Vivien Suchert plädiert nicht ohne Grund für ein UMDENKEN, das Alltagsaktivitäten aufwertet (z.B. autofasten; Sitzprotokolle, die sich ebenfalls im Buch befinden und an eine Veränderung denken lassen, zum Fahrrad greifen, um einzukaufen oder sich per pedes um Erledigungen in der Nähe aufmachen), wobei Sport nur als die halbe Miete gilt - und dafür Kontinuität in den Alltagsbewegungen mehr für den Körper bringt. Auch der Hang zu falscher Ernährungsweise wird im Buch nicht ausgespart, die zusammen mit mangelnder Bewegung häufig zu Übergewicht und Diabetes führt. Eine Danksagung und eine sehr lange Literaturliste beenden dieses Sachbuch, das gut "in gesunden Häppchen" zu lesen ist und zu dem immer mal wieder gegriffen werden kann.

Fazit:

Ein sehr fundiert und informativ geschriebener Ratgeber für Menschen, die sich bewusst machen wollen, wie sehr langes Sitzen ihrer Gesundheit schadet, die etwas daran ändern möchten und eine Motivation hierzu brauchen: All dies gelingt der Autorin mit einem Augenzwinkern ganz hervorragend und ich kann dieses Sachbuch nur jedem empfehlen, der aus seinen Sitzfallen aussteigen möchte! Kernaussage ist hier "Es sind die kleinen Dinge, die in der Summe Verbesserungen bringen"!
Mit einer absoluten Leseempfehlung und einem Dank an die Autorin für die tolle Leserunde vergebe ich 5 * am Sachbuch-Firmament.