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Veröffentlicht am 30.10.2017

Tolles Debüt

Angstmörder
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Nicholas Meller, Rechtsanwalt und eher ein kleines Licht unter den Strafverteidigern, ist auf der Suche nach einer Referendarin. Als sich die junge Nina bei ihm bewirbt, ist er im ersten Moment perplex, ...

Nicholas Meller, Rechtsanwalt und eher ein kleines Licht unter den Strafverteidigern, ist auf der Suche nach einer Referendarin. Als sich die junge Nina bei ihm bewirbt, ist er im ersten Moment perplex, denn obwohl sie wie auf dem Foto aussieht, hat sie Meller etwas verschwiegen, ihren von Geburt an zurückgebildeten rechten Arm. Doch trotz diesem Handicap überzeugt ihn die junge Frau und fängt bei ihm an. Kurze Zeit später erhält er einen Anruf der Polizei, einer seiner ehemaligen Klienten steckt in Schwierigkeiten, er wird verdächtigt, seine Frau brutal ermordet und im Wald verscharrt zu haben. Nicholas und Nina beginnen ihren ersten gemeinsamen Fall und schnell stellen die Beiden fest, dass bei diesem Fall einiges im Argen liegt.
Meine Meinung:
Allein das Cover dieses Thrillers sieht spannend aus und passt auch perfekt zu seinem Inhalt. Auch sonst konnte mich das Debüt des Autors Lorenz Stassen überzeugen. Mit einem sehr guten, flüssigen Schreibstil und einem gewissen Gefühl, seinen Charakteren die passende Sprache und das richtige Auftreten zu geben, wird dieser Thriller schnell zu einem Pageturner.
Der Einstieg fiel sehr leicht, da es gleich spannend beginnt und auch sonst wirkt der Plot gut durchdacht und glaubwürdig. Alles in allem bleibt die Spannung durchweg erhalten, Längen und/oder Logikfehler gibt es hier keine. Gegen Ende gibt es dann ein gelungenes Showdown, dass den Leser mitfiebern lässt.
Der Fall an für sich ist ebenfalls sehr gelungen und auch wenn man immer wieder mal die Perspektive des Täters gezeigt bekommt, gibt es Wendungen und Unvorhergesehenes. Mir hätte es hier sehr gut gefallen, wenn man noch ein wenig mehr Eiblicke in die Gedankenwelt des Täters erhalten hätte, um mehr über seine Beweggründe zu erfahren. Aber das ist durchaus schon jammern auf sehr hohem Niveau. Richtig spannend war für mich das Setting, da dieser Thriller sozusagen bei mir um die Ecke spielt und ich dementsprechend auch immer das passende Bild der Umgebung vor Augen hatte.
Aus der Ich-Perspektive lässt Stassen den Anwalt Nicholas Meller einen großen Teil seiner Geschichte erzählen. Lediglich bei Perspektivenwechsel kommt der dritte Personerzähler zum Einsatz. Zum einen lernt hier der Leser dadurch Meller recht gut kennen, zum anderen bekommt man durch die Perspektivwechsel auch das ein oder andere Detail mit, also eine gute Draufsicht, aber auch Einsicht ins Geschehen.
Der Protagonist Meller war mir gleich vom ersten Moment an recht sympathisch. Er ist ein sympathischer, authentischer Charakter, der weder verstellt noch aufgesetzt wirkt. Denkt man zu Beginn noch oft, dass er ein typischer Loser am Rande der Rechtsverdreherwelt ist, merkt man schnell, dass hinter der Fassade noch einiges mehr steckt. Interessant sind auch seine Kontakte in die russische Ecke, das war sehr clever eingearbeitet und lässt Meller noch natürlicher wirken.
Nina hat mir ebenfalls gut gefallen, allein ihr selbstsicheres Auftreten fand ich gelungen. Sie zeigt Nicholas schnell, dass sie nicht nur durchsetzungsfähig ist, sondern auch über ein hübsches, aber auch helles Köpfchen verfügt. Gemeinsam sind sie ein interessantes Duo, dass für viel Leben sorgt und dem man gerne bei den Ermittlungen zusieht.
Neben Nicholas und Nina gibt es noch eine handvoll weiterer Personen, die hier mit auf das Geschehen einwirken. Alles zusammen gibt ein großes und interessantes Gesamtbild.
Mein Fazit:
Ein rundum gelungenes Debüt, das kurzweilig und unterhaltsam ist und mit viel Spannung wird hier eine Geschichte erzählt, die durchweg logisch ist. Interessante Charaktere, die zum Mitfiebern einladen und eine flüssiger und geradliniger Sprachstil sorgen dafür, dass das Buch ein Pageturner wird. Ich hoffe, dass wir noch so einiges von diesem Autor lesen dürfen, denn er verspricht durchweg gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 29.10.2017

Endlich wieder Harry Hole

Durst
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Achtung: es handelt sich hier um den elften Band einer Reihe und es gibt Spoiler zum Privatleben der Charaktere.

In Oslo geht ein neuer Serienmörder zu Werk, seine Opfer, junge Singlefrauen, findet ...


Achtung: es handelt sich hier um den elften Band einer Reihe und es gibt Spoiler zum Privatleben der Charaktere.

In Oslo geht ein neuer Serienmörder zu Werk, seine Opfer, junge Singlefrauen, findet er über die Dating App Tinder. Katrine Bratt, neue Leiterin der Mordkommission, und ihr Team stehen vor einem Rätsel, denn der Mörder beißt seine Opfer und lässt diese ausbluten, ansonsten hinterlässt er keine Spuren. Harry Hole, ehemaliger Kommisar der Mordkommission, lebt mit seiner Frau Rakel in einem Häuschen und unterrichtet mittlerweile an der Polizeischule. Mit seinem alten Beruf möchte er eigentlich nichts mehr zu tun haben. Doch dann rufen ihn seine ehemaligen Kollegen zur Hilfe.
Meine Meinung:
Endlich gibt es wieder Neuigkeiten von meinem liebsten Ermittler Harry Hole, sehnsüchtig habe ich hier auf einen neuen Band gewartet und wurde endlich erlöst. Mit Durst ist es Jo Nesbo wieder einmal gelungen, einen absolut gelungenen Thriller zu schreiben. Der Schreibstil des Autors ist einfach nur sehr mitreißend und flüssig und er schafft es immer wieder, mich an seine Geschichten zu fesseln, sei es vor Entsetzen oder vor Spannung, dass man sich von seinen Fingernägeln verabschieden kann. Nesbo schreibt modern, schnörkellos und schonungslos, der Leser bekommt die Verbrechen recht detailliert geschildert, so dass die Bilder im Kopf durchaus lebendig werden.
Spannend ist es gleich vom ersten Moment an, dachte man zunächst noch, dass man nach recht langer Wartezeit zwischen den Bänden, nicht gleich den richtigen Einstieg findet, wird man schnell eines besseren belehrt, denn schon im ersten Kapitel hatte Nesbo mich an der Angel. Auch sonst bleiben die über 600 Seiten interessant, spannend, abwechslungsreich und glaubwürdig umgesetzt. Nesbo steigert die Spannung immer wieder, wechselt zwischen Ermittlungsarbeit, ab und an privaten Ereignissen und dem Verbrechen an sich ab und lässt dadurch den gesamten Thriller lebendig werden. Es bringt Wendungen, unvermutete Ereignisse und wenn man als Leser meint, hinter das ganze zu blicken und zu verstehen, was geschieht, wird man schnell merken, dass Nesbo einen doch nur in die Irre geführt hat. Sehr genial, wie auch schon in seinen vorherigen Thrillern hat der Autor dies alles geschickt zusammengeknüpft und umgesetzt.
Auch dieses Mal lässt Nesbo seinen Erzähler in der dritten Person agieren. Dabei wechselt er aber stets die Perspektiven, so dass man zum einen die Ermittler und deren Arbeit und Privatleben verfolgt, aber auch hinter die Fassade des Täters blicken kann. Man bekommt einen guten Überblick und doch weiß man nicht so richtig, was da wirklich hintersteckt.
Es dauert hier tatsächlich recht lange, bis Harry Hole seinen Auftritt erhält und ich muss gestehen, ich war ein wenig verblüfft, über die Entwicklung, die mein Lieblingskommissar hier gemacht hat. Trotzdem konnte mich Harry Hole wieder einmal überzeugen, auch wenn es scheint, als hätte er es geschafft, seinem Leben eine Wendung zu geben, die ihm mehr als nur gut tat. Alles in allem muss man dies selbst lesen, denn ich würde wohl zu viel darüber verraten. Eines dazu noch: er ist durchaus der Kommissar mit dem Blick für die Details, er ist Harry Hole und wiederum auch nicht.
Neben Harry gibt es zahlreiche Charaktere, die man aus den alten Bänden kennt. Jeder ist hier authentisch und glaubwürdig, sie sind facettenreich, unsympathisch, man liebt und man hasst sie und es ist, als würde man eine Menge alter Bekannter wiedertreffen. Auch ein paar neue Gesichter sind dazu gekommen, wobei mir hier der junge Kommissar Anders durchaus gut gefallen hat und über den ich hoffe, dass wir noch mehr hören werden.
Mein Fazit:
Auch mit Durst konnte mich Jo Nesbo regelrecht an die Seite tackern und ich habe dieses Buch in einer Nachtschicht verschlungen. Es ist spannend, es ist erschreckend, es ist voller Wendungen und unterhält dabei, denn wer Harry Hole kennt, weiß, wie besonders dieser Ermittler ist. Auch wenn Harry anders wirkt, so ist er doch auf seine Art der alte geblieben. Ich bin absolut gespannt, wie es weitergehen wird, denn Nesbo beendet auch diesen Thriller mit einem seiner berühmten halboffenen Enden. Ein Buch, das ein Muss für Harry Hole Fans ist und mir spannende Lesestunden gebracht hat.

Veröffentlicht am 29.10.2017

Pageturner mit besonderem SOG

SOG
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In Reykjavik wird eine Zeitkapsel gehoben, in der vor 10 Jahren Schüler auf Zettel schreiben mussten, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen würden. Doch ein Zettel lässt den Findern eine Gänsehaut ...

In Reykjavik wird eine Zeitkapsel gehoben, in der vor 10 Jahren Schüler auf Zettel schreiben mussten, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen würden. Doch ein Zettel lässt den Findern eine Gänsehaut entstehen, denn dieser enthält Initialen von Menschen, die der Schreiber im Jahre 2016 töten möchte. Dann tauchen in einem Hot Tub zwei abgetrennte Hände auf, dicht gefolgt von zwei Mordopfern, die schnell hintereinander getötet wurden. Schnell wird den Ermittlern klar, dass der Zettel ernst zu nehmen ist. Die Spuren führen zu einem Fall, der zwölf Jahre zurückliegt. Damals wurde die achtjährige Vaka missbraucht und anschließend getötet, ihr Mörder: ein Familienvater, dessen Tochter mit Vaka in eine Klasse ging. Und der Schreiber des Zettels aus der Zeitkapsel ist niemand geringeres, als deren älterer Bruder. Hängen die neuen Verbrechen wirklich mit der Vergangenheit zusammen?
Meine Meinung:
Mit Sog erscheint nach DNA der zweite Fall für den etwas eigenwilligen Ermittler Huldar und der Kinderpsychologin Freya und auch diese Geschichte ist wieder sehr spannend. Die Fälle an für sich sind innerhalb des Buches abgeschlossen, auf Grund der privaten Entwicklungen der Ermittler wäre es ein Vorteil, den Vorgänger zu kennen, ist aber nicht zwingend erforderlich und man dürfte auch ohne Vorkenntnisse gut mit dem Inhalt zurecht kommen.
Yrsa Sigurdardottir verfügt einfach über einen sehr schnell einnehmenden Schreibstil und sie fesselt den Leser vom ersten Moment an an die Geschichte. Sprachlich bleibt sie gut verständlich und schnörkellos und eins versteht sie, wie kaum ein anderer Thrillerautor: sie schafft es immer wieder, ihre Kapitel mit einem Cliffhanger zu beenden. Dieser ist dann nicht nur einfach spannend, sondern meist noch ein richtiger Schocker, der es dem Leser unmöglich macht, das Buch zur Seite zu legen.
Gerade dieser Fall, wie alle Fälle, in denen es in irgendeiner Weise um Kindesmissbrauch geht, ist ganz schön hartet Tobak und auch was die Tatbeschreibung oder die Opfer angeht ist die Autorin nur wenig zimperlich. Also nicht unbedingt ein Thriller für zartbesaitete Leser, aber das allein dürfte schon durch den Klappentext sich herauskristallisieren.
Spannend ist es schon im Prolog, bei dem man einen kleinen Einblick auf den Ursprung des aktuellen Falls in der Gegenwart bekommt. Innerhalb der Kapitel gibt es immer wieder Momente, in denen die Autorin den Leser zunächst zur Ruhe und Beobachtung kommen lässt, nur um kurz darauf wieder an der Spannungsschraube zu drehen. Immer wieder lenkt sie den Verdacht in andere Richtungen, bringt mit Kleinigkeiten Wendungen in die Handlung, die man nicht erahnen kann und wer glaubt, dass er weiß, wohin die Autorin den Leser führt, dürfte sich dann doch wieder auf dem Holzweg befinden. Mich konnte Yrsa Sigurdardottir hier immer wieder auf flasche Fährten locken und das hält dann wiederum die Spannung insgesamt hoch. Am Ende gibt es dann auch wieder ein Showdown für den Leser, der das Adrenalin ansteigen lässt.
Durch den personellen Erzähler in der dritten Person verfolgt man hier die Handlungen. Man erhält zum einen eine gute Draufsicht auf Ermittlungen und Charaktere, zum anderen hat man dadurch auch genügend Gelegenheiten, seine eigenen Vermutungen zu stellen.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sind facettenreich und glaubwürdig. Hier gibt es keine Ermittler, die etwas ganz besonderes sind, sondern Personen mit Ecken und Kanten. Gerade Huldar ist mir nicht immer sympathisch, aber genau so scheint er auch gewollt zu sein. Daneben gibt es die Kinderpsychologin Freya, die mir dann durchaus sympathischer erscheint, was aber wahrscheinlich allein schon ihr Beruf mit sich bringt. Schon im ersten Band gibt es zwischen Huldar und Freya Differenzen, aber auch ein Knistern, allerdings ist hier die Beziehung der Beiden doch reichlich angeknackst. Aber auch wenn Yrsa Sigurdardottir privates mit in ihren Thriller einbaut, liegt doch der Fokus deutlich auf dem Fall und den Ermittlungen.
Auch die Nebencharaktere, die sie hier beschreibt, haben immer die richtige Wirkung auf den Leser. Man kann mit manchen mitfühlen, hasst andere regelrecht und schüttelt bei dem ein oder anderen den Kopf. Alles in allem wirken sie aber hier absolut glaubwürdig und finden ihren Platz im Gesamtbild.
Mein Fazit:
Yrsa Sigurdadottir steht für spannende Thriller, die aber auch schonungslos und so manches Mal detailreich sind. Sie geht hier nicht zimperlich um mit ihren Lesern und genau das mag ich an ihren Erzählungen. Der Fall ist spannend und bereitet teilweise eine Gänsehaut, insgesamt wird hier auch der Sog, den die Geschichte ausübt, immer größer. Ein Pageturner, der spannende Lesestunden bringt. Die gesamte Entwicklung konnte mich überraschen und auch mit dem Ende hätte ich so nicht gerechnet. Aber alles in allem bleibt es glaubwürdig und sehr intensiv. Klare Leseempfehlung und wer Band 1 nicht kennt, sollte diesen unbedingt zuvor noch lesen.

Veröffentlicht am 27.10.2017

Düster, spannend, mitreißend

Opfermond - Ein Fantasy-Thriller
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Im Sha-Quai, dem ärmlichen Viertel, in dem die Bürger Ghor-el-Chras ihren Vergnügen oder eher Lastern, wie Glücksspiel und Freuden aller Art nachgehen, verschwinden immer wieder Menschen, deren Leichen ...

Im Sha-Quai, dem ärmlichen Viertel, in dem die Bürger Ghor-el-Chras ihren Vergnügen oder eher Lastern, wie Glücksspiel und Freuden aller Art nachgehen, verschwinden immer wieder Menschen, deren Leichen ausgeweidet wieder aufgefunden werden. Das interessiert allerdings niemanden, bis der Sohn des reichen Alchemisten Rashach ermordet wird. Rashach setzt den Unbestechlichen Varek darauf an, herauszufinden, warum sein Sohn sterben musste. Doch die einzige Zeugin des Verbrechens ist das Freudenmädchen Idra und diese verfolgt ihre eigenen Pläne, nämlich dem Sha-Quai zu entkommen. Varek muss mit ihr ein Bündnis eingehen, um den Mord an dem Alchemistensohn aufzuklären. Dabei stoßen sie auf einen Kult und dieser verlangt viel mehr, als man sich vorstellen kann.
Meine Meinung:
Dieses Buch punktet gleich schon mit seinem geheimnisvollen Äußeren, das mich umgehend in seinen Bann schlagen konnte und auch der Klappentext versprach so einiges. Tatsächlich wurde ich dann sogar mehr als positiv überrascht, denn diese Geschichte entwickelt in kürzester Zeit einen Sog auf ihren Leser. Elea Brandt schreibt direkt und sehr flüssig und man befindet sich innerhalb kürzester Zeit mitten in ihrer Welt. Dabei bleibt sie sprachlich modern, klar und auch schonungslos, denn ein teilweise blutiges Kopfkino gibt es hier dazu. Absolut gelungen fand ich auch, dass sie ihren Charakteren die passende Sprache mitgibt, hier wirkt nichts künstlich oder aufgesetzt.
Das Worldbuilding ist etwas besonderes, denn die Welt um Ghor-el-Chras ist sehr lebendig und glaubwürdig, dabei durchaus ungewöhnlich. Zum einen, weil alles ein wenig orientalisch angehaucht wird, zum anderen auch der Aufbau der Umgebung. Man spürt, an welcher Stelle man sich gerade in Ghor-el-Chras befindet, dabei hilft auch die äußerst gelungene Karte zu Beginn des Buches. Aber auch sonst spürt man die unterschiedliche Atmosphäre, die sich immer den gerade beschriebenen Handlungsschauplätzen anpasst. Man hat eine Gänsehaut, betritt man mit den Charakteren die alte Stadt, die absolut geheimnisvoll ist, während man im Sha-Quai förmlich den Schmutz riechen kann. Das alles bekommt der Leser ohne große Ausschweifungen oder detaillierten Beschreibungen geliefert, so dass man sich diese Welt in Gedanken selbst aufbauen kann.
Spannend ist es dann auch gleich von Beginn an, manches wird nur angedeutet und man wird regelrecht dazu gezwungen weiterzulesen, da man einfach wissen möchte, was da nun wirklich geschieht. Momente voller Action, aber auch Momente, bei denen man die Charaktere kennenlernt, wechseln sich ab. Dabei bleibt es allerdings bis zum Schluss wirklich geheimnisvoll und recht undurchschaubar.
Der Leser verfolgt das Geschehen in erster Linie durch die beiden, recht aussergewöhnlichen Protagonisten, Varek und Idra. Ab und an bekommt man auch noch kleinere Einblicke auf andere Charaktere, die das Ganze noch einmal mehr geheimnisvoll werden lassen. Durch den Erzähler in der dritten Person hat man dabei einen guten Überblick über die Handlung und verfolgt ein fantasievolles, manchmal auch grausames Kopfkino. Doch immer ist es passend und glaubwürdig.
Die Charaktere, allen voran die Protagonisten Varek und Idra, sind einmal mehr anders. Varek ist ein Unbestechlicher, ein Assassine, der im Auftrag Menschen tötet. Doch trotzdem ist er ein Mann der Ehre, innerlich gebrochen, äußerlich hart, aber doch auf seine Art fair. Man muss ihn einfach erleben, denn ich möchte auch gar nicht zu viel über ihn verraten. Genau so geht es mir mit Idra, das, um es nett auszudrücken, Freudenmädchen. Sie ist arm, sie ist vorlaut, sie ist frech, dreist, aber auch absolut clever und mutig. Sprachlich und auch in ihrem Gehabe unterscheiden die Beiden sich wie Tag und Nacht, was hier aber sehr glaubwürdig rüberkommt. Sie wirken dadurch sehr authentisch und in keinster Weise beschönigt.
Neben den Beiden gibt es zwar einige Nebencharaktere, die aber ebenfalls sehr gut gezeichnet sind und ihre Rollen glaubwürdig spielen. Sie stiften Verwirrung, wirken geheimnisvoll, man hasst sie, man beobachtet sie, weil man einfach nicht einschätzen kann, wem man vertrauen sollte.
Mein Fazit:
Ein Fantasy-Thriller voller Spannung und mysteriös wirkender Geheimnisse, teilweise sehr blutig und grausam, dadurch aber noch glaubwürdiger, denn diese Welt, in der ich mich befand, wird hier nicht verschönigt. Man lernt die Charaktere mit all ihren Facetten kennen und ja, auch lieben oder hassen und manches mal musste ich doch meine Meinung, zumindest teilweise, revidieren. Dabei bleibt die Handlung undurchschaubar und man wird einfach durch die Seiten getrieben, damit man erfährt, was hier wirklich los ist. Für alle Dark Fantasy Fans eine Leseempfehlung. Elea Brandt, ich hoffe, noch so einiges dieser Art von dir lesen zu dürfen!

Veröffentlicht am 22.10.2017

Herzlich Willkommen in der Optimalwohlgesellschaft

Die Optimierer
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Wir befinden uns im Jahr 2052 in der Bundesrepublik Europa. Diese steht für eine sichere, hochentwickelte Gesellschaft, voller Wohnstand. Samson Freitag lebt hier mit seiner Freundin Melanie und ist ein ...


Wir befinden uns im Jahr 2052 in der Bundesrepublik Europa. Diese steht für eine sichere, hochentwickelte Gesellschaft, voller Wohnstand. Samson Freitag lebt hier mit seiner Freundin Melanie und ist ein absoluter Musterbürger. Für seine Arbeit als Lebensberater ist er regelrecht prädestiniert, denn er tut alles, was in seiner Macht steht, um auch wirklich jeden an seinem Platz zu wissen. Zur Zeit ist er kurz davor, eine Beförderung zu erlangen, einzig ein paar wenige Sozialpunkte fehlen ihm dafür noch, doch diese zu erhalten, dürfte keinerlei Probleme für ihn bereiten. Heute soll er der zwanzigjährigen Martina bei einer Lebensberatung zur Seite stehen, doch für Samson ist beinahe von vorneherein klar, was er der jungen Frau raten wird.
Meine Meinung:
Mit Die Optimierer erschafft die Autorin Theresa Hannig eine interessante Sicht auf eine mögliche Zukunft, bei der ich mir alles andere als sicher bin, ob mir diese gefallen würde. 2052 klingt ja auch eigentlich gar nicht so weit von uns entfernt, umso erschreckender empfinde ich das Weltbild, das hier hervorsticht.
Das Buch lässt sich locker und leicht lesen, denn der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig, modern und gut verständlich. Schnell war ich mitten im Geschehen und konnte den Protagonisten Samson begleiten. Sprachlich folgt die Autorin einer klaren Linie, ohne Schnörkel oder Ausschweifungen und somit ist dieses Buch auch eine perfekte Unterhaltung an einem Nachmittag auf dem Sofa.
Die Geschichte an für sich ist recht spannend, gerade wenn man so verfolgt, was sich in unserer Welt alles verändert hat. Dabei bleibt dem Leser genügend Raum, um sich das Gesamtbild vorzustellen, denn wir erhalten zwar Informationen, wie es aussieht, aber genügend Möglichkeiten, sein eigenes Bild dazu lebendig werden zu lassen.
Viele Ideen, wie die Zukunft aussieht, kann ich mir ebenfalls gut vorstellen, seien es die selbstfahrenden Autos oder die Lebensberater, die jeden Einwohner der Bundesrepublik Europa an seinen Platz verweist. Alles bleibt in einem Rahmen der Möglichkeiten und klingt nicht allzu weit hergeholt.
Erzählt wird die Geschichte durch den Protagonisten Samson, allerdings durch einen personellen Erzähler in der dritten Person. Dieser hält den Leser ein wenig auf Distanz und lässt das Geschehen mit ein wenig Abstand verfolgen. Dieser Abstand ist hier auch perfekt gewählt, denn der Protagonist macht es dem Leser nicht allzu leicht.
Samson Freitag ist ein grauenhafter Mensch, dessen Art es mir sehr schwer machte, ihn auch nur annähernd zu mögen. Er lebt streng nach Vorschrift und er kann es auch perfekt auf andere übertragen, diese nach seinen Ansichten zu drangsalieren. Er ist besserwisserisch, hält sich an die Guten Gesetze und bleibt dabei so engstirnig, dass er gar nicht mehr mitbekommt, wie es den Menschen in seiner Umwelt überhaupt geht. Auf gut Deutsch: ein widerliches kleines A.... ;)
Aber hat man sich halbwegs an diesen Kerl gewöhnt, kommt eine riesige Wende, mit der ich so gar nicht gerechnet habe und ich habe mich dabei ertappt, wie mir immer wieder der Gedanke kam: geschieht ihm Recht. Was passiert und warum, möchte ich allerdings gar nicht verraten, da es einfach zu viel vorwegnehmen würde.
Neben Samson gibt es nur wenige Charaktere, diese sind in erster Linie auch dazu da, zu zeigen, wie es in dieser Optimalwohlökonomie läuft und was alles falsch sein kann. Aber ich würde mal sagen, hier ist jeder an seinem Platz.
Mein Fazit:
Kurzweilig und interessant, dabei bin ich mir letzten Endes gar nicht so sicher, ob es hier eine Utopie oder eine Dystopie sein soll. Geschickt bringt die Autorin hier einen Charakter in den Vordergrund, der dem Leser nicht so recht sympathisch werden will und das mit voller Absicht. Was da genau hintersteckt, möchte ich nicht verraten. Das Buch lässt sich schnell und gut verständlich lesen und bringt gute Unterhaltung, bei der man hofft, dass es vielleicht doch nicht ganz so optimal für das Europa der Zukunft wird. Leseempfehlung!