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Veröffentlicht am 01.06.2020

Abgedreht und skurril

Ich bin Gideon
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Gideon Nav ist auf einem düsteren Planeten, dem neunten Planeten, aufgewachsen. Hier dient sie nicht nur den Nonnen, sondern auch der Tochter des Hauses Harrowhark Nonagesimus. Allerdings hat Gideon davon ...

Gideon Nav ist auf einem düsteren Planeten, dem neunten Planeten, aufgewachsen. Hier dient sie nicht nur den Nonnen, sondern auch der Tochter des Hauses Harrowhark Nonagesimus. Allerdings hat Gideon davon nun wirklich die Nase voll und sie erwartet sehnsüchtig das Shuttle, das sie von diesem dunklen Flecken fortbringen soll. Doch da hat Gideon nicht mit Harrowhark gerechnet, die ihr da einen gewaltigen Strich macht. Sie hat nämlich gänzlich andere Ideen mit Gideon. Diese soll Harrowhark nämlich als Kavalierin, also als Leibwächterin, auf einen anderen Planeten folgen, damit sie in Harrowharks Namen um den Platz des neuen Lyktors kämpfen kann.
Meine Meinung
Mein Gott, was war ich gespannt auf dieses Buch, denn schon beim Anblick des Covers und diesem völlig abgedrehten Klappentext stand fest: dieses Buch möchte ich lesen. Das Cover fängt meine Vorstellung von Gideon perfekt ein und hat ja etwas cool-unheimliches.
Tamsyn Muir schreibt so, wie Gideon ist: herb, rau, schnörkellos und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das hat mir absolut gefallen und brachte diese besondere Art der Geschichte gut zur Geltung.
Doch leider hatte ich mit dem Inhalt mehr als nur leichte Probleme, denn mir fehlte hier einfach das Worldbuilding. Ich wurde hier in eine Szene geworfen, bei der ich hoffte, mir so nach und nach erarbeiten zu können, was mir Tamsyn Muir erzählen wollte. Aber das klappte nicht und selbst nach dem Beenden des Buches weiß ich immer noch nicht so genau, worum es hier wirklich ging. Gerade bei eine Fantasygeschichte brauche ich mehr Erläuterungen, denn ich habe immer noch nicht verstanden, was es hier mit den dienenden Skeletten, der Nekromantie und dem Kampf um den Lyktorplatz auf sich hat. Immer wenn ich dachte, ich hätte so langsam raus, worum es ging, kamen neue Begebenheiten und irgendwann wurde es einfach anstrengend mich damit auseinanderzusetzen, was man von mir wollte.
Viele Charaktere, bzw. viele Namen prasselten auf mich ein, so ist Gideon mal Gideon, mal Nav (gut, das ist der Nachname), mal Griddle und so fühlte es sich auch bei den weiteren Charakteren an. Allein da brauchte ich etwas Zeit, um durchzublicken und habe sie doch immer mal wieder durcheinander geworfen. Letzten Endes konnte ich sie zwar auseinanderhalten, doch auch das brauchte seine Zeit.
Dadurch, dass mir einfach viel zu viel unklar war, war mir dann auch die Geschichte zu anstrengend. So richtig viel passierte eigentlich nicht, dafür war das Drumherum mir zu viel. Tempo und Action gab es durchaus immer wieder, doch zwischendurch habe ich mich ertappt, mit den Gedanken abzudriften und das ist wiederum ein Fehler, da man dann nicht mehr versteht, was los ist. Letzten Endes muss ich leider zugeben, die letzten 150 Seiten überflogen zu haben.
Kommen wir zu den Charakteren, die mir übrigens wirklich gut gefallen haben, zumindest mit ihrer mehr als aussergewöhnlichen Art. Da wäre zum einen Gideon Nav, die knallhart und tough erscheint und über deren Herkunft eher gar nichts richtig klar ist. Sie dient der dem neunten Haus und damit auch Harrowhark. Diese mochte ich zu Beginn überhaupt nicht, doch je mehr ich von ihr las, desto besser fand ich Harrowhark. Übrigens: die Namen sind hier echt alle mal völlig abgedreht: Harrowhark Nonagesimus, da hatte meine Hirn schon einen Knoten beim Lesen, umso erstaunlicher, dass dieser Name hängenblieb. Wie auch immer, Harrowhark ist mindestens so tough wie Gideon und doch hält sie ihre Hinterhältigkeiten im Verborgenen, also äußerst clever.
Neben den beiden gibt es hier Tote, die eigentlich leben und Lebende, die eigentlich tot sind, Totenbeschwörer, dienende Skelette und noch vieles mehr. Defintiv so abgedreht, wie der ganze Rest.
Mein Fazit
Kennt ihr das? Man möchte ein Buch mögen, ganz unbedingt, doch leider klappte es einfach nicht? So ging es mir mit “Ich bin Gideon”. Leider habe ich das Gefühl, einen großen Teil der Geschichte nicht so richtig greifen zu können und somit fehlte mir einfach das Verständnis für die Handlung. Dabei sind gerade die beiden Hauptcharaktere Gideon und Harrowhark besonders, allerdings nicht so sehr, dass ich mich in irgendeiner Art mit ihnen hätte verbunden fühlen können. Abgedreht, anders, tough, skurril und neu, aber leider nicht meins.

Veröffentlicht am 01.06.2020

Ein Hotel auf Rügen

Das Grand Hotel - Die nach den Sternen greifen
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Rügen im Jahr 1924, die Familie von Plesow führt hier das wunderschöne Grand Hotel, direkt an der Promenade von Binz. Obwohl Alexander von Plesow das Hotel leitet, hält hier Bernadette von Plesow die Zügel ...

Rügen im Jahr 1924, die Familie von Plesow führt hier das wunderschöne Grand Hotel, direkt an der Promenade von Binz. Obwohl Alexander von Plesow das Hotel leitet, hält hier Bernadette von Plesow die Zügel in der Hand. Währenddessen hat der jüngste Sohn Constantin in Berlin ebenfalls ein Hotel eröffnet und die Tochter des Hauses, Josephine, träumt von einem Leben als Künstlerin. Natürlich eckt sie dadurch immer wieder bei ihrer Mutter an, doch im großen und ganzen ist es ein gutes Leben. Doch dann tauchen Fremde auf, die Bernadette bedrohen.
Meine Meinung
Ich bin ein großer Rügenfan und meine Familie und ich fahren schon seit Jahren immer wieder auf die schöne Insel in der Ostsee. Da war schon beim Blick auf das Cover klar, dass ich das Buch lesen möchte, denn dieses Hotel ist mir natürlich bekannt und es ist mehr als eindrucksvoll.
Caren Benedikt versetzt ihre Leser hier sprachlich zurück in die Zeit der zwanziger Jahre, allerdings fehlte mir hier so ein bisschen das aktuelle Zeitgeschehen. Das Hotel ist schon sehr edel und dementsprechend ist auch die Klientel, wie es aber im Rest von Deutschland aussieht, bleibt hier eher am Rande erwähnt.
Die Geschichte selber liest sich sehr interessant und bietet gute Unterhaltung. Neben der Familie von Plesow spielt hier auch das Zimmermädchen Marie noch eine wichtige Rolle. Was mir allerdings fehlte war das Gefühl für die Insel, was mir noch ein wenig fern blieb. So hätte dieses besondere Hotel auch irgendwo anders und nicht nur auf Rügen sein können. Zwischendurch gibt es die ein oder andere Passage, die für mich etwas langatmig wurde, im großen und ganzen liest sich der Roman aber sehr spannend, denn hier finden so manch persönliche Dramen statt.
Das Grand Hotel ist schon ein aboluter Prachtbau und hier stehen Ruhe und Erholung auf dem Programm. Zwischendurch wechselt die Szenerie aber ins Astor in Berlin und hier steht Party, Variete und das pralle Leben im Vordergrund. Allein diese Unterschiede wurden hier hervorragend ausgearbeitet und boten dadurch viel Abwechslung.
Aus wechselnder Perspektive erzählt Caren Benedikt von den von Plesows und von dem Zimmermädchen Marie. Dabei sind ihr die Darstellungen der einzelnen Charaktere absolut gelungen.
Bernadette von Plesow ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, deren Präsenz man schon beim Lesen absolut spürt. Sie besitzt unheimlich viel Stärke und stellt sich den Schwierigkeiten. Doch gerade, wenn man einmal nicht so genau hinschaut, sieht man auch, was in dieser Frau steckt, nämlich nicht nur unheimlich viel Kraft, Stärke und Kompetenz, sondern auch ganz viel Emotionen.
Constantin ist da seiner Mutter durchaus ähnlich, doch er wählt seine Wege des Geschäfts mit einer ganz anderen Methode. Ich war hier schon sehr überrascht, warum möchte ich allerdings nicht verraten.
Alexander von Plesow bleibt recht blass, was aber auch zu ihm passt und Josephine versucht zu rebellieren, ist aber doch eher das verwöhnte Töchterchen.
Besonders gut gefallen hat mir das Zimmermädchen Marie, das hier eine große Liebe erfährt, die allerdings mehr als zerstörerisch ist.
Alles in allem sind es gerade die besonderen Figuren, die diese Geschichte erst so richtig zum Leben erwecken.
Mein Fazit
Eine gelungene Familiensaga, die mich im großen und ganzen sehr gut unterhalten konnte und vor allem durch seine Charaktere punkten konnte. Ich hätte mir hier gerne noch ein wenig mehr Lokalkolorit gewünscht, doch wenn man die Insel kennt, bekommt man durchaus hier Fernweh. Insgesamt konnte mich die Autorin mit ihrem Roman fesseln und die Geschichte ist perfekt für Rügenliebhaber, aber auch für Leser, die Familiensagas mögen.

Veröffentlicht am 29.05.2020

Wow, was für eine Fortsetzung

Cyber Trips
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Achtung, Band 2 einer Trilogie – inhaltliche Spoiler zu Band 1 können vorhanden sein!

Wir schreiben das Jahr 2101, eine künstliche Intelligenz namens Kami hat einen großen Teil der Menschen mit einem ...

Achtung, Band 2 einer Trilogie – inhaltliche Spoiler zu Band 1 können vorhanden sein!

Wir schreiben das Jahr 2101, eine künstliche Intelligenz namens Kami hat einen großen Teil der Menschen mit einem künstlichen Virus infiziert, bei dem diese nicht nur aggressiv werden, sondern auch ihre Menschlichkeit verlieren. Nachdem es der Regierung nicht gelungen ist, Kami bei einem Angriff zu vernichten, suchen sie nach einem anderen Mittel, die KI zu besiegen. Doch Kami, die eine menschliche Gestalt angenommen hat, verfolgt weiterhin ihre Pläne. Währenddessen versucht die Kriegerin Andra mit Kami Kontakt aufzunehmen, an ihrer Seite der allseits gelobte General Okijen van Dire. Und auch General Liza Moores Sohn Flover scheint eine andere Art “Beziehung” zu Kami aufzubauen. Doch wird es den Menschen wirklich gelingen, die allseits gegenwärtige Kami zu vernichten?
Meine Meinung
Passend zum Cover des ersten Bandes wirkt auch Cyber Trips mit seiner Optik und verspricht mit seinem Klappentext eine spannende Fortsetzung.
Ohne Frage gab es auch genau diese, denn auch wenn gerade die Mittelteile von Triogien als “Lückenbüßer” gelten, steht Cyber Trips seinem Vorgänger Neon Birds in keinster Weise nach.
Marie Grasshoff schreibt einfach absolut mitreißend, in dem sie nicht nur der Welt, von der sie erzählt, ein Gesicht gibt, sondern auch jedem einzelnen ihrer Charaktere.
Die Welt des Jahres 2101 ist natürlich extrem technisch entwickelt und doch spürt man die allgegenwertige Bedrohung von Kami und den mit dem Virus belegten Menschen, den Moja. Wer jetzt Angst hat, hier von den technischen Begebenheiten überrannt zu werden, kann beruhigt sein, denn alles wirkt schlüssig und logisch.
Cyber Trips beginnt recht ruhig und man bekommt erst einmal mehr darüber erzählt, wie es den Charakteren des ersten Bandes ergeht. Doch schnell beginnt es spannend zu werden und immer wieder kommen Überraschungen auf den Leser zu, die man nicht erahnen konnte. Marie Grasshoff hat mich mehr als einmal wtf denken lassen und ich bin hier wirklich sehr angetan von der gesamten Entwicklung.
Wie schon im ersten Band wird auch der zweite Band aus verschiedenen Charakteren erzählt. So kann man sich immer wieder in die einzelnen Personen hineinversetzen, bekommt aber auch einen recht guten Überblick auf das gesamte Geschehen. Gerade auch Kami, dessen Gedanken man miterleben darf, macht mich immer wieder nachdenklich, denn viele ihrer Gedanken sind einfach nur wahr. Eine Intelligenz wie Kami mit dem Herzen eines Menschen? Vielleicht wäre es genau das, was unsere Welt braucht zum Überleben. Auf jeden Fall hat Kamis Part etwas poetisches und intensives, was mir richtig gut gefällt.
Natürlich treffen wir im zweiten Band dann auch auf einige bekannte Charaktere aus Band eins und es gibt auch eine interessante neue Figur.
Vor allem Okijen van Dire hat es mir angetan und hier erfährt man etwas aus seiner Vergangenheit, das mich nur allzu tief berührt hat. Seine Handlungen wurden dadurch für mich noch greifbarer und auch das Verständnis für seine Person sehr intensiv. An seiner Seite ist die Kriegerin Andra, die all dem technischen Leben mit ihrer Perspektive eine neue Seite gibt und die ein ganz besonderes Verhältnis zu Kami zu haben scheint. Flover und Luke geben dem ganzen dann noch eine ganz neue Perspektive, bei der ich sehr gespannt bin, wohin das führen wird. Mit Ellis taucht ein neuer Charakter auf, den ich allerdings noch nicht so richtig einschätzen kann. Alle zusammen machen die Geschichte spannend, die Handlung glaubwürdig und manch eine Person, die ich gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte, sorgte für ganz besondere Überraschungen.
Mein Fazit
Wer schon Neon Birds mochte, wird von Cyber Trips mindestens genauso begeistert sein. Ein Mittelband, der es in sich hatte und bei dem es so viele unvorhersehbare Wendungen gab, dass ich nach wie vor über das Gelesene nachdenke. Tolle Charaktere, eine erschreckend realistische Welt und eine spannende Handlung machen Cyber Trips zum reinen Lesevergnügen. Natürlich verrät Marie Grasshoff noch lange nicht alles und ich bin bei so manche einem Ereignis auf die Auflösung so gespannt, dass ich es kaum noch erwarten kann, den letzten Band in den Händen zu halten!

Veröffentlicht am 24.05.2020

Keine leichte Kost

Puppentod
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Als in Stockholm die fünfzehnjährige Tara von einem Balkon eines Hochhauses in den Tod stürzt, sieht zunächst alles danach aus, dass sie einen Selbstmord begangen hat. Selbst einen Abschiedsbrief hinterließ ...

Als in Stockholm die fünfzehnjährige Tara von einem Balkon eines Hochhauses in den Tod stürzt, sieht zunächst alles danach aus, dass sie einen Selbstmord begangen hat. Selbst einen Abschiedsbrief hinterließ das Mädchen. Doch bei näherer Untersuchung stellen die Ermittler fest, dass sie über ihr Handy Kontakt zu einem Mann hatte, der für Kinderpornografie bekannt ist – der Puppenspieler. Zur gleichen Zeit verschwinden zwei junge Mädchen aus einem Heim bei Uppsala und auch sie scheinen in Verbindung zum Puppenspielger zu stehen.
Meine Meinung
Passend zum Inhalt ist auch dieses Cover sehr düster gehalten und passt sehr gut zum Inhalt.
Das Autorenduo Erik Axl Sund hat auch mit dem zweiten Band der Kronoberg Reihe wieder einen Psychothriller hingelegt, der wirklich hart und beängstigend wirkt. Das wird vor allem durch den sehr eigenen Schreibstil des Duos hervorgehoben, denn die Autoren schreiben absolut kalt und direkt. Es wirkt beinahe schon emotionslos, wenn sie die Ereignisse der Geschichte beschreiben und genau dadurch schaffen sie es immer wieder, mich zu packen. Zugegeben, das muss man mögen, aber ich bin immer wieder fasziniert, mit welcher Direktheit sie hier beschreiben, was geschieht.
Mit einer Mischung aus Distanziertheit und Direktheit zeigen sie in ihrem neuen Thriller auf eine wirklich abscheuliche Szene – den Missbrauch von Kinder, explizit hier von jungen Mädchen. Wer hier eine Geschichte mit Tempo und Action vermutet, liegt falsch, es ist eher diese Mischung aus Kälte und Nüchternheit, mit der sie erzählen, ließen mich das Entsetzen eher deutlich spüren. So ging es mir schon in ihren vorherigen Büchern und auch hier gelang es dem Autorenduo wieder, mich an ihre Geschichte, die wirklich harter Tobak ist, zu fesseln.
Die gesamte Handlung entwickelt sich mal langsam, mal mit einem Tempo, bei dem man immer wieder aufpassen muss, den Anschluss nicht zu verlieren. Gerade die Geschichten der Mädchen gehen in Richtung Drama und selbst dieses wird eher nüchtern dargestellt. Umso schockierender fand ich dann das, was daraus entstanden ist.
In diesem Psychothriller wechseln die Perspektiven hin und her, mal beobachtet man den jungen Ermittler Kevin Jonsson, mal die beiden Mädchen, die aus dem Heim flüchten, mal andere Personen, die im weiteren Sinne mit dem Fall des vom Balkon gestürzten Mädchens zu tun haben. Es wirkt wie viele kleine Einzelschicksale, die sich erst nach und nach zusammensetzen.
Ermittler Kevin Jonsson ist, genau wie die anderen Charaktere, eher eine Nebenfigur und auch er ist ein sehr eigenwilliger Charakter. Insgesamt schaffen es die Autoren, dass man auch zu den Charakteren eine gewisse Distanz bewahrt, was ich allerdings bei dem Thema der Geschichte gar nicht so schlimm finde. Eher ist es das Gesamtbild, das erschreckend wirkt und dessen Details gar nicht ausgesprochen werden müssen. Um mich selber nachempfinden zu lassen, was die Charaktere durchmachen, hätte ich die einzelnen Personen intensiver kennenlernen müssen, hier ist es die Distanziertheit, die mich auch auf Abstand lässt. Allerdings finde ich genau dies auch richtig, denn die Geschichte ist wirklich sehr harter Tobak.
Mein Fazit
Erik Axl Sund konnten mich auch mit ihrem neuen Psychothriller wieder fesseln, wobei ich auch zugeben muss, dass man ihre eigenwillige Art zu schreiben wirklich mögen muss. Inhaltlich hat man es hier mit ganz schwerem Stoff zu tun und da die Autoren hier mit vielen Zeitebenen und Perspektivwechsel arbeiten, machen auch die Geschichte sehr komplex. Wer sich mit Büchern in denen es explizit um sexuellen Missbrauchs an Kindern geht. Ich bleibe wieder einmal nachdenklich zurück, denn hier gibt es einiges zu verdauen.

Veröffentlicht am 24.05.2020

Hexenjagd

Sanctuary
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Bei einer Highschoolparty in dem kleinen Ort Sanctuary kommt der allseits beliebte Daniel Whitman unter ungeklärten Umständen ums Leben. Bei einem Sturz aus dem ersten Stock starb er und was zunächst noch ...

Bei einer Highschoolparty in dem kleinen Ort Sanctuary kommt der allseits beliebte Daniel Whitman unter ungeklärten Umständen ums Leben. Bei einem Sturz aus dem ersten Stock starb er und was zunächst noch wie ein Unfall erscheint, nimmt schnell eine Wendung. Denn seine Ex-Freundin Harper, die Tochter der einzigen Hexe Sanctuarys, die auch bei der Party war, soll ihn angeblich mit Magie zum Stürzen gebracht haben. Detective Maggie Knight begibt sich nach Sanctuary und je tiefer sie gräbt, desto mehr Geheimnisse der Bewohner fördert sie zu Tage. Und die Bewohner? Beginnen mit ihrer eigenen Hexenjagd.
Meine Meinung
Dieses Cover zog meinen Blick magisch an, denn ich finde es richtig gut gelungen und mal was anderes. Es passt auf jeden Fall sehr gut zur Geschichte, in die ich dann auch ziemlich schnell einsteigen konnte.
Schon auf den ersten Seiten schafft es V. V. James mich mit ihrem klaren, schnörkellosen Scheibstil einzufangen. Dabei lässt sie mit wenigen Worten die Charaktere, aber auch den kleinen Ort Sanctuary lebendig werden.
Gerade Sanctuary hat mir richtig gut gefallen, denn das Kleinstadtflair, das man hier erlebt, hat die Autorin so gut dargestellt, dass man schon fast glauben kann, dass es diesen Ort wirklich gibt. In Sanctuary hat so gut wie jeder seine Geheimnisse und niemand ist das, was er nach aussen zu sein scheint. Das Tüpfelchen auf dem I ist hier dann auch noch, dass es in Sanctuary eine Hexe gibt. Magie ist also ebenfalls kein Fremdwort für die Menschen in dieser Geschichte. Diese Mischung ist gelungen und macht aus einem herkömmlichen Thriller etwas ganz besonderes.
Durch wechselnde Perspektiven zwischen der Mutter des Opfers, Abigail, der Hexe des Ortes, Sarah und der Polizistin Maggie bekommt man so nach und nach immer mehr Feinheiten über das Leben in Santuary präsentiert und man kann selbst immer wieder mit überlegen, was denn nun wirklich hinter dem Mord stecken kann. Mit all den kleinen Lügen und Intriegen bauscht sich die Stimmung in Sanctuary immer mehr auf und gerade das Verhalten der Menschen wird hier mehr als glaubhaft wiedergespiegelt. Dieser Aufbau ist so realistisch, auch wenn hier durch die Hexe Sarah Magie mit einbezogen wird, dass man einfach nachvollziehen kann, wie es zu der Hexenjagd kommt. Menschen lieben Sensationen, bauschen sich regelrecht daran auf und verurteilen oftmals zu schnell. Chapeau an die Autorin, die hier der Gesellschaft ziemlich deutlich zeigt, wie sie nur allzu oft handeln. Neben all dem sorgen dann noch einige Überraschungen und Wendungen für weitere Spannung und ließen mich das Buch erst aus der Hand legen, nachdem ich es beendet habe. Das Ende hat es dann auch noch einmal in sich und hat mich irgendwie sogar zufrieden zurückgelassen.
Die Charaktere der Geschichte sind so unheimlich lebendig gezeichnet, dass man sie alle vor sich sehen konnte. Man erlebt, wie aus Freundschaft Feindschaft wird, wie man durch geschickte Intrigen regelrechte Fallen auslegen kann und wie die Menschen einfach so ticken. Ich möchte hier gar nicht auf die einzelnen Personen eingehen, denn diese sollte man unbedingt selbst kennenlernen. Absolut authentisch und trotz des Fantasyanteils realistisch gezeichnete Figuren haben mich durchweg überzeugt.
Mein Fazit
Sanctuary ist ein spannender Pageturner, der mich völlig überzeugen konnte und definitiv ein Highlight ist. Gerade durch diesen sehr realistischen Aufbau und dem Spiegel den die Autorin der Gesellschaft vorhält, konnte mich die Geschichte packen. Klug konstruiert, absolut authentisch und unheimlich spannend! Unbedingt lesen!