Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
offline

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2025

lakonisch, humorvoll, mit übersinnlichen Elementen

Von hier aus weiter
0

In „Von hier aus weiter“ widmet sich Susann Pàsztor mit großer sprachlicher Leichtigkeit einem schwierigen Thema, das sich in seiner ganzen Tragweite erst im Laufe des Romans erschließt. Marlenes lakonische, ...

In „Von hier aus weiter“ widmet sich Susann Pàsztor mit großer sprachlicher Leichtigkeit einem schwierigen Thema, das sich in seiner ganzen Tragweite erst im Laufe des Romans erschließt. Marlenes lakonische, trockene Art ließ mich trotz der düsteren Ausgangssituation nach dem Tod ihres Mannes Rolf immer wieder schmunzeln, und auch die anderen Figuren begegnen Marlene erfrischend direkt und unerschrocken. Meistens ziehen sich ja viele Freunde und Bekannte eher zurück, aus Unsicherheit darüber, wie sie mit jemandem umgehen sollen, der gerade seinen Partner oder seine Partnerin verloren hat. Insofern zeigt die Autorin auch, wie heilsam es für die Hinterbliebenen mitunter sein kann, wenn man ihnen weiterhin offen und empathisch, aber ohne Beklemmung begegnet – was sicherlich leichter gesagt als getan ist.

Sehr positiv fand ich, dass die Autorin für Marlenes Situation keine einfache Lösung anbietet, sondern bewusst vieles offen lässt und eher beobachtend schildert. Sicherlich wirkt die Handlung mit Jack, Marlenes ehemaligem Schüler, der spontan bei ihr einzieht und sich in Ida, Rolfs Hausärztin, verliebt, etwas konstruiert, das empfand aber nicht als störend. Im Gegensatz zu den immer wiederkehrenden übersinnlichen Elementen, die ein Eingreifen Rolfs aus dem Jenseits nahelegen. Da ich mit Übersinnlichem absolut nichts anfangen kann, haben diese für mich völlig unnötigen Begebenheiten meinen Lesegenuss leider deutlich geschmälert und führen auch dazu, dass ich leider einen Stern abziehen muss.

Für alle, die sich daran nicht stören, ein sehr lesenswerter Roman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2025

Ostberliner Baugeschichte

Die Allee
0

Florentine Anders, Enkelin des berühmten Bauhaus-Architekten Hermann Henselmann, gibt mit diesem Roman einen äußerst spannenden und interessanten Einblick in ihre Familie. Sie erzählt vor allem aus der ...

Florentine Anders, Enkelin des berühmten Bauhaus-Architekten Hermann Henselmann, gibt mit diesem Roman einen äußerst spannenden und interessanten Einblick in ihre Familie. Sie erzählt vor allem aus der Perspektive ihrer Großmutter Irene „Isi“ und ihrer Mutter Isa. Erstere war selbst eine vielversprechende Architektin, stand jedoch immer im Schatten ihres Mannes und war zudem als achtfache Mutter gefordert. Durch Isis und Isas Blick zeichnet die Autorin auch ein detailliertes Bild von Hermann Henselmann, einem hochbegabten, aber für das DDR-Regime unbequemen Architekten, der die Umstände geschickt für sich zu nutzen wusste und bei seinen Projekten gerne hoch pokerte. So modern und einnehmend Henselmanns Entwürfe auch waren – er selbst wirkt auf mich zutiefst unsympathisch: Ein Choleriker, der seine Frau offen und bei jeder Gelegenheit betrog, ein patriarchaler Herrscher, extrem von sich selbst eingenommen, mit enormem Geltungsdrang. Als Quellen dienten Florentine Anders neben ihrer Mutter Isa die Memoiren ihrer Großeltern, Literatur über Hermann Henselmann und Gespräche mit ihrem Großonkel Raimund, dem Bruder von Isi.

Das Buch ist sehr unterhaltsam und lebendig geschrieben, und gibt tiefe Einblicke in das, was für die Privilegierten in der „klassenlosen Gesellschaft“ der DDR möglich war: Wohneigentum, Auslandsreisen, exotische Speisen usw. Zudem zeigt es, dass, aller Staatspropaganda zu Trotz, auch in der DDR die alten Rollenklischees nicht überwunden waren und Kinder und Haushalt weiterhin Frauensache blieben.

Da ich als Bayerin nicht mit der Ostberliner Architektur vertraut bin, waren für mich besonders die Details zur Entstehung der Bebauung an der Karl-Marx-Allee interessant und der lange Weg von der Idee bis zum Bau des Fernsehturms. Auch das ständige Hin und Her, was nun unter „sozialistischer“ Bauweise zu verstehen sein sollte, wurde eindrücklich beschrieben. Während des Lesens hielt ich immer wieder inne und betrachtete mir im Internet Bilder der im Buch erwähnten Bauwerke. Nach diesem Roman werde ich bei einem Besuch sicher mit anderen Augen durch Berlin laufen. Ein sehr lesenswerter Roman über ein bedeutendes Kapitel Ostberliner Baugeschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2025

Kultpotential!

Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste
0

Mit viel hintergründigem Humor und einer herrlich grotesken Idee entwirft Jakob Hein eine geniale Geschichte, die zu innerdeutschen Verwicklungen zwischen der DDR und BRD auf höchster Ebene führt. Das ...

Mit viel hintergründigem Humor und einer herrlich grotesken Idee entwirft Jakob Hein eine geniale Geschichte, die zu innerdeutschen Verwicklungen zwischen der DDR und BRD auf höchster Ebene führt. Das ist urkomisch und für mich schon jetzt ein Highlight im Frühjahrsprogramm 2025. Die politischen und administrativen Instanzen auf beiden Seiten der Grenze werden gleichermaßen aufs Korn genommen, und ich hatte beim Lesen ein Dauergrinsen im Gesicht. Es gelingt Hein sogar, reale historische Ereignisse mit einzuflechten und diese in einem ganz anderen Licht darzustellen. Dieses Buch hat echtes Kultpotential, und ich könnte mir auch eine Verfilmung ähnlich „Good Bye, Lenin“ sehr gut vorstellen.

Ganz klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2025

schonungslos ehrlich

Trocken
0

Ein schonungslos ehrliches Buch, das zeigt, wie leicht es ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, und wie viel Kraft es kostet, sich diesem Dämon zu stellen. Während andere Drogen gesellschaftlich ...

Ein schonungslos ehrliches Buch, das zeigt, wie leicht es ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, und wie viel Kraft es kostet, sich diesem Dämon zu stellen. Während andere Drogen gesellschaftlich stigmatisiert werden, gehört Alkoholkonsum ganz selbstverständlich dazu, und wer nicht mittrinkt, steht unter Rechtfertigungsdruck oder kassiert einen dummen Spruch. Da ich selbst keinen Alkohol trinke (mein Großvater war Alkoholiker, und ich habe daher von klein auf eine starke Abneigung gegen Alkohol), kenne ich das selbst zur Genüge. Ich habe sehr großen Respekt vor dem Autor Daniel Wagner, der seine Alkoholsucht und seinen Weg zum trockenen Alkoholiker offen und sehr reflektiert beschreibt. Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, und hoffe, dass es zu einem Umdenken in Bezug auf den Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft beitragen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2025

Eine rundum gelungene Fortsetzung!

Die magische Bibliothek der Buks 2: Das verfluchte Medaillon
0

Der erste Teil von „Die magische Bibliothek der Buks“ war letztes Jahr ein echtes Lese-Highlight für meinen Sohn (11) und mich und wir konnten es kaum abwarten zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht ...

Der erste Teil von „Die magische Bibliothek der Buks“ war letztes Jahr ein echtes Lese-Highlight für meinen Sohn (11) und mich und wir konnten es kaum abwarten zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht – zumal Band 1 mit einem großen Cliffhanger endet. Band 2 setzt nahtlos dort an, so dass man Teil 1 unbedingt zuvor gelesen haben sollte.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Finn, Nola, Geraldine, den Buks, Thommy und Mira, die sich alle an verschiedenen Schauplätzen der Handlung befinden. Dies hält die ohnehin schon enorme Spannung besonders hoch und sorgt für viel Tempo und Abwechslung. Die Kinder halten fest zusammen, und auch wenn sie immer wieder unsicher sind und Angst haben, überwinden sie sich und stellen sich mutig den Herausforderungen. Und auch die Buks lassen sich vom Mut der Kinder mitreißen und wachsen über sich hinaus.

Wie schon im ersten Band ist die Geschichte gespickt mit Anspielungen auf bekannte Kinder- und Jugendbücher von den „Fünf Freunden“ über die „Unendliche Geschichte“ und „Die Chroniken von Narnia“ bis zum „Herrn der Ringe“. Der dystopische Charakter tritt jedoch zugunsten der Fantasy etwas in den Hintergrund. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss hochspannend, und wir hätten am liebsten noch länger weitergelesen. Verglichen mit dem ausführlichen Mittelteil ist das Ende relativ knapp erzählt, und manches ging uns ein bisschen zu schnell. Das ist jedoch allenfalls ein minimaler Kritikpunkt.

Besonders gut gefällt uns, wie sprachgewandt, bildhaft und lebendig die Geschichte erzählt ist. Auch die Dialoge sind richtig lebensnah und humorvoll. Wir freuten uns immer sehr auf die Abschnitte mit den Buks, deren sprechende Namen wie Sherlokko, Attila, Reimling, Ooht-Kwisien wunderbar zu den kleinen Buchschutzgeistern passen und die für viel Auflockerung und witzige Szenen sorgen. Einfach großartig war auch der Auftritt von Lagerfeldi Buk, auch wenn ich meinem Sohn erst einmal erklären musste, wer dessen berühmter Namensvetter war. Wie bei Lagerfeld gibt es immer wieder Anspielungen auf Personen oder Bücher, die die jungen Leserinnen und Leser nicht kennen, und die so zu Nachschlagen oder Nachfragen einladen, oder Lust darauf machen, gleich die nächste Lektüre zu entdecken. Das gefällt mir sehr, da das Buch so ganz nebenbei auch Wissen vermittelt. Und was könnte passender sein als ein Buch über die Kraft der Phantasie und die Magie der Bücher, das gleich Lust auf weitere Leseabenteuer macht?

Eine rundum empfehlenswerte Dilogie, die dank einiger kleiner Hintertürchen große Hoffnungen auf eine Fortsetzung mit einem dritten Band macht. Wir wären sofort dabei!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere