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Veröffentlicht am 05.08.2019

Ein Buch, das selbst nach mehrfachem Lesen noch spannend bleibt

Blutrote Küsse
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„Blutrote Küsse“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Ich nehme es immer gerne aus dem Regal und lese es wieder und wieder, einfach Klasse!

Cat ist eine Halbvampirin. Nachdem ihr ihre Mutter nach ...

„Blutrote Küsse“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Ich nehme es immer gerne aus dem Regal und lese es wieder und wieder, einfach Klasse!

Cat ist eine Halbvampirin. Nachdem ihr ihre Mutter nach Jahren voller Andersartigkeit und Einsamkeit endlich davon erzählt, wie sie vor Jahren von einem Vampir vergewaltigt wurde und daraus Cat entstand, beschließt sie, sich an den Monstern für ihre Mutter und ihre eigene furchtbare Kindheit als Außenseiter zu rächen.
Sie geht nun in Clubs, imponiert Vampiren mit ihrem schönen Körper und ihrem unschuldigen Wesen und tötet sie dann eiskalt mit einem Silberpflock.
Dies funktioniert bis sie von einem Vampir-Profikiller überlistet wird: Bones, welcher allerdings selber ein Vampir ist.
Die Beiden machen einen Deal, dass er ihr beibringt, professionell Vampire zu töten, und sie ihm dafür bei seinem Job hilft, da sie als Halbvampirin alles andere als gefährlich aussieht.
Bei diesem Arbeitsverhältnis bleibt es allerdings nicht und Cat muss langsam lernen, dass ihr rassistisches Anti-Vampir-Denken und ihre Schuldzuweisungen fehl am Platz sind. Und, dass Bones vielleicht mehr als nur ihr Boss und Lehrer ist.

Abgesehen von dem Cover, bei dem ich einfach nicht mit dem Gesicht darauf warm werden kann, ist das Buch genial.
Neben den aktiongeladenen Jagdszenen, die sich immer weiter verändern und verbessern, je mehr Cat lernt, schreibt Jeaniene Frost das Buch meisterhaft mit Charme, Witz, sehr viel Schlagfertigkeit, sowohl auf Cats als auch auf Bones‘ Seite, und natürlich sehr viel Erotik.
Aus allem besteht eine gesunde Abwechslung während man langsam sieht, wie Cat und Bones sich näher kommen, sich ihre Charaktere verändern und wie Cats Rassismus gegen Vampire immer aufgeklärter wird. Gerade Cat selbst macht unter Bones Ehrlichkeit und (später) Zuneigung große Fortschritte bei ihrem Hass gegen Vampire, was man am besten dann erkennen kann wenn sie mit ihrer neuen Sichtweise auf den grenzenlosen Hass ihrer Mutter trifft.
Der Roman ist wunderbar abwechslungsreich, immer kommt etwas Neues dazu und wird von dem fantastischen Schreibstil getragen, ohne, dass es jemals zu viel wird. Auch ist Cats und Bones‘ Liebegeschichte trotz Cats Vorurteilen sehr harmonisch und liebevoll. Sie entwickelt sich stetig, langsam und vorsichtig und ist alles andere als unrealistisch in den gegebenen Umständen. Beide sind knallhart und nehmen keine Blatt vor den Mund, was sie einerseits oft aneinanderprallen lässt, sie andererseits sehr bei der Kommunikation unterstützt. Das ist wichtig, da beide nicht ohne Fehler sind. Das macht sie für den Leser natürlich auch nochmal sympathischer. Gerade die beidseitige Eifersucht bringt viel Dynamik und Witz in die Beziehung und führt immer wieder zu einem kleinen Schmunzeln bei Lesern. Und natürlich auch zu Erotik.
Und dann kommt zum Abschluss des Ganzen auch noch das wunderbar dramatische Ende, bei dem mir Gänsehaut gekommen ist. Einfach toll!

Der Roman ist eine sehr ausbalancierte Geschichte mit Action, Erotik, einer harmonisch-realistischen Liebe und vielen Vorurteilen, die Stück für Stück behandelt und, zumindest teilweise, beendet werden.
Ich kann ihn nur empfehlen nachdem ich ihn bereits mehrfach gelesen habe und trotzdem immer wieder mitgerissen wurde.

Für mich ist es ein Meisterwerk, für das 5 von 5 Sternen eigentlich noch gar nicht ausreicht.

Veröffentlicht am 31.07.2019

Eine grausame Welt, die noch grausamer zu werden scheint

Das Lied von Eis und Feuer 01
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Eine Geschichte, die weltbekannt ist. Eine unvollständige Reihe vieler Bücher. Die Entscheidung: soll ich es lesen oder nicht?
Tatsächlich stand das Buch bereits in meinem Regal bevor die TV-Serie „Game ...

Eine Geschichte, die weltbekannt ist. Eine unvollständige Reihe vieler Bücher. Die Entscheidung: soll ich es lesen oder nicht?
Tatsächlich stand das Buch bereits in meinem Regal bevor die TV-Serie „Game of Thrones“ die Geschichte so populär gemacht hat. Als ich in dem Buchladen stand, hat eben auch so schon alles gepasst: Cover, Titel und meine eigene kleine Leseprobe der ersten Seiten.
Allerdings kam ich erst nach dem Schauen einiger Episoden dazu, mich endlich zusammenzureißen und das Buch zu lesen. Es hat sich gelohnt.

Anders als viele denken, ist das Buch nicht einfach nur übermäßig gehypet, es ist tatsächlich ein Meisterwerk!
Jede Seite war ein Gewinn, auch wenn ich an vielen Stellen schwer schlucken musste. George R. R. Martin schreibt zwar Fantasy, bleibt dabei aber dennoch realistisch. Und dazu gehört anscheinend auch, dass die mittelalterlichen Umstände kleine Mädchen dazu bringen, Schlimmstes durchzumachen und ertragen zu müssen.
Obwohl sie diejenige war, die in diesem ersten Teil wahrscheinlich am meisten leiden musste, laß ich am liebsten die Sichtweisen von Daenarys. Gleich darauf folgte Sansa. Aus irgendeinen Grund beruhigte mich, wie sich die beiden Mädchen ihre grauenhaften Schicksale schönredeten. Wahrscheinlich lag das vor allem daran, dass ich selbe für so eine harte Realität nicht bereit war.
Und an Härte hat der Autor auch sicherlich nicht gescheut. Die verzwickten, unverständlichen politischen Machtspiele, die Grausamkeit der Menschen, der unaufhaltsame Wille nach Zerstörung. Mit einem Schlag auf den nächsten beschrieb er in allen Details und viel bombastisch gutem Schreibstil Wahnsinn, welcher selbst den Leser zum Fürchten brachte.

Vielleicht lag es auch an meinem kleinen Vorwissen durch die paar Episoden von „Game of Thrones“, die ich gesehen habe, aber zum Ende des Buches hin merkte man deutlich, dass die Situation sich zuspitzte und die Spannung drückend wurde. Ich sehe die Eskalation in den folgenden Büchern bereits jetzt. Wie ein Sturm, der sich zusammenbraut. Oder wie das Haus Stark es sagen würde: „Der Winter kommt“!

Veröffentlicht am 25.06.2019

Anne, ihr Sohn und die Gesellschaft, die sich zwischen sie stellt

Lady Annes Geheimnis
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Anders als der Klappentext suggeriert, ist „Lady Annes Geheimnis“ kein Romeo-und-Julia-ähnlicher Liebesroman, in dem es nur darum geht, zwei Menschen unterschiedlicher Seiten zusammen zu bringen. Stattdessen ...

Anders als der Klappentext suggeriert, ist „Lady Annes Geheimnis“ kein Romeo-und-Julia-ähnlicher Liebesroman, in dem es nur darum geht, zwei Menschen unterschiedlicher Seiten zusammen zu bringen. Stattdessen geht es um Anne, eine Frau, der die Welt unzählige Steine in den Weg legt, welche sie durch ihre Entschlossenheit, Sturheit und ihre Fähigkeit, außerhalb der gewohnten Muster zu denken, zu bewältigen versucht.

Die Geschichte handelt von Anne Baynes, welche von ihren Eltern nach Deutschland verbannt wurde, da sie ein uneheliches Kind mit einem Jakobiten hatte.
Nun versucht sie, wieder zurück nach England zu kommen, da ihr ihr kleiner Sohn weggenommen wurde. Das gelingt ihr auch, da Georg Ludwig, an dessen Hof in Hannover sie arbeitet, zum König Großbritanniens gekrönt wird und sie ihn überzeugen kann, sie mitzunehmen.
In London angekommen wird sie allerdings mit viel mehr Intrigen konfrontiert als erwartet und ihr Sohn ist nicht so sicher, wie sie es gedacht hatte. Auch ihr früherer Geliebter Ian, den sie für tot gehalten hat, kehrt zurück in ihr Leben,
Glücklicherweise findet sie auch Verbündete wie May Darling und Gräfin Johanna von Schaumburg-Lippe.
Ein Glossar sowie ein Personenregister mit einer Unterscheidung von realen und fiktiven Charakteren und auch Martha Sophie Marcus‘ Nachwort halfen bei dem beziehungsweise nach dem Lesen sehr.

Mit einer sorgsamen Liebe zum Detail hat Martha Sophie Marcus eine Welt gezeichnet, die durchaus der Realität des 18. Jahrhunderts entsprechen könnte. Dabei gelang es ihr wunderbar, den Leser durch eine Zeit zu führen, in der Politik radikal, die Gesellschaft patriarchaisch und die Welt ungerecht war. Sie verstand es, mich immer wieder aufs Neue zu schockieren und zu überraschen, gerade auch, wenn es um Annes kleinen Sohn Johnny und seine Behandlung ging.
Dabei ging sie allerdings nicht nur auf Klischees ein sondern brachte auch gerade genug Stilbrüche ein, um die Charaktere authentisch und realistisch wirken zu lassen.
Gerade auch Anne war ein nachvollziehbarer Charakter. Mit dem Ziel der Wiedervereinigung mit ihrem Kind wurde Anne ein sehr sympathischer, realer Charakter, der durch seine Weltanschauung die Erzählung unterhaltsamer und lustiger gestaltete. Dabei war ihr Charakter allerdings ebenfalls durchwachsen und menschlich, was zu einigen unerwarteten Wendungen und Spannung in der Geschichte führte.
Stellenweise wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen während ich mit den Charakteren litt.

Nach Beenden des Buches fühlte ich mich sehr erfüllt, bedauerte jedoch die Kurzweiligkeit der letzten Kapitel. Gerne hätte ich noch ein bis zwei Kapitel mehr gelesen um die Gefühle der unterschiedlichen Charaktere besser nachvollziehen zu können.
Dennoch war dieses Buch für mich ein absoluter Gewinn und ich kann mir gut vorstellen, ihn auch in Zukunft wieder mit Freuden aus dem Regal zu nehmen und nochmal zu lesen. Auch hat mich dieses Buch von der Autorin überzeugt und ich freue mich darauf, in Zukunft mehr von ihr zu genießen.

Ein sehr schönes, liebevoll verfasstes Buch mit einem Auge für historische Korrektheit, die das 18. Jahrhundert für den Leser erfahrbar macht. Von mir gibt es dafür 4 von 5 Sternen und einen großen Dank für das wunderbare Leseerlebnis!

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