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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2017

Schattenkiller - oder doch eher ein Thriller-Schatten

Schattenkiller
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Wir sind in einem äußerst regnerischen Spätsommer in Rom. An verschiedenen, düsteren Orten in der Nähe des Tiber wurden drei Leichen gefunden. Obwohl vordergründig kein Zusammenhang zwischen den Toten ...

Wir sind in einem äußerst regnerischen Spätsommer in Rom. An verschiedenen, düsteren Orten in der Nähe des Tiber wurden drei Leichen gefunden. Obwohl vordergründig kein Zusammenhang zwischen den Toten erkennbar ist, wird der erfolgreiche Profiler Enrico Mancini auf die Fälle angesetzt.
Mancini ist traumatisiert, weil er erst kürzlich seine geliebte Frau Marisa an eine unheilbare Krebserkrankung verloren hat und diesen Verlust noch überhaupt nicht verarbeitet hat. Das Team aus mehr oder minder begabten Ermittlern wird im Hintergrund unterstützt von Mancinis altem Mentor Professor Biga.
Für mich hatte der Thriller auf den ersten Blick alles, was ein tolles Buch braucht. Der Schauplatz Rom sagt mir sehr zu. Ich habe es in Büchern durchaus gerne auch mal etwas blutiger (obwohl ich hier schon ein paar mal über die Zeilen hinweglesen musste, weil es mir zuviel war) und ich mag besonders gerne Bezüge zu Mythologie oder Literatur, die zur Enträtselung des Falles beitragen. Eigentlich bringt dieses Buch alles das mit. Dennoch konnte es mich leider nicht überzeugen. Die Polizeiarbeit des Teams ist teilweise sehr schlampig, so dass der Fall dadurch unnötig in die Länge gezogen wird. Möglicherweise hätte das Spannung erzeugen sollen, mich hat es nur gelangweilt.
Die Figuren finden im Laufe der Geschichte durchaus als Team zusammen, so dass man sich eine Fortsetzung vorstellen kann. Mir war die Hintergrundsgeschichte, vor allem von Mancini teilweise einfach zu viel. Bei manchen Ausschweifungen in die Vergangenheit der Figuren, konnte ich überhaupt keinen Zusammenhang mit der Handlung sehen.
Ich kann diesen Thriller leider nicht wirklich empfehlen, obwohl sich der Verlag bei der Gestaltung des Covers wirklich viel Mühe gegeben hat. Das Buch ist lesbar, auch nicht gänzlich unspannend, aber für mich war es kein Lesevergnügen, wie ich es von einem Thriller erwarte.
Ich würde dem Buch gerne 2,5 Sterne vergeben, da wo das nicht geht, runde ich auf 3 Sterne auf.

Veröffentlicht am 16.01.2017

Unerwartete Wendungen

Die Gerechte
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Der amerikanische Autor Peter Swanson lässt seinen Thriller „Die Gerechte“ (egl. Originaltitel: „The Kind Worth Killing“) in einer Flughafenbar in Heathrow beginnen. Es kommt zu einer zufälligen Begegnung ...

Der amerikanische Autor Peter Swanson lässt seinen Thriller „Die Gerechte“ (egl. Originaltitel: „The Kind Worth Killing“) in einer Flughafenbar in Heathrow beginnen. Es kommt zu einer zufälligen Begegnung der attraktiven Lily Kintner mit dem erfolgreichen Geschäftsmann Ted Severson. Beide fliegen mit der gleichen Maschine nach Boston und kommen in ein längeres Gespräch in dessen Verlauf Ted nach einigen Gins Lily anvertraut, dass seine Frau Miranda ihn mit einem Bauunternehmer betrügt. Die beiden beschließen, dass sie Miranda umbringen. Was in einem scheinbaren Spiel beginnt, wird zu bitterem Ernst und hat nicht wenige Verbrechen und Betrug zur Folge.
Der Thriller besteht aus relativ kurzen Kapiteln, die jeweils aus der Sicht einer bestimmten Figur in der Ich-Perspektive verfasst sind. Dadurch ist der Thriller abwechslungsreich zu lesen. Die Schauplätze und Personen sind genau genug beschrieben, um eine Vorstellung davon zu gewinnen ohne sich in Details zu verlieren. Die Handlung ist spannend und nimmt immer wieder eine überraschende Wendung, was einen dann auch gerne weiterlesen lässt. Ich persönlich konnte mit Ausnahme zweier Polizisten mit den Figuren nichts anfangen. Sie erschienen mit unnahbar und nicht wirklich authentisch. Aber das liegt weniger an der Qualität des Buches als an meiner Vorliebe zu ausgebauteren Charakteren. Obwohl an dem wirklich raffiniert aufgebauten Thriller vieles stimmt, konnte er mich nicht vollends überzeugen oder mitnehmen. Vermutlich habe ich das Buch zu langsam gelesen, weil ich nur unregelmäßig abends mal eine halbe Stunde Zeit hatte.
Der Beginn der Handlung nimmt es eigentlich schon vorweg. Es ist ein typisches Buch, das einem auf einer Reise bestens unterhalten kann.
Ich vergebe dem Thriller 4 Sterne mit der Tendenz zu 3,5.

Veröffentlicht am 13.12.2016

Spannender Stuttgart Krimi

Tödliche Verdächtigungen
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Mit „Tödliche Verdächtigungen“ schließt Silvia Stolzenburg ihre Krimi-Trilogie um die Ermittlerin Anna Benz und Markus Hauer ab. Dieser letzte Fall ist für Anna sehr persönlich. Sie wird von ihrem Vater ...

Mit „Tödliche Verdächtigungen“ schließt Silvia Stolzenburg ihre Krimi-Trilogie um die Ermittlerin Anna Benz und Markus Hauer ab. Dieser letzte Fall ist für Anna sehr persönlich. Sie wird von ihrem Vater zu Hilfe gerufen, weil dieser seine Assistentin ermordet in einer Blutlache liegend in seiner Villa auffindet. Es sieht nicht gut für ihn aus. Alle Hinweise deuten aus Annas Vater als Täter. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser überhaupt nicht mehr an den Ablauf des Abends erinnern kann.
Die Ermittlungen verfolgen verschiedene Richtungen. Wie die beiden Vorgängerbände „Tödliche Jagd“ und „Die Fliege“ besticht auch dieser Kriminalroman durch sehr detailreiche Schilderungen von Arbeitsabläufen bei der Polizei, die auf eine sehr gewissenhafte Recherchearbeit schließen lassen. Da ich in der Nähe von Stuttgart wohne, hat mir natürlich sehr gut gefallen, dass ich die Schauplätze so gut nachempfinden konnte. Besonders beeindruckt haben mich die Abschnitte, die von der Haftanstalt Stammheim erzählen. Da konnte die die beklemmende Stimmung richtig gut nachempfinden. Nicht weniger faszinierend war auch eine rasante Befreiungsaktion, in die Anna und ihr Vater verwickelt waren.
Die Auflösung am Ende war für mich unerwartet, aber dennoch schlüssig. Man kommt von alleine nicht wirklich auf die richtige Fährte.
Da die Handlung im Laufe der Trilogie rund um das Privatleben der Protagonistin Anna aufgebaut ist, empfehle ich die Einhaltung der Reihenfolge. Die Fälle selber sind aber in sich abgeschlossen, so dass der Krimi auch isoliert gelesen und verstanden werden kann.
Ich würde diesem Krimi gerne 4,5 Sterne geben. Da das nicht überall möglich ist, runde ich auf 5 auf.

Veröffentlicht am 23.10.2016

Zwischen Heldentum und Generalverdacht

Vor dem Fall
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Der „Fall“ ist in diesem Roman von Noah Hawley ein Fall im wörtlichen Sinne, nämlich ein Flugzeugabsturz einer Privatmaschine.
Eine kleine, illustre Gesellschaft von einem Medienmogul, einem Milliardär, ...

Der „Fall“ ist in diesem Roman von Noah Hawley ein Fall im wörtlichen Sinne, nämlich ein Flugzeugabsturz einer Privatmaschine.
Eine kleine, illustre Gesellschaft von einem Medienmogul, einem Milliardär, der sein Vermögen durch Geldwaschfinanzdienstleistungen verdient hat, deren Frauen mit Kindern und Scott Borroughs, einem ziemlich mittellosen und erfolglosen Maler. Scott und JJ, der vierjährige Sohn des Medienmilliardärs überleben als einzige den Absturz. Durch eine schier unmenschliche Leistung gelingt es Scott mit dem kleinen JJ auf dem Rücken an Land zu schwimmen.
Der Roman handelt vor allem von der Aufklärung der Absturzursache, in dem die Vorgeschichte aller beim Absturz beteiligter Figuren beleuchtet. Der Autor legt zahlreiche denkbare Fährten aus und zeigt anhand von Scott, der zwischen Heldenverehrung und möglicher Täterschaft die Folgen des Einflusses der Medien nach dieser Katastrophe über sich ergehen lassen muss. Das Buch setzt sich recht kritisch mit der Sensationsgeilheit der Medien auseinander und wer News ab und zu auf amerikanischen Sendern verfolgt, kann sich in etwa denken, welcher Sender gemeint. Dieser Aspekt fand ich gerade vor dem aktuellen politischen Hintergrund des Wahlkampfendspurts der amerikanischen Wahlen sehr interessant. Wo ist die Grenze zwischen der Wahrheit im Sinne der Wirklichkeit oder Wahrhaftigkeit und der „Reality“ im Sinne einer Herrn Trump?
Mein Leseerlebnis bei diesem Buch war etwas durchzogen. In der ersten Hälfte tat ich mich bisweilen recht schwer, wieder zum Buch zu greifen, weil es mich einfach zu wenig gepackt hat. Ich fand zwar die Sprache sehr angenehm, immer gut abgestimmt auf die jeweilige Perspektive bzw. Figur, um die es gerade ging. Auch konnte ich von einigen Figuren eine wirklich gute Vorstellung gewinnen. Dennoch fand ich es insgesamt recht langatmig. In der zweiten Hälfte ging es mir dann wesentlich besser. Die Handlung fokussiert zunehmend auf der Aufklärung der Absturzursache und weniger in der Vergangenheit der Figuren und ich konnte gut mitleiden mit dem kleinen JJ. Teilweise erscheinen einem gewisse Figuren etwas eindimensional, aber leider musste ich schon vermehrt erleben, dass es auch in meinem Umfeld tatsächlich Menschen gibt, die rücksichtslos egoistisch und schlicht und ergreifend nicht gut sind. Von daher würde ich das sogar als realistisch und für den Roman als positiv einschätzen.
Für mich handelt es sich bei diesem vorliegenden Buch nicht um einen Thriller, sondern um einen Roman, der auf den Einfluss der Medien nach Katastrophen sensibilisieren kann.
Ich würde gerne 3,5 Sterne vergeben, da das nicht geht vergebe ich 4 Sterne und eine Empfehlung für Leser, die nicht zwingend atemberaubende Spannung erwarten.

Veröffentlicht am 01.10.2016

Ein paar spannende Szenen machen noch keinen Thriller

Asphaltseele
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Entweder man mag ihn oder man kann ihn nicht ausstehen. Ruben Rubeck, der polarisierende Protagonist in Gregor Webers Erstlingswerk „Asphaltseele“. Rubeck ist Kriminalkommissar in Frankfurt. Er tut nur ...

Entweder man mag ihn oder man kann ihn nicht ausstehen. Ruben Rubeck, der polarisierende Protagonist in Gregor Webers Erstlingswerk „Asphaltseele“. Rubeck ist Kriminalkommissar in Frankfurt. Er tut nur das absolute Minimum, um körperlich ausreichend fit für den Job zu sein. Daneben raucht und säuft er und verbringt seine Freizeit auch mal im Rotlichtviertel. Also alles andere als für mich als weibliche Leserin als Identifikationsfigur dienen zu können. Aber etwas Abstand kann ja nicht schaden. Rubeck trägt ein ganzes Bündel an unverarbeiteten Problemen mit sich herum. Er ist stark geprägt von der Zeit, in der er als Angehöriger der KFOR Truppe nach dem Kosovo-Krieg in Pristina Dienst geleistet hat.
Der Thriller setzt ein, als Rubeck seinen Feierabend in der Frankfurter Bahnhofsstraße verbringen will und in eine Schießerei gerät. Ein Bodyguard eines albanischen Gangsterbosses wird dabei getötet und der Gangsterboss bleibt verletzt liegen. Im Rahmen eines Spezialeinsatzes beginnt Rubeck zu ermitteln.
Wie eingangs angetönt, stellt Rubeck für mich nicht gerade ein Charmebolzen dar. Seine Ermittlungsmethoden sind gewöhnungsbedürftig. Er übertritt alle möglichen Gesetze und hält sich nicht an vorgeschriebene Arbeitsabläufe. Das ist nicht wirklich etwas Neues in Krimis oder Thrillern, aber ich mag in der Regel etwas abgehalfterte Ermittler durchaus.
Der Roman ist in der Ich-Perspektive von Rubeck verfasst, womit ich mich etwas schwer tat. Gerade seine Ausflüge in den Alkoholrausch, die seitenweise als innerer Monolog beschrieben werden, konnten mich nicht begeistern. In die Ermittlung eingestreut sind Abschnitte, die in der dritten Person verfasst sind und 1999 in Pristina spielen. Sie erzählen einen KFOR-Einsatz, der ausgesprochen spannend und vermutlich sehr authentisch beschrieben ist. Diese Passagen sowie Stellen, wo es zu Schießereien oder Verfolgungsjagden kommt, sind sehr spannend erzählt, so dass man das Buch zeitweise kaum weglegen mag.
Wenn man die ausufernden inneren Monologe von Rubeck während den Ermittlungen und in seinem Alltag weglässt oder zumindest auf ein vertretbares Maß kürzt, ist die Handlung für meine Ansprüche einfach zu dünn. Einige Szenen sind wirklich sehr eingängig und gelungen geschrieben, und auch die Thematik der Folgen des Kosovokrieges finde ich sehr interessant, aber insgesamt ist das Buch als Thriller nicht ausgereift genug. Für mich müssen Bücher nicht zwangsweise Hunderte von Seiten haben, aber dieser Thriller wirkt auf mich nicht wirklich ausgewachsen.
Von mir erhält dieses Buch 3 Sterne und eine verhaltene Empfehlung.