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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2025

Manchmal kommt alles ganz anders

Wut und Liebe
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Camilla ist unzufrieden mit der finanziellen Situation ihres Lebens und beendet daher die Beziehung zu Noah um sich auf die Suche nach einem Mann zu machen, der ihr mehr bieten kann, als der brotlose Künstler. ...

Camilla ist unzufrieden mit der finanziellen Situation ihres Lebens und beendet daher die Beziehung zu Noah um sich auf die Suche nach einem Mann zu machen, der ihr mehr bieten kann, als der brotlose Künstler. Beim Versuch, die Beziehung zu retten, trifft Noah auf die gebrechliche, aber wohlhabende Betty - und gemeinsam entwickeln sie einen Plan. Was anfangs zwar moralisch bedenklich, aber durchaus durchführbar erscheint, entwickelt sich jedoch in eine ganz andere Richtung...

"Wut und Liebe" ist eine Mischung aus Gesellschaftsroman und Krimi, genau wie man es auch von Suters anderen Büchern gewohnt ist. Es kommt zu manch unerwarteten Wendungen und die Sprache ist klar und voll von verstecktem Witz, was das Buch grundsätzlich zu einem großen Lesevergnügen macht.

Die Geschichte selbst war mir aber leider dieses mal etwas zu sehr an den Haaren herangezogen, es wurden mir zu viele Clichées aufgezeigt. Der brotlose Künstler und die reiche, alte Witwe, der böse Geschäftspartner, der glaubt, mit Geld alles kaufen zu können... Mit den Protagonisten konnte ich mich nicht so wirklich anfreunden. Noah ist so naiv, dass es fast weh tut und Camilla fand ich leider auch hochgradig unsympathisch. Daher hatte das Buch trotz der schönen Sprache für mich gewisse Längen und mein Fazit fällt leider nur mittel aus

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Generationenkonflikte

Die Summe unserer Teile
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Lyudmila, Daria und Lucy - Großmutter, Mutter und Tochter. Drei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten, jede ist irgendwie auf der Flucht und so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass wenig Raum für die anderen ...

Lyudmila, Daria und Lucy - Großmutter, Mutter und Tochter. Drei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten, jede ist irgendwie auf der Flucht und so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass wenig Raum für die anderen bleibt. Anstatt miteinander zu sprechen, werden die Familienbande gekappt, man schweigt und geht sich aus dem Weg. Lucy versucht dem Geheimnis der Familie auf die Spur zu kommen, ohne zu wissen, dass sich plötzlich noch mehr Ungereimtheiten auftun und man von einem gemeinsamen Leben weiter entfernt ist denn je.

"Die Summe unserer Teile" ist ein Buch, das ich des Buches wegen mochte. Die Figuren sind klar dargestellt (wobei Lyudmila für mich fast ein bisschen zu kurz kam), die Sprache ist ausschmückend, ohne kitschig zu sein, die Unterteilung in relativ kurze Kapitel, jedes einer der drei Protagonistinnen gewidmet, macht das Lesen leicht.

Leider konnte mich der Inhalt des Buches überhaupt nicht überzeugen, im Gegenteil, die Geschichte, die einzelnen Charaktere und ihr Verhalten haben mich regelrecht aufgewühlt. Eine der Damen ist egozentrischer als die andere, anstatt miteinander zu sprechen, geht man sich aus dem Weg, beendet sogar den Kontakt zueinander. Als sich Lucy auf die Suche nach ihrer Vergangenheit macht und nach Polen reist, kommt Daria dazu, es findet wieder eine Annäherung statt, die - schwupps - wieder abgebrochen wird. Alles ist voller Lügen, es wird nur verurteilt und abgestempelt, ohne sich selbst zu reflektieren. Was mir auch nicht klar ist: wo waren denn die Väter die ganze Zeit? Warum haben sie sich nicht irgendwie eingebracht oder versucht, die drei Damen zu unterstützen? Auch wenn vieles passiert ist, man hat den Eindruck, als hätte keine von ihnen überhaupt auch nur versucht, die andere zu verstehen.

Ich habe bis jetzt nicht verstanden, was die Aussage des Buches sein soll und ich denke, dabei werde ich es wohl belassen.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Eine kurzweilige Fahrt und ein emotionaler Aufbruch

In einem Zug
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Der Autor Ewald Brünhofer trifft auf der Zugfahrt von Wien nach München auf die Psychotherapeutin Catrin, die ihn rasch in ein Gespräch verwickelt. Was von Seiten Brünhofers als kurzer Small-Talk gedacht ...

Der Autor Ewald Brünhofer trifft auf der Zugfahrt von Wien nach München auf die Psychotherapeutin Catrin, die ihn rasch in ein Gespräch verwickelt. Was von Seiten Brünhofers als kurzer Small-Talk gedacht ist, entwickelt sich zu einem tiefergehenden Gespräch über Brünhofers Leben, seinen beruflichen Stillstand und über seine langjährige Ehe mit Gina. Auch wenn sich Brünhofer anfangs gegen den Kontakt wehrt, so lässt er sich doch drauf ein und es entwickelt sich zwischen dem ein oder anderen Glas Wein eine intensive Zugsbekanntschaft, die Brünhofer lange in Erinnerung bleiben wird.

Glattauer ist mit "In einem Zug" einmal mehr ein großartiges Buch gelungen. Ein Buch, in dem sich nicht sehr viel tut, die einzige Handlung liegt in einem Gespräch während einer Zugfahrt, ein Buch, das aber viel aussagt. Die Komplexität von Beziehungen ist ebenso Thema wie zwischenmenschliche Probleme und berufliche Hindernisse. Die Intention der Psychotherapeutin Catrin ist es, Brünhofer zum Nachdenken anzuregen - und genau das passiert auch mit dem Leser.

Große Themen des Lebens werden behandelt, in alter Glattauer-Manier aber nicht belehrend, sondern sehr unterhaltsam, teilweise sogar satirisch. Ein paar Episoden während der Zugfahrt hätte man vielleicht auch kürzen können, manches wiederholt sich ein bisschen. Insgesamt ist "In einem Zug" aber ein gleichzeitig unterhaltsamer als auch nachdenklicher Roman, der sich leicht liest und einen durch die originelle Gliederung in Streckenabschnitte schnell weiterkommen lässt. Ich konnte das Buch tatsächlich "in einem Zug" durchlesen und empfehle es sehr gerne weiter - nicht nur an Leser österreichischer Literatur, sondern auch an alle, die gerne einen Anstoß nützen wollen, um ein bisschen über sich selbst zu reflektieren.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Ein neuer Fall für Liv Lammers

Höllische Küste
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Kommissarin Liv Lammers hat wieder viel zu tun, die Ereignisse auf Sylt überhäufen sich und stören die Inselidylle. Bei einem Fallschirmsprung kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall, bei dem eine Hochzeitsplanerin ...

Kommissarin Liv Lammers hat wieder viel zu tun, die Ereignisse auf Sylt überhäufen sich und stören die Inselidylle. Bei einem Fallschirmsprung kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall, bei dem eine Hochzeitsplanerin stirbt. Was erst als Unfall aussieht, erweist sich schon bald als manipulativer Akt und als es schließlich zu immer mehr Vorfällen kommt, läuft die Tätersuche auf Hochtouren. Wird es Liv und ihrem Team gelingen, den Fall aufzuklären, bevor noch mehr passiert?

Sabine Weiss ist mit "Höllische Küste" einmal mehr ein atmosphärischer Sylt Krimi gelungen, der sowohl von seiner Geschichte als auch von seinem Setting auf der wunderschönen Nordseeinsel überzeugt. Die Idylle ist sowohl den Insulanern als auch den Besuchern wichtig, daher heißt es mit Hochdruck an dem Fall zu arbeiten - auch wenn dadurch vorübergehend Livs Privatleben etwas zu kurz kommt.

Da ich Livs Arbeit von Anbeginn an verfolge, ist jeder Band wie ein "Wiedersehen" mit alten Bekannten und ich mag es, wie sich die Charaktere Buch für Buch weiterentwickeln. Auch der Ort des Krimis ist gut gewählt, und man fühlt sich während des Lesens immer wieder auf die Insel versetzt. Urlaubsgefühle inklusive!

Weiss lässt auch gesellschaftliche Probleme nicht außer Acht, die Kluft zwischen Arm und Reich auf der Insel ist groß und Neid und Missgunst wohl keine Seltenheit. Die Partyszene der Reichen und Schönen steht im Gegensatz zu den Einheimischen, die darunter leiden, dass die Insel immer exquisiter wird, ein Alltag ist für viele gar nicht mehr leistbar.

Einmal mehr schafft es die Autorin, einen durchdachten und sehr spannenden Krimi zu schreiben, bei dem ein Quäntchen Lokalkolorit nicht fehlen darf. Der Spannungsbogen wird aufrecht erhalten und es tauchen immer wieder falsche Fährten auf, die einen das Buch kaum aus der Hand legen lassen. Man will einfach wissen, wie es ausgeht.

Persönlich war ich mit den Ende nicht ganz so glücklich, es erschien mir ein bisschen unrealistisch. Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen und hab mich gefreut, wieder einmal "News" von Liv , ihrer Familie und ihren Freunden zu erfahren. Bis zum nächsten Mal, es gibt ja für Liv bestimmt bald wieder etwas auf Sylt aufzuklären.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Demenz mit Würde

Das Herz kennt keine Demenz
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Jim Ayag ist Altenpfleger auf einer Demenzstation. Eine herausfordernde Aufgabe, die er mit großer Leidenschaft erfüllt - und genau davon handelt sein Buch. Anhand von "Frau Tippelkamp" erzählt er Alltagsgeschichten ...

Jim Ayag ist Altenpfleger auf einer Demenzstation. Eine herausfordernde Aufgabe, die er mit großer Leidenschaft erfüllt - und genau davon handelt sein Buch. Anhand von "Frau Tippelkamp" erzählt er Alltagsgeschichten aus seinem Beruf. "Frau Tippelkamp" steht stellvertretend für all die Patienten mit denen er zu tun hat. Ayag schildert die kleinen Erfolge genauso wie die Niederlagen und Schwierigkeiten, mit denen er im Umgang mit den demenzkranken Menschen zu tun hat, er erzählt lustige Episoden, aber auch Trauriges und das Buch verleitet sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken. Auch der Tod ist Thema und wird genauso wenig ignoriert wie körperliche Einbußen, unter denen die Patienten zu leiden haben oder Veränderungen in der Persönlichkeit, im Tagesrhythmus oder den Vorlieben.

Jim Ayag ist mit "Das Herz kennt keine Demenz" ein sehr wichtiges Buch gelungen, das die verschiedenen Facetten im Umgang mit Demenz-Patienten zeigt. Der Schreibstil ist unterhaltsam und teilweise sogar lustig, sodass man zügig durch das Buch durchkommen kann, wenn man das möchte.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings schon: massiv gestört hat mich auf einer geriatrischen Abteilung arbeitende und täglich mit Demenzkranken konfrontierte Ärztin, dass alle Personen als "Frau Tippelkamp" bezeichnet wurden. Auch wenn das zum Schutz der Anonymität sicher gut gemeint ist, so spiegelt es genau das wider, was eigentlich nicht geschehen soll: Demenzkranke werden ihrer Identität beraubt, werden nicht mehr als der Mensch wahr genommen, der sie eigentlich sind, verlieren an Würde. Das geht oft soweit, dass sie wieder wie Kinder behandelt werden, dass man sie in Einrichtungen unterbringt, in denen Teddybären die Wände zieren. Gut gemeint ist leider nicht immer gut ausgeführt.

Das Buch an sich hat mir aber gut gefallen und ich empfehle es gerne jedem weiter, der, sei es beruflich oder privat, mit dem Thema Demenz konfrontiert ist, oder einfach seinen Horizont erweitern möchte.

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