Noah ist ein Künstler Anfang dreißig. Das Gehalt seiner Freundin Camilla reicht knapp für sie beide. Camilla jedoch hat sich mehr vom Leben erhofft, weshalb sie sich von Noah trennt. Es ist eine Kopfentscheidung, doch wann, wenn nicht jetzt, soll sie ihre Zukunft in die Hand nehmen? Um seine verlorene Liebe zurückzugewinnen, ist Noah zu allem bereit. Als eine ältere Dame ihm die Chance bietet, zu einem Vermögen zu kommen, lässt er sich auf den zweifelhaften Deal mit ihr ein.
Ironisch, nicht zynisch, so empfinde ich die meisten Bücher von Martin Suter, von denen ich schon einige gelesen habe, und so ist auch dieses geschrieben.
Eine hoch interessante Geschichte, um Liebe und ...
Ironisch, nicht zynisch, so empfinde ich die meisten Bücher von Martin Suter, von denen ich schon einige gelesen habe, und so ist auch dieses geschrieben.
Eine hoch interessante Geschichte, um Liebe und Bedürfnisse, Kunst und Geltungssucht, Manipulation und Täuschung, und ein gekonntes Verwirrspiel um Wahrheit und Lüge.
Besonders beeindruckt hat mich, dass trotz vieler moralischer Konflikte Martin Suter kein bisschen den moralischen Zeigefinger hebt, sondern seine Personen einfach machen lässt und ihnen - lächelnd und weise -dabei zusieht, wie sie sich irren, sich verlaufen, sich verstricken, suchen und finden, oder auch nicht, ihr Leben leben oder das, was sie dafür halten.
Der ziemlich erfolglose Künstler Noah wird von seiner Freundin Camilla verlassen, die nicht mehr dazu bereit ist, ihn durchzufüttern, weil sie sich mehr vom Leben verspricht. Als Noah die ältere Betty ...
Der ziemlich erfolglose Künstler Noah wird von seiner Freundin Camilla verlassen, die nicht mehr dazu bereit ist, ihn durchzufüttern, weil sie sich mehr vom Leben verspricht. Als Noah die ältere Betty kennenlernt und diese ihm ein zweifelhaftes Angebot macht, schlägt Noah ein, nicht ahnend, worauf er sich einlässt.
»Wenn du ihn liebst, aber das Leben mit ihm nicht, musst du dich für eines von beiden entscheiden.« (Seite 166)
Dieses Buch war ganz anders als erwartet, es war Roman, Liebesgeschichte, Drama, Tragödie und Krimi in einem, sogar Anteile eines Spionagethrillers konnte man darin finden. Gelesen habe ich es mit einem kleinen Augenzwinkern, was notwendig war, da mir beide Protagonisten von Anfang an unsympathisch waren, was sicherlich Absicht gewesen ist. Im Laufe der Geschichte, die amüsant und voller unerwarteter Wendungen war, änderte sich dies aber, was an dem großartigen Plot lag. Immer wenn ich dachte, dass nun alles offengelegt wurde, gab es einen Twist, der mich verblüffte. Insgesamt eine geniale und brillante Erzählung, die unterstreicht, was für ein meisterhafter Erzähler der Autor ist. Lesen!
Als großer Suter Fan wurde ich auch mit dem aktuellen Werk nicht entäuscht. Es geht um nichts geringeres als die Liebe. Und ein bisschen Geld, um zu leben. Aber wenn das Geld nicht reicht bzw. ...
Als großer Suter Fan wurde ich auch mit dem aktuellen Werk nicht entäuscht. Es geht um nichts geringeres als die Liebe. Und ein bisschen Geld, um zu leben. Aber wenn das Geld nicht reicht bzw. einseitig von der Partnerin Camilla in die Beziehung gebracht wird, weil Noah als freischaffender Künstler schon lange auf Durchbruch wartet, sind Differenzenn vorprogrammiert.
Der Schreibstil ist hervorragend, literarisch, spannend, sachlich, mit Witz und indirekt voller Emotionen.
Zum Glück (oder?) tritt zufällig die ältere Dame Betty in Noahs Leben, scheint sich hier eine kriminelle Lösung aller Geldsorgen anzubahnen? Vor allem das Ende hat es in sich. Komplett unvorhergesehen macht es den Roman einzigartig. Für mich Lesegenuss pur. Der Roman wird auch auf seiner Lesereise im Herbst mit hochkarätiger Besetzung lebendig werden.
Was haben ein mittelloser Künstler, eine karrierebewusste Buchhalterin und eine wohlhabende, alte Dame gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts – doch in Martin Suters neuem Roman Wut und Liebe kreuzen sich ...
Was haben ein mittelloser Künstler, eine karrierebewusste Buchhalterin und eine wohlhabende, alte Dame gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts – doch in Martin Suters neuem Roman Wut und Liebe kreuzen sich ihre Lebenswege in einer Geschichte über emotionale Abhängigkeiten, moralische Abgründe und die verzweifelte Suche nach Kontrolle über das eigene Leben.
Noah ist Anfang dreißig, ein Maler mit Talent, aber ohne wirtschaftlichen Erfolg. Seine Freundin Camilla – Buchhalterin, rational, zukunftsorientiert – trägt die finanzielle Last der Beziehung. Als sie sich trennt, wirkt es wie eine kluge Entscheidung: „Ich liebe dich, aber nicht das Leben mit dir.“ Eine nüchterne Trennung – oder doch eine Flucht vor einem Leben, das nicht den Erwartungen entspricht?
Was folgt, ist keine klassische Liebesgeschichte. Es ist vielmehr ein Roman über das, was nach dem Liebes-Aus bleibt: Wut, Leere, der Drang, sich zu beweisen – und eine fast groteske Hoffnung, durch materielle Sicherheit die Liebe zurückzugewinnen. Genau an diesem Punkt tritt Betty Hasler auf den Plan. Alt, scharfzüngig und reich, bietet sie Noah einen „Deal“ an, der auf Rache basiert – und auf ein Millionenvermögen. Moralisch fragwürdig? Absolut. Doch Suter macht deutlich: In der Grauzone zwischen verletzter Würde und menschlichem Verlangen gibt es selten eindeutige Entscheidungen.
Was Suter in diesem Roman wieder mal gelingt, ist die Balance zwischen psychologischer Tiefe und leichter, eleganter Erzählweise. Die Figuren wirken nie wie Stereotype – oft verwirrend, manchmal töricht, aber immer nachvollziehbar in ihren Widersprüchen. Besonders Noah, der zwischen Hilflosigkeit, kreativer Sehnsucht und wachsender Wut schwankt, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer tragischen Figur – nicht, weil er scheitert, sondern weil er glaubt, mit dem richtigen Einsatz die Liebe zurückkaufen zu können.
Auch Camilla ist mehr als nur die „kalte Berechnende“. Im zweiten Handlungsstrang gewinnt sie an Profil, versucht sich selbst zu behaupten – und verfängt sich dabei in einer eigenen Spirale aus Täuschung, Ernüchterung und Selbstinszenierung. Das Besondere: Auch sie wird von ihrer Version der Liebe angetrieben, aber in einer ganz anderen Tonlage als Noah.
Zwischen den Kapiteln entfaltet sich allmählich ein Beziehungs- und Gesellschaftsdrama, das sich gegen Ende zu einem fast thrillermäßigen Wirtschaftskrimi zuspitzt. Mit einem Gespür für Tempo und Timing lässt Suter die Handlung Fahrt aufnehmen, verwebt Kunstwelt mit Finanzskandalen, persönliche Niederlagen mit struktureller Ungerechtigkeit. Und dabei bleibt stets die titelgebende Ambivalenz: Wut und Liebe – beide Gefühle bedingen einander, nähren sich gegenseitig, fließen ineinander über.
Camilla und Noah sind ein junges Paar Anfang 30, noch immer verliebt und doch nicht völlig zufrieden und glücklich. Noah schlägt sich mehr schlecht als recht als Künstler durch und wartet bisher vergebens ...
Camilla und Noah sind ein junges Paar Anfang 30, noch immer verliebt und doch nicht völlig zufrieden und glücklich. Noah schlägt sich mehr schlecht als recht als Künstler durch und wartet bisher vergebens auf den ersehnten Durchbruch, der nicht nur Anerkennung sondern ihm und auch Camilla ein selbstbestimmteres, freieres Leben ermöglichen könnte. Und so blieb es bisher an Camilla mit einem Brotjob in der Buchhaltung, der sie alles andere als erfüllt, das gemeinsame Leben zu finanzieren. Es mag daher nicht völlig verwundern, dass sie einiges Tages zu dem Entschluss kommt, dass sie zwar Noah liebt, aber nicht das Leben mit ihm und sich deshalb konsequenter Weise von ihm trennt - jetzt wo sie noch jung und schön ist und die Chance auf eine Versorgerehe mit einem wohlhabenden Gönner hat. In seiner Verzweiflung darüber lernt Noah in einer Bar die ältere, wohlhabende Witwe Betty kennen, die nach dem Tod ihres Mannes nichts sehnlicher herbeiwünscht, als den, den sie dafür verantwortlich sieht, für den Tod ihres geliebten Pat büßen zu sehen.
Mit diesen Zutaten entspinnt Suter eine kurzweilige Erzählung nicht nur über Wut und Liebe, sondern auch Freundschaft, die Kunstwelt, Wahrheit, Lüge und Täuschung und letztlich die Frage worauf es im Leben ankommt. Der Roman lebt insbesondere von den starken Frauenfiguren darin, die die Handlung zu bestimmen scheinen und sich trotz einiger Metoo-Attitüden der männlichen Figuren gekonnt ihren Weg bahnen. Die handelnden Personen hatten für mich keine größere Tiefe, und das brauchten sie auch nicht, der Roman lebt von seiner Handlung, geschickten Wendungen und einer überraschenden Pointe - und liefert so ausgezeichnete Unterhaltung!
Der Schreibstil ist angenehm flüssig, die Dialoge authentisch und klug, der Ton manchmal ironisch bis humorvoll. Mir hat der Roman kurzweilige Lesestunden beschert und dafür gebe ich gern 5 Punkte!