Profilbild von Snowcat

Snowcat

Lesejury Star
offline

Snowcat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Snowcat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2024

Großartig!

Starling House
0

Der geistreiche, bildgewaltige Schreibstil, die interessanten Charaktere und die unheilvollen Begebenheiten machen “Starling House” zu einem mitreißenden, schaurig schönen Leseerlebnis!

Starling House, ...

Der geistreiche, bildgewaltige Schreibstil, die interessanten Charaktere und die unheilvollen Begebenheiten machen “Starling House” zu einem mitreißenden, schaurig schönen Leseerlebnis!

Starling House, ein heruntergekommenes Herrenhaus übt auf die Mittzwanzigerin Opal eine seltsame Faszination aus. Die Autorin des berühmt berüchtigten Kindebuches “The Underland” ließ es im späten 19. Jahrhundert am Stadtrand des kleinen Ortes Eden erbauen. Als Kind ist Opal regelmäßig in die Geschichte dieses Buchs ein- und abgetaucht, nun ist es das gruselige Gebäude selbst, das sie magisch anzieht.

Opals Leben scheint hoffnungslos verbockt: Sie hat die Schule mit sechzehn abgebrochen, um nach dem Tod der Mutter den Lebensunterhalt für ihren jüngeren Bruder und sich zu verdienen. Das Geld reicht allerdings kaum für das Nötigste, dabei will sie sparen, um ihren begabten Bruder auf eine Privatschule zu schicken. Sie führt ein beschwerliches Leben, auf nahezu fatalistische Art und Weise, weil sie nicht erkennt, dass sie nicht auf sich allein gestellt ist.

Eine seltsame Begegnung führt dazu, dass Opal eine gut bezahlte Stelle als Haushälterin ergattert: Sie soll Starling House auf Vordermann bringen. Es gibt viele Gerüchte über das Gebäude, das kaum jemand je betreten hat. Es ist ein moderner Mythos, dabei ist die Stadt an sich, in der es eine auffällige Häufung von Überschwemmungen, bizarren Unfällen, plötzlichen Todesfällen, Krebserkrankungen und vermissten Kindern gibt, Grauen erregend. Wohnt übernatürlich Böses in Eden, oder sind die bigotten Bewohner: innen und der folgenreiche Kohleabbau die Schreckgespenster der Stadt?

Die vielschichtige Wahrheit entfaltet sich Stück für Stück, und sie enthält erschütternde Enthüllungen, die Opals Welt auf den Kopf stellen. “Starling House” ist ein fantastisches Schauermärchen und ein Gesellschaftsroman, eine Geschichte über tragische, unkonventionelle Familien, bedingungslose Hilfsbereitschaft, Generationen von machtmissbrauchenden, geldgierigen Unternehmern, Scheinheiligkeit, Rache sowie darüber, dass die Realität schlimmer sein kann als das finsterste Märchen.

Die komplexe Handlung ist spektakulär eindrücklich, einfallsreich, ergreifend, fesselnd sowie wendungsreich gestaltet, und grandioser Galgenhumor verleiht den scharfsinnigen, manchmal brutal ehrlichen, Schilderungen Leichtigkeit, ohne sie abzuschwächen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2024

WOW!

Die Katze
0

Charley ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und eine berühmt berüchtigte Kolumnistin. Ihre sehr subjektiven Kolumnen zu sehr persönlichen Themen rufen gleichermaßen Begeisterung wie Hass hervor. ...

Charley ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und eine berühmt berüchtigte Kolumnistin. Ihre sehr subjektiven Kolumnen zu sehr persönlichen Themen rufen gleichermaßen Begeisterung wie Hass hervor. Sie wird sogar bedroht: Einige finden, dass sie, die nie verheiratet war, deren Kinder unterschiedliche Väter haben, gefährlich oberflächlich ist, sodass sie ihr und ihren Sprösslingen den Tod wünschen.

Dann ergibt sich die Möglichkeit ein Buch über ein verurteile Kindermörderin zu schreiben: Die junge Jill, die drei Kinder gequält und getötet hat, bietet Charley ihre Geschichte, die ganze Geschichte, an.

Jill stellt sich schnell als unzuverlässige Erzählerin mit heraus: Mal ist sie fordernd, mal unterwürfig. Sie lügt offensichtlich bei unbedeutenden Dingen, verstrickt sich in Widersprüche, ist oft zu traumatisiert, um über “Unangenehmes” zu sprechen, wird schnell feindselig, wirkt mal manipulativ, mal wie ein Kleinkind, dass sich richtig und falsch nich nicht versteht - z.B. Die blöde Katze hat mich gekratzt, da musste ich eben mit einem Messer auf sie einstechen, damit sie aufhört. Bei ihr wurde eine Borderline-Störung mit narzisstischen Zügen sowie Empathielosigkeit diagnostiziert, zudem gibt es Hinweise auf Misshandlungen während ihrer Kindheit. Jills Geschwister äußern sich ebenfalls uneindeutig, widersprüchlich und wankelmütig dazu. Ich habe mich gefragt, warum sich Charley mit ihr abgibt. Unabhängig davon, ob man sie als Opfer der Umstände, unzurechnungsfähig oder perfide betrachtet, die Zusammenarbeit mit ihr bringt viel Frust und kaum neue Fakten.

Das Projekt Jill bringt Charley zudem zusätzlich in Gefahr: Die Drohungen werden immer konkreter und Charley muss erkennen, dass ihre journalistischen Ambitionen ein echtes Risiko darstellen...

Dann sind da noch komplizierte Familienverhältnisse, amüsant anstrengendes Austauschen von Gefälligkeiten mit Bekannten, und Jills Anwalt, der sich nicht entscheiden kann, ob er sich professionell distanziert oder persönlich engagiert geben will. Darüber hinaus ergeben sich beunruhigende Verbindungen zwischen ihrem Privatleben und dem Projekt Jill.

Ich habe “Die Katze” an einem Nachmittag angefangen und als ich spät abends vor dem Schlafengehen wieder zu dem Buch gegriffen haben, habe ich die Nacht durchgelesen, weil ich unbedingt wissen musste, wie es endet! Und es hat sich gelohnt, den die Wahnsinns-Wendungen bzw. die Auflösung hat es in sich!

Die komplexe, erschütternde Handlung wird ungemein rätselhaft, düster, schwarzhumorig, psychologisch interessant und fesselnd erzählt! Joy Fielding hat ein geniales Gespür für verkorkste Charaktere und faszinierend verstörende Figurendynamiken, die sie zudem scharfsinnig unterhaltsam geschildert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2024

Vielschichtig & fesselnd!

Die Auszeit
0

Ein exklusives, abgelegenes Retreat in den Alpen, eine berühmte Influencerin mit ihrer Clique und ein mysteriöser Mord - der die perfekt geplante Luxus-Auszeit in einen Albtraum verwandelt.

Alle sind ...

Ein exklusives, abgelegenes Retreat in den Alpen, eine berühmte Influencerin mit ihrer Clique und ein mysteriöser Mord - der die perfekt geplante Luxus-Auszeit in einen Albtraum verwandelt.

Alle sind alle jung, schön und erfolgreich – auch Pierre, der Besitzer sowie Betreiber des Retreats. Doch unter der Fassade simmern komplizierte Konflikte und gefährliche Geheimnisse, sodass Freundschaft, Liebe & Leidenschaft sich allmählich in Misstrauen, Verachtung & Eifersucht verwandeln.

Der atmosphärische Schreibstil, der raffinierte Handlungsaufbau, die düstere Dynamik zwischen den Figuren und erschütternde Enthüllungen, die unter die Haut gehen, machen “Die Auszeit” zu einem packenden Thriller!

Das Buch hat mich begeistert, obwohl ich mich nicht für die Welt der Influencer: innen interessiere, denn die Geschehnisse innerhalb des glamourösen Rahmens sind facettenreich, psychologisch hoch interessant und überraschend gestaltet!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2024

Abgefahren!

Love Letters to a Serial Killer
0

Der tragisch komische Stil ist ungemein unterhaltsam und Hannahs Lebenslage bzw. ihre Persönlichkeit erklärt, wieso sie sich mit einem mutmaßlichen Serienkiller einlässt. Ich fand die Hintergründe unerwartet ...

Der tragisch komische Stil ist ungemein unterhaltsam und Hannahs Lebenslage bzw. ihre Persönlichkeit erklärt, wieso sie sich mit einem mutmaßlichen Serienkiller einlässt. Ich fand die Hintergründe unerwartet gehaltvoll und psychologisch interessant. Die durchdachte Dramaturgie, in die die Briefe bzw. Auszüge daraus sowie verworfene Entwürfe mit einfließen, macht das Geschehen ungemein packend!

Hannah entscheidet sich nahezu zwanghaft fast immer für das “Falsche”! Ich fand sie ziemlich unreif für eine Frau von Anfang Dreißig, was bestimmt gewollt ist, ihre emotionale Bedürftigkeit und ihre Verzweiflung über jeden Aspekt ihres Lebens empfand ich manchmal trotzdem als etwas überspitzt. Sie ist zwar selbstkritisch, hat aber nicht die Willenskraft, um das “Richtige” zu tun. Ihre himmelschreiend unvernünftigen Aktionen sind jedoch sehr amüsant!

Sie ist unendlich frustriert: Männer benutzen sie nur, ihre beste, glücklich liierte Freundin hat kaum noch Zeit für sie und beruflich ist sie in einer Sackgasse gelandet. Die mediale Präsenz einer Mordserie an Frauen bzw. der Austausch darüber in einem True-Crime-Forum bietet da die perfekte Abwechslung. Ihr aufregendes Hobby verschluckt sie regelrecht, sodass sie ihren Job vernachlässigt, was nicht ohne Folgen bleibt. Als ein attraktiver Anwalt für die Morde verhaftet wird, schreibt sie ihm. Sie empört sich über seine zerstörerischen Taten und erklärt ihm, was sie von ihm hält. Er antwortet, was sie überrascht, was er zu sagen hat, überrascht sie noch mehr, sodass ein reger Briefwechsel entsteht. Der vermeintliche Serienkiller gibt einerseits viel von sich preis, bleibt anderseits sehr vage. Als während des Prozesses weitere Informationen ans Licht kommen, beginnt sie in seiner Vergangenheit zu wühlen, um herauszufinden, ob/wieso er zum Mörder wurde. Als ihre Vorstellungen, Hoffnungen und Ängste der letzten Wochen konkret werden, muss sie sich fragen, was sie wirklich will...

„Love Letters to a Serial Killer“ ist ein facetten- und ereignisreicher, schwarzhumorig skurriler, mitreißender sowie überraschend gestalteter Thriller, mit emotionaler Tiefe, der mit fortschreitendem Handlungsverlauf immer spannender wird! Das Ende war mir etwas zu “abgefahren”, aber es ist ziemlich passend, zudem ungewöhnlich!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.09.2024

Märchenhaft und modern!

Mirror: Weiß wie Schnee
0

Die Münchnerin Lena ist Psychiaterin und sie hat das Sorgerecht für ihre 16-jährige Stiefschwester Anna. Seit Lenas Freund eingezogen ist, hängt der Haussegen jedoch schief. Zudem ist Lena frustriert, ...

Die Münchnerin Lena ist Psychiaterin und sie hat das Sorgerecht für ihre 16-jährige Stiefschwester Anna. Seit Lenas Freund eingezogen ist, hängt der Haussegen jedoch schief. Zudem ist Lena frustriert, weil sie Anna bei einem entscheidenden Problem nicht helfen kann.

In der Märchenwelt leidet ihr Zwilling, die böse Stiefmutter, unter den Schikanen des Königs und denen Schneewittchens. Auf der Suche nach einem Ausweg tauscht sie mit Hilfe des Zauberspiegels den Platz mit Lena.

Die pragmatische Lena findet sich mit ihrer neuen Lage ab und da der Zauberspiegel als Kommunikations-Kanal dient, sichert sie der bösen Königin zu, ihr Leben in Ordnung zu bringen, sodass sie zurücktauschen können. Lena glaubt an Liebe und Verständnis als Lösung, schließlich läuft es für die böse Stiefmutter nur schlecht, weil sie sich wie ein Biest verhält, oder?

Während des Spiegel-Chats bietet die böse Königin immerhin an, sich in Gegenzug um Lenas Probleme in München zu kümmern...

Lena plant in der Märchenwelt das Happy End und trifft währenddessen auch Figuren aus anderen Märchen an - diese Begegnungen verändern alles...

Der locker leichte, humorvolle Schreibstil ist mitreißend, die Dynamik zwischen den Charakteren ist mal amüsant, mal unheilvoll, mal bewegend, und die ereignisreiche, kreativ gestaltete Handlung ist mysteriös sowie spannend!

Geheimnisvolle Magie, unerwartete Erkenntnisse und unverhoffte Freunde wie Feinde in beiden Welten sorgen für einige Überraschungen!

“Mirror: weiß wie Schnee” ist eine packende, witzig spritzige Märchen-Neuerzählung mit einfallsreichen Alternativ-Ansätzen, die “die Moral von der Geschicht” auf den Kopf stellt!

Das Buch ist allerdings nicht “nur” unterhaltsam sowie fesselnd, die Autorin hat auch gekonnt wichtige Themen in die märchenhafte Handlung eingebaut: Gleichberechtigung/Diskriminierung, Offenheit/Voreingenommenheit, Emanzipation/Schicksalsergebenheit und vieles mehr!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere