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Veröffentlicht am 15.08.2025

Bittersüß

Das Geschenk des Meeres
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Schottland, Winter 1900. Am Strand von Skerry (ein fiktiver Ort) ein Junge angeschwemmt. Der Fischer Joseph findet ihn und trägt ihn ins Dorf, wo alle erschüttert reagieren, denn das Kind sieht dem vermissten ...

Schottland, Winter 1900. Am Strand von Skerry (ein fiktiver Ort) ein Junge angeschwemmt. Der Fischer Joseph findet ihn und trägt ihn ins Dorf, wo alle erschüttert reagieren, denn das Kind sieht dem vermissten Sohn der Lehrerin Dorothy sehr ähnlich. Sie nimmt den Jungen auf, bis seine Identität geklärt ist. Doch das Kind wühlt die ungeklärte Vergangenheit auf: warum war Joseph an dem Tag am Strand, als der fremde Junge angespült wurde UND in der Nacht, als Dorothys Sohn verschwand? Warum ist es zwischen Dorothy und Joseph, die sich offensichtlich zueinander hingezogen fühlen, so kompliziert?

Man ist sofort mitten im Geschehen und der atmosphärische, ausdrucksstarke Erzählstil ist ruhig, gleichzeitig schnell voranschreitend – absolut fesselnd! Ich konnte den Wind, die Kälte - den rauen Winter an der Küste Schottlands und die komplexen Gefühle der Figuren fast spüren!

Die düstere Stimmung, die mysteriöse Handlung und die interessante Figurendynamik sind durchweg packend und das Setting sowie die Zeitreise geben dem Buch meiner Meinung nach etwas Märchenhaftes.

“Das Geschenk des Meeres” ist eine bewegende Geschichte mit emotionaler Tiefe, großartig gezeichneten Charaktere, die eine berührende Entwicklung durchmachen und einer unwiderstehlich bittersüßen Atmosphäre.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Ich habe es in zwei Zügen verschlungen!

Die Frau in den Fluten
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Kanada, Pazifikküste: Die eigentümliche, 40-jährige Außenseiterin Chloe ist eine talentierte Hobby-Malerin, sie kümmert sich um ihre todkranke Mutter, arbeitet als Hundeausführerin, als Bartenderin und ...

Kanada, Pazifikküste: Die eigentümliche, 40-jährige Außenseiterin Chloe ist eine talentierte Hobby-Malerin, sie kümmert sich um ihre todkranke Mutter, arbeitet als Hundeausführerin, als Bartenderin und liebt es andere zu beobachten. Die neuen Nachbarn Gemma und Adam haben es ihr besonders angetan - sie wird regelrecht besessen von der glamourösen Gemma. Als Chloe einem gewaltigen, schmutzigen Geheimnis auf die Spur kommt, beobachtet sie eines Morgens, wie die im Meer schwimmende Gemma von einem Jetski angefahren wird – offenkundig absichtlich! Sie meldet den Vorfall der Polizei und nennt sogar den Namen des Fahrers, aufgrund ihrer Beobachtungen weiß sie schließlich genau, wer ein Motiv hatte. Ab jetzt wird es verflixt kompliziert und Chloe gerät in einen Sog aus Missverständnissen, Täuschungen sowie perfiden Plänen ...

Erzählt wird aus Chloes, Gemmas und Adams Sicht, auf verschiedenen Zeitebenen, zudem gibt es Auszüge aus einem True-Crime Podcast, in dem die verstörenden Hintergründe aller Beteiligten beleuchtet werden.

Chloes Mutter ist sehr düster drauf, sie warnt ihre Tochter ständig vor dem Bösen und gibt sich verschlossen bezüglich ihrer Vergangenheit: Chloe weiß nur, dass ihre Mutter Engländerin ist. Sie weiß nichts über ihren Vater oder warum sich ihre Mutter in Kanada niedergelassen hat. Ihre Beziehung ist von bedrückender Intensität: Chloe bekam Homeschooling, wurde (absichtlich oder unbeabsichtigt) klein gehalten und die mahnenden Worte ihrer Mutter haben sich zu ihrer inneren Stimme entwickelt. Sie ist einsam, labil und weiß, dass alle sie seltsam finden.

Gemma und Adam haben Schreckliches erlebt, doch während Adam darüber hinweggekommen ist, leidet Gemma noch sehr. Der Umzug soll ein Neuanfang sein, aber zwischen den beiden ist nichts wie es scheint ...

Die einzelnen Handlungsstränge sowie Andeutungen münden in entsetzlichen Enthüllungen und entfalten sich auf einer kurvenreichen Reise allmählich zu einem überraschenden, erschütternden Gesamtbild.

Der atmosphärische, ausdrucksstarke Erzählstil, die faszinierend verstörenden, toll gezeichneten Figuren (auch die Nebenfiguren), das Setting (die nördliche Pazifikküste im Herbst), die vielschichtige, mysteriöse, spannende Handlung und die gleichermaßen verblüffende wie überzeugende Auflösung haben mich restlos begeistert!

“Die Frau in den Fluten” ist ein Psychodrama (über die weitreichenden Folgen einer Entwicklungshemmung) in einem packenden, wendungsreichen, bewegenden Thriller!

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Packend!

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Die Buchhalterin Dawn ist anders – ich vermute, sie soll als neurodivergent gelten, möglicherweise mit einer Persönlichkeit aus dem Autismus-Spektrum – und aufgrund ihrer Eigenheiten ist sie im Büro sehr ...

Die Buchhalterin Dawn ist anders – ich vermute, sie soll als neurodivergent gelten, möglicherweise mit einer Persönlichkeit aus dem Autismus-Spektrum – und aufgrund ihrer Eigenheiten ist sie im Büro sehr unbeliebt. Als sie eines Morgens nicht zur Arbeit erscheint und sich auch nicht krank meldet, wird ihre Kollegin Natalie misstrauisch - schließlich gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass Dawn Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Dann häufen sich seltsame Begebenheiten und Natalie gerät in ein Netz aus dunklen Geheimnissen, Lügen sowie Gefahr ...

Ich fand die Handlung von Anfang an spannend und rätselhaft! Der Erzählstil hingegen wirkte auf mich eher schlicht – für meinen Geschmack fehlten Atmosphäre sowie Ausdrucksstärke. Die Figuren waren mir eher unsympathisch, was jedoch vermutlich beabsichtigt ist!?

„Die Kollegin“ ist ein ereignisreicher, fesselnder Thriller, auch wenn ich einiges als konstruiert bzw. wenig plausibel empfand. Ich (eine seeehr erfahrene Krimi- und Thriller-Leserin) habe ich viele Wendungen vorhergesehen – aber viele auch nicht. In puncto Spannung und Überraschungen kann man sich wirklich auf Freida McFadden verlassen!

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Spannung und Substanz!

Eisenblume
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Spannung und Substanz!

“Eisenblume “ ist der 2. Band der “Fredrika Storm-Reihe" - man kann das Buch ohne Vorkenntnisse lesen, da Entscheidendes zusammengefasst einfließt. Ich denke aber, dass es besser ...

Spannung und Substanz!

“Eisenblume “ ist der 2. Band der “Fredrika Storm-Reihe" - man kann das Buch ohne Vorkenntnisse lesen, da Entscheidendes zusammengefasst einfließt. Ich denke aber, dass es besser ist, den 1. Teil zu kennen: ich habe ihn gelesen, jedoch vor knapp zwei Jahren, und ich musste immer wieder kurz überlegen was wie zusammenhängt, denn viele Aspekte aus Fredrikas Privat- und Berufsleben aus Band eins werden hier weitergeführt!

Zwei Jugendliche entdecken eine Leiche in einer Wand eines Lost Place - der verfallenen Lunder-Psychiatrie. Dieser Fund führt Fredrika und ihren Kollegen Henry zu einem Cold Case von 1987 - damals verschwanden zwei Patienten und sie wurden nie gefunden.

Um wessen Leichnam handelt es sich? Was ist damals geschehen? Und wo ist der andere Patient bzw. die andere Patientin? Lebt er oder sie noch?

Erzählt wird hauptsächlich aus Fredrikas Sicht, ihre Kollege Henry und einige Zeugen kommen auch sporadisch zu Wort – was wirklich interessante Einblicke mit sich bringt! Neben, den Ermittlungen, die ereignisreich, rätselhaft sowie spannend gestaltet sind, geht es um Henrys kompliziertes Privatleben, Fredrikas komplexe Familienprobleme, ihre frische Beziehung sowie die neuerdings gestörte Dynamik zwischen ihr und Henry ...

Der atmosphärische, ausdrucksstarke Stil macht alles greifbar und die Figuren(dynamik), die gesellschaftlichen Aspekte, die Nebenhandlungen sowie natürlich die Haupthandlung sind vielschichtig und (psychologisch) interessant gestaltet. In dem Cold Case geht es um schwierige Familienverhältnisse, Außenseiter, Klassismus, arrogante Götter in weiß, Machtmissbrauch, gut gehütete Geheimnisse sowie Interessenkonflikte ...

Fredrika und Henry stoßen lange auf mehr Fragen als Antworten, ehe sich allmählich erschütternde Erkenntnisse ergeben, dann überschattet die grauenvolle Vergangenheit die Gegenwart ...

“Eisenblume” ist ein wirklich wendungsreicher Krimi mit Spannung und Substanz!

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein bittersüßes modernes Märchen

Der verschwundene Buchladen
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In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart ...

In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart verschlägt es Martha und Henry ebenfalls nach Dublin: Die gescheiterte Studentin Martha ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann und der Engländer Henry, ein Spezialist für antiquarische Schätze, sucht einen verloren gegangenes Manuskript, dass er in einem mysteriösen Buchladen vermutet.

Opaline, Martha und Henry erleben allerlei Aufregendes: Rätselhaftes, Tragisches, Wundervolles ...

Der atmosphärische, lebendige Erzählstil und die liebenswerten Charaktere haben mich direkt eingesaugt (obwohl ich Martha nicht selten sehr naiv fand). Besonders Henry hat es mir angetan, er kommt eloquent, aber unbeholfen, selbst-ironisch, aber unsicher daher. Er hat mich an die Rollen erinnert, mit denen Hugh Grand in den 1990ern berühmt geworden ist: Ein toller Kerl, der seinen Gefühlen nicht traut, weshalb er neurotisch bzw. umständlich agiert.

Die exzentrische Witwe Madam Bowden, eine ältere, undurchsichtige Dame, die Martha einen Job, eine Unterkunft und wertvolle Unterstützung anbietet, war für mich allerdings die heimliche Protagonistin!

Die ereignis- einfalls- sowie wendungsreiche Handlung, in der es neben allem rund um Bücher auch Freundschaft, Familie, Selbstermächtigung, grausame Frauenfeindlichkeit und romantische Liebe geht, ist zudem geheimnisvoll, süß, unterhaltsam, bewegend und somit absolut packend! Ich habe das Buch in nur zwei Zügen inhaliert!

“Der verschwundene Buchladen” ist für mich ein Fall von “Der Weg ist das Ziel”, da ich das Ende ein bisschen enttäuschend fand. Mir ist klar, dass beim magischen Realismus oft einiges offenbleibt, aber hier gibt es für meinen Geschmack zu viele vage Erklärungen bzw. unbeantwortete Fragen, sodass ich die Geschichte schließlich als etwas lückenhaft empfand.

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