Dystopie über Sehnsucht und Menschlichkeit - trotz toller Idee nicht ganz überzeugend
Die unendliche Sehnsucht der HaushaltsgeräteIn Smarthomes in naher Zukunft wird alles automatisch erledigt und geregelt: alle Haushaltsgeräte werden über eine Smartwatch gesteuert und das gesamte Leben aller Bürger wird über ein Raster gesteuert ...
In Smarthomes in naher Zukunft wird alles automatisch erledigt und geregelt: alle Haushaltsgeräte werden über eine Smartwatch gesteuert und das gesamte Leben aller Bürger wird über ein Raster gesteuert und kontrolliert. In einem solcher Smarthomes leben Harold und Evie, beide Rentner. Nach dem tragischen Tod Eves ist Harold auf sich alleine gestellt und seine fast verschollene Tochter Kate darf ihn besuchen. Der kleine Staubsaugerroboter Scout und der Nachbarsjunge Adrian helfen Harold, in seinem Zuhause bleiben zu dürfen. Doch das Raster ist gnadenlos und der Plan, Harolds Zuhause zu erhalten, ist gefährlich...
Mich haben sofort das das Cover und der ungewöhnliche Titel des Buchs angesprochen. Der Klappentext verspricht eine "Wohlfühlgeschichte" rund um einen kleinen Staubsaugerroboter und ich hatte mich auf eine locker-leichte Geschichte gefreut. Allerdings ist der Klappentext meiner Meinung nach irreführend, denn im Zentrum stehen nicht nur Adrian und Scout sondern auch Harold und Kate. Es ist ebenso keineswegs eine Wohlfühlgeschichte zum "weg lesen" sondern wird immer mehr zum Thriller im Laufe der Handlung.
Der Anfang hat mir gut gefallen, der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen. Man lernt die Bewohner des Hauses kennen und die Haushaltsgeräte, die untereinander kommunizieren können. Gerade Scout mit ihrer neugierig-naiven Art sticht hervor und ist mehr als liebenswert. Ebenso Harold, Evie und Adrian sind direkt sympathisch, wenngleich sie mehr Tiefe verdient hätten. Leider blieben für mich beim Lesen bis zum Schluss alle Zusammenhänge, gerade innerhalb des Rasters und wie es agiert, unklar und es wurde zu wenig erklärt. Zudem gibt es noch sogenannte "Dissidenten", die unerkannt außerhalb des Rasters leben als eine Art Widerstand, gerade da hätte ich mir noch viel mehr Einblicke gewünscht.
Der Aufbau der Geschichte ist zunächst vielversprechend und man fiebert einer großen Auflösung entgegen. Die Handlung bremst sich aber an vielen Stellen selbst aus und tritt auf der Stelle, ein wirklicher Plottwist bleibt aus. Einzig Scout mit ihrer unbedarften und hilfsbereiten Art bringt Leben und Farbe in die ansonsten oft ereignislose Handlung. Das Potenzial des Szenarios, das in naher oder ferner Zukunft durchaus realistisch erscheint beim Lesen (es gibt ja bereits jetzt schon "Smarthomes und selbstfahrende Autos), hätte für mich viel mehr ausgeschöpft werden können. Mich konnte das Buch leider nicht ganz überzeugen trotz toller Ausgangslage.