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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2026

Dystopie über Sehnsucht und Menschlichkeit - trotz toller Idee nicht ganz überzeugend

Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte
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In Smarthomes in naher Zukunft wird alles automatisch erledigt und geregelt: alle Haushaltsgeräte werden über eine Smartwatch gesteuert und das gesamte Leben aller Bürger wird über ein Raster gesteuert ...

In Smarthomes in naher Zukunft wird alles automatisch erledigt und geregelt: alle Haushaltsgeräte werden über eine Smartwatch gesteuert und das gesamte Leben aller Bürger wird über ein Raster gesteuert und kontrolliert. In einem solcher Smarthomes leben Harold und Evie, beide Rentner. Nach dem tragischen Tod Eves ist Harold auf sich alleine gestellt und seine fast verschollene Tochter Kate darf ihn besuchen. Der kleine Staubsaugerroboter Scout und der Nachbarsjunge Adrian helfen Harold, in seinem Zuhause bleiben zu dürfen. Doch das Raster ist gnadenlos und der Plan, Harolds Zuhause zu erhalten, ist gefährlich...

Mich haben sofort das das Cover und der ungewöhnliche Titel des Buchs angesprochen. Der Klappentext verspricht eine "Wohlfühlgeschichte" rund um einen kleinen Staubsaugerroboter und ich hatte mich auf eine locker-leichte Geschichte gefreut. Allerdings ist der Klappentext meiner Meinung nach irreführend, denn im Zentrum stehen nicht nur Adrian und Scout sondern auch Harold und Kate. Es ist ebenso keineswegs eine Wohlfühlgeschichte zum "weg lesen" sondern wird immer mehr zum Thriller im Laufe der Handlung.
Der Anfang hat mir gut gefallen, der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen. Man lernt die Bewohner des Hauses kennen und die Haushaltsgeräte, die untereinander kommunizieren können. Gerade Scout mit ihrer neugierig-naiven Art sticht hervor und ist mehr als liebenswert. Ebenso Harold, Evie und Adrian sind direkt sympathisch, wenngleich sie mehr Tiefe verdient hätten. Leider blieben für mich beim Lesen bis zum Schluss alle Zusammenhänge, gerade innerhalb des Rasters und wie es agiert, unklar und es wurde zu wenig erklärt. Zudem gibt es noch sogenannte "Dissidenten", die unerkannt außerhalb des Rasters leben als eine Art Widerstand, gerade da hätte ich mir noch viel mehr Einblicke gewünscht.

Der Aufbau der Geschichte ist zunächst vielversprechend und man fiebert einer großen Auflösung entgegen. Die Handlung bremst sich aber an vielen Stellen selbst aus und tritt auf der Stelle, ein wirklicher Plottwist bleibt aus. Einzig Scout mit ihrer unbedarften und hilfsbereiten Art bringt Leben und Farbe in die ansonsten oft ereignislose Handlung. Das Potenzial des Szenarios, das in naher oder ferner Zukunft durchaus realistisch erscheint beim Lesen (es gibt ja bereits jetzt schon "Smarthomes und selbstfahrende Autos), hätte für mich viel mehr ausgeschöpft werden können. Mich konnte das Buch leider nicht ganz überzeugen trotz toller Ausgangslage.

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Tolle Idee mit eher schwacher Umsetzung und wenig Tiefe

Eine Liebe ohne Sommer
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Rosa lernt Nikolas im Treppenhaus zu ihrer Wohnung kennen. Sie verliebt sich direkt in den sehr attraktiven Mann und auch er scheint sich sehr zu ihr hingezogen zu fühlen. Da sieht Rosa darüber weg, dass ...

Rosa lernt Nikolas im Treppenhaus zu ihrer Wohnung kennen. Sie verliebt sich direkt in den sehr attraktiven Mann und auch er scheint sich sehr zu ihr hingezogen zu fühlen. Da sieht Rosa darüber weg, dass Nikolas kaum etwas von seiner Vergangenheit erzählt und ihr seine Freunde nicht vorstellt. Auch Ellen, Nikolas' Mutter, die im selben Haus wie Rosa wohnt, hält sich bedeckt, sobald das Thema Familie und Freunde aufkommt, gleichzeitig ist sie fast schon übergriffig und mischt sich oft in die Beziehung ein. Rosa und Nikolas sind seit drei Monaten ein Paar als er bei einem Unfall ums Leben kommt. Gemeinsam mit Ellen versucht Rosa durch den Verlust zu kommen. Da Ellen sich weiterhin bedeckt hält, beginnt Rosa, auf eigene Faust in Nikolas' Leben zu forschen und muss sich dabei fragen, ob sie auch diese Seite von ihm hätte lieben können und was aus den beiden geworden wäre, hätte Nikolas ihr alles aus seinem Leben erzählt.

Sowohl der Klappentext als auch das Cover haben mich direkt angesprochen und haben hohe Erwartungen an eine ganz andere Geschichte geweckt. Die Ausgangslage ist auch sehr vielversprechend und besonders: was passiert, wenn man sich erst nach dem Tod richtig kennenlernt? Hätte man den Menschen mit den Geheimnissen und Dingen, die man heraus findet, lieben können?
Das Buch ist komplett aus Rosas Ich-Perspektive geschrieben. Was erstmal sehr flüssig und gut zu lesen ist, hat mich irgendwann genervt, denn Rosa ist so voller Selbstzweifel und Unsicherheiten, dass sie sich oft selbst im Weg steht. Ich wurde mit ihr als Protagonistin und Erzählerin auch nicht wirklich warm, was an ihrer stets etwas distanzierten und reservierten Haltung liegt. Besonders genervt hat mich Ellen, die alles bestimmen möchte, einerseits froh ist, dass Rosa sie begleitet in ihrer Trauer, sie im nächsten Moment aber wieder von sich stößt. Um Nikolas' Vergangenheit wurde ein großes Geheimnis gemacht und ich hatte mit einem großen Plottwist oder einer riesigen Enthüllung gerechnet, die Auflösung war dann aber relativ unspektakulär und wenig überraschend. Die Figuren bleiben allesamt an der Oberfläche und ohne Tiefe, es werden viele Personen in die Handlung eingeflochten und ab und zu war mir die Handlung an sich mit ihren Situationen auch zu weit hergeholt.

Das Buch konnte meinen Erwartungen nicht wirklich gerecht werden. Aus dieser besonderen Idee und Ausgangslage hätte man meiner Meinung nach einiges mehr heraus holen können und anders aufbauen können.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Welche Wahrheit ist die richtige? Besonderer und intensiver Roman rund um eine Dreiecksbeziehung

Der Tag, an dem dein Flieger ging
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Nach einem schweren Unfall wacht Tanja im Krankenhaus auf. Sie kann sich an nichts aus dem letzten Jahr erinnern, leidet an retrograder Amnesie. Als nacheinander zwei Männer in ihrem Zimmer auftauchen, ...

Nach einem schweren Unfall wacht Tanja im Krankenhaus auf. Sie kann sich an nichts aus dem letzten Jahr erinnern, leidet an retrograder Amnesie. Als nacheinander zwei Männer in ihrem Zimmer auftauchen, kehrt langsam ein Teil der Erinnerungen zurück: sie war lange mit Lukas zusammen, die beiden wollten zusammen ein Jahr nach Australien während ihres Journalistikstudiums. Tanja lernt jedoch vorher Malte kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt, sie trennt sich von Lukas, die beiden beschließen jedoch, trotzdem gemeinsam die Reise anzutreten. Sowohl Malte als auch Lukas erzählen aus ihrer Sicht von diesem letzten Jahr. Tanja ahnt: die Wahrheit steckt in den Widersprüchen der Erzählungen und in dem, was verschwiegen wird. Wer lügt am Ende und warum?

Ich war sehr gespannt auf diese doch ungewöhnliche Geschichte, der Klappentext hat nicht zu viel versprochen!
Direkt der Einstieg ist interessant, denn die Autorin verweist darauf, dass man sich als Leser auf diese besondere Dreiecksbeziehung einlassen soll und auch die eventuellen Urteile, die man direkt hat, kurz beiseite zu schieben. Das Buch gliedert sich in drei Teile, wobei der zweite Teil den größten Raum einnimmt. Zu Beginn wird aus Tanjas Perspektive erzählt, gemeinsam mit ihr tappt man als Leser genauso im Dunkeln wie sie selbst, was ihre Vergangenheit des letzten Jahres betrifft. Besonders gefällt mir hier der Erzählstil, die Emotionen werden so toll rüber gebracht, dass man gebannt weiter liest. Vor allem der zweite Teil, in dem Lukas und Malte abwechselnd chronologisch aus ihrer Ich-Perspektive die Geschichte Tanja als zuhörender Person erzählen, ist besonders und handwerklich sehr gut gearbeitet. Auch wenn ich zunächst skeptisch war, ob mir die Thematik rund um die Dreiecksbeziehung zusagt, konnte ich mich beim Lesen in beide Figuren und auch Tanja hineinversetzen und auch mitfühlen. Man merkt schnell, dass sicherlich sowohl Lukas als auch Malte nicht die komplette Wahrheit erzählen, Dinge hinzuerfinden, weg lassen oder beschönigen. Gerade hier liegt der Reiz der Handlung, denn dieselbe Geschichte wird zwei Mal aus völlig unterschiedlicher Sicht erzählt: vom aktuellen Partner in Deutschland, der nur sporadisch Kontakt zu Tanja halten kann und dem Exfreund in Australien, der gemeinsam mit Tanja unterwegs ist. Die Beziehungen der Figuren untereinander werden so toll heraus gearbeitet, als wäre man live dabei.
Die Situation spitzt sich vor allem besonders im dritten Teil immer weiter zu und man wartet gebannt auf die Auflösung - und welche Wahrheit nun richtig ist und inwieweit stimmt. Tanjas Zwiespalt wird sehr gut deutlich und bis zum Schluss fiebert man mit.

Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die Längen, die das Buch in den Erzählungen von Lukas und Malte hat, eventuell wäre auch eine Karte Australiens mit den Reisepunkten und -stopps hilfreich, denn beim Lesen habe ich immer wieder nachgeschaut, wo sich Tanja und Lukas gerade befinden und wie weit die Ziele voneinander entfernt liegen. Auch die Auflösung hätte noch etwas mehr Raum bekommen können, aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für diesen besonderen Roman, der sowohl mit einer interessanten Erzählperspektive als auch spannend gezeichneten Figuren punkten kann!

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Kurzweiliger Thriller mit Luft nach oben

Bachelorette Party
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Ein Junggesellinnenabschied auf einer einsamen schwedischen Schäreninsel soll DAS Highlight vor Annelieses Hochzeit werden. Auch Tessa ist dabei, sie ist Journalistin und schon länger an einem Cold Case ...

Ein Junggesellinnenabschied auf einer einsamen schwedischen Schäreninsel soll DAS Highlight vor Annelieses Hochzeit werden. Auch Tessa ist dabei, sie ist Journalistin und schon länger an einem Cold Case dran, der sich vor genau zehn Jahren auf dieser Insel abspielte. Damals verschwanden vier Frauen bei einem Junggesellinnenabschied, Tessa geht aber aufgrund der Umstände nicht von einem tragischen Unfall aus. Mit einem mulmigen Gefühl startet der Junggesellinnenabschied. Als dann aber das einzige Boot der Insel offen auf dem Meer treibt und eine der Teilnehmerinnen tot aufgefunden wird, ist schnell klar: jemand ist hier, um Rache zu üben.

Ich war aufgrund des Covers und Klappentextes sehr gespannt und hatte hohe Erwartungen, die nicht ganz erfüllt wurden. Die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt: der gegenwärtige Junggesellinnenabschied und der tödlich endende vor zehn Jahren, was eine gute Dynamik in die Geschichte bringt und für Abwechslung sorgt. Am Anfang musste ich mich in die Geschichte hineinfinden, weil es einige Figuren gibt, die man auseinander halten muss. Es passiert zunächst gar nicht viel und die Handlung läuft schleppend an. Einige Passagen werden zu detailliert beschrieben, der Spannungsbogen baut sich nur langsam auf. Ab ungefähr der Mitte des Buchs nimmt die Handlung an Fahrt auf und ich habe besser in die Geschichte gefunden.
Tessa erzählt in dem Gegenwartsstrang aus ihrer Ich-Perspektive, was einen guten Überblick bietet, aber auch sehr subjektiv bleibt. Der Erzählstil ist dabei angenehm zu lesen und Tessa agiert als gute Beobachterin. Die anderen Figuren sind gut gezeichnet, hätten aber für mich etwas mehr Tiefe vertragen können. Zum Schluss auf den letzten knapp einhundert Seiten ging es dann schnell und die Situation auf der Insel hat sich immer weiter zugespitzt. Das Ende war mir dann etwas zu viel und zu schnell abgehandelt, der Epilog hat mich versöhnlicher gestimmt.

Alles in allem ist "Bachelorette Party" ein kurzweiliger Thriller, dessen Idee nicht neu ist, der sich aber gut lesen lässt und einige spannende Stellen bietet.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Hohe Erwartungen und viel Potenzial - konnte mich nicht ganz überzeugen

Bis zum Mond
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Drei Freundinnen stecken in Seoul in ihren Bürojobs bei einem Snackhersteller fest: die Arbeit ist mittelmäßig, die Bezahlung schlecht und die Wohnungen winzig klein. Als eine der drei Kryptowährung für ...

Drei Freundinnen stecken in Seoul in ihren Bürojobs bei einem Snackhersteller fest: die Arbeit ist mittelmäßig, die Bezahlung schlecht und die Wohnungen winzig klein. Als eine der drei Kryptowährung für sich entdeckt, investiert sie - und gelangt zu nicht gerade wenig Geld. Eine der beiden Freundinnen kann sie überzeugen, mitzumachen und ebenfalls zu investieren, die dritte wehrt sich vehement. Beide Frauen kommen zu immer mehr Geld, leben aber auch in ständiger Angst, dass der Kurs in den Keller rutschen kann und das Geld weg ist. Werden sie am Ende glücklich und können ihre öden Bürojobs verlassen?

Ich war sehr gespannt auf das Buch, weil der Klappentext eine spannende Geschichte rund um ein wahrscheinlich vielen eher abstraktes Thema verspricht. Das Cover ist bunt gestaltet und passt zur Handlung, wirkt comichaft, aber dennoch passend.
Die Geschichte umspannt einen Zeitraum von knapp einem Jahr und wird aus der Ich-Perspektive der Freundin erzählt, die als Zweites mit einsteigt und investiert. Der Erzählstil ist oft sachlich und neutral, passt aber damit auch zur südkoreanischen Literatur. Das Leben als junge Frau in Seoul wird sehr gut beschrieben, angefangen vom Bürojob, in dem man einfach nicht aufsteigen kann, der beengten Wohnsituation in der Großstadt bis zum potenziellen Eheleben, das dort einen großen Stellenwert hat. Diese Dinge sind mitunter auch lustig und unterhaltsam, ebenso die Freundschaft der drei jungen Frauen liest sich gut und realitätsnah. Als "Leidensgenossinnen" erzählen sie von ihrem Alltag und es liest sich meist herrlich erfrischend.
Ich habe die ganze Zeit auf den großen Plottwist hingefiebert, auf eine Wendung in dem ganzen Kryptothema, aber wurde dahingehend enttäuscht. Wer eine dramatische und spannende Handlung erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht, eher ist "Bis zum Mond" ein guter Unterhaltungsroman, der vor sich hin plätschert und sich "weg lesen" lässt. Mir hat beim Lesen die Spannung gefehlt, es geht zwar tief in die Materie der Kryptowährungen und -investitionen, aber ich hätte mir mehr Spannung als die Kursschwankungen gewünscht.

"Bis zum Mond" hat, auch aufgrund der Betitelung "Bestseller" und "literarischer Hype", bei mir hohe Erwartungen geweckt, die nicht ganz bedient werden konnten. Es ist ein Buch für zwischendurch und gibt (tiefe) Einblicke in die Welt der Kryptowährungen und Female Finance, lässt aber die Handlung schleifen.

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