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Veröffentlicht am 28.02.2026

Zu persönlich

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" von Christien Brinkgreve ist kein Roman, sondern ein analysierender Rückblick einer Professorin und Ehefrau auf das Leben mit ihrem (nun schon verstorbenen) Mann, hier ...

"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" von Christien Brinkgreve ist kein Roman, sondern ein analysierender Rückblick einer Professorin und Ehefrau auf das Leben mit ihrem (nun schon verstorbenen) Mann, hier nur A genannt. Dieser stand selbst in der Öffentlichkeit und dürfte vielleicht vielen Niederländern bekannt sein, auch, wenn hier sein Name nicht genannt ist. Der Orginaltitel "Beladen huis" scheint mir doch passender, denn das immer voller werdende, zugestellte, vernachlässigte Haus ist eine Metapher für die Ehe und Beziehung der Brinkgreves. Das schöne Cover mit dem Blumenstrauß stellt für mich keine Verbindung zum Thema das Buches dar.

Das Buch, eine Reminiszenz der Autorin an die vielen gemeinsamen Ehejahre mit ihrem Mann, startet interessant und liest sich wirklich gut. Nach ca. zwei Dritteln dreht sich alles allerdings nur noch im Kreis, wird redundant, die Autorin wird mir auch zunehmend unsympathischer. Der Versuch, ihre Liebe zu ordnen, scheint mir immer mehr wie eine Abrechnung mit A, der schwermütig war und immer mehr zu einem "Stinkstiefel" mutierte. Doch zu einer komplizierten Ehe gehören immer zwei, und so hätte auch Frau Brinkgreve entweder die Reißleine ziehen können oder etwas ändern können. Stattdessen hat sie sich ihrem Mann und damit auch ihren Kindern immer mehr entzogen, sei es durch die Flucht ins Ferienhaus oder in ihr Schreibzimmer. Kurioserweise hat sie mit ihrem Ehemann im eigenen Haus dann Emails geschrieben, doch die Leidtragenden waren am Ende wohl am meisten die Kinder.

Das Buch wurde, so scheint es mir, immer mehr zu einer Abrechnung mit ihrem Mann und zugleich zu einer Entschuldigung für ihre Kinder. Hätte A gewollt, dass dieses Buch geschrieben wird? Sicher nicht. Sollen seine Freunde und Bekannten und alle Lesenden, die ihn außerdem kannten, dies wirklich über ihn erfahren, noch dazu nach seinem Tod, wo er sich weder rechtfertigen noch dieses Buch verhindern kann? Es scheint mir nicht fair von Brinkgreve, dieses Buch, das sehr privat ist, zu veröffentlichen. Es hätte in der Familie bleiben sollen.

Dabei scheint es gang und gäbe in der Familie, Bücher über ebendiese zu schreiben, denn Brinkgreve hat sowohl ein Buch über ihren Vater, als auch über ihre Mutter verfasst. A wiederum hat über seine früh verstorbene Schwester Dokie geschrieben. Beide schreiben/schrieben auch wissenschaftliche Texte, sodass auch dieses Buch den Anschein einer wissenschaftlichen Arbeit hat, denn es werden immer wieder Sekundärtexte zitiert, was hier überhaupt nicht passt und den Lesefluss stört.

Die Autorin selbst ist eine ambivalente Person. Einerseits rühmt sie sich damit, eine der ersten Professorinnen zu sein, sie hat sich u.a. dem Feminismus verschrieben, doch im eigenen Heim hat sie sich völlig untergeordnet und lebt nicht das, was sie in der Öffentlichkeit oder an der Universität progagiert. Es stört mich auch, dass der Verstorbene, der nicht mehr besonders liebenswert war, nach seinem Ableben Raum in Brinkgreves Leben findet, zuvor aber kaum noch. So ordnet sie Dinge, die ihm wichtig waren, stellt Möbel um, hängt sein Bild auf. Vorher ist sie aber nur noch vor ihm geflohen.

Ich hatte während des Lesens eigentlich darauf gewartet, dass die Autorin auch in die Zukunft schaut, diese Reminiszenzen hinter sich lässt, einen echten Neuanfang wagt, aus dem Erlebten einen Schluss oder gar einen Schlussstrich zieht, doch nichts von alledem passiert. Ist dieses Buch also eher eine Entschuldigung an ihre Kinder, die vielleicht nach einer Trennung besser hätten leben können? Ein Ratgeber für Frauen, denen es ähnlich geht, ist "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" jedenfalls nicht.

Obwohl meine Rezension hier doch sehr kritisch ausfällt, ließ sich das Buch größtenteils gut lesen. Ob man es veröffentlichen hätte sollen, möchte ich dennoch sehr in Frage stellen.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Himmel ohne Flügel

Der letzte Sommer der Tauben
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Abbas Khider hat viel erlebt, und er weiß davon zu erzählen. Ich habe seine eigene Lebensgeschichte bereits in "Palast der Miserablen" als Hörbuch gehört, mit dem sehr poetischen Titel "Der letzte Sommer ...

Abbas Khider hat viel erlebt, und er weiß davon zu erzählen. Ich habe seine eigene Lebensgeschichte bereits in "Palast der Miserablen" als Hörbuch gehört, mit dem sehr poetischen Titel "Der letzte Sommer der Tauben" ist nun ein Roman erschienen, der zwar fiktiv zu sein scheint, doch auch sehr persönlich, sehr biographisch klingt. Dabei beschreibt der Autor in kurzen Kapiteln, mit dichten und sehr eindrücklichen Worten, wie das Kalifat nach und nach alle Lebensbereiche der Bewohner über- und ihnen damit die Luft zum Atmen nimmt.

Protagonist ist der Teenager Noah, sicher ein Abbild von Khider selbst, der vor allem Freude an seiner Taubenzucht findet, wie so viele andere im Viertel. Während die Freiheit der Bewohner immer mehr eingeschränkt wird - erst wird nur nackte Haut auf den Bildern geschwärzt, später alle weltlichen Dinge abgegeben - sind die Tauben noch frei, sie können ihre Runden am Himmel ziehen und auch zu manch einer Botensendung herangezogen werden.

Während die Tauben noch frei sind, verschwinden Menschen, werden Jugendliche in "Freizeitlagern" umerzogen, und die Menschen versuchen sich kleine Freuden heimlich zu bewahren, während sie die offensichtlichen (z.B. Fernseher, Handy) abgeben müssen. Und auch die Tauben werden nicht mehr lange fliegen...

Bisher ist "Der letzte Sommer der Tauben" mein Lesehighlight des Jahres, ein Meisterwerk, das von der dichten Sprache und den kurzen Kapiteln mit vielen schockierenden Wendungen lebt. Das, was man sonst in den Berichten und Nachrichten hört, bekommt durch den Jungen Noah ein Gesicht.

Ich habe während des gesamten Buches ein bedrückendes Gefühl nicht ablegen können. Ich finde den Gegensatz der freien Tauben und unfreien Menschen sowie die Entwicklung in diesem Roman sehr gut gelungen und sehr intensiv. Doch auch die Tauben verlieren am Ende, nur eine Flucht kann noch der Ausweg sein, denn Abbas Khider nehmen konnte, so viele andere aber nicht.

Da der Autor erst 19 Jahre in Bagdad gelebt und dann erst die deutsche Sprache gelernt hat, finde ich seinen Schreibstil bewundernswert und habe dies auch beim Lesen im Hinterkopf. "Der letzte Sommer der Tauben" ist für mich natürlich ein 5-Sterne-Buch!

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Der "spürnasigste" Kommissaranwärter von allen

Kommissar Pfote (Band 6) - Ein Einbruch ohne Spuren
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Kommissar Pfote ist ein cleverer, aufgeweckter, liebenswerter Spürhund im Training. Er löst schon seinen sechsten Fall in "Kommissar Pfote - Ein Einbruch ohne Spuren" von Katja Reider und Dirk Hennig. ...

Kommissar Pfote ist ein cleverer, aufgeweckter, liebenswerter Spürhund im Training. Er löst schon seinen sechsten Fall in "Kommissar Pfote - Ein Einbruch ohne Spuren" von Katja Reider und Dirk Hennig. Der Fall ist gut durchdacht, spannend und einfach herzig illustriert. Ich würde sagen: Hier stimmt einfach alles!

Die Illustrationen sind der Hingucker, weil immer wieder auf Details geachtet wurde. So wächst Nasrins Blume im Haar z.B. auch auf der Wiese, und wer die Bilder genau betrachtet, erfährt auch schon viel über den Taschendieb. Weiterhin war die Story für mich auch nicht gleich überschaubar, Überraschungen sind garantiert!

Alles in allem würde ich diesen Fall für Kleine und Große gern empfehlen. Es ist mein erster Fall von Kommissar Pfote, ich freue mich aber auf weitere Bände und werde auch die ersten fünf noch lesen. Sehr gelungen!

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Kaum zu ertragen (Hörbuchrezension)

Der Reisende
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Ulrich Alexander Boschwitz' "Der Reisende" ist mir seit seinem Erscheinen 2018 im Kopf geblieben, doch erst jetzt habe ich das erschütternde Hörbuch gehört. Das Buch ist zum ersten Mal bereits 1939 erschienen ...

Ulrich Alexander Boschwitz' "Der Reisende" ist mir seit seinem Erscheinen 2018 im Kopf geblieben, doch erst jetzt habe ich das erschütternde Hörbuch gehört. Das Buch ist zum ersten Mal bereits 1939 erschienen und daher ein eindringliches Zeugnis seiner Zeit, das man kaum ertragen kann. So wird der Roman manchem vielleicht etwas langatmig scheinen, da der Reisende Otto Silbermann eben stets auf Reisen ist, doch nur die Länge der Erzählung und die langsame, aber stetige Verschlimmerung der Situation zeigen die Ausweglosigkeit der Situation, aber auch die Unbarmherzigkeit der meisten Begegnungen des Herrn Silbermann auf.

Dabei ist Silbermann ein großer Sympathieträger: Als ehrbarer Geschäftsmann mit erwachsenem Sohn und Ehefrau ist er zu einigem Wohlstand gekommen. Er scheint tugendhaft, gebildet, er steht auch voll im Leben. Doch die Verfolgung der Juden holt auch ihn ein, der einzige (kurzfristige) Ausweg scheint das Reisen durch Deutschland zu sein. Dabei versucht Silbermann alles, um der Lage zu entkommen.

Ich fand die Handlung von Anfang bis Ende sehr spannend und habe mitgefiebert. Man wünscht Herrn Silbermann einen guten Ausweg aus der Lage, ist er doch ein guter Deutscher (der im 1. Weltkrieg für Deutschland an der Westfront war), der nun aber nur noch zwei Dinge hat, die ihm auf seinem Weg helfen: sein Geld und sein nichtjüdisches Aussehen.

Der Roman zeigt die Grausamkeit der Zeit auf, zeigt, wie die anderen nun Silbermanns Situation schamlos ausnutzen oder ihn fallenlassen oder sich gar gegen ihn wenden. Er macht sich so unsichtbar wie möglich, muss stets aufmerksam bleiben und bewegt sich in der Menschenmenge doch relativ selbstsicher. Überhaupt hat mich sein Durchhaltevermögen überrascht, da die Situation auch immer auswegloser wird, wobei man aber nicht vergessen darf, dass sich die gesamte Handlung nur über wenige Tage erstreckt.

"Der Reisende" hat mich emotional sehr berührt. Besser als jedes Sachbuch ist dieser Roman ein Geschichtsdokument, das als Schullektüre gelesen werden sollte. Ich denke, diesem Buch sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Für mich war es ein Hörhighlight des Jahres und bekommt natürlich die volle Sternzahl.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Frischer Look

Pflück dich glücklich!
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Sandra Jägers' "Pflück dich glücklich!" ist eine Einladung, sich einen Naschgarten anzulegen. Dies kann auch auf kleinen Gartenflächen oder auf dem Balkon gut gelingen. Während früher jede Ecke im Garten ...

Sandra Jägers' "Pflück dich glücklich!" ist eine Einladung, sich einen Naschgarten anzulegen. Dies kann auch auf kleinen Gartenflächen oder auf dem Balkon gut gelingen. Während früher jede Ecke im Garten für die Selbstversorgung genutzt wurde, herrschen heute fast nur noch Ziergärten vor, wenn nicht sogar die pflegeleichten, unproduktiven Schottergärten.

Mir gefällt das Layout des Buches sehr, vor allem auch, dass die meisten Fotos eine Bildunterschrift haben. Das ist nur leider nicht bei allen so. Weiterhin sind die meisten Koch- und Gartenbücher heute lediglich eine Inszenierung der Autorin. Hier gibt es zwar auch Fotos der Autorin im Buch, sie scheint mir aber nicht komplett in den Vordergrund gerückt zu sein.

Das Buch stellt eine Vielzahl von Naschgartenpflanzen vor; hier gibt es manche, an die ich nicht gedacht hätte. Natürlich sind nicht alle Pflanzen Naschpflanzen (z.B. Spargel, Meerettich), aber man kann ja selbst überlegen, was einem passt.

Weiterhin gibt es viele Anleitungen zu den Arbeiten, die über das Jahr verrichtet werden müssen, ebenso sehr viele interessante Infos zu Schädlingen, dazu sehr gute Fotos. Und auch Wildobst (sehr interessant) und die Pflege der (gewünschten) Insekten im Garten findet einen Raum in diesem Ratgeber.

Alles in allem würde ich eine volle Empfehlung aussprechen für alle, die sich endlich an einen Naschgarten wagen, die bisher aber noch nicht viel über das Thema wissen. Hier bekommt man viele Inspirationen, die einem bei gezielter Internetrecherche nicht begegnen würden. Es bleibt die Hoffnung, dass mehr Hobbygärtnernde wieder leckere Pflanzen selbst anbauen.

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