Übernatürliches Konstrukt
Schneewittchen schläftAuf dem Weg nach Hause gerät Gabe in den abendlichen Rush-Hour-Stau. Während er gedankenversunken vor sich hin starrt, fängt er den Blick des Mädchens im Auto vor sich auf. Dieses formt nur ein einziges ...
Auf dem Weg nach Hause gerät Gabe in den abendlichen Rush-Hour-Stau. Während er gedankenversunken vor sich hin starrt, fängt er den Blick des Mädchens im Auto vor sich auf. Dieses formt nur ein einziges Wort mit ihren stummen Lippen: »Daddy«. Doch ehe Gabe es sich versieht, ist der Wagen mit seiner fünfjährigen Tochter Izzy verschwunden.
Drei Jahre später verbringt Gabe Tag und Nacht mit der Suche nach seiner Tochter. Er fährt Rastplätze und Autobahnen ab, in der Hoffnung, seine Tochter auch nach dieser langen Zeit wieder in die Arme schließen zu können.
Auch Fran und ihre Tochter Alice sind auf den Straßen von England unterwegs. Jedoch nicht auf der Suche, sondern auf der Flucht. Denn Fran kennt die Wahrheit über Izzys verschwinden und weiß, in welcher Gefahr sie alle stecken.
Die Geschichte wird aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Charaktere erzählt, meistens begleiten wir jedoch Gabe, Fran oder Katie. Was zunächst nach zusammenhangslosen Erzählsträngen aussieht, greift schnell ineinander und wird in einen gemeinsamen Strang geflochten.
Die Charaktere waren wirklich gut ausgearbeitet. Auch wenn ich viele Dinge nicht nachvollziehen konnte, mainly in Frans Strang, hatte ich dennoch das Gefühl, sie können mich allesamt in ihre Welt ziehen. Ich stutze ein paar Mal, weil viele Gedanken, Taten und Begebenheiten wirklich nicht immer logisch erschienen, aber dennoch hatte ich die meiste Zeit über eine wirklich kurzweilige Geschichte mit schrägen und manchmal übertriebenen, aber dennoch okayish authentischen Charakteren.
Der Schreibstil hat mir wie bei den Geschichten zuvor echt gut gefallen. Ich mag den flüssigen und ungeschönten Stil, der ohne viel Schnörkel auskommt und die Emotionen dennoch gut transportieren kann. Jedoch gab es dieses Mal ein paar Längen für mich, die leider nicht durch geschickte Wendungen aufgelöst wurden. Natürlich gab es ein paar „Oha!“-Momente, aber gerade gegen Ende fehlte für mich die logische und gut durchdachte Auflösung. Ich bin es gewöhnt, dass Tudor Elemente einbaut, die zunächst übernatürlich erscheinen, dann aber in den meisten Fällen wirklich gut und ohne die übernatürliche Komponente aufgelöst werden. Das war dieses Mal nicht der Fall, was alles andere einfach überschattete. Ich mochte die Idee der „Anderen“ wirklich, wirklich gern, aber dank der Szene im Krankenzimmer bin ich leider komplett ernüchtert und enttäuscht.
Alles in allem ist es nicht meine Lieblingsgeschichte von Tudor und ich hoffe, die nächste kann an die vorher von mir gelesenen anknüpfen.