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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2022

Kein Thriller für mich

Nicht ein Wort
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Bundesrichter Scott Sampson ist Vater von von zwei Kindern und hätte die Zwillinge eigentlich zum Schwimmen begleiten sollen. Doch dann erhält er von seiner Frau eine SMS, in der steht, dass sie sie heute ...

Bundesrichter Scott Sampson ist Vater von von zwei Kindern und hätte die Zwillinge eigentlich zum Schwimmen begleiten sollen. Doch dann erhält er von seiner Frau eine SMS, in der steht, dass sie sie heute von der Schule abholt. Als seine Frau Alison jedoch später nach Hause kommt, sind die beiden Kinder nicht bei ihr und eine SMS hat sie auch nie geschrieben. Stattdessen klingelt das Telefon und eine unbekannte Stimme teilt den besorgten Eltern mit, dass die Kinder entführt wurden und sich Richter Sampson an die Instruktionen halten soll, um die Kinder lebend wiedersehen zu können. Das wohl schwerste Urteil steht dem Bundesrichter bevor: Was wird er tun?

Der Schreibstil an sich ist sehr flüssig und unaufgeregt geschrieben. Leider steckte für mich genau darin das Problem. Oft fehlte mir die Spannung, die wabernde Bedrohung und die bloße Verzweiflung, die solch ein Ereignis mit sich bringt. Hin und wieder war die Verzweiflung natürlich spürbar, aber dafür, dass die beiden Kinder entführt wurden, waren die Eltern mir in manchen Szenen einfach zu entspannt. Es schien an manchen Stellen so, als hätten sie es schlichtweg gar nicht mehr eilig, an ihre Kinder zu kommen, was der Geschichte einfach die Authentizität raubte.

Ebenso ließ es die Charaktere nicht sonderlich real, sympathisch oder empathisch wirken. Es war nicht durchweg der Fall, jedoch überwogen für mich die Stellen, in denen ich seine Gelassenheit nicht nachvollziehen konnte.

Alisons Distanziertheit wiederum gefiel mir sehr gut, weil sie als Stilmittel eingesetzt wurde und Teil der Geschichte war. Dennoch wurde ich mit beiden einfach nicht sonderlich warm.

Nachdem sich der Inhalt ab der Hälfte in die Länge zu ziehen schien und immer politischer wurde, merkte ich, wie mich das Buch zu verlieren drohte. All das Gerede um Aktien, Anteile, Fonds etc. konnten mich nicht wirklich bei der Stange halten. Der als so kurzweilig empfundene Einstieg wurde dadurch leider stark getrübt.

Nichtsdestotrotz überraschte mich das Ende. Dennoch war „Nicht ein Wort“ einfach kein Thriller für mich.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Langatmig

Was Alice wusste
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Alice Sheahan ist Malerin und lebt mit ihrem Ehemann Ed, einem erfolgreichen Arzt, zusammen in Bristol. Sie scheinen ein perfektes Leben zu führen, bis ihre Welt von dem einen auf den anderen Tag auf einmal ...

Alice Sheahan ist Malerin und lebt mit ihrem Ehemann Ed, einem erfolgreichen Arzt, zusammen in Bristol. Sie scheinen ein perfektes Leben zu führen, bis ihre Welt von dem einen auf den anderen Tag auf einmal auseinanderzubrechen droht: Ed gerät unter Verdacht, in einer Partynacht eine junge Frau ermordet zu haben. Obwohl er sonst nie Alkohol trinkt, scheint er über die Strenge geschlagen zu haben, doch er beteuert seine Unschuld. Zunächst glaub Alice ihm, denn welchen Grund sollte sie haben, ihrem über alles geliebten Ehemann nicht zu glauben? Bis Marianna auftaucht, Alices ehemalige Freundin. Sie zeigt Alice ein Foto, das Eds Version der Mordnacht zunichte macht. Doch warum hat er gelogen?

Ich hab mich wirklich schwer getan, in das Buch reinzufinden. Schon zu Beginn wurd ich mit dem Schreibstil nicht wirklich warm. Die gewählten Worte lasen sich oft nicht flüssig, ließen mich des Öfteren stocken und plätscherten leider nicht so leicht und unaufgeregt dahin, wie ich es gerne gehabt hätte. Ebenso die Dialoge, vor allem auch die zwischen dem Ehepaar kamen mir oft zu gestelzt und artifiziell vor, was mich auch daran hinderte, eine Beziehung zu den beiden bzw. zu irgendeinem der Charaktere aufzubauen.
Insgesamt waren alle Charaktere bis zum Ende hin sehr blass und das, obwohl wir Alices ständige innere Monologe zur Genüge verfolgen konnten. Schlau bin ich aus ihnen nicht geworden. Lediglich ihre ungesund zu scheinende Abhängigkeit ihrem Mann gegenüber wurde stark bewusst, andere Charakterzüge, die eventuell Empathie oder Sympathie hätten wecken können, blieben unter einer dicken Schicht verborgen.

Bei einem Psychothriller hoffe ich entweder auf offensichtliche Spannungselemente oder aber auf eine unterschwellige Bedrohung, die zwischen den Seiten mitschwingt. Auf beides wartete ich jedoch leider vergebens. Stattdessen zog sich der Inhalt auf vielen Seiten in die Länge und ließ mich ohne jegliche Überraschungen oder Wendungen in der Luft hängen.

Ich hätte das Buch wirklich gern gemocht, weil ich das Potenzial in der Geschichte durchaus erkannt habe, dennoch haperte es für mich stark an der Umsetzung. Schade.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Anhäufung von Zufällen

Sommernacht
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Julia und Will sind ein berühmtes Paar, dass sich auf einer abgelegenen Insel vor der Küste Irlands das Ja-Wort geben möchte. Eingeladen haben sie nur den engsten Kreis: Familie und alte sowie neue Freunde.
Alles ...

Julia und Will sind ein berühmtes Paar, dass sich auf einer abgelegenen Insel vor der Küste Irlands das Ja-Wort geben möchte. Eingeladen haben sie nur den engsten Kreis: Familie und alte sowie neue Freunde.
Alles wurde von ihrer Weddingplannerin bis ins kleinste Detail geplant, denn dem pompösen Fest soll nichts im Wege stehen. Bis sich der Wind dreht, ein Sturm aufzieht und die Insel von der Außenwelt abschneidet. Doch damit nicht genug, auch alte Feindseligkeiten und längst begrabene Geheimnisse kommen nach und nach ans Tageslicht. Und als wäre das nicht genug, wird ein Toter gefunden.

Die Geschichte wird in relativ kurzen Kapiteln aus verschiedenen Blickwinkeln und auf unterschiedlichen Zeitachsen erzählt. Und genau darin lag für mich schon ein Großteil der Krux. Vor allem zu Beginn hatte ich unfassbare Schwierigkeiten, mich zwischen all den Personen zurechtzufinden. Gefühlt hörte die Charaktereinführung gar nicht mehr auf, die Liste schien endlos lang. Die Geschichte wurde nicht nur aus der Sicht der Braut und des Bräutigams, sondern auch aus der der Trauzeugin und des Trauzeugen, des besten Freundes der Braut, deren Frau, der Weddingplannerin und weiß ich nicht noch von wem erzählt. Zusätzlich sprang sie noch zwischen dem hier und jetzt und damals, was jedoch dem Vervollständigen des Bildes half.
Dennoch hätten ein paar weniger Einblicke gut getan, um die Verwirrung nicht ganz so groß zu halten, die Geschichte ein wenig kurzweiliger zu gestalten und somit der Spannung gut zu tun.
Die war leider für mich kaum spürbar. Es gab ein paar Spannungselemente, die jedoch so rar gesät waren, dass die langatmigen Passagen überwogen. Schade, obwohl so viel Potenzial durch das Setting und das Storykonstrukt dagewesen wäre.

Konstrukt trifft leider auch meinen Hauptkritikpunkt: Am Ende schien alles ineinanderzulaufen und perfekt inszeniert gewesen zu sein. Zufälle überschlugen sich, griffen ineinander und schienen so artifiziell, dass es leider meilenweit entfernt von authentisch gewesen ist. Wirklich schade.

Für mich leider weder ein Thriller noch ein Buch, das ich weiterempfehlen würde. Dennoch muss es auch solche Bücher geben :)

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Veröffentlicht am 23.08.2022

Kennst du deine Familie wirklich?

Dunkle Tiefen
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Nach einer tragischen Nacht vor 20 Jahren, in der ein schrecklicher Unfall passierte, kehren die drei Schwestern das erste Mal in das abgelegene Cottage an der Steilküste in England zurück. Sie wollen ...

Nach einer tragischen Nacht vor 20 Jahren, in der ein schrecklicher Unfall passierte, kehren die drei Schwestern das erste Mal in das abgelegene Cottage an der Steilküste in England zurück. Sie wollen die Weihnachtstage zusammen verbringen, zueinander finden, mit Erinnerungen aufräumen. In jener verhängnisvollen Nacht stürzte ihre jüngste Schwester mitten in der Nacht von einer Klippe, doch die genauen Umstände sind bis heute nicht ganz klar. Doch wollen die Schwestern wirklich wissen, was damals passiert ist oder hätten sie die Vergangenheit lieber ruhen lassen sollen ...?

Die Geschichte wird sowohl aus mehreren Blickwinkeln als auch auf verschiedenen Zeitachsen erzählt. So werden einem die Charaktere nicht nur in der heutigen Zeit näher gebracht, sondern man lernt sie auch in der Vergangenheit kennen, versteht ihre Hintergründe und sie setzen sich nach und nach zu einem immer vollständiger werdenden Puzzle zusammen.
Anfangs fiel es mir wirklich schwer, mit den Zeitsprüngen und den verschiedenen Charakteren zurechtzukommen, da die Geschichte nicht nur aus Sicht der drei Schwestern, sondern unter anderem auch aus dem Blickwinkel der Nachbarin erzählt wird. Doch je mehr Stücke sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen, umso mehr gewöhnt man sich an den Stil.
Die Charakteranalysen waren wirklich faszinierend, weil jede*r von ihnen dunkle Geheimnisse zu verbergen und sein Päckchen zu tragen hatte. Sie waren alles andere als flach oder einfach und kamen dadurch sehr authentisch und gleichzeitig unfassbar kompliziert rüber.

Die Stimmung war gefühlt von vorne bis hinten sehr angespannt, bedrohlich und sehr bedrückend. Jedoch reichte es nicht für einen Psychothriller, sondern fühlte sich für mich nach einem starken Familiendrama an, bei dem man einfach nicht Teil der Familie sein möchte.

Ich hätte mir ein wenig mehr Spannung und weniger Drama gewünscht, dennoch gab es einige Wendungen, die ich so nicht hatte kommen sehen. Und auch wenn die Geschichte einige Längen hatte, habe ich mich dennoch unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Ganz eigene Dynamik

Als das Böse kam
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Juno ist 16 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Boy in vollständiger Isolation auf einer Insel. Obwohl Juno sich nach dem unbekannten Festland sehnt, weiß sie, dass dort das Böse ...

Juno ist 16 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Boy in vollständiger Isolation auf einer Insel. Obwohl Juno sich nach dem unbekannten Festland sehnt, weiß sie, dass dort das Böse lauert. Fremde, die ihrer Familie schaden wollen und nach ihrem Leben trachten. Daher hat der Vater einen geheimen Schutzraum gegraben, in dem sie sich sicher fühlen können. Zumindest für den Moment, denn Juno merkt, dass etwas nicht stimmt und das Böse näher ist, als zunächst gedacht.
Der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich, weswegen ich einige Zeit brauchte, um in die Geschichte reinzukommen. Durch die Ich-Perspektive der 16jährigen Juno, die sehr einfache Sprache und die kurzen Sätze hab ich mich zunächst nicht wirklich gut aufgehoben gefühlt. Hinzu kam noch die Zerrissenheit der Protagonistin, die selbst nicht wusste, wo sie steht und wo sie hingehört, aber mehr und mehr entwickelte sich daraus eine ganz eigene Dynamik, die die Geschichte immer schneller vorantrieb und ein Eigenleben entwickelte, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.
Ich hab schon viele Bücher gelesen, bei denen man durch die Augen der Protagonist:in eine Geschichte erlebte, aber dieses Mal war es wirklich etwas ganz Besonderes. Ich war emotional so stark an sie gebunden, dass ich mich gleichermaßen betrogen und hintergangen fühlte wie sie. Spürte Enttäuschung, Schmerz, Wut, Trauer und war wirklich einfach in den Bann ihrer Geschichte gezogen. Beeindruckend!
Auch wenn die Geschichte wirklich einige Logiklöcher und Schwachstellen hatte, habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und konnte von der Dynamik so stark mitgerissen werden, dass es für mich ein solider Spannungsroman gewesen ist.

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