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Steffi58

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2021

Liebevoll gestaltet

Die Erfindung von Alice im Wunderland
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"Alice im Wunderland" - einen der großen internationalen Klassiker der Kinderliteratur- kennt wohl Jeder aus seiner Kindheit, und zwar in den unterschiedlichsten Ausgabequalitäten. Auch ich habe verschiedene ...

"Alice im Wunderland" - einen der großen internationalen Klassiker der Kinderliteratur- kennt wohl Jeder aus seiner Kindheit, und zwar in den unterschiedlichsten Ausgabequalitäten. Auch ich habe verschiedene Versionen , auch im Original gelesene und sogar gehört. Wie oft habe ich schon Zitate gehört oder selbst verwendet. Alice im Wunderland hat die verschiedensten Spuren in Literatur und Gesellschaft hinterlassen.
Hier erscheint der Klassiker in seine Entstehungsgeschichte eingebettet und bearbeitet mit einer Fülle mir bisher unbekannter Informationen.
begleitet wird das Werk von kolorierten Illustrationen der Originalausgabe und Fotografien – hier lernt man Caroll auch als ambitionierten Fotografen kennen.
Das Buch - fast schon ein Bildband mit seinem DIN A4 Format und 128 Seiten - ist auf sehr hochwertigem Papier gedruckt und als Geschenkbuch hervorragend geeignet.
Es stellt einen informativen Fundus für alle Fans von ALICE IM WUNDERLAND dar. Ein wahrer Schatz ! Dabei ist es wegen seiner Fülle an Informationen eher für Erwachsenen geeignet und kein Buch ,das man mal eben zwischendurch liest.
Es wird auch für mich Zeit , ALICE mal wieder zu lesen.

Veröffentlicht am 15.02.2021

Ein kluges Buch

Stay away from Gretchen
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Das Buch behandelt auf 500 Seiten viele interessante und gleichzeitig unbequeme Themen .
Die wichtigsten sind Alzheimer bzw. Demenz sowie Traumata durch Krieg und flucht. Es geht aber auch um die Frau ...

Das Buch behandelt auf 500 Seiten viele interessante und gleichzeitig unbequeme Themen .
Die wichtigsten sind Alzheimer bzw. Demenz sowie Traumata durch Krieg und flucht. Es geht aber auch um die Frau in der westdeutschen Geschichte und um Rassismus nach dem Zweiten Weltkrieg.
Demenz ist an sich schon ein schwieriges Thema. Dies in einem Roman zu tun , erfordert einen sehr einfühlsamen und respektvollen Umgang mit den betroffenen und dem Leser. Der Autorin Susanne Abel ist das gut gelungen. Man merkt , dass sie sich mit Dokumentationen gut auskennt. Sie beschreibt die Situation aus Toms, als auch aus Gretas Sicht . Beide haben starke Probleme , zu akzeptieren , dass ihr Leben plötzlich ein völlig anderes wird.
Dabei verknüpft die Autorin gekonnt Ereignisse aus dem Jahr 2015 mit der Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit und gießt sie in eine Form, die durch ihrem klaren und direkten Schreibstil den Leser zu fesseln und stark zu berühren vermag.
Welch ein emotionaler Satz :"Sie vergaß auch den Betondeckel der ihre Erinnerungen verschloss, und eine Welt trat hervor, die sonst geheim streng gehalten wurde". Die Autorin schreibt auch deshalb so glaubwürdig , weil sie selbst Erfahrung mit der Alzheimerkrankheit ihrer Mutter sammeln musste.
Die Geschichte der "Brown Babies" kannte ich bisher nicht – ich denke vielen Lesern wird es so gehen. Dieser Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte ist bedrückend , aber ich bin aber froh, dass er mir durch diesen Roman näher gebracht wurde.
Mit dem klugen Zitat Willy Brands :"Geschichte, wie bitter sie auch sein mag, ist Realität, die täglich in unserer Gegenwart und die in unserer Zukunft fortwirkt." beginnt der Roman und er ist ein gutes Schlusswort.
"Stay away from Gretchen" von Susanne Abel ist ein kluger Roman.

Veröffentlicht am 10.02.2021

Abgründe

Trauma – Kein Entkommen
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Das Cover hat mein Interesse geweckt, auch wenn es recht klassisch daherkommt.
Klassisch geht es auch weiter : Der Thriller beginnt mit einem schrecklichen Zoom in die Vergangenheit. Autor Christoph Wortberg ...

Das Cover hat mein Interesse geweckt, auch wenn es recht klassisch daherkommt.
Klassisch geht es auch weiter : Der Thriller beginnt mit einem schrecklichen Zoom in die Vergangenheit. Autor Christoph Wortberg schreibt bedrückend und eindringlich.
Der Thriller Trauma - Kein Entkommen ist der erste Band einer dreiteiligen Reihe mit Hauptkommissarin Katja Sand und ihr Assistent Rudi Dorfmann als Ermittler der Mordkommission.
Beide sind sehr unterschiedliche Typen , aber ein gutes Ermittlerteam , das sich nicht nur glänzend ergänzt , sondern sich auch respektiert. Wichtig ist Beiden , voll bei der Sache zu sein , auch wenn das vorallem Katja zeitweise schwerfällt. Nett finde ich auch die kleinen Macken , die ein jeder von den beiden hat. Jeder auf seine eigene Art und Weise hat mich berührt.
Ihr erster Fall ist mysteriös; kurz hintereinander gibt es gleich zwei Tote bei denen die Todesumstände nicht ganz stimmig sind. Einer wird ertrunken in einem see gefunden. Der Andere erstickt in einem Kühlschrank.
Nach der Obduktion scheint es sich um Suzide zu handeln. Hauptkommissarin Katja Sand glaubt das nicht. Normalerweise kann sie sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Rudi und sie beginnen , Nachforschungen anzustellen und schnell bekommen sie Druck von oben. Aber vor allem für Katja , die selbst traumatisiert ist , gibt es Kein Entkommen; sie muss einfach weiter suchen.
Der Autor Christoph Wortberg, bekannt durch zahlreiche TV-Krimis, hat es geschafft , dass auch ich nicht entkommen konnte. Ich habe den Thriller nicht weglegen können.
Am Buchende ein kurzer Blick auf den zweiten Band ; es geht weiter mit der Aufdeckung Katjas‘ Trauma. Ich freue mich schon auf TRAUMA – Kein Vergessen.

Veröffentlicht am 19.01.2021

Überraschend

Ich und der Andere
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Jim Morrisons Musik ist eigentlich nicht so meine, aber das Cover in ungewohntem Gelb mit Wiedererkennungswert weckte meine Neugier. Ich erinnere mich noch gut , dass ich vor mehreren Jahren mit meinen ...

Jim Morrisons Musik ist eigentlich nicht so meine, aber das Cover in ungewohntem Gelb mit Wiedererkennungswert weckte meine Neugier. Ich erinnere mich noch gut , dass ich vor mehreren Jahren mit meinen Schülern auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise sein Grab suchten.
Morrison starb am 3. Juli 1971 im Alter von 27 Jahren. Und sofort stellte ich mir die Frage - wie so oft bei zu früh verstorbenen Personen- wie wäre sein Leben verlaufen? Unspektakulär? Im Drogensumpf? Als Bohemien und gefeierter Dichter? Oder lebt er noch unerkannt auf den Seychellen?
Eine interessante Sache , uns den Musiker mit einem wahrlich fiktiven Roman näher zu bringen. Die Umstände, unter denen Morrison ums Leben kam, haben immer wieder zu Diskussionen unter Anhängern geführt, zumal es nach seinem Tod keine weiteren Tests an dem Leichnam gegeben haben soll und sein Sarg stets verschlossen blieb. Der Autor ,der österreichische Schriftsteller Jürgen Kaizik, nutzt diese Unklarheiten und baut darauf die Grundidee seines Buches auf.
Jim Morrison erzählt in Ich-Form von seinem Leben , auch mit den „Doors“, wir nehmen Anteil an seinen , manchmal von Drogen erweiterten , Gedanken.
Der Andere ist ein erfundener Lehrer und Dichter, den Morrison "Hölderlin" nennt und der zu Morrisons Muse und Phantom wird.
Kaiziks Roman ist zwar Fiktion , dennoch trifft er den Zeitgeist der späten 60er-Jahre und der Hippie-Bewegung.
Lässt man sich ein auf die Lektüre, verschwimmen Sänger und Lehrer immer mehr , vieles wird undeutlich , aber die wichtige Momente in Jim Morrisons Leben werden psychologisch glaubhaft erzählt.

Veröffentlicht am 18.01.2021

Ein nun klareres Vaterbild

Vati
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Ein verschwommenes Foto ziert das Cover und machte mich sofort neugierig.
Dann erinnerte ich mich , den Namen der Autorin schon gehört zu haben – richtig ; Monika Helfer schrieb unlängst den Roman „ Die ...

Ein verschwommenes Foto ziert das Cover und machte mich sofort neugierig.
Dann erinnerte ich mich , den Namen der Autorin schon gehört zu haben – richtig ; Monika Helfer schrieb unlängst den Roman „ Die Bagage“ , der sehr gute Kritiken bekam und umso gespannter war ich auf ihr neues Werk mit dem Titel "Vati".

Dieser Roman ist ein schmales Bändchen; ein ganz leises , aber inhaltsschweres Buch. Umso angenehmer ist Monika Helfers leichter , fast poetischer Schreibstil . Für Alle, die Sprache lieben - ein Genuss. Man hält man beim Lesen inne , um den einen oder anderen Satz nochmals zu lesen. Toll der Satz: »Man kann nicht auf einem Foto sehen, was einer denkt!«
Dabei an manchen Stellen Distanziertheit – Helfer benutzt Zweiwortsätze um deren Aussagekraft noch zu steigern. Ich persönlich finde das sehr passend , die Autorin bewertet nicht , sondern überlässt das uns als Leser.
Die Autorin lässt uns an der Geschichte ihrer Familie teilhaben, mit einem besonderen Blick auf ihren Vater. Er wollte „Vati“ genannt werden, weil das moderner und zeitgemäßer klinge. Er war ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend und versucht vorsichtig , sich ihrem Vater anzunähern und seine vielen Facetten zu ergründen. Allein schon die Art und Weise , in der ihr das gelingt, macht den Roman lesenswert.
Monika Helfer fühlt sich ihrem Vater trotz seiner Ecken und Kanten auch deshalb so nah , weil er es war , der schon früh in ihr die Liebe zur Literatur und zum Lesen entfacht hat.

Nach der Lektüre weiß ich , dass das verschwommene Cover des Buches wunderbar zum Inhalt passt . Verschwommen präsentiert sich das Bild vom Vater ; die Erinnerungen an ihn werden langsam klarer. Aber dennoch bleiben blinde Flecke. So ist das eben bei Menschen , auch bei solchen , die wir zu kennen glauben.
Aber:
„ Wir alle haben uns sehr bemüht.“ heißt es am Ende des Romans.