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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Nicht so wirklich spannend

Einsames Watt
4

Der Krimi "Einsames Watt" ist der 12. Teil der Nordsee-Reihe um John Benthien. Dieses Mal beschäftigt ein Fall aus Johns Anfangsjahren bei der Polizei das Ermittlerteam. John und sein Chef Cornelis Litmanen ...

Der Krimi "Einsames Watt" ist der 12. Teil der Nordsee-Reihe um John Benthien. Dieses Mal beschäftigt ein Fall aus Johns Anfangsjahren bei der Polizei das Ermittlerteam. John und sein Chef Cornelis Litmanen ermittelten in einem Mädchenmordfall. Der erfahrene Polizist verschwand im Laufe eigener Recherchen spurlos. Jahre später wird wieder eine Mädchenleiche gefunden. Eine umfangreiche Ermittlung beginnt.

Am besten haben mir die Rückblenden auf Litmanens und Johns Interaktionen gefallen. Schade, dass die gute Zusammenarbeit auf so tragische Weise enden musste.

Der Krimi lässt sich gut lesen, auch wenn man die Vorgängerbände nicht kennt. Lediglich das komplizierte Privatleben der Kommissare hat mich anfangs irritiert. Außerdem genehmigt sich der Autor einen großen Rahmen an literarischer Freiheit, indem beispielsweise Familienmitglieder in Ermittlungen eingebunden werden oder Kriminellen fragwürdige Deals im Austausch für ein Geständnis angeboten werden. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein. Die Lösung der Mordfälle kommt wie ein notwendiges Abarbeiten der losen Enden daher.

Für mich war dieser Krimi durch viele Nebenhandlungen und komplexe Zusammenhänge aus dem Privatleben der Ermittler ein eher mittelmäßiges Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Orkan und Spannung auf Sylt

Stürmische Klippe
8

Dieses ist der 10. Sylt-Krimi rund um Kommissarin Liv Lammers.

An ihrem freien Tag wird Liv von ihrer Chefin Hilke Hasselbrecht zu einer "privaten" Ermittlung in die Villa der prominenten Ex-Ministerin ...

Dieses ist der 10. Sylt-Krimi rund um Kommissarin Liv Lammers.

An ihrem freien Tag wird Liv von ihrer Chefin Hilke Hasselbrecht zu einer "privaten" Ermittlung in die Villa der prominenten Ex-Ministerin Armgart Zabrowsky gebeten. Auf die von vielen gehasste, herrische und unsympathische Dame wurde ein Anschlag verübt. In der Villa findet Liv das Personal und illustre Teilnehmer einer Geheimkonferenz, in der es im weitesten Sinne um die Zukunft Sylts geht, vor. Jeder scheint verdächtig und könnte ein Motiv haben. Eine spannende und von Schwierigkeiten gezeichnete Ermittlung beginnt, während parallel Sebastian, Livs Verlobter, zu Unrecht wegen Mordes verhaftet wird.

Ich bin gut in die Handlung gestartet, obwohl ich die anderen Bände nicht kenne. Liv ist eine sehr sympathische und mutige Polizistin, die trotz verwirrender Ereignisse in der Villa und privater Kümmernisse den Überblick behält. Allein bei ihrem Polizeikollegen Robert, der ihren Verlobten fälschlicherweise verhaftet, hätte ich mehr Vorwissen zu vorangegangenen Animositäten gewünscht.

Der Fall um die Politikerin Armgart entwickelt sich durch einen Orkan, der alle am Verlassen der Villa hindert, zum Agatha Christie Fall, in dem jeder der Mörder sein könnte. Das ist sehr clever gemacht.

Bei der Ausgestaltung der spannendsten Szenen hätte ich mir gewünscht, die Autorin hätte sich mehr Mühe gegeben. Beispielsweise gibt es eine Szene in einem Keller, in der die Hände des Täters schon nach dem Opfer greifen. Ich wollte unbedingt miterleben, wie und ob Rettung möglich ist. Statt dessen lese ich im nächsten Kapitel von einem Telefongespräch, in dem ein Kollege Liv berichtet, dass alles gut ausgegangen ist. Dieser Spannungsabbruch kommt im Buch öfter vor und hat mich etwas enttäuscht.

Trotzdem werden beide Fälle um Armgart und Sebastian zufriedenstellend gelöst und die Grundlagen für einen 11. Band um Liv auf Sylt werden gelegt.

Insgesamt ist dies ein lesenswerter Krimi und er wird nicht mein letzter aus der Reihe sein.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Gelungener Auftakt

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
0

„Der Tote am Sandstrand“ ist der Auftakt der neuen Ostseekrimi-Reihe „Mörderische Brise“ des Autorenduos Nina Ohlandt / Jan F. Wielpütz.
Hannah Bülow kehrt in ihre Heimatstadt Ostersande an der Ostsee ...

„Der Tote am Sandstrand“ ist der Auftakt der neuen Ostseekrimi-Reihe „Mörderische Brise“ des Autorenduos Nina Ohlandt / Jan F. Wielpütz.
Hannah Bülow kehrt in ihre Heimatstadt Ostersande an der Ostsee zurück. Sie ist frisch verwitwet und möchte mit ihrem wackeren Hund Tobby einen neuen Lebensabschnitt starten. Frohen Mutes übernimmt sie eine Stelle als Streifenpolizistin in dem kleinen Ort, eine Stelle, die ihr von ihrer alten Freundin Constanze Grotewohl, der Leiterin der Wache verschafft wurde. Hannah zieht bei ihrem Vater wieder ein, dessen Leben sie nebenbei gleich ein bisschen auf Vordermann bringen kann. Zwischen ihnen steht ein traumatisches Ereignis aus dem Jahr 1993, bei dem Hannah und ihre Freunde unbeabsichtigt einen schlimmen Bootsunfall verursacht haben.
Kurz nach Dienstantritt wird einer dieser Freunde tot am Strand aufgefunden.
Die Autoren nehmen sich Zeit, die Figuren und die Gegebenheiten zu entwickeln, schließlich soll hier eine Krimireihe entstehen. Dennoch liest sich das Buch flott und ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt. Es war für mich spannend nach und nach zu entdecken, welche Rolle die Ereignisse aus der Jugendzeit in der Gegenwart spielen.
Ein wenig hat mich gestört, dass Hannah als einfache Streifenpolizistin so stark in die Ermittlungen der Kripo aus Wismar eingebunden wird bzw. auf eigene Faust ermittelt. Wahrscheinlich kann sie ihre Kenntnisse aus der Vergangenheit hier gut einbringen.
Aufgefallen ist mir, dass sich Personen nicht den Witterungsverhältnissen entsprechend verhalten. Da werden kränkliche Kinder bei einem Unwetter zum Spielen in den Garten geschickt. Es gab den ersten Nachtfrost und Figuren tragen abends nur eine leichte Jacke.
Insgesamt ist das Buch ein solider gemachter Krimi, ein gelungener Auftakt der Reihe.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Kälte, Wind und Mord

Wolfskälte
8

Eine abgelegene schottische Insel, ein Selbstmord, der Fragen aufwirft, ein Ermittlerteam vom Festland, entweder verschlossen-feindselige oder schwatzhaft-freundliche Einwohner und Wind, Kälte, Wellen, ...

Eine abgelegene schottische Insel, ein Selbstmord, der Fragen aufwirft, ein Ermittlerteam vom Festland, entweder verschlossen-feindselige oder schwatzhaft-freundliche Einwohner und Wind, Kälte, Wellen, Unwetter - fertig ist ein spannender Mix. Der Leser wird den Krimi nicht mehr aus der Hand legen können.

Laura McCluskey hat einen Debütroman vorgelegt, der unheimlicher und spannender nicht sein könnte. Sie baut eine gruselige Stimmung auf der Insel auf. Eine wichtige Rolle spielt das Wetter: es ist grau und stürmisch, immer nass und ständig dunkel und dämmerig. Der Regen peitscht, die Gischt schäumt. Ebenfalls wirken die Gebäude dunkel und geheimnisvoll, der Putz blättert vor sich hin und seltsame heidnische Zeichen prangen über den Türen.

Die Inspektors George(ina) und Richie ermitteln zwar, aber die Befragungen der meist verschlossenen Insulaner bringen kein Licht ins Dunkle und lange wissen weder die Polizisten noch der Leser, was auf dieser Insel eigentlich los ist.

Nur ein unbestimmtes Grausen ist von Anfang an da und verstärkt sich: ein Wolfsgesicht starrt durch das Fenster, heidnische Voodoo Rituale sollen die Polizisten vertreiben, letztlich wird sogar George tätlich angegriffen. Die Inspektors kommen erst ganz zum Schluss der überraschenden Lösung des Falls gefährlich nahe.

Dem Leser wird empfohlen, es sich mit einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich zu machen und das unheimliche Gruseln zu genießen. Gänsehautgefühl garantiert.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Familiengeheimnisse

Töchter der verlorenen Heimat
0

Mutter Johanna und ihre Tochter Paula leben in München und fahren zur Beerdigung des Großvaters nach Südtirol. Johanna lebt ein armseliges verhuschtes Leben, so als ob sie sich für etwas bestrafen müsste. ...

Mutter Johanna und ihre Tochter Paula leben in München und fahren zur Beerdigung des Großvaters nach Südtirol. Johanna lebt ein armseliges verhuschtes Leben, so als ob sie sich für etwas bestrafen müsste. Paula ist Ärztin geworden, lässt sich allerdings von den männlichen Kollegen unterdrücken und wurde von ihrer Mutter nie geliebt.

In Südtirol kommt die ganze Familientragödie ans Licht, vermischt mit der tragischen Geschichte der Zwangs-Italienisierung der Südtiroler, die in Deutschland kaum bekannt ist.

Es fiel mir schwer, einen Zugang zu den Figuren zu finden, da diese oft so emotionslos handeln oder einfach nur das große Schweigen herrscht. Die Figuren scheinen gewisse Klischees zu erfüllen: die böse Schwiegermutter, der fäusteballende Onkel, der liebevolle Ehemann.

Am besten hat mir der mittlere Teil mit dem Roadtrip durch ganz Italien gefallen, da sich hier Johannas Geschichte in den 20er Jahren mit Paulas "heutiger" Reise in den 60ern abwechselt. Zusammen funktionieren Mutter und Tochter irgendwie nicht, obwohl Johannas großes Geheimnis gelüftet wird und beide Frauen letztlich mit je einem lieben, netten, verständnisvollen Mann gesegnet werden.

Der Roman hat mich trotzdem gut unterhalten und ich würde ihn Lesern empfehlen, die Interesse an Familiengeheimnissen und der Geschichte Südtirols haben.

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