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Veröffentlicht am 05.08.2022

Wohlfühlroman

Das Wunder jenes Sommers
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Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, war mir als leidenschaftliche Hobbynäherin klar: Ich brauche dieses Buch! Die Idee, dass sich die Protagonistin Florence alias Flo die Garderobe aus längst vergangenen ...

Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, war mir als leidenschaftliche Hobbynäherin klar: Ich brauche dieses Buch! Die Idee, dass sich die Protagonistin Florence alias Flo die Garderobe aus längst vergangenen Zeiten nachschneidert und darin den Hinweisen aus dem mysteriösen Fund nachgeht, fand ich einfach ganz zauberhaft.

Der Roman spielt in zwei Zeitebenen. In der Gegenwart begleiten wir Florence und in der Vergangenheit Nancy. Nach und nach deckt sich auf, wie die zwei Frauen miteinander verbunden sind. Dabei reisen wir von Brighton über London nach Paris, weiter an die Cote d’Azur mit einem Zwischenstopp in Venedig, bevor wir wieder in Brighton landen.

Der Roman ist eher ruhig und trotzdem spannend und emotional. Die Autorin verleiht dem Buch mit ihrem Schreibstil unheimlich viel Wärme und für mich ist es ein echter „cozy“-Sommerroman! Zum Ende wird es richtig spannend und obwohl ich einige Dinge vorausgesehen habe, wurde ich dennoch von dem Ausgang der Geschichte überrascht.

Dieser „cozy“-Debütroman von Sarah Steele ist eine Geschichte fürs Herz. Am Ende lässt er einen mit einer Genugtuung zurück, die man auch empfindet, wenn man aus einem Stück Stoff, ein bisschen Garn, Schweiß und Herzblut ein fertiges Kleidungsstück zaubert. Ich hoffe sehr, in Zukunft noch mehr von Sarah Steele zu lesen!

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Veröffentlicht am 02.08.2022

Skandinavischer Thriller mit einer ganzen Palette dunkler Themen

Fuchsmädchen
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„Das beste schwedische Thriller-Debüt des Jahres“ sagt der Aufkleber auf dem Cover, dazu der Hype auf #bookstagram - mit diesen Vorschusslorbeeren, die „Fuchsmädchen“ begleiteten, war meine Neugier geweckt ...

„Das beste schwedische Thriller-Debüt des Jahres“ sagt der Aufkleber auf dem Cover, dazu der Hype auf #bookstagram - mit diesen Vorschusslorbeeren, die „Fuchsmädchen“ begleiteten, war meine Neugier geweckt und meine Erwartungen hoch.

Worum es geht: In einem See wird die Leiche eines Teenagers gefunden, alles deutet auf einen Selbstmord des Mädchens hin. Bei den Ermittlungen lernen sich die Ermittlerin Sanna Berling und ihre neue Kollegin Eir Pedersen kennen, die auf einer (fiktiven) schwedischen Insel bei der Mordkommission arbeiten. Wenig später beginnt eine Mordserie, die in Verbindung zu dem Selbstmord zu stehen scheint - durch eine geheimnisvolle Fuchsmaske.

Der Fuchs schaut uns auch auf dem Cover entgegen - auch wenn ich persönlich dort eher einen Wolf sehe als einen Fuchs. Die Augen und die Nase des Tieres blicken aus einer winterlichen Waldlandschaft, blutrot und als Reliefdruck prangt „Fuchsmädchen“ darüber.

Der Klappentext positioniert Eir als Hauptperson, in meiner Wahrnehmung war es eher Sanna - wir erfahren mehr über ihren Gemütszustand und ihre Geschichte als die ihrer Kollegin. Das Buch wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Protagonistinnen im Stil des allwissenden Erzählers geschildert. Dabei ist „Fuchsmädchen“ ein klassischer skandinavischer Thriller mit versehrten Hauptfiguren, die zwischen den Dämonen ihrer Vergangenheit und Gegenwart und ihrer Polizeiarbeit pendeln.

Das Buch ist spannend und fesselnd, ohne jedoch den Puls in die Höhe zu treiben. Die Auflösung ist überraschend und der Autorin gelingt es, die Zusammenhänge Stück für Stück offenzulegen, ohne zu früh zu viel zu verraten oder gar plump falsche Fährten zu legen.

„Fuchsmädchen“ ist ein lesenswertes Buch, aber keine leichte Lektüre. Die eingangs erwähnte Bewertung erscheint mir nur etwas überhöht. Auf jeden Fall ist es ein guter Einstieg in eine Triller-Reihe, denn Sanna und Eir haben großes Potential für eine Fortsetzungsgeschichte. Ihre Entwicklung zu begleiten, wird spannend sein - im Januar 2023 erscheint mit „Rotwild“ der zweite Band.

Das Buch verdient eine umfangreiche Triggerwarnung, von Selbstmord über Kindesmissbrauch und vielfältige psychische Probleme bis zu Drogenmissbrauch ist eine ganze Palette dunkler Themen enthalten - was freilich für skandinavische Thriller eher typisch denn ungewöhnlich ist. Im Vergleich zu Sanna und Eir ist Kurt Wallander ein lebensbejahender Sonnyboy…

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Veröffentlicht am 29.07.2022

Deutscher Krimi und die Ermittlerin hat echt „Wumms“

Frau Faust
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Schon auf den ersten Seiten wird klar: Katharina „Kata“ Sismann nimmt sich was sie will. Ich war direkt fasziniert von dieser knallharten Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sowohl privat, als ...

Schon auf den ersten Seiten wird klar: Katharina „Kata“ Sismann nimmt sich was sie will. Ich war direkt fasziniert von dieser knallharten Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sowohl privat, als auch beruflich eher unkonventionell unterwegs ist. Sie trägt die Story. Gerade die männlichen Charaktere fungieren hier eher als nettes Beiwerk, was Frauen ja leider sonst auch oft nur sind.

Durch Perspektivwechsel schafft es die Autorin gekonnt, immer mehr Spannung aufzubauen, so dass das Buch nach und nach ein richtiger Pageturner wird.

Der Schreibstil ist flüssig und so bildlich, dass ich mich bei der einen oder anderen Szene regelrecht schütteln musste. Immer wieder dachte ich, das würde ich gerne verfilmt sehen…

Wo die Reise nachher hingehen würde, damit habe ich nicht gerechnet! Chapeau, Frau Zimmermann, Sie haben mich überrascht (und ich liebe das als Leserin).

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Kommissarin selbst irgendwie in den Fall verwickelt ist.

Am Ende hätte ich mir noch einen Epilog gewünscht. Jetzt muss ich wohl auf die Fortsetzung warten, denn ich finde, dass die Geschichte von „Frau Faust“ noch weitererzählt werden sollte!

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Veröffentlicht am 25.07.2022

Familienfeier mit Folgen

Die Familienfeier
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Darum geht’s: Effie spricht kaum mehr ein Wort mit ihrem Vater, nachdem er eine neue Freundin hat und auch noch das Familienanwesen verkaufen will. Sie beschließt, heimlich auf die Abschiedsparty des ...

Darum geht’s: Effie spricht kaum mehr ein Wort mit ihrem Vater, nachdem er eine neue Freundin hat und auch noch das Familienanwesen verkaufen will. Sie beschließt, heimlich auf die Abschiedsparty des Hauses zu gehen und Erinnerungsstücke ihrer Kindheit zu retten. Dabei läuft sie nicht nur ihrer Jugendliebe Joe in die Arme, sondern lernt ihre Familie noch von einer ganz anderen Seite kennen. Sie fragt sich, ob nicht jeder eine zweite Chance verdient hat.

Meine Meinung:
Ich habe schon einige Bücher von Sophie Kinsella gelesen und sehr gemocht. Das toll gestaltete Buch von „Die Familienfeier“ ist mir sofort aufgefallen und schnell war klar, dass ich die Geschichte unbedingt lesen möchte.

Wie erwartet hat mir dieses Buch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Zu lesen, wie Effie in Mission-Impossible-Manier durch ihr Elternhaus schleicht und ihre „fiese“ Schwiegermutter ausspioniert und nebenbei auf ihre eigene Art die Familie rettet, war einfach urkomisch.

Die Tatsache, dass das Buch aus der Ich-Perspektive von Effie erzählt wird, die so unheimlich stur ist und der echt verrückte Sachen passieren, hat dafür gesorgt, dass ich mich ihr direkt verbunden gefühlt habe.

Aber auch die anderen Charaktere wie ihre Jugendliebe Joe und ihre beiden Geschwister Bean und Gus erreichen im Laufe des Buches eine richtige Tiefe. Es geht um Neuanfänge, Ängste und Chancen. Es geht darum, auch stets hinter die Fassade zu blicken.

Auch ältere Kinder haben hinter einer Trennung der Eltern zu leiden, denn es ist immer schlimm, wenn die Familie zerbricht. Aber vielleicht zerbricht sie gar nicht wirklich, sondern alle müssen sich neu einfinden und eventuell werden einige Rollen neu verteilt.

Der Schreibstil ist locker, bildhaft und flüssig und ich konnte nicht anders, als das Buch in einem Rutsch zu lesen.

„Die Familienfeier“ ist eine lustige Geschichte ohne kitschig zu sein, mit einer Prise Tiefgang und Schmunzelgarantie!

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Lesenswert, spannend, anders! Toll!

Das Hotel - ein Mysterythriller
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„Endlich Urlaub“, denkt sich Alice Kern und richtet sich in ihrem Hotel ein, in dem sie Entspannung finden will. Alles scheint perfekt, Sonne satt auf einer kleinen Insel mit einem gepflegten Hotel. All ...

„Endlich Urlaub“, denkt sich Alice Kern und richtet sich in ihrem Hotel ein, in dem sie Entspannung finden will. Alles scheint perfekt, Sonne satt auf einer kleinen Insel mit einem gepflegten Hotel. All inclusive ist zwar eigentlich nicht ihr Ding und sie fremdelt mit dem Verhalten der anderen Gäste - doch davon will sie sich den Urlaub nicht vermiesen lassen.
Doch nach und nach bekommt die perfekte Kulisse Risse. Und als plötzlich die Tochter der Familie aus dem Nachbarzimmer spurlos verschwindet und sie niemand vermisst, wird Alice misstrauisch und versucht, hinter das Geheimnis des Hotels und der Insel zu kommen.
Der Anfang der Geschichte ist noch etwas holprig und leider wird fast zu schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Doch dann hat mich die Story in ihren Bann gezogen und ich wollte wissen, was sich hinter der Fassade des Hotels verbirgt.
„Das Hotel“ ist ein lesenswerter Mysterythriller, der ohne Effekthascherei auskommt. Für den Sommerurlaub 2022 definitiv geeignet - spannend genug, um nicht aus der Hand gelegt zu werden (ich habe es an einem sonnigen Tag durchgelesen), und gleichzeitig angenehm unaufgeregt.
Die Story wird aus der Sicht von Alice erzählt, die übrigen Protagonisten stehen deutlich in der zweiten Reihe und erhalten, mit Ausnahme von Kellner Aron, wenig Tiefe. Das lässt sicher aber verschmerzen, da das Gesamtsetting viel Aufmerksamkeit bekommt und für den Plot deutlich relevanter ist. Die Lesenden werden sehr lange im Unklaren gehalten, was sich genau hinter dem Hotel verbirgt und welche Rolle die Menschen in ihm spielen.
Die Auflösung ist alles andere als Standardware und hat bei mir einen Nachhall hinterlassen.

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