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Veröffentlicht am 19.08.2025

Wunden der Vergangenheit

In den Augen meiner Mutter
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Ich hatte schon viel zu dem Buch „In den Augen meiner Mutter“ gehört und war sehr gespannt, die Geschichte zu lesen.

Die schwangere Georgie entdeckt durch Zufall im Fernsehen das Bild ihrer Mutter Nancy, ...

Ich hatte schon viel zu dem Buch „In den Augen meiner Mutter“ gehört und war sehr gespannt, die Geschichte zu lesen.

Die schwangere Georgie entdeckt durch Zufall im Fernsehen das Bild ihrer Mutter Nancy, die die Familie vor über 20 Jahren kommentarlos verließ. Zusammen mit ihrem Bruder Dan begibt sie sich auf einen Roadtrip nach Schottland, um Nancy zu finden und endlich alle Fragen aus der Vergangenheit zu klären.

Der Beginn ist spannend und wird abwechselnd von Georgie und Nancy in verschiedenen Zeitebenen erzählt.

Georgie und Dan haben nicht das beste Verhältnis, nähern sich auf der Suche nach ihrer Mutter aber wieder an. Nach und nach kommt das ganze Ausmaß der zerrütteten Familie ans Licht.

Jo Leevers hat einen interessanten, tiefgründigen und einfühlsamen Schreibstil und hat die Figuren behutsam herausgearbeitet. Trotzdem verlor sie mich im Laufe der Geschichte, denn die Spannung nahm ab und einige Gegebenheiten wirkten zu konstruiert.

Das Buch behandelt Themen wie zum Beispiel Depression, Alkoholsucht und Gewalt und die muss man aushalten können. Ich gebe zu, ich habe das Buch schon deswegen schlicht nicht gerne gelesen. Die Trauer und Zerrissenheit der Personen sind die ganze Zeit spürbar.

Die Gründung Georgies eigener kleiner Familie mit der die Geburt für einen Neuanfang steht, konnte mir persönlich keine Hoffnung schenken.

Das Ende verwunderte mich ehrlich gesagt, kam es doch wie ein Happy End daher. Leider konnte das den faden Beigeschmack von der vorherigen Geschichte nicht ganz vertreiben.

Fazit: Für mich war das Buch eine Spur zu tragisch und das Potenzial wurde nicht ganz ausgeschöpft: Trauer und Zerrissenheit haben alles andere überlagert, deshalb 3/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Ein bemerkenswertes Debüt

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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An dem Titel „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ konnte ich nicht vorbeigehen, ohne das Buch zu lesen. Da ahnte ich noch nicht, was für einen literarischen Schatz ich gefunden ...

An dem Titel „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ konnte ich nicht vorbeigehen, ohne das Buch zu lesen. Da ahnte ich noch nicht, was für einen literarischen Schatz ich gefunden hatte.

Es beginnt mit einer verbotenen Schlachtung in einem norddeutschen Dorf: Das Blut dampft, die Urgroßmutter rührt schweigend in der Blutsuppe und erst als alles verarbeitet ist, öffnet sie wieder die Fenster. Damit ist der Ton gesetzt: archaisch, dicht, faszinierend.

Mit klarer Sprache und bisweilen rätselhaften und magischen Andeutungen zeichnet die Autorin ein Familienpanorama, das über Generationen hinweg verfolgt wird, von der Urgroßmutter bis zur Urenkelin Alma.

Alma scheint als letztes Glied in der Ahnenkette vieles zu wissen, ohne je dabei gewesen zu sein.

Anna Maschik gewährt einen Blick auf einen scheinbar unvermeidbaren Gang der Dinge, denn manches wiederholt sich in den Generationen: bevorzugte Geschwister, jahrelanger Schlaf, das Verwandeln in ein Möbelstück, oder in einen Wolf.

Der Fokus liegt auf den Frauen der Geschichte, die sich allesamt abgrenzen wollen und erst dadurch eine Gemeinsamkeit erzeugen.

Zwei konstante Personen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman: Die Hebamme und die Totenfrau. Ich habe mich gefragt, ob die Namen auch eine tiefere Bedeutung haben.

Sowohl die Sprache als auch die besondere Formatierung machen den Roman zu einem spürbaren, nachhallenden Erlebnis.

Das Nichtgesagte hallt hier laut nach, wie ein Echo der vorherigen Generation.

Fazit: „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ ist ein Roman über die Frage, wie sehr uns unsere Vorfahren geprägt haben und ob ein Ausbruch aus dem Kreislauf gelingen kann. Ein bemerkenswertes Buch, dem ich gerne 5/5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung gebe.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Band 2 kann auch überzeugen

Schlag auf Schlag - Myron Bolitar ermittelt
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„Schlag auf Schlag“ von Harlan Coben, erschienen bei Goldmann, Übersetzung von Gunnar Kwisinski ᵁⁿᵇᵉᶻᵃʰˡᵗᵉ ᵂᵉʳᵇᵘⁿᵍ, ᴿᵉᶻᵉⁿˢⁱᵒⁿˢᵉˣᵉᵐᵖˡᵃʳ

Kaum hatte ich Band 1 der Myron Bolitar-Reihe aus der Hand gelegt, ...

„Schlag auf Schlag“ von Harlan Coben, erschienen bei Goldmann, Übersetzung von Gunnar Kwisinski ᵁⁿᵇᵉᶻᵃʰˡᵗᵉ ᵂᵉʳᵇᵘⁿᵍ, ᴿᵉᶻᵉⁿˢⁱᵒⁿˢᵉˣᵉᵐᵖˡᵃʳ

Kaum hatte ich Band 1 der Myron Bolitar-Reihe aus der Hand gelegt, habe ich mit dem 29 Jahre alten zweiten Band „Schlag auf Schlag“ den nächsten Fall des Sportagenten-Detektivs verschlungen, ebenfalls in der Neuausstattung.

Diesmal spielt der Thriller im Tennis-Milieu und wieder wird ein Mandant von Myron Bolitar in einem Mordfall verdächtigt. Da auch das Opfer seine Klientin werden wollte, fühlt sich unser Protagonist besonders verpflichtet, in diesem Fall zu recherchieren und vor allem die Vergangenheit des Opfers näher zu untersuchen. Valerie Simpson war als Teenager ein Tennis-Star, stürzte dann ab und verschwand für Jahre von der Bildfläche. Ausgerechnet als sie auf der Suche nach Bolitar ist, wird sie während der US Open erschossen. Myron Bolitar trifft auf massive Widerstände bei seiner Recherche – weder Polizei, noch Politik und Mafia wollen, dass er in der Vergangenheit wühlt.

Der Plot ist wieder abwechslungsreich, bietet zahlreiche Wendungen und falsche Fährten. Wobei mich der Plottwist am Ende nicht überraschen konnte und ich ihn hatte kommen sehen, war es ein großer Lesespaß und ein echter Pageturner.

Wie schon in Band 1 haben mich Sprachstil und -witz bestens unterhalten und die Story hat mich in ihren Bann gezogen, ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

Leider wiederholt sich der Wermutstropfen aus Band 1 mit einigen Zeichensetzungsfehlern und wird sogar noch gesteigert durch die inkonsistente Schreibweise des Namens von Valeries Mutter (Helen/Hellen).

Auch Band 2 erhält 4,5/5 Sternen und eine Leseempfehlung! Zehn Bände habe ich also noch vor mir…

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Toller Reihenauftakt

Das Spiel seines Lebens - Myron Bolitar ermittelt
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30 Jahre nach der amerikanischen Erstausgabe bringt Goldmann die Myron Bolitar-Reihe von Harlan Coben in einer Neuausstattung auf den Markt. Und auch drei Jahrzehnte später hat Sportagent und Teilzeit-Detektiv ...

30 Jahre nach der amerikanischen Erstausgabe bringt Goldmann die Myron Bolitar-Reihe von Harlan Coben in einer Neuausstattung auf den Markt. Und auch drei Jahrzehnte später hat Sportagent und Teilzeit-Detektiv (oder umgekehrt?) Myron Bolitar nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Es ist erfrischend, in einer Welt ohne Smartphones (okay, Bolitar verfügt über ein Autotelefon) unterwegs zu sein. Sogar Donald Trump kommt vor und ist damals nur ein Immobilienhai, eine kleine Randfigur.

Myron Bolitar ist ein sympathischer, dabei allerdings überzeichneter Protagonist. Nah an der Perfektion und umgeben von wunderschönen, intelligenten und sowieso herausragenden Menschen. Wenig zu sehen von einem gebrochenen Helden, das bietet er nur in Ansätzen (zum Beispiel der durch eine Verletzung beendeten Sportkarriere, die er allerdings in einen Harvard-Abschluss in Jura verwandelt hat). Für einen aufstrebenden Sportagenten mit einer recht ansehnlichen Zahl von Klienten hat er überraschend viel Zeit, ähnlich seinem Sidekick Win, sich als Privatdetektiv zu verdingen. Über all das sieht man gern hinweg, weil Harland Coben einen dichten, spannenden und überraschenden Kriminalroman gesponnen hat. Einen echten Thriller, wie das Cover versprochen hat, habe ich nicht entdeckt – auch wenn es durchaus actionreich und gefährlich wird. Bolitars gefühlte Unbesiegbarkeit (gepaart mit Glück im rechten Moment) und das Wissen, dass die Reihe zwölf Bände umfasst, haben mir aber nicht das Blut in den Adern gefrieren lassen (Sebastian Fitzek ist dennoch ein Fan, wie die Buchrückseite verrät).

Der Plot selbst ist gut aufgebaut und bis auf die enge Verwobenheit mit Bolitars Privatleben plausibel. Sein vielversprechender Klient Christian Steele wird von der Vergangenheit rund um seine vermisste Verlobte eingeholt, die auch noch die Schwester von Bolitars Ex-Freundin ist. Bolitar ermittelt auf eigene Faust und befördert einiges ans Tageslicht, gerät mit Polizei und Mafia aneinander und macht dabei stets eine gute Figur.

Der Schreibstil hat mich wirklich begeistert, das Buch ist toll zu lesen und der Wortwitz und die (Selbst-)Ironie haben mir viel Spaß bereitet.

Kleiner Wermutstropfen: Es gibt einige Zeichensetzungsfehler. Vielleicht habe ich einen zu hohen Anspruch, aber in gedruckten Büchern wünsche ich mir ein (fast) perfektes Lektorat, gerade bei einer Neuauflage.

Das Buch hat mich gefesselt und verdient 4,5/5 Sternen sowie eine Leseempfehlung. Ich habe direkt im Anschluss Band 2 gelesen und werde Schwierigkeiten haben, mich von der Reihe zu lösen…

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Konnte nicht ganz überzeugen

Der Lehrer – Will er dir helfen oder will er deinen Tod?
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Freida McFadden gehört seit der Housemaid-Reihe zu einer meiner absoluten Must-Reads. Die Erwartungen an „Der Lehrer“ waren dementsprechend hoch. Leider konnte mich das Buch nicht so begeistern wie die ...

Freida McFadden gehört seit der Housemaid-Reihe zu einer meiner absoluten Must-Reads. Die Erwartungen an „Der Lehrer“ waren dementsprechend hoch. Leider konnte mich das Buch nicht so begeistern wie die vorherigen.

Der Einstieg ist stark und die kurzen Kapitel und lockere Sprache haben mich durch die Seiten fliegen lassen. Handwerklich ist es wirklich ein guter Thriller. Im Vergleich zu den anderen Büchern der Autorin wirkte die Story allerdings weniger raffiniert, fast schon plump.

Abwechselnd wird das Buch von der Schülerin Addie und der Lehrerin Eve erzählt. Eve ist mit „dem Lehrer“ Nate verheiratet, der ein dunkles Geheimnis hat.

Was mir gefallen hat: Dass ernste Themen wie Machtmissbrauch und Missbrauch an Minderjährigen thematisiert werden und das Buch aufzeigt, wie schnell es gehen kann.

Weniger gefallen haben mir die Charaktere, zu denen ich absolut keinen Zugang entwickeln konnte. So habe ich das Buch heruntergelesen, ohne wirklich mitzufiebern. Das ist schade, denn ich wollte das Buch so gerne mögen.

Das und die Tatsache, dass der letzte Plott-Twist absolut unglaubwürdig war, lassen mir keine andere Wahl, als dem Buch 3/5 Sternen zu geben und nur eine bedingte Leseempfehlung auszusprechen.

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