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Veröffentlicht am 18.07.2025

Gegensätze ziehen sich an

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Durch das Cover bin ich auf „Pinguine fliegen nur im Wasser“ von Henriette Krohn aufmerksam geworden. Tatsächlich hätte ich hinter den Buchdeckeln eine andere Geschichte erwartet, aber ich wurde positiv ...

Durch das Cover bin ich auf „Pinguine fliegen nur im Wasser“ von Henriette Krohn aufmerksam geworden. Tatsächlich hätte ich hinter den Buchdeckeln eine andere Geschichte erwartet, aber ich wurde positiv überrascht!

Vincent führt ein strukturiertes Leben als Unternehmensberater, das alle Klischees erfüllt. Doch wie schnell dieses scheinbar perfekte Leben kippen kann, erfährt er ziemlich abrupt, denn er verliert seinen Job und seine Wohnung.

Durch Zufall trifft er auf die herzlich-chaotische Greta, die laut und bunt ist und als Lebenskünstlerin das Gegenteil von Vincent verkörpert. Sie macht ihm ein Angebot, das ihm sehr gelegen kommt: Er soll ihr beim Renovieren der alten Villa ihrer Großeltern helfen und darf im Gegenzug dort wohnen.

Die Geschichte wird überwiegend aus Vincents Sicht erzählt. Parallel dazu erfahren wir durch Rückblenden mehr über Gretas Vergangenheit. Das hat mir gut gefallen. Der Schreibstil ist locker, leicht und erfrischend.

Neben Greta und Vincent tummelt sich ein kleines Universum an Nebenfiguren in der Villa und drumherum, das die Geschichte zu etwas ganz Besonderem macht.

Obwohl es ein Wohlfühlbuch ist, wird es mit Themen wie Einsamkeit, Ausgrenzung, Depression oder auch schwerer Kindheit zu einer tiefgründigen Geschichte ohne schwer zu werden.

Das Buch hat bis zum Ende Überraschungen bereitgehalten und ich hatte schöne Lesestunden damit.

Fazit: Wer eine herzerwärmende, humorvolle und unaufgeregt tiefgründige Geschichte sucht, dem lege ich dieses Buch ans Herz. 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Die Macht der Sprache

Die Sprache der Drachen
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Ich liebe Bücher mit Drachen und bin so auf das Buch „Die Sprache der Drachen“ aufmerksam geworden.

Die Geschichte spielt in einem London der 1920er Jahre, allerdings in einer Welt, in der Menschen und ...

Ich liebe Bücher mit Drachen und bin so auf das Buch „Die Sprache der Drachen“ aufmerksam geworden.

Die Geschichte spielt in einem London der 1920er Jahre, allerdings in einer Welt, in der Menschen und Drachen unter strengen Regeln koexistieren. Nach dem Krieg leben die Menschen in einem starren Drei-Klassen-System und wer nicht in der dritten Klasse landen möchte, muss Leistung zeigen.

Im Mittelpunkt steht die Jugendliche Vivien, deren Welt auseinanderbricht, als ihre Eltern als Aufständische verhaftet werden. Zurück bleibt sie mit ihrer kleinen Schwester Ursa und ihrem Cousin Marquis. Um ihre Familie zu retten, nimmt Vivien an einem geheimen Regierungsprojekt teil und soll dort die Sprache der Drachen entschlüsseln.

Die Autorin S. F. Williamson hat eine detailreiche Welt erschaffen, die so vielschichtig ist, dass man sie kaum in ein Genre pressen kann. „Fantasy“, „Dystopie“ und „Coming of Age“: alles passt. Sie schreibt schreibt klar, atmosphärisch und poetisch.

Die Sprache der Drachen selbst ist komplex und voller Bedeutung und hat mich absolut beeindruckt. Ich liebe Bücher, die mit Sprache als Werkzeug (oder Waffe) spielen und hier wird das auf so kluge Weise getan, dass ich viel Freude beim Lesen hatte.

Vivien ist eine Figur, die sich in mein Herz geschlichen hat. Sie ist mutig und entschlossen, allerdings verständlicherweise auch etwas überfordert. Sie entwickelt sich auf eine sehr nachvollziehbare, ruhige Weise.

Auch die Nebenfiguren sind sehr interessante Charaktere. Dadurch, dass das Buch nur aus Viviens Perspektive geschrieben wurde, fehlte mir allerdings teilweise die Nähe zu ihnen.

Eine Liebesgeschichte gibt es auch, sie bleibt jedoch eher im Hintergrund. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Besonders gelungen fand ich die gesellschaftskritischen Untertöne, die mich nachdenklich gestimmt haben.

Gegen Ende nimmt die Spannung spürbar zu und es wurde sogar richtig traurig.

Mein Fazit: Die Sprache der Drachen ist ein starkes Debüt! Für alle, die es gern atmosphärisch, klug und mit einem Hauch Magie mögen: Lest es. 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Solider Psychothriller

Eine von uns
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Der Klappentext des Buches „Eine von uns“ hat mich neugierig in die Geschichte starten lassen. Der Anfang ist stark: Gina und ihre Familie ziehen nach einem Brand vorübergehend bei ihrer guten Freundin ...

Der Klappentext des Buches „Eine von uns“ hat mich neugierig in die Geschichte starten lassen. Der Anfang ist stark: Gina und ihre Familie ziehen nach einem Brand vorübergehend bei ihrer guten Freundin Annie ein. Diese ist aktuell auf Reisen, aber ihre Haushälterin Mary ist da und sie ist speziell: Aufdringlich, kontrollierend, irgendwie unheimlich. Gina bekommt schnell ein ungutes Gefühl, fühlt sich zunehmend beobachtet, doch sie ist auch überfordert mit einem Kleinkind, einem Baby und einem zerstörtes Zuhause.
Parallel zu Ginas Geschichte lernen wir Mary besser kennen. Schnell wird klar, dass sie ihre ganz eigenen Ziele verfolgt und dafür ist sie bereit zum Äußersten zu gehen.
Außerdem wird in Rückblenden über die Jugendzeit von Gina und ihren Freundinnen berichtet und von einer verhängnisvollen Nacht berichtet. Eine Nacht, die auch Gina zu dem Menschen gemacht hat, der sie heute ist. Das Thema Freundschaft, Schuld und Verdrängung rücken zunehmend in den Fokus. Der Teil hat mich wirklich gut unterhalten.
Im Mittelteil flacht die anfängliche Spannung jedoch ab und das Geschehen hat mich nicht mehr völlig gepackt. Einige Wendungen wirkten eher konstruiert als überraschend und leider auch vorhersehbar. Die Charaktere blieben für mich insgesamt zu eindimensional. Vor allem Ginas Verhalten war oft schwer nachvollziehbar und ich wollte ihr beim Lesen mehrfach zurufen: „Tu das bloß nicht!“
Zum Ende hin wird es noch einmal richtig turbulent, aber hat nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Die Reaktionen der Hauptfiguren empfand ich als unrealistisch und auch der letzte Twist war für mich eindeutig zu viel des Guten.
Fazit: „Eine von uns“ ist ein solider Psychothriller mit atmosphärischem Einstieg und interessanter Struktur. Für Leser:innen, die in erster Linie gut unterhalten werden möchten und kleinere Unstimmigkeiten verzeihen können, ist das Buch durchaus empfehlenswert. 3,5/5 Sternen

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Wohlfühlroman ohne Überraschungen

A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
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Das Cover vom ersten Band von „A Taste of Cornwall“ hat mich mit seinem schönen Motiv und der sanften Farbgebung direkt angesprochen und ich war gespannt auf mein erstes Buch von der Autorin Katharina ...

Das Cover vom ersten Band von „A Taste of Cornwall“ hat mich mit seinem schönen Motiv und der sanften Farbgebung direkt angesprochen und ich war gespannt auf mein erstes Buch von der Autorin Katharina Herzog.

Im Mittelpunkt steht Sophie, Restaurantkritikerin in London und Tochter eines berühmten Sternekochs. Nach einem Shitstorm, ausgelöst durch eine unglückliche Kritik, zieht sie mit ihrer pubertierenden Tochter und ihrer exzentrischen Mutter nach Cornwall in den kleinen Küstenort Port Haven. Dort wagt sie einen Neuanfang mit der kühnen Idee aus dem alten, etwas heruntergekommenen „Smugglers' Inn“ ein Sternerestaurant zu machen. Unterstützung erhält sie vom attraktiven Koch Lennox, der nicht nur gut kocht, sondern auch für ein bisschen Herzklopfen sorgt.

Katharina Herzog schreibt leicht, eingängig und atmosphärisch: Man spürt wie einem die Meeresluft um die Nase weht und riecht förmlich den Duft aus der Küche. Cornwall wird zur perfekten Kulisse für diese Geschichte.

Ich habe die Figuren gern begleitet, besonders Sophies Mutter Tanya, die mit ihrer speziellen Art frischen Wind in die Handlung bringt. Auch die Entwicklung des Restaurants bringt unterhaltsame Wendungen mit sich. Allerdings darf man keine allzu tiefgründige oder komplexe Handlung erwarten. Viele Dinge gehen sehr glatt: Der Pub ist in Windeseile gepachtet, Probleme lösen sich rasch, Konflikte verpuffen und das große Finale kommt wenig überraschend. Die Liebesgeschichte verläuft etwas zu reibungslos und an manchen Stellen hätte ich mir mehr Gefühl, mehr Reibung, mehr Innenleben der Figuren gewünscht.

Auch die Konflikte zwischen Sophie und Ihrer Tochter Riley werden letztlich eher sanft ausgespielt. Denn als ein Hund ins Spiel kommt, ist plötzlich alles verziehen. Das war mir ein bisschen zu einfach.

„A Taste of Cornwall“ ist ein Wohlfühlroman mit wunderschöner Kulisse, einer sympathischen Grundidee und vielen kulinarischen Momenten. Ideal für entspannte Lesestunden, aber ohne große Überraschungen. Mir persönlich fehlte das gewisse Etwas, das mich wirklich fesselt. Ich vergeben 3/5 Sternen für diesen Wohlfühlroman.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

atmosphärische Fantasy mit psychologischem Einschlag

The Deer and the Dragon
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Ich liebe Bücher, die schon optisch Lust aufs Abtauchen machen. „The Deer and the Dragon“ hat auf den ersten Blick alles richtig gemacht: Ein wunderschönes Cover, ein geheimnisvoller Farbschnitt und ein ...

Ich liebe Bücher, die schon optisch Lust aufs Abtauchen machen. „The Deer and the Dragon“ hat auf den ersten Blick alles richtig gemacht: Ein wunderschönes Cover, ein geheimnisvoller Farbschnitt und ein Klappentext, der sofort neugierig auf die Geschichte macht.

Der Einstieg ist vielversprechend: Wir lernen Marlow kennen, die erfolgreiche Autorin ist und auf ihr Leben zurückblickt. In Zeitblenden erfahren wir mehr und mehr über sie, ihre Persönlichkeit und ihre Geschichte. Sie ist selbstbewusst, lebt zurückgezogen und hat durchaus interessante Gedankengänge.

Seit ihrer Kindheit sieht sie Übernatürliches und war deswegen schon in ärztlicher Behandlung. Auch jetzt hat sie einen schattenhaften Begleiter, den sie Caliban nennt, und sie denkt, er sei nicht real.

Bis hierhin war ich angetan. Die Idee war gut und hatte für mich viel Potenzial. Doch je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr glitt sie mir durch die Finger. Ich konnte vielen Entwicklungen nicht mehr folgen und noch weniger konnte ich emotional andocken.

Die Figuren blieben mir fremd, ihre Entscheidungen wirkten oft unverständlich. Und obwohl das Buch eigentlich von einer tiefen Verbindung erzählt, blieb mir diese Nähe zwischen Marlow und Caliban seltsam fern. Die angekündigte Liebesgeschichte war kaum spürbar.

Es gab zwischendurch immer wieder Momente, in denen ich dachte: Jetzt! Jetzt nimmt die Geschichte Fahrt auf. Aber oft verpufften diese Impulse zu schnell. Die Spannung, die sich im letzten Drittel noch kurz aufbaute, kam für mich zu spät, zumal ein Cliffhanger als Abschluss gewählt wurde, der mich emotional leider nicht mehr abholen konnte.

Fazit: „The Deer and the Dragon“ sieht aus wie ein Highlight, fühlt sich aber leider nicht so an. Eine starke Idee, die sich für mich im Verlauf verliert. Zu viele lose Fäden, zu wenig greifbare Figuren. Ich hatte große Erwartungen und wurde enttäuscht. Wer Lust auf atmosphärische Fantasy mit psychologischem Einschlag hat, könnte trotzdem einen Blick riskieren. Mich hat der Funke leider nicht erreicht, deshalb bewerte ich das Buch mit 2,5/5 Sternen.

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