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Veröffentlicht am 17.06.2025

Was wäre wenn?

Im Leben nebenan
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„Kann denn dann eine Mutter auch nicht aufhören, Mutter zu sein? Mutter sein. Es klang bedeutend, schön und bedrohlich. „Das wächst du rein“, beteuerten sie, wenn man sagt: „Das ist mir zu groß“ “ (Im ...

„Kann denn dann eine Mutter auch nicht aufhören, Mutter zu sein? Mutter sein. Es klang bedeutend, schön und bedrohlich. „Das wächst du rein“, beteuerten sie, wenn man sagt: „Das ist mir zu groß“ “ (Im Leben nebenan, S.87)


Anne Sauers Debütroman spielt mit dem Gedanken, wie ein Leben mit der Entscheidung für oder gegen Kinder aussehen könnte. Sie erzählt davon, wie das Leben verlaufen könnte, wenn man sich an einer Weggabelung anders entschieden hätte. Ein Buch, das mich noch lange beschäftigen wird.

Wir begleiten im „Leben nebenan“ zwei Versionen derselben Frau. In einem Leben lebt Toni mit ihrem Partner in der Großstadt, beruflich erfolgreich, noch kinderlos. Im anderen wacht sie als Antonia plötzlich mit einem Neugeborenen auf ihrer Brust auf. Mutter, Ehefrau ihrer Jugendliebe, gefangen in einem Leben, das sich vertraut und gleichzeitig fremd anfühlt. Wie wäre ihr Leben verlaufen, wenn sie Mutter geworden wäre?

Anne Sauer gelingt mit diesem Roman ein sensibles, ehrliches Porträt weiblicher Lebensrealitäten. Schonungslos und gleichzeitig tröstlich beleuchtet sie Themen wie Kinderwunsch, Muttersein, Rollenbilder und die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen. Dabei vermeidet sie einfache Antworten und öffnet Raum für Reflexion.

Im Leben nebenan ist ein leises, tiefgründiges Buch, das schmerzt und Hoffnung schenkt. Es zeigt, wie viel Mut es braucht, Frau zu sein und wie wertvoll es ist, das eigene Leben mit all seinen Brüchen anzunehmen.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Ein gemütlicher Krimi

Marchfield Square
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In der Gated Community Marchfield Square wird in Wohnung Nummer 10 die Leiche von Richard Glead entdeckt. Die Polizei geht schnell davon aus, dass seine Ehefrau Linda ihn getötet hat, immerhin ist bekannt, ...


In der Gated Community Marchfield Square wird in Wohnung Nummer 10 die Leiche von Richard Glead entdeckt. Die Polizei geht schnell davon aus, dass seine Ehefrau Linda ihn getötet hat, immerhin ist bekannt, dass Richard ihr gegenüber gewalttätig war. Kurz darauf stirbt auch Linda.

Celeste, die Vermieterin, vertraut den offiziellen Ermittlungen nicht und bittet Audrey, ihre Reinigungskraft, sowie Lewis, einen zurückgezogen lebenden Krimiautor, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen. Gemeinsam beginnen die beiden, ihre Nachbar*innen zu befragen, beobachten das seltsame Verhalten mancher Hausbewohner und decken nach und nach ein Geflecht aus Geheimnissen, Lügen und möglichen Motiven auf.

Der Roman erinnert in Ton und Aufbau stark an klassische Krimis à la Agatha Christie: Ein begrenzter Kreis an Verdächtigen, eine abgeschlossene Kulisse, viele verhörartige Gespräche und immer wieder neue Hinweise, die die Ermittlung in eine andere Richtung lenken. Trotz der cosy Atmosphäre behandelt die Geschichte auch ernsthafte Themen wie häusliche Gewalt und seelische Verletzungen.

Der Schreibstil ist sehr leicht und flüssig, die Kapitel sind angenehm kurz und manchmal mit Chatnachrichten aufgelockert. Besonders hilfreich ist die Karte des Wohnkomplexes am Anfang des Buches, da es viele Namen gibt, die man sich merken muss. Die Auflösung des Falls ist zwar logisch und gut aufgebaut, jedoch nicht ganz so überraschend, wie man es sich nach den vielen Wendungen vielleicht erhofft hätte.


Veröffentlicht am 23.05.2025

Ich liebe es

Das Reich der Verdammten
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Band 2 knüpft genau dort an, wo der erste aufgehört hat. Macht wieder genau so viel Spaß, wieder düster, blutig und hoffnungslos. Freue mich sehr auf Band drei, vielleicht gibt es ja doch noch ein kleines ...

Band 2 knüpft genau dort an, wo der erste aufgehört hat. Macht wieder genau so viel Spaß, wieder düster, blutig und hoffnungslos. Freue mich sehr auf Band drei, vielleicht gibt es ja doch noch ein kleines Happy End.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Fast vergessenes Trauma

Am Meer ist es schön
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„Wir haben unsere Narben davongetragen, und die bleiben uns bis ans Ende unseres Lebens. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass man davon weiß.“ (S.309/310)

In „Am Meer ist es schön“ begleiten wir Susanne, ...


„Wir haben unsere Narben davongetragen, und die bleiben uns bis ans Ende unseres Lebens. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass man davon weiß.“ (S.309/310)

In „Am Meer ist es schön“ begleiten wir Susanne, deren Mutter im Sterben liegt. Dieses Ereignis reißt alte Wunden auf. Als Kind wurde Susanne aufgrund ihres geringen Gewichts ohne ihre Eltern in ein Kurheim geschickt. Was sie dort erleben musste, verfolgt sie bis heute und auch ihre Mutter trägt die Schuld noch in sich.

Die Geschichte springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was grundsätzlich gut funktioniert, aber teilweise den Lesefluss hemmt, vor allem die Gegenwartskapitel wirken mitunter etwas zäh, die Rückblicke sind teils eindringlich, teils auch etwas schleppend. Dadurch hat auch die emotionale Tiefe gelitten. Trotz der dramatischen Erfahrungen hat mich das Buch nicht so berührt, wie es dieses wichtige Thema eigentlich sollte.

Besonders erschütternd ist die Schilderung der Zustände in den sogenannten "Verschickungsheimen", ein Thema, das fast vergessen scheint und das das Buch trotz mancher Schwächen lesenswert macht. Der Stil ist typisch Leciejewski: etwas kitschig, aber noch im Rahmen. Insgesamt liest sich der Roman zügig, die Umsetzung bleibt jedoch hinter dem wichtigen Thema zurück.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Starke Welt, schwache Story

Faebound
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„Faebound“ von Saara El-Arifi hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen.

Der Start in das Buch war toll. Die Welt, die die Autorin beschreibt, ist sehr detailliert, und man kann sich alles gut vorstellen. ...

„Faebound“ von Saara El-Arifi hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen.

Der Start in das Buch war toll. Die Welt, die die Autorin beschreibt, ist sehr detailliert, und man kann sich alles gut vorstellen. Ich mag die Mystik, die mit der Handlung und der Welt verwoben ist. Außerdem ist das Buch sehr offen, was das Thema Liebe, Beziehungen und Geschlechter angeht. Es ist schön zu sehen, dass queere Figuren ganz selbstverständlich dazugehören.

Leider gibt es aber auch viele Dinge, die mich gestört haben. Die Romance nimmt einen großen Teil des Buches ein, was im Prinzip okay ist – es ist ja Romantasy. Allerdings wirkte sie auf mich unauthentisch, ich habe es den Figuren nicht abgenommen, und es ging viel zu schnell. Die Emotionen der Figuren fühlen sich insgesamt unecht an, als würden sie gesagt, aber nicht gezeigt. Auch die Charaktere selbst entwickeln sich kaum weiter. Besonders die Nebenfiguren bleiben blass und handeln stereotyp.

Zudem wird alles so ausführlich beschrieben, dass man schnell merkt, wohin die Geschichte geht. Es gibt keine Überraschungen, keine echte Spannung. Oft hatte ich das Gefühl, viel früher als die Figuren selbst zu verstehen, was wirklich passiert. Wenn die Charaktere es dann endlich auch merken, ist man eher erleichtert als überrascht. Zudem gibt es viele Dinge in der Handlung, die keinen Sinn ergeben, wenn man genauer darüber nachdenkt.

Insgesamt hat „Faebound“ gute Ansätze, besonders in der Darstellung der queeren Themen und der Welt. Aber die Geschichte selbst, die Figuren und die Art, wie alles erzählt wird, haben mich leider enttäuscht. Ich weiß nicht, ob ich den zweiten Teil noch lesen möchte.
2,5/5 Sterne

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