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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2025

Traurig, poetisch, ergreifend

Ósmann
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"'Hinterher ist man immer klüger'. erklärt er und fügte nach einer kurzen Denkpause hinzu: 'Aber man ist trotzdem zu dumm, um sich selbst zu verziehen.'" (S. 215)

Ósmann das neue Buch von Joachim B. Schmidt ...

"'Hinterher ist man immer klüger'. erklärt er und fügte nach einer kurzen Denkpause hinzu: 'Aber man ist trotzdem zu dumm, um sich selbst zu verziehen.'" (S. 215)

Ósmann das neue Buch von Joachim B. Schmidt ist traurig, aber es ist auch ganz zart oder völler schöner Momente und es erzählt die Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Mannes.

Ósmann ist ein Fährmann, Trinker, Poet und Philanthrop, er liebt Geschichten und dichtet gerne. Passend dazu ist der Roman mit kleinen Versen durchzogen, die das Geschehen poetisch untermalen. Es spielt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und ist eine wahre Geschichte, die der Autor beispielsweise durch das Innenleben des Protagonisten ergänzt hat. Die Sprache ist atmosphärisch dicht, und obwohl das Leben in Island damals hart war, weckt das Buch Sehnsucht nach dieser rauen, faszinierenden Landschaft.

Trotz des leichten Humors, den man vom Autor kennt, herrscht eine eher düstere Stimmung vor und trotzdem habe ich mich beim Lesen sehr wohlgefühlt und bin dem Leben des Fährmanns gerne gefolgt. Die Geschichte ist langsam erzählt und erfordert Geduld – kein Buch für zwischendurch, aber eines, das nachhallt.

Fazit: Ósmann ist ganz anders als seine letzten Bücher – eine traurige Geschichte voller zarter, eindringlicher Momente und absolut lesenswert. 5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Zu viel gewollt, aber fesselnd

Schweben
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Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der der Klimawandel bereits Vergangenheit ist. Die Menschen leben isoliert in kleinen patriarchalen Siedlungen, ohne Kontakt zur Außenwelt. ...

Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der der Klimawandel bereits Vergangenheit ist. Die Menschen leben isoliert in kleinen patriarchalen Siedlungen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Fragen nach dem "Davor" oder "Draußen" sind unerwünscht, das System bestimmt den Alltag. Die namenlose Protagonistin verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie die Rolle anderer Frauen annimmt, um beispielsweise eine Ehefrau zu ersetzen.

Der Roman liest sich schnell und entwickelt eine gewisse Sogwirkung – nicht zuletzt durch die einfache Sprache und die sich zunehmend verdüsternde Atmosphäre. Anfangs ist die Spannung hoch, es liest sich faszinierend und beklemmend zugleich. Doch je weiter die Handlung voranrückt, desto verworrener wird sie. Es gibt viele Themen und Fäden, aber nicht alle führen zu einem klaren Abschluss. Die Autorin verzichtet bewusst auf Erklärungen.

Allerdings bleibt auf den knapp 190 Seiten nicht genug Raum, um allen Ideen gerecht zu werden, das Ende kommt zu abrupt. Am Schluss hatte ich nicht das Gefühl, das Gesamtbild wirklich greifen zu können. Dennoch bleibt Schweben ein atmosphärisch starker Roman, der in seinen besten Momenten fesselt, auch wenn er am Ende nicht alle Erwartungen erfüllt hat und mich etwas ratlos zurücklässt. 2,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Aufrüttelnde Gesellschaftskritik

Halbe Leben
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Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege.

Gleich ...

Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege.

Gleich zu Beginn erfährt man vom plötzlichen Tod von Klara. Sie ist eine erfolgreiche Architektin, Mutter und Ehefrau. Doch als ihre eigene Mutter nach einem Schlaganfall Pflege braucht, holt sie Paulína aus der Slowakei als 24h Pflege in ihr Haus. Zunächst scheint alles gut zu funktionieren, doch wird das so bleiben?

Gregor schreibt klar und eindringlich. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind toll ausgearbeitet. Besonders die Frauenfiguren sind vielschichtig, inklusive der zu pflegenden Mutter. Der Roman wirft wichtige Fragen auf: Wer kümmert sich um unsere Angehörigen? Und welche Auswirkungen hat die Pflegearbeit auf die Pflegenden und deren Familien?

Das Buch macht nachdenklich. Es zeigt, wie schwierig und ungerecht die Situation oft ist. Ein wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird und das mich noch lange beschäftigen wird. Absolut lesenswert! 4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Lesehighlight mit Lachgarantie

Greta & Valdin
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„Findest du, dass mein Fuß wie ein Tapir aussieht?“ „Inwiefern?“ Mein Dad ist ein Mensch, der jede Frage ernst nimmt, und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob sich diese Tatsache positiv auf mich ausgewirkt ...

„Findest du, dass mein Fuß wie ein Tapir aussieht?“ „Inwiefern?“ Mein Dad ist ein Mensch, der jede Frage ernst nimmt, und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob sich diese Tatsache positiv auf mich ausgewirkt hat. (Greta & Vladin, S.99)

Mich hat schon lange kein Buch mehr so überrascht und zum Lachen gebracht wie Greta & Vladin. Es ist aber nicht nur witzig, sondern auch herzerwärmend und klug.

Greta und Vladin sind Geschwister und wohnen zusammen in Auckland. Die beiden sind sich auf eine Art sehr ähnlich, aber vor allem in Liebesdingen läuft es bei ihnen ähnlich katastrophal. Greta ist unglücklich in ihre Kollegin verliebt, und Vladin trauert seinem Ex-Freund hinterher. Das Buch ist abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt und ihre große, sehr chaotische und unglaublich liebenswürdige Familie ist auch immer dabei.

Diese Familie war, neben dem Humor, wirklich der allerbeste Punkt in diesem Buch. Sie ist einfach so herzerwärmend – ich habe mir oft gewünscht, Teil dieser Familie zu sein und mit ihnen am Tisch zu sitzen, am Ende wollte ich mich gar nicht von ihnen und vom Buch verabschieden.

Aber dieses Buch ist nicht nur herzerwärmend und witzig, sondern auch sehr vielschichtig und klug. Es geht beispielsweise viel um Identität, und man merkt dem Buch an, dass die Schriftstellerin selbst Māori ist. Zudem ist mir die sehr gute Übersetzung aufgefallen – es ist wirklich ein Lesegenuss und mein Highlight in diesem Monat. 5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Neuanfang mit Humor und Herz

Breakups and Butterflies
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„Breakups & Butterflies“ ist eine Neuauflage des 2020 erschienenen „Gar kein Plan ist auch eine Lösung“ und kann, bis auf ein paar kleine Schwächen, durchaus mit ihren neueren Büchern mithalten.

Mara ...

„Breakups & Butterflies“ ist eine Neuauflage des 2020 erschienenen „Gar kein Plan ist auch eine Lösung“ und kann, bis auf ein paar kleine Schwächen, durchaus mit ihren neueren Büchern mithalten.

Mara führt ein Leben, das auf den ersten Blick perfekt durchgeplant scheint, ein sicherer Job, eine solide Beziehung und eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung. Doch als ihr Verlobter Sebastian sie unerwartet verlässt und sie plötzlich ohne Plan dasteht, wird sie gezwungen, sich selbst und ihre Vorstellungen vom Leben neu zu hinterfragen.

Kyra Groh erzählt Maras Geschichte mit einem wunderbar leichten und humorvollen Schreibstil, der es leicht macht, direkt in die Geschichte einzutauchen. Durch die fein gezeichneten Charaktere gewinnt die Geschichte an Tiefe, besonders Maras Bruder Veda und Kitty sind Figuren, die man einfach ins Herz schließen muss.

Was „Breakups & Butterflies“ besonders macht, ist die gelungene Mischung aus Humor und ernsten Themen. Maras Vergangenheit und ihre persönliche Entwicklung geben der Geschichte emotionale Tiefe, ohne dass es dabei zu schwer oder melodramatisch wird. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Figur mit Schwächen, die sie selbst reflektiert. Einzig die Thematik rund um den Namen ihres Bruders hätte noch intensiver behandelt werden können. Da habe ich mich sehr über die Protagonistin geärgert, gerade in der Neuauflage hätte es sich angeboten, in den Annotationen darauf einzugehen.

Insgesamt ist das Buch weit mehr als eine typische RomCom. Kyra Groh schafft es, mit viel Gefühl und Leichtigkeit, Themen wie mentale Gesundheit und persönliche Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Eine charmante Geschichte über Neuanfänge.

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