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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2017

ein spannender Grisham mit Humor

Verteidigung
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Wieder ein Grisham, den man verschlingt, diesmal aber nicht nur spannend, sondern auch mit soviel Humor (die Beschreibung des Auftritts des russischen Sachverständigen im Gerichtssaal), dass ich laut gelacht ...

Wieder ein Grisham, den man verschlingt, diesmal aber nicht nur spannend, sondern auch mit soviel Humor (die Beschreibung des Auftritts des russischen Sachverständigen im Gerichtssaal), dass ich laut gelacht habe.

Ein hochbezahlter Anwalt, der nach seinem Harvard Abschluß in einer Großkanzlei mit anderen 600 Anwälten 100 Std. die Woche arbeitet, verläßt eines Tages wie ferngesteuert seine Arbeit, irrt durch die Straßen, findet sich in einer Kneipe wieder, wo er den Tag verbringt und dann sternhagelvoll in einer schäbigen kleinen Kanzlei strandet. Er bleibt dort, obwohl die 2 Anwälte dort mehr vor sich hinmurksen und am Existenzminimum entlangschrappen, als sinnvolle Arbeit zu leisten. Dann kommen Gerüchte auf, dass ein Medikament Herzschäden verursacht. Sollte man den großen Pharmakonzern verklagen, der mit einem Haufen Eliteanwälten und Topsachverständigen aufwarten kannn, oder ist dies der Ruin der Kanzlei ?

Die Figuren sind so lebensecht und warmherzig beschrieben, dass man meint sie zu kennen und sie genau vor Augen hat.

Die einzige Unklarheit ist für mich der Titel des Buches, der den Inhalt so gar nicht trifft. Aber dies ist nur unglücklich übersetzt, den der Originaltitel "Prozeßanwälte" passt genau.

Eine ganz klare Leseempfehlung für einen spannenden Grisham mit überraschend viel Humor.

Veröffentlicht am 26.03.2017

ein echtes Krimivergnügen, werde mehr von der Autorin lesen

Der Menschen dunkles Sehnen
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Endlich wieder ein spannender Krimi, der ohne blutrünstige Szenen auskommt, bei denen das Leid der Opfer bis ins Detail geschildert wird.

In einem Dorf verschwinden einige Menschen. Einige werden in der ...

Endlich wieder ein spannender Krimi, der ohne blutrünstige Szenen auskommt, bei denen das Leid der Opfer bis ins Detail geschildert wird.

In einem Dorf verschwinden einige Menschen. Einige werden in der Nähe der mächtigen an Stonehedge erinnernden Steine auf dem Hügel zuletzt gesehen. Aber gibt es einen Zusammenhang zwischen den Leuten ? Oder sind sie "nur mal Zigaretten holen" und tauchen wieder auf ? Leichen findet man keine. Und was ist mit dem Ort in der Nähe, wo so viele Esoteriker und "Wunderheiler" eine Praxis aufgemacht haben ?

Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht einer Polizistin und aus der Sicht einer Ärztin erzählt. Die Handlungstränge laufen parallel, kreuzen sich, gehen wieder auseinander und berühren sich wieder. Und dann gibt es da noch diesen Menschen, der mit seiner Mutter abrechnet, indem er ihr per Tonband von seinem Werdegang erzählt . Hat er was mit dem Verschwinden der Menschen zu tun ?

Susan Hill versteht es, Spannung aufzubauen, ihren Charakteren Leben einzuhauchen und sie sehr menschlich und sympatisch zu machen. Das Buch liest sich in einem Rutsch und erinnert mich etwas an Agatha Christie oder die Inspektor Jury Romane, aber wohl nur wegen des Settings. Mit den Personen hier fiebert man richtig mit.

Es gibt überraschende Wendungen und für einen Krimi ein ungewöhnliches Ende, mit dem ich nicht gerechnet habe, wohl weil ich schon so viele Krimis gelesen habe, wo dies nicht nicht vorkommt.

Ich fand das Buch Klasse und werde nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten. Ein spannendes Lesevergnügen und viel besser als die meisten Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Veröffentlicht am 26.03.2017

erschreckend

Wohin mit Vater?
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Der Autor befindet sich in einer Situation, die auf die meisten von uns auch zukommen wird und auf die wir fast immer nicht oder nur unzureichend vorbereitet sind :

ein Elternteil wird zum Pflegefall. ...

Der Autor befindet sich in einer Situation, die auf die meisten von uns auch zukommen wird und auf die wir fast immer nicht oder nur unzureichend vorbereitet sind :

ein Elternteil wird zum Pflegefall. Obwohl man weiß, daß dies wahrscheinlich mal eintreten wird, wird es meist verdrängt und Gedanken daran auf später verschoben, weil man sich drauf verlässt, daß sich schon eine Lösung findet, wenn es soweit ist. Dies Buch räumt Schritt für Schritt mit all den Lösungen auf, die einem so vorschweben und zeigt anschaulich (meist in Romanform), warum eine jede Idee nicht umsetzbar, realistisch oder finanzierbar ist.(Altersheim, Seniorenresidenz, ambulanter Pflegedienst, selber Pflegen etc. ) Es zeigt aber auch, wie es anders gehen kann ( allerdings gibt es nur wenige solche Heime, sodaß eine solche Unterbringung ein seltener Glücksfall ist). Es ist gut recherchiert und enthält im Anhang hilfreiche Adressen und Literaturempfehlungen.

Insgesamt fand ich es sehr aufrüttelnd und ich habe beschlossen das beim nächsten Elternbesuch zu thematisieren (sie sind ja auch schon über 70). Es zeigt nicht nur, wie die Realität in Deutschland aussieht, was noch auf uns zukommt anhand von Statistiken und Prognosen und wie unvorbereitet unser Staat ist, sondern gibt auch Denkanstöße zu Lösungen, die vor allem auch in der Politik oder Gesetzesänderungen liegen.

Es ist gut geschrieben, liest sich leicht und macht nachdenklich und betroffen, aber auch Mut und da es uns fast alle angeht (früher oder später), ist es auf jeden Fall lesenswert, damit man sich besser vorbereiten kann und eine gute und menschenwürdige Lösung findet.

Veröffentlicht am 26.03.2017

herrlich

Wer zu uns kommt, hat das Gröbste hinter sich
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Ich kenne die beiden Vorgänger dieses Buches nicht, aber dieses hier hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich den Kauf der anderen Beiden überlege. Der Tod ist natürlich ein trauriges Thema und manche Geschichten, ...

Ich kenne die beiden Vorgänger dieses Buches nicht, aber dieses hier hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich den Kauf der anderen Beiden überlege. Der Tod ist natürlich ein trauriges Thema und manche Geschichten, vor allem die mit verstorbenen Kindern sind erschütternd, aber die meisten Stories sind interessant und ich fand den Blick hinter die Kulissen eines Bestattungsinstituts spannend. Bei der Geschichte mit den Italienern habe ich Tränen gelacht, aber auch in den anderen Schilderungen von Menschen und deren Verhalten zeigt der Autor viel Humor. Meine Freundin arbeitet im Hospitz und ich werde ihr das Buch zu lesen geben, denn auch wenn die Episoden nur einen kleinen Teil wiederspiegeln, so ist es dennoch ein Einblick in einen Beruf über den man viel zu wenig weiß.

Veröffentlicht am 26.03.2017

enttäuschend

Der jüdische Patient
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Da ich in der Psychiatrie arbeite interessiert mich natürlich auch immer die Sicht der Patienten auf ihre Erkrankung, ihre Therapie und was ihnen letztendlich geholfen hat, gesund zu werden. Hier dachte ...

Da ich in der Psychiatrie arbeite interessiert mich natürlich auch immer die Sicht der Patienten auf ihre Erkrankung, ihre Therapie und was ihnen letztendlich geholfen hat, gesund zu werden. Hier dachte ich, dass ein Bericht eines Comedian sicher mal einen etwas anderen Blickwinkel auf eine Depression wirft.

Welch eine Enttäuschung : Gossensprache, Fäkalsprache, Abwertung fast aller anderen Menschen, endlose Beschreibungen seiner Kleidung, die er grade anhat (mehrfach in jedem Kapitel), Besuch im Puff en detail und immer wieder das Thema : seine Rolle als Jude.

Anfangs war noch etwas Humor vorhanden, aber schnell entwickelte sich das Buch zu einem einzigen auskotzen . Die Depression, der Klinikaufenthalt und die Therapie werden nur gestreift. Wirkte der Autor zunächst nur sehr oberflächlich, so wurde er zunehmend unsympathisch. Dass jemand mit Depressionen sich selbst nicht mag und erträgt und abwertet ist Teil der Erkrankung, dass er aber andere Menschen ständig entwertet, abwertet und völlig überheblich und arrogant über sie unflätigst herzieht, ist nicht Teil einer Depression. Im Gegenteil, man empfindet sich eher als Last für andere und möchte niemandem seine Anwesenheit zumuten. Hier kommt wohl eher die Persönlichkeit des Autors hervor und so wie er das sieht, ist er das Opfer seiner Herkunft, seiner Heimatstadt, seines Landes, in dem man keinen Humor hat und all der Menschen die ja sooo eine Zumutung für ihn sind, obwohl sie einfach nur so sind, wie sie sind.

Ich habe mehrfach überlegt, ob ich nicht einfach aufhöre zu lesen und das Buch in mein "das Leben ist zu kurz"-Regal stelle, aber da es so dünn ist und ich wissen wollte ob es nicht doch irgendein brauchbares Fazit gibt, habe ich weiter gelesen. Letzteres gibt es übrigens nicht.

Als Comedian möchte ich ihn gar nicht erst sehen. Er behauptet mehrfach, dass man keinen Humor besitzt, wenn man Witze über vergewaltigte Kinder oder den Holocaust nicht lustig findet. Ich lasse mir meinen Humor aber nicht absprechen, wenn ich das Leid hinter diesen Taten sehe und es daher nicht witzig finde, wenn sich jemand so geschmack- und pietätlos darüber lustig macht.

Der einzige Grund, warum ich dem Buch doch noch 1 Stern gegeben habe, ist der, dass ich es gut finde, dass er offen darüber spricht, depressiv gewesen zu sein und sich Hilfe in einer Klinik geholt zu haben, denn dies ist leider oft noch mit einem Stigma belegt.