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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2017

düster, trostlos und hoffnungslos

Daisy Sisters
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Schweden zur Zeit des 2. Weltkrieges : 2 Brieffreundinnen treffen sich und fahren mit dem Fahrrad durch Schweden. Durch eine Vergewaltigung wird die eine schwanger. Der Versuch einer Abtreibung endet wieder ...

Schweden zur Zeit des 2. Weltkrieges : 2 Brieffreundinnen treffen sich und fahren mit dem Fahrrad durch Schweden. Durch eine Vergewaltigung wird die eine schwanger. Der Versuch einer Abtreibung endet wieder in sexueller Nötigung und schlägt zudem fehl, sodass die Familie von der Schande erfährt. Das dadurch geborene Kind wird kühl und distanziert erzogen, da es der Mutter schwerfällt, Nähe aufzubauen. Auch die Tochter erfährt sexuelle Gewalt und führt ein trostloses Leben. Jeder Versuch, sich zu befreien und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, scheitert. Meist, weil wieder eine Schwangerschaft dazwischen kommt.

Die Schicksale dieser Frauen sind alle so hoffnungslos und düster, dass einem das ganze Buch sehr trostlos vorkommt. Aber am schlimmsten fand ich dieses Schweigen. Keiner hat wirklich mit dem anderen geredet ! Die Frauen nicht mit ihren Männern, die Mütter nicht mit ihren Töchtern.... Nie haben die Männer oder die Frauen über ihre Gedanken, Gefühle oder ihre Wünsche und Träume gesprochen. Dabei hätte es so vieles leichter gemacht. Ein großer Teil des Unglücks hätte nicht sein müssen, wenn man mal mitgeteilt hätte, wie es einem geht. Viele Mißverständnisse hätten beseitigt werden können und man hätte nicht nur aufgrund von Mutmaßungen darüber, was der andere denkt oder erwartet, gehandelt. Nicht mal über die Dinge, die passiert sind wird gesprochen. Die Tochter erzählt nichts von der Vergewaltigung und die Mutter nichts von ihrer, obwohl dies vielleicht ein Trost gewesen wäre, da sie dann empathisch reagieren könnte. Die Tochter erfährt durch das Schweigen der Mutter auch nie, dass sie einer Vergewaltigung entstammt und dass diese deshalb so verschlossen und kühl ihr gegenüber ist. Jeglicher Annäherungsversuch der Mutter später wird abgewehrt und die Gespräche drehen sich um Alltagsbanalitäten, wenn sie überhaupt zustande kommen.

Das Buch ist natürlich gut geschrieben und liest sich auch gut, aber es hätte statt des fröhlichen Titels "Die Daisy Sisters" eher "das große Schweigen" heißen müssen. Denn das Unbeschwerte ist nach wenigen Seiten vorbei. Lesenswert, aber sehr trostlos und deprimierend.

Veröffentlicht am 10.02.2017

spannender Krimi

Blutdämmerung
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In einem See finden Taucher mehrere verpackte Frauenleichen, die Brautkleider anhaben, aber keine Unterwäsche. Und noch etwas fehlt.... Der Mörder hat allen die Füße abgeschnitten. Genauere Untersuchungen ...

In einem See finden Taucher mehrere verpackte Frauenleichen, die Brautkleider anhaben, aber keine Unterwäsche. Und noch etwas fehlt.... Der Mörder hat allen die Füße abgeschnitten. Genauere Untersuchungen zeigen, dass die Füße nicht einfach entfernt wurden. An den Stümpfen ist eine Linie, als wäre etwas mit den Füßen gemacht worden, während die Frauen noch lebten...

Sehr spannend, sehr gute Charaktere und eine sehr böse, gemeine Nebenfigur (der neue Freund der Ex-Frau des Ermittlers). Pfui, wie kann man nur so gehässig und fies sein ! Ein Wunder, dass der Ermittler sich noch auf den Fall konzentrieren kann.

Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen, auch wenn das Krankhafte des Mörders, dessen Kindheitsgeschichte in Rückblicken erzählt wird, doch sehr abstrus ist. Manchmal glaube ich, die Autoren wetteifern um die bizarrsten, abgedrehtesten Geschichten. Aber nun gut, die Spannung und die gut dargestellten Charaktere machen das wieder wett. Für Krimifans ein Muß.

Veröffentlicht am 10.02.2017

ergreifend

Der kleine Trommler
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3 Geschichten, die auf einer Insel in China spielen. Es ist ein trostloses Dasein, das die Menschen dort zwischen Müllbergen und Schrotthaufen führen. Jegliche Versuche das Leben zu verbessern oder die ...

3 Geschichten, die auf einer Insel in China spielen. Es ist ein trostloses Dasein, das die Menschen dort zwischen Müllbergen und Schrotthaufen führen. Jegliche Versuche das Leben zu verbessern oder die Insel zu verlassen scheitern. Schwermetallvergiftungen und zu hohe Bleibelastungen wirken sich auf das Gehirn aus und tragen so zum erschütternden Schicksal bei. Jede Geschichte handelt von einer Familie und hat ihre eigene Tragik. Beim Lesen muß man oft schlucken und die Erzählungen hinterlassen einen bitteren Beigeschmack und man muß jede erstmal verdauen. Happy End gibt es keins. Es ist gruselig, was da geschieht und man mag es sich kaum vorstellen. An den Schreibstil mußte ich mich erstmal kurz gewöhnen, aber das Buch kann man kaum weglegen.

Sehr empfehlenswert !

Veröffentlicht am 10.02.2017

spannend

Stirb leise, mein Engel!
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Ein wirklich spannender Krimi !

Ich möchte hier nicht wie so viele den Klappentext abschreiben, sondern den Inhalt nur kurz umreißen und meinen Eindruck schildern.

Es geht um einen Teenager, der von ...

Ein wirklich spannender Krimi !

Ich möchte hier nicht wie so viele den Klappentext abschreiben, sondern den Inhalt nur kurz umreißen und meinen Eindruck schildern.

Es geht um einen Teenager, der von diversen Suiziden bei gleichaltrigen Mädchen erfährt. Da er eines dieser Mädchen kannte und dabei war, sich in sie zu verlieben, geht er der Sache nach und erfährt bald, dass es im Leben der Mädchen einen geheimnisvollen Freund gab. Und dann sind alle anscheinend auch bei dem gleichen Psychotherapeuten in Behandlung gewesen....

Dieser Krimi zeigt viel vom Seelenleben eines Teenagers, Stress mit den Eltern, erstes Verlieben und die damit einhergehende Unsicherheit, das Gefühl von den Erwachsenen nicht verstanden zu werden, die Eltern scheinen nur zu nerven und einen nicht ernst zu nehmen, wollen alles wissen usw. Das hat mich anfangs etwas gestört, da ich schon lange aus dem Alter raus bin und auch wenn ich mich daran erinnere fehlt mir der Bezug dazu. Für Jugendliche ist es aber super geschrieben und sie werden sich in vielem wiederfinden. Allerdings finde ich das Thema für Jugendliche etwas zu heftig.

Der Suizid unter Jugendlichen und seit einiger Zeit auch die Verabredung von gemeinsamen Suiziden via Internet ist leider ein sehr reales Thema. Die Haupttodesursache bei Jugendlichen ist leider der Suizid (und das noch vor Verkehrunfällen). Und auch, dass viele Kinder und Jugendliche oft sich selbst überlassen werden und keine Beachtung oder Anerkennung von ihren Eltern bekommen ist leider auch nicht an den Haaren herbei gezogen. Egal, ob es Kinder aus reichem Haus sind, wo die Eltern mehr an eigener Karriere oder Image interessiert sind oder ärmere Familien, wo viel gearbeitet wird und die Eltern völlig erschöpft sind (oft bei Alleinerziehenden der Fall) oder ob es Eltern sind, die ihr Kind vor die Glotze oder den PC setzen und das Kind bei allem auf sich gestellt ist, die Zeiten, wo eine Großfamilie ein Kind erzieht sind vorbei. In der Psychiatrie tauchen zunehmend junge Erwachsenen auf, die einfach am Leben scheitern, weil sie nie gefordert oder gefördert wurden und deren Eltern sich nie wirklich für sie interessiert haben (sei es aus Zeitmangel, anderer Sorgen z.B. krankes Geschwisterkind, eigener Probleme z.B. Sucht oder aus Desinteresse oder Unfähigkeit). Die Zunahme dieser jungen Menschen ist schon auffällig, darum finde ich diesen Krimi nicht so weit hergeholt, wie manche vielleicht meinen.

Es fängt spannend an und geht in hohem Tempo weiter und es gibt immer neue Wendungen und Verdächtige. Alles in allem also ein richtig spannendes Buch, dass man kaum weglegen kann. Daher volle Punktzahl !

Veröffentlicht am 10.02.2017

Steinbeck ist großartig

Jenseits von Eden
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Jahrelang stand das Buch in meinem Regal und endlich bin ich zum Lesen gekommen. Ich habe es regelrecht verschlungen. Die Charaktere sind spannend beschrieben, die Schicksale der Figuren erschütternd und ...

Jahrelang stand das Buch in meinem Regal und endlich bin ich zum Lesen gekommen. Ich habe es regelrecht verschlungen. Die Charaktere sind spannend beschrieben, die Schicksale der Figuren erschütternd und der Werdegang der verschiedenen Familien über Generationen hinweg fesselnd. Fast alle haben das ein oder andere Kindheitstrauma, sei es ein strenger, liebloser Vater, sei es das der Bruder bevorzugt wird oder sei es die abwesende Mutter, und all dies spiegelt sich in der folgenden Generation wieder oder wird bei den Kindern noch verstärkt. Eine junge Frau ermordet ihre Eltern, schießt auf ihren Mann, um frei zu sein und ein Bordell zu eröffnen, ein Familienvater hat großartige Ideen und Erfindungen, lebt aber auf kargem Boden, sodaß er seine Familie kaum ernähren kann, ein anderer hat gutes Land und Geld, lebt aber jahrelang wie ein Toter, weil er so tief erschüttert ist, daß er die Welt nicht mehr versteht. Vor allem das harte Leben wird hier eindrucksvoll geschildert und wie jeder einzelne versucht seinen Platz in der Welt zu finden.

Enttäuscht war ich nur von der Verfilmung mit James Dean, die ich mir danach angesehen habe. Ganze Generationen und Figuren fehlen. Der Film fängt erst im letzten Drittel an und zeigt dann nur Auszüge des Romans und einzelne Handlungsstränge. Wesentliche Teile fehlen einfach. Schade.